Verstopfung, medizinisch als Obstipation bekannt, ist ein weit verbreitetes Problem, das viele Menschen im Laufe ihres Lebens betrifft. Sie wird definiert als ein Zustand, in dem der Stuhlgang seltener als dreimal pro Woche auftritt oder unvollständig ist. Typischerweise ist der Stuhl dabei fester und trockener als normal, was das Ausscheiden erschweren kann. Während viele Fälle von Verstopfung harmlos sind und sich von selbst lösen, kann eine chronische oder schwere Verstopfung zu unangenehmen Symptomen und sogar zu Nervenschmerzen führen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von Nervenschmerzen, die durch Kotstauung verursacht werden.
Ursachen von Verstopfung
Um die Entstehung von Nervenschmerzen durch Kotstauung zu verstehen, ist es wichtig, die Ursachen von Verstopfung zu kennen. Es gibt viele Faktoren, die zu einer Verlangsamung der Darmtätigkeit und somit zu Verstopfung führen können:
- Ballaststoffarme Ernährung: Eine Ernährung mit zu wenigen Ballaststoffen, die in Obst, Gemüse und Vollkornprodukten enthalten sind, führt zu einer verringerten Stuhlmenge und einer langsameren Darmbewegung. Ballaststoffe binden Wasser und fördern so eine weiche Stuhlkonsistenz sowie die Darmbewegung.
- Bewegungsmangel: Körperliche Aktivität regt die Darmtätigkeit an. Ein inaktiver Lebensstil kann zu einer trägen Darmfunktion führen.
- Unzureichende Flüssigkeitszufuhr: Eine ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit ist wichtig, um den Stuhl weich und geschmeidig zu halten. Wenn dem Körper nicht genügend Flüssigkeit zugeführt wird, kann der Stuhl hart und trocken werden, was die Ausscheidung erschwert.
- Ignorieren des Stuhldrangs: Wenn der natürliche Stuhldrang regelmäßig unterdrückt wird, kann dies dazu führen, dass der Darm weniger sensibel darauf reagiert.
- Bestimmte Medikamente: Schmerzmittel (z. B. Opiate), Antidepressiva, entwässernde Medikamente (Diuretika), Antihistaminika oder Eisenpräparate können Verstopfung verursachen, da sie die Darmbewegung verlangsamen oder die Wasserausscheidung beeinflussen.
- Erkrankungen: Eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), ein erhöhter Kalziumspiegel im Blut (Hyperkalzämie) oder Parkinson können das Gleichgewicht im Darm stören und akute Verstopfung auslösen.
- Veränderungen im Lebensstil: Reisen, ein veränderter Schlafrhythmus oder Stress können die gewohnte Darmtätigkeit durcheinanderbringen.
Wie Kotstauung zu Nervenschmerzen führen kann
Wenn der Stuhl im Dickdarm verbleibt und sich ansammelt, kann es zu einer Kotstauung (Koprostase) kommen. Dabei verfestigt sich der Stuhl, es können sich Kotballen oder sogar Kotsteine bilden. Eine große Menge Kot im Dickdarm kann Druck auf die Nerven in der unteren Wirbelsäule ausüben und so zu Nervenschmerzen führen.
In schwereren Fällen kann eine fäkale Impaktion, bei der ein trockener, harter Stuhlklumpen im Rektum stecken bleibt, zu zusätzlichen Symptomen wie Bauchschmerzen, Blähungen, Krämpfen, Harnveränderungen, rektalen Blutungen, Fieber, Schwindel oder Verwirrung führen.
Es ist wichtig zu beachten, dass Verstopfung nicht immer direkt Rückenschmerzen verursacht. In einigen Fällen können andere Erkrankungen wie das Reizdarmsyndrom (RDS) oder neurologische Erkrankungen wie Parkinson und Multiple Sklerose sowohl Verstopfung als auch Rückenschmerzen verursachen.
Lesen Sie auch: Hüft-TEP und Nervenschmerzen
Symptome von Nervenschmerzen durch Kotstauung
Die Symptome von Nervenschmerzen, die durch Kotstauung verursacht werden, können vielfältig sein und von Person zu Person unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Einige häufige Symptome sind:
- Rückenschmerzen: Eine große Menge Kot im Dickdarm kann Druck auf die Nerven in der unteren Wirbelsäule ausüben und so zu Rückenschmerzen führen.
- Bauchschmerzen: Verstopfung wird oft von unangenehmen Bauchschmerzen begleitet, wobei zu den typischen Beschwerden Krämpfe im Magen-Darm-Trakt, ein unangenehmes Druck- oder Völlegefühl in bestimmten Bereichen des Bauchs sowie Unbehagen beim Stuhlgang zählen.
- Blähungen: Aufgrund der Verstopfung verbleiben Nahrungsmittel länger im Darm, wo sie fermentieren und Gase bilden. Diese ungewöhnlich hohe Gasbildung verursacht einen Blähbauch.
- Unvollständige Entleerung: Ein Gefühl, den Darm nicht vollständig entleeren zu können, ist ein häufiges Symptom von Verstopfung.
- Druckgefühl im Rektum: Ein unangenehmes Druck- oder Blockadegefühl im Rektumbereich, dem letzten Abschnitt des Darms, kann auftreten, wenn sich Stuhl im Enddarm staut und nicht weiterbefördert wird.
- Veränderungen der Stuhlgewohnheiten: Eine plötzliche Veränderung der Stuhlgewohnheiten, wie etwa der Wechsel von täglichem Stuhlgang zu nur noch alle zwei Tage, kann ein Anzeichen für Verstopfung sein.
- Harter, trockener Stuhl: Der Stuhl ist oft hart, trocken und schwer auszuscheiden.
Diagnose von Nervenschmerzen durch Kotstauung
Um die Ursache von Nervenschmerzen und Verstopfung zu ermitteln, wird ein Arzt in der Regel eine gründliche Anamnese erheben und eine körperliche Untersuchung durchführen. Dazu gehören:
- Anamnese: Der Arzt wird nach den Stuhlgewohnheiten, der Ernährung, der Flüssigkeitszufuhr, der körperlichen Aktivität, der Medikamenteneinnahme und eventuellen Vorerkrankungen fragen.
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt wird den Bauch abtasten, um nach Verhärtungen oder Druckempfindlichkeit zu suchen. Eine digital-rektale Untersuchung kann durchgeführt werden, um den Enddarm zu untersuchen und eventuelle Kotstauungen oder andere Anomalien festzustellen.
In einigen Fällen können weitere Untersuchungen erforderlich sein, um die Ursache der Verstopfung zu ermitteln oder andere Erkrankungen auszuschließen. Dazu gehören:
- Blutuntersuchungen: Um Schilddrüsenunterfunktion, erhöhte Kalziumspiegel oder andere Stoffwechselstörungen auszuschließen.
- Stuhluntersuchungen: Um Infektionen oder Entzündungen im Darm auszuschließen.
- Bildgebende Verfahren: Eine Röntgenaufnahme des Bauches kann helfen, Kotstauungen oder andere Blockaden im Darm zu erkennen. Eine Koloskopie kann durchgeführt werden, um den Dickdarm auf Anomalien wie Tumore oder Entzündungen zu untersuchen.
- Anorektale Manometrie: Diese Untersuchung misst die Funktion der Schließmuskeln und der Nerven im Enddarmbereich.
- Defäkografie: Diese Untersuchung beobachtet den Stuhlgang, um anatomische Hindernisse im Enddarm zu erkennen.
- Kolon-Transit-Zeit: Diese Untersuchung misst die Zeit, die der Stuhl benötigt, um den Dickdarm zu passieren.
Behandlung von Nervenschmerzen durch Kotstauung
Die Behandlung von Nervenschmerzen durch Kotstauung zielt darauf ab, die Verstopfung zu lösen, den Stuhlgang zu normalisieren und die Nervenschmerzen zu lindern. Die Behandlungsmöglichkeiten umfassen:
- Allgemeine Maßnahmen:
- Ballaststoffreiche Ernährung: Eine Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen und Samen kann helfen, die Stuhlmenge zu erhöhen und die Darmbewegung zu fördern. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Erwachsenen, täglich mindestens 30 Gramm Ballaststoffe zu sich zu nehmen.
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Trinken Sie täglich mindestens zwei bis drei Liter Flüssigkeit, vorzugsweise Wasser oder ungesüßten Tee.
- Regelmäßige Bewegung: Körperliche Aktivität regt die Darmtätigkeit an. Versuchen Sie, regelmäßig Sport zu treiben oder zumindest spazieren zu gehen.
- Toilettenroutine: Achten Sie auf den natürlichen Stuhldrang und nehmen Sie sich genügend Zeit für den Toilettengang. Vermeiden Sie es, den Stuhldrang zu unterdrücken.
- Stressmanagement: Stress kann die Verdauung negativ beeinflussen und zu Verstopfung beitragen. Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder Atemübungen können helfen, Stress abzubauen.
- Vermeidung bestimmter Lebensmittel: Stark verarbeitete, fettige oder zuckerreiche Lebensmittel können die Verdauung verlangsamen.
- Hausmittel:
- Trockenfrüchte: Pflaumen, Feigen und Rosinen sind bekannt für ihre abführende Wirkung. Sie enthalten Ballaststoffe und Sorbit, eine natürliche Verbindung, die die Darmbewegung anregen kann.
- Einläufe: Einläufe mit hypertonen Lösungen oder Mikroklistiere können helfen, den Stuhl im Enddarm aufzuweichen und die Entleerung zu erleichtern.
- Medikamentöse Behandlung:
- Quellstoffe: Lösliche Quellstoffe wie Flohsamenschalen und Methylcellulose binden Wasser im Darm, wodurch der Stuhl aufweicht und die Darmbewegung angeregt wird.
- Abführmittel (Laxantien): Es gibt verschiedene Arten von Abführmitteln, die bei Verstopfung eingesetzt werden können. Dazu gehören:
- Osmotische Abführmittel: Diese Abführmittel ziehen Wasser in den Darm, wodurch der Stuhl aufweicht und die Entleerung erleichtert wird. Beispiele sind Polyethylenglykol (PEG) und Lactulose.
- Stimulierende Abführmittel: Diese Abführmittel regen die Darmbewegung an. Beispiele sind Bisacodyl und Natriumpicosulfat.
- Stuhlweichmacher: Diese Abführmittel machen den Stuhl weicher, so dass er leichter ausgeschieden werden kann. Ein Beispiel ist Docusat.
Abführmittel sollten nur unter ärztlicher Aufsicht und nicht über einen längeren Zeitraum eingenommen werden, da sie zu Nebenwirkungen wie Durchfall, Elektrolytstörungen und Abhängigkeit führen können.
Lesen Sie auch: Nervenschaden nach Zahnbehandlung: Symptome und Therapie
- Manuelle Ausräumung: In schweren Fällen von Kotstauung kann es erforderlich sein, den Stuhl manuell aus dem Enddarm zu entfernen. Dies sollte nur von einem Arzt oder medizinischem Fachpersonal durchgeführt werden.
- Chirurgische Behandlung: In seltenen Fällen, wenn andere Behandlungen nicht erfolgreich sind, kann eine Operation erforderlich sein, um die Ursache der Verstopfung zu beheben oder den Dickdarm zu entfernen.
Prävention von Verstopfung und Nervenschmerzen
Es gibt viele Möglichkeiten, Verstopfung und Nervenschmerzen vorzubeugen:
- Ernährung: Achten Sie auf eine ballaststoffreiche Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten.
- Flüssigkeitszufuhr: Trinken Sie ausreichend Flüssigkeit, um den Stuhl weich und geschmeidig zu halten.
- Bewegung: Treiben Sie regelmäßig Sport oder gehen Sie spazieren, um die Darmtätigkeit anzuregen.
- Toilettenroutine: Achten Sie auf den natürlichen Stuhldrang und nehmen Sie sich genügend Zeit für den Toilettengang.
- Stressmanagement: Finden Sie Wege, um Stress abzubauen, z. B. durch Entspannungstechniken oder Hobbys.
- Medikamente: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Medikamente, die Verstopfung verursachen können, und suchen Sie nach Alternativen, wenn möglich.
Lesen Sie auch: Medikamentenfreie Schmerzlinderung bei Nervenschmerzen
tags: #nervenschmerzen #durch #festsitzenden #kot