Reha-Angebote im Vergleich: Neurologie, Psychosomatik und ihre Unterschiede

Die Rehabilitation (Reha) spielt eine entscheidende Rolle bei der Wiederherstellung der Gesundheit und der Teilhabe am Leben nach schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Ob nach einem Schlaganfall, einer Krebserkrankung oder aufgrund einer chronischen Krankheit - die Reha kann helfen, die Selbstständigkeit im Alltag zurückzugewinnen und die Lebensqualität zu verbessern. Dabei gibt es verschiedene Reha-Formen, die auf die spezifischen Bedürfnisse der Patienten zugeschnitten sind. Dieser Artikel beleuchtet die Unterschiede zwischen neurologischer, psychosomatischer und anderen Reha-Formen, um einen umfassenden Überblick über die jeweiligen Schwerpunkte und Therapieansätze zu geben.

Formen der Rehabilitation

Je nach Art der Erkrankung oder Verletzung kommen unterschiedliche Reha-Ansätze mit verschiedenen Therapien in Betracht. Grundsätzlich lassen sich die Maßnahmen in ambulante und stationäre Reha unterteilen. Bei der stationären Reha verbringen die Patienten die gesamte Dauer der Behandlung in der Klinik, während sie bei der ambulanten Reha nur für die Therapien in die Einrichtung kommen und die restliche Zeit zu Hause verbringen.

Ambulante Rehabilitation

Die ambulante Reha findet in einer zugelassenen Rehabilitationseinrichtung in Wohnortnähe statt. Die Patienten werden tagsüber von einem interdisziplinären Team individuell und ganzheitlich betreut und nutzen die Therapieangebote. Nach den Therapien kehren sie in ihr gewohntes Umfeld zurück. Auch am Wochenende oder an therapiefreien Tagen sind sie zu Hause. Der Vorteil: Die erlernten Übungen können bereits in der häuslichen Umgebung und mit der Familie umgesetzt werden. Notwendige Änderungen im Wohnumfeld lassen sich rechtzeitig erkennen und gemeinsam mit Angehörigen können tägliche Abläufe ausprobiert werden.

Voraussetzungen für eine ambulante Reha sind, dass keine ständige ärztliche Überwachung und pflegerische Versorgung erforderlich sind. Zudem sollte die Rehabilitationseinrichtung nicht mehr als 30 Kilometer entfernt und in etwa 45 Minuten erreichbar sein.

Stationäre Rehabilitation

Eine stationäre Rehabilitation kommt in Frage, wenn die ambulante Rehabilitation nicht ausreicht, nicht durchführbar oder nicht sinnvoll ist. Sie findet in einer zugelassenen stationären Rehabilitationseinrichtung statt. Dies ermöglicht es den Patienten, sich herausgelöst aus dem Alltag um ihre gesundheitlichen Probleme zu kümmern. Sie werden von einem Team aus Fachärzten und Therapeuten individuell betreut und angeleitet.

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Die neurologische Reha

Die neurologische Reha konzentriert sich auf die Rehabilitation von Patienten mit Erkrankungen des Nervensystems. Dazu gehören beispielsweise Schlaganfälle, Multiple Sklerose, Parkinson-Erkrankung oder Schädel-Hirn-Traumata. Ziel ist es, die durch die Erkrankung verursachten Funktionseinschränkungen zu verbessern oder auszugleichen und die Selbstständigkeit im Alltag wiederherzustellen.

In der neurologischen Reha kommen verschiedene Therapieansätze zum Einsatz, darunter:

  • Physiotherapie: zur Verbesserung der Beweglichkeit, Kraft und Koordination
  • Ergotherapie: zur Förderung der Selbstständigkeit im Alltag, z.B. beim Essen, Anziehen oder Waschen
  • Logopädie: zur Behandlung von Sprach-, Sprech- und Schluckstörungen
  • Neuropsychologie: zur Behandlung von kognitiven Störungen, z.B. Gedächtnis-, Aufmerksamkeits- oder Konzentrationsstörungen

Die neurologische Psychosomatik ist ein Spezialgebiet, das sich mit den psychischen Problemen als Folge einer neurologischen Grunderkrankung befasst. Hier werden Patienten mit Depressionen nach Schlaganfall oder Problemen bei der Krankheitsverarbeitung von MS behandelt. Auch psychische Probleme in Verbindung mit chronischen Schmerzzuständen, wie Rückenschmerzen oder Kopfschmerzen, werden in der neurologischen Psychosomatik behandelt.

Die psychosomatische Reha

Die psychosomatische Reha konzentriert sich auf die Behandlung von Erkrankungen, bei denen psychische und soziale Faktoren eine wesentliche Rolle spielen. Dazu gehören beispielsweise Depressionen, Angststörungen, Burn-out-Syndrom, chronische Schmerzzustände oder somatoforme Störungen. Ziel ist es, die Wechselwirkungen zwischen Körper und Psyche zu verstehen und zu behandeln, um die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.

In der psychosomatischen Reha kommen verschiedene Therapieansätze zum Einsatz, darunter:

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  • Psychotherapie: in Einzel- und Gruppensitzungen, zur Bearbeitung von Konflikten, Traumata oder belastenden Lebensereignissen
  • Entspannungsverfahren: wie Autogenes Training, Progressive Muskelrelaxation oder Achtsamkeitsübungen, zur Reduktion von Stress und Anspannung
  • Kreativtherapien: wie Kunst-, Musik- oder Bewegungstherapie, zur Förderung des Selbstausdrucks und der emotionalen Verarbeitung
  • Körpertherapien: wie Physiotherapie oder Massagen, zur Linderung von körperlichen Beschwerden und zur Verbesserung des Körpergefühls

Die psychosomatische Rehabilitation bietet ein breites Spektrum an Therapieformen, die individuell auf die Bedürfnisse der Patient:innen abgestimmt werden. Im Mittelpunkt steht die Psychotherapie, die sowohl in Einzel- als auch in Gruppensitzungen stattfindet. In den Einzeltherapien arbeiten die Patient:innen vertrauensvoll mit ihren Therapeut:innen zusammen, um tiefere Einblicke in ihre emotionalen und psychischen Belastungen zu gewinnen und neue Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Gruppentherapien hingegen fördern den Austausch mit anderen Betroffenen, was oft als sehr entlastend empfunden wird. Ergänzend zur Psychotherapie kommen Achtsamkeitstrainings und kreative Therapien wie Kunst- und Musiktherapie zum Einsatz, die es den Patient:innen ermöglichen, emotionale Blockaden auf nonverbaler Ebene zu lösen. Auch Bewegungstherapien wie Physiotherapie und Sport spielen eine zentrale Rolle. Sie tragen nicht nur zur Linderung körperlicher Beschwerden bei, sondern helfen auch, innere Spannungen abzubauen.

Die orthopädische Reha

Die orthopädische Reha konzentriert sich auf die Behandlung von Erkrankungen des Bewegungsapparates. Dazu gehören beispielsweise Arthrose, Osteoporose, Bandscheibenvorfälle oder Rückenschmerzen. Ziel ist es, die Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit zu verbessern und die Muskelkraft zu stärken, um die Selbstständigkeit im Alltag wiederherzustellen.

In der orthopädischen Reha kommen verschiedene Therapieansätze zum Einsatz, darunter:

  • Physiotherapie: zur Verbesserung der Beweglichkeit, Kraft und Koordination
  • Ergotherapie: zur Förderung der Selbstständigkeit im Alltag, z.B. beim Anziehen, Waschen oder Kochen
  • Manuelle Therapie: zur Behandlung von Gelenkblockaden und Muskelverspannungen
  • Medizinische Trainingstherapie: zum gezielten Aufbau von Muskelkraft und Ausdauer

Die kardiologische Reha

Die kardiologische Reha ist ein integraler Bestandteil einer optimalen Versorgung von Herzpatienten. Sie konzentriert sich auf die Rehabilitation von Patienten mit Herzerkrankungen, wie z.B. nach einem Herzinfarkt, einer Herzoperation oder bei chronischer Herzinsuffizienz. Ziel ist es, die körperliche Leistungsfähigkeit zu verbessern, Risikofaktoren zu reduzieren und die Lebensqualität zu steigern.

In der kardiologischen Reha kommen verschiedene Therapieansätze zum Einsatz, darunter:

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  • Ergometertraining: zur Verbesserung der Ausdauer und Belastbarkeit
  • Gefäßtraining: zur Förderung der Durchblutung
  • Entspannungsverfahren: zur Reduktion von Stress und Anspannung
  • Ernährungsberatung: zur Umstellung auf eine herzgesunde Ernährung

Die onkologische Reha

In der onkologischen Reha geht es nicht darum, die Krebserkrankung an sich zu behandeln. Das ist vorher ambulant oder in einem Krankenhaus geschehen. Vielmehr sollen die körperlichen und psychischen Belastungen gelindert werden, die aus dem Krebs oder der Krebsbehandlung entstanden sind. Je nach Diagnose und Umfang der Behandlung sind die Ziele einer onkologischen Reha sehr unterschiedlich und werden individuell für jeden Patienten definiert: Das kann die Behandlung von Schmerzen bedeuten, das Erlernen des Umgangs mit Prothesen oder auch der Wiederaufbau von Muskelmasse.

Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Die verschiedenen Reha-Formen unterscheiden sich in ihren Schwerpunkten und Therapieansätzen, haben aber auch Gemeinsamkeiten. Allen Reha-Formen ist gemeinsam, dass sie darauf abzielen, die Gesundheit und die Teilhabe am Leben der Patienten zu verbessern. Zudem werden alle Reha-Formen von einem interdisziplinären Team aus Ärzten, Therapeuten und Pflegekräften durchgeführt, das die Patienten individuell betreut und behandelt.

Ein wesentlicher Unterschied besteht jedoch in der Art der Erkrankungen, die behandelt werden. Während sich die neurologische Reha auf Erkrankungen des Nervensystems konzentriert, behandelt die psychosomatische Reha Erkrankungen, bei denen psychische und soziale Faktoren eine wesentliche Rolle spielen. Die orthopädische Reha hingegen konzentriert sich auf Erkrankungen des Bewegungsapparates, die kardiologische Reha auf Herzerkrankungen und die onkologische Reha auf die Folgen von Krebserkrankungen.

Auch die Therapieansätze unterscheiden sich je nach Reha-Form. In der neurologischen Reha stehen beispielsweise Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie im Vordergrund, während in der psychosomatischen Reha Psychotherapie, Entspannungsverfahren und Kreativtherapien eine größere Rolle spielen.

Wie beantragt man eine Reha?

In vielen Fällen ist die AOK als Ihre gesetzliche Krankenversicherung der richtige Ansprechpartner, wenn Sie eine Reha beantragen möchten. Wenn mit einer Rehaleistung der Weg zurück ins Arbeitsleben ermöglicht werden soll, ist die Rentenversicherung zuständig. Sollten Sie einen Arbeitsunfall erlitten haben oder an einer Berufskrankheit leiden, wenden Sie sich bitte an die gesetzliche Unfallversicherung. Darüber hinaus gibt es noch weitere mögliche Träger. Die AOK berät Sie hierzu gerne.

Der Ablauf der Beantragung einer Reha-Leistung lässt sich wie folgt zusammenfassen:

  1. Beratungsgespräch beim Haus- oder Facharzt: Im ersten Schritt sollte ein Beratungsgespräch mit dem Hausarzt bzw. dem behandelnden Facharzt stattfinden. Dieser prüft, ob die ambulanten Möglichkeiten ausgeschöpft sind und füllt gegebenenfalls ein Formular zur Prüfung (Muster 61 Teil A) oder zur Verordnung (Muster 61 Teil B-E, wenn die Krankenkasse zuständig ist) einer medizinischen Rehabilitationsmaßnahme aus.
  2. Antragstellung: Anschließend wird der Reha-Antrag beim zuständigen Kostenträger gestellt. Dies kann die Krankenkasse, die Rentenversicherung oder die Unfallversicherung sein, abhängig von den individuellen Umständen.
  3. Bescheid über Kostenübernahme: Nach Prüfung des Antrags entscheidet der Kostenträger über die Kostenübernahme. Bei einem positiven Bescheid wird die Reha bewilligt und der Patient kann die Maßnahme in einer geeigneten Rehabilitationseinrichtung antreten.

Bei der Antragstellung haben Sie die Möglichkeit, direkt eine Wunschklinik anzugeben. Hatten Sie kürzlich eine Reha, so besteht in der Regel eine Wartefrist von vier Jahren für einen erneuten Antrag. Wenn die medizinische Notwendigkeit besonders groß ist, wird die Reha manchmal auch vor Ablauf der vier Jahre bewilligt. Wird Ihr Reha-Antrag aus einem Ihnen nicht erkennbaren Grund abgelehnt, können Sie Widerspruch einlegen.

Kosten und Zuzahlungen

Die Kosten für eine ambulante oder stationäre medizinische Rehabilitation werden von der AOK abzüglich Ihres Eigenanteils übernommen, wenn die Maßnahme nicht in die Zuständigkeit eines anderen Kostenträgers fällt. Bei stationären Rehamaßnahmen übernimmt die AOK die Fahrkosten für die An- und Abreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Manche Rehakliniken bieten auch einen kostenlosen Abholdienst an. Bitte erkundigen Sie sich dort vor der Abreise. Alle Versicherten müssen beim Heilverfahren 10 Euro am Tag zuzahlen, wenn das 18. Lebensjahr vollendet haben und nicht von der Zuzahlung befreit sind.

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