Nervenschmerzen nach Rotatorenmanschettenruptur-OP: Ursachen und Behandlung

Die Schulter ist eines der beweglichsten, aber auch anfälligsten Gelenke des menschlichen Körpers. Eine der häufigsten Verletzungen in diesem Bereich ist die Rotatorenmanschettenruptur, bei der es zu einem Riss der Sehnen kommt, die das Schultergelenk stabilisieren. Obwohl eine Rotatorenmanschettenruptur verschiedene Ursachen haben kann - von altersbedingtem Verschleiß bis zu akuten Verletzungen - sind die Folgen stets belastend. Betroffene erleben nicht nur körperliche Einschränkungen, sondern auch eine deutliche Verminderung ihrer Lebensqualität. Eine frühzeitige Diagnose und die richtige Behandlung sind entscheidend, um dauerhafte Schäden zu vermeiden und die Schulterfunktion wiederherzustellen. Neben den Schmerzen in der Schulter selbst, berichten manche Patienten nach einer Operation auch über Nervenschmerzen in den Fingern. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen für diese Nervenschmerzen und gibt einen Überblick über Behandlungsansätze.

Die Rotatorenmanschette: Anatomie und Funktion

Die Rotatorenmanschette besteht aus vier Sehnen, die das Schultergelenk stabilisieren und seine Beweglichkeit ermöglichen. Die Rotatorenmanschette ist eine Gruppe aus 4 Sehnen, die das Schultergelenk stabilisieren und für seine Beweglichkeit sorgen. Sie legt sich wie eine Manschette um den Oberarmkopf und spielt eine entscheidende Rolle bei Bewegungen wie dem Heben und Drehen des Arms. Mit der Zeit oder durch akute Verletzungen kann es zu einem Riss dieser Sehnen kommen, was als Rotatorenmanschettenruptur bezeichnet wird. Die Hauptfunktion der Rotatorenmanschette besteht darin, den Oberarmkopf bei Bewegungen des Armes in seiner Gelenkpfanne zu halten und somit das Schultergelenk zu stabilisieren. Zudem führen die Muskeln der Rotatorenmanschette isoliert eine Außenrotation und Innenrotation des Armes durch. Können die Muskeln durch einen Riss in einer der Sehnen ihre stabilisierende Funktion nicht mehr vollständig erfüllen, kann es zu einem Hochstand des Oberarmkopfes mit darauffolgender Enge des Raumes zwischen dem Oberarmkopf und dem Schulterdach, dem subakromialen Raum, kommen.

Die Sehnen aller Muskeln der Rotatorenmanschette setzen am Kopf des Oberarmknochens an. Die Rotatorenmanschette hat wichtige Aufgaben.

Ursachen einer Rotatorenmanschettenruptur

Die Ursache eines solchen Risses ist entweder ein kräftiges Unfallereignis, beispielsweise durch einen Sturz auf den ausgestreckten Arm, zumeist aber die Folge einer Degeneration (Verschleiß) der geschwächten Sehne, z.B. auch im Rahmen des sogenannten Impingementsyndroms. Bei einer vorgeschädigten, verschlissenen Sehne reicht manchmal eine Alltagsbelastung für eine Ruptur aus. Hierbei unterscheidet man Teilrisse (Partialrupturen) von kompletten Rissen. Ein Riss der Rotatorenmanschette (Rotatorenmanschettenruptur) ist eine krankhafte Veränderung oder Verletzung der Sehnenhaube, die den Oberarmkopf im Schultergelenk umgibt.

Mögliche Ursachen für Nervenschmerzen in den Fingern nach OP

  • Direkte Nervenirritation während der Operation: Während des Eingriffs kann es zu einer direkten Reizung oder Verletzung von Nerven im Schulterbereich kommen. Die Nerven, die durch die Schulter verlaufen, sind mit den Nervenenden in den Fingern verbunden.
  • Entzündung und Schwellung: Eine Operation verursacht immer eine Entzündungsreaktion im Gewebe. Die dadurch entstehende Schwellung kann auf Nerven drücken und so Schmerzen oder Kribbeln in den Fingern auslösen. Selbst bei einer minimalinvasiven Arthroskopie ist die Schulter ein wenig empfindlich. Der Grund dafür ist eine geringe Schwellung in der Schulter.
  • Narbenbildung: Im Heilungsprozess kann es zur Bildung von Narbengewebe kommen, das umliegende Nerven einklemmt oder irritiert.
  • Haltungsbedingte Ursachen: Nach der Operation wird der Arm oft in einer Schlinge oder einem Abduktionskissen ruhiggestellt. Diese Haltung kann zu Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich führen, die wiederum Nerven beeinträchtigen und zu Schmerzen in den Fingern führen können. Verspannungen, insbesondere im Nacken- und Schulterbereich, können Kribbeln in den Händen und Fingern auslösen.
  • Interscalenus Block (oder Winnie Block n. dem Erstbeschreiber): Eine Schulteroperation wird heutzutage regelmäßig in einer Vollnarkose kombiniert mit einer Teilnarkose der Schulter / Armes durchgeführt. Letzteres ist mit der Leitungsanästhesie einer Kieferhälfte beim Zahnarzt vergleichbar. Damit wird gewährleistet, dass der Patient schmerzfrei aufwacht und nach der Schulter OP für mindestens ein paar Stunden komplett schmerzfrei ist.

Symptome einer Rotatorenmanschettenruptur

Die Symptome einer Rotatorenmanschettenruptur in der Schulter können von Patient zu Patient unterschiedlich sein, doch typisch sind starke Schmerzen bis hin zu einer Pseudoparalyse der betroffenen Schulter. Betroffene berichten häufig von stechenden oder ziehenden Schmerzen, die nicht nur in die Schulter, sondern auch bis in den Nacken oder Arm ausstrahlen können. Neben den Schmerzen ist die Bewegungseinschränkung eines der Hauptsymptome. Schon alltägliche Bewegungen wie das Anheben des Arms über die Schulterhöhe oder das Greifen nach Gegenständen können schwierig oder gar unmöglich werden. Besonders das Heben des Arms zur Seite oder nach vorne ist oft stark eingeschränkt. Die dadurch entstehende Einschränkung im Alltag führt zu einem deutlichen Verlust an Lebensqualität. Tätigkeiten, die zuvor problemlos möglich waren - wie das Kämmen der Haare oder das Tragen von Einkaufstaschen - können plötzlich nicht mehr oder nur unter großen Schmerzen durchgeführt werden. Ein Riss der Rotatorenmanschette macht sich meist durch Schmerzen in der Schulter bemerkbar, besonders bei Belastung oder bestimmten Bewegungen. Häufig treten die Schmerzen an der Vorderseite oder seitlich der Schulter auf. Zudem fällt es vielen Betroffenen schwer, den Arm seitlich oder nach vorne zu heben, und es kommt zu einem spürbaren Kraftverlust. Viele Menschen mit einer Rotatorenmanschettenruptur berichten von ziehenden oder stechenden Schmerzen im Schulterbereich, die bis in den Nackenbereich oder auch bis in die Hand ausstrahlen können. Diese sind in der Nacht oft sogar noch stärker spürbar und verhindern so einen erholsamen Schlaf. Durch den Wegfall des Muskelzuges und die sich einstellende Schonhaltung kommt es zu einer erheblichen Verminderung der Beweglichkeit. Besonders das Anheben des Arms nach vorne oder zur Seite ist dann kaum mehr möglich.

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Diagnose einer Rotatorenmanschettenruptur

Die Diagnose einer Rotatorenmanschettenruptur der Schulter beginnt mit einer ausführlichen körperlichen Untersuchung. Erste Hinweise auf einen Sehnenriss gibt uns der sogenannte Funktionstest. Hierbei prüfen und beurteilen unsere Spezialisten die Beweglichkeit und Kraft Ihrer Schulter: Bei einem Rotatorenmanschettenriss können Sie typischerweise Ihren Arm nicht mehr nach vorne oder zur Seite bewegen. Darüber hinaus kommt es meist auch zu einem Kraftverlust. Für eine genaue Einschätzung der Schulterverletzung sind bildgebende Verfahren unerlässlich. Während ein Röntgenbild die knöchernen Strukturen der Schulter gut darstellen kann, reicht dies bei einer Rotatorenmanschettenruptur nicht aus, da es sich hierbei um eine Verletzung der Muskeln und Sehnen handelt. Das Röntgenbild ist jedoch wichtig, um zu prüfen, ob die Sehnen die Stabilität des Oberarmkopfes im Gelenk noch gewährleisten. Das Röntgenbild ist jedoch im Rahmen der Diagnostik einer Rotatorenmanschettenruptur sehr wichtig, da nur im Röntgenbild verlässlich zu erkennen ist, ob die Rotatorenmanschette den Oberarmkopf noch stabil im Gelenk führt bzw. zentriert. Die Ultraschalluntersuchung (Sonografie) bietet eine schnelle und effektive Methode, um Risse in den Sehnen der Rotatorenmanschette sichtbar zu machen. Sie zeigt auch Sehnenveränderungen und Flüssigkeitsansammlungen im Schultergelenk. Im Ultraschall lassen sich Risse Ihres Muskel-Sehnen-Apparates gut darstellen. Aber auch Veränderungen der Sehnen und etwaige Ergüsse innerhalb Ihres Schultergelenks werden sichtbar. Die Magnetresonanztomografie (MRT) liefert die genauesten Bilder des Schultergelenks und seiner Weichteile. Mit der MRT kann der Zustand der Sehnen und Muskeln hochauflösend beurteilt werden. Den genauesten Einblick in das betroffene Gelenk bietet die MRT-Untersuchung. Sicht von vorne auf die Rotatorenmanschette der Schulter, bei der zwei der vier Muskeln sichtbar sind: Musculus supraspinatus (oben) und Musculus subscapularis (unten).

Klinische Tests zur Diagnose

  • Jobe-Test: Um die Funktion des Musculus supraspinatus zu überprüfen, werden Sie aufgefordert den betroffenen Arm ausgestreckt nach vorne zu halten, der Daumen zeigt nach unten, im zweiten Teil des Tests nach oben. Der/Die Untersucher/-in übt nun von oben Druck auf den Arm aus und Sie werden aufgefordert, die Position des Arms zu halten.
  • Lift-off-Test: Durch diesen Test wird der Musculus subscapularis getestet. Der betroffene Arm soll mit der Handrückseite auf den unteren Rücken gelegt werden. Nun soll die Hand vom Rücken wegbewegt werden, der/die Untersucher/-in hält dagegen.
  • Belly-press-Test: Die flache Hand des betroffenen Arms wird auf den Bauch gelegt. Nun soll mit der Hand gegen den Bauch gedrückt werden.

Behandlung von Nervenschmerzen in den Fingern nach Rotatorenmanschetten-OP

Die Behandlung von Nervenschmerzen in den Fingern nach einer Rotatorenmanschetten-OP zielt darauf ab, die Ursache der Schmerzen zu beheben und die Nervenfunktion wiederherzustellen.

Konservative Behandlungsmethoden

  • Physiotherapie: Gezielte Übungen können helfen, Verspannungen zu lösen, die Beweglichkeit zu verbessern und die Muskulatur zu stärken. Insbesondere Übungen zur Mobilisierung der Halswirbelsäule und des Schultergürtels können hilfreich sein. In den ersten Tagen nach der OP wird die physiotherapeutische Behandlung erst einmal passiv stattfinden. Erst nach und nach werden aktive Übungen in den Therapieplan eingebunden. Schmerzen nach der Schulter OP darf es dabei nicht geben. In dem Fall sollten Sie sofort Ihrem Therapeuten Bescheid sagen. Aktive Kraftbelastungen sollten Sie in der ersten Woche nach der Operation unterlassen, um den Erfolg nicht zu gefährden. Grundsätzlich können Sie davon ausgehen, dass jede Bewegung, die ohne Schmerzen möglich ist, durchgeführt werden kann.
  • Schmerzmittel: Schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente können helfen, die Schmerzen zu lindern. Zur kurzfristigen Schmerzreduktion können Schmerzmittel aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) eingesetzt werden (Ibuprofen, Paracetamol).
  • Nervenmobilisation: Spezielle Übungen, die darauf abzielen, die Beweglichkeit der Nerven zu verbessern und Verklebungen zu lösen.
  • Manuelle Therapie: Techniken, die von Physiotherapeuten oder Osteopathen angewendet werden, um Blockaden und Verspannungen zu lösen. Chirotherapie/ Manuelle Therapie.
  • Lokale Injektionen: Injektionen mit Kortikosteroiden oder Lokalanästhetika können helfen, Entzündungen zu reduzieren und Schmerzen zu lindern.
  • Schulterhilfe Optima: In diesem Zusammenhang kann die Schulterhilfe Optima eine nützliche Unterstützung sein. Dieses Hilfsmittel ist speziell darauf ausgerichtet, die Schulter in ihrer natürlichen Funktion zu unterstützen und dabei zu helfen, muskuläre Dysbalancen zu korrigieren.

Operative Behandlungsmethoden

  • Nervenentlastung: In seltenen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um einen eingeklemmten Nerv zu befreien.

Wichtige Aspekte der Nachsorge

  • Ruhigstellung: Direkt nach der Schulter OP erfolgt die Ruhigstellung des Armes mit einer Schulterbandage. Diese ist so konstruiert das der Ellenbogen und die Hand sofort bewegt werden können.
  • Regelmäßige Kontrollen: Nach jeder Schulter OP wird Chefarzt Dr. med. Georgousis mit Ihnen feste Termine vereinbaren, zu denen Ihre Schulter kontrolliert wird. Diese sind routinemäßig in der 3. und 6. Woche sowie dem 3. Monat nach der Operation. Alle anderen Termine werden Sie gemeinsam nach Bedarf mit dem ihm vereinbaren und sollten diese auf jeden Fall einhalten.
  • Einschränkungen nach dem Eingriff der Schulter OP: Jede Operation, auch wenn sie noch so klein ist, ist ein Eingriff in den Körper. Sie sollten sich deshalb genau an die Anweisungen von Schulterspezialist und Chefarzt Dr. med. Georgousis halten. Die Dauer der Ruhigstellung hängt vom Umfang der Schulter OP ab und kann zwischen 3 Tagen und 6 - 7 Wochen betragen. Sie verlängert sich vor allem dann wenn rekonstruktive Maßnahmen erfolgten, welche eine gewisse Zeit zum Heilen benötigen z.B. bei Sehnenrekonstruktionen (meist 6 - 7 Wochen). Die Ruhigstellung ist dabei relativ, da die tägliche Krankengymnastik zur Mobilisierung der Schulter erfolgt um Verklebungen entgegen zu wirken, welche zur einer Bewegungseinschränkung führen können. Sie müssen damit rechnen, dass Ihre Schulter in der Funktion für die o.g. Zeiten noch eingeschränkt ist. In der Zeit sollten Sie sich für einige Tätigkeiten Unterstützung suchen und nichts Schweres tragen, heben, schieben oder ziehen.

Übungen zur Stabilisierung der Schulter

Nach einer Rotatorenmanschettenruptur sind gezielte Übungen entscheidend, um die Schulter wieder zu stabilisieren und die Beweglichkeit zu verbessern. Durch regelmäßiges Training lassen sich die Muskulatur und Sehnen stärken, wodurch die Schulter langfristig entlastet wird.

  • Schulterkreisen rückwärts: Diese Übung verbessert die Beweglichkeit und Haltung. Stellen Sie sich aufrecht hin, spannen Sie den Bauch an und lassen Sie die Arme locker hängen. Kreisen Sie nun beide Schultern gleichzeitig nach hinten, wobei Sie möglichst große, gleichmäßige Kreise machen.
  • Schulterblattmobilisation im Ellenbogenstütz: Stehen Sie vor einer Wand und stützen Sie sich mit den Unterarmen gegen die Wand. Lassen Sie den Oberkörper in Richtung Wand sinken und drücken Sie sich dann aktiv wieder weg. Diese Übung mobilisiert die Schulterblätter und stärkt die Schulterstabilität.
  • Brustmuskeldehnung: Diese Dehnübung verbessert die Beweglichkeit der Schulter und dehnt die Brustmuskulatur. Stellen Sie sich seitlich an eine Wand und legen Sie den Unterarm dagegen. Drehen Sie den Oberkörper vom Arm weg, bis Sie ein leichtes Ziehen in der Brust spüren.
  • Schmerzpunktbehandlung mit Faszienball: Zur Linderung von Verspannungen und Schmerzen können Sie einen kleinen Ball (z.B. Faszienball) verwenden. Positionieren Sie den Ball zwischen der Wand und Ihrem Schulterblatt, und bewegen Sie sich langsam, bis Sie einen schmerzhaften Punkt gefunden haben.
  • Klimmzüge in Bauchlage: Legen Sie sich auf den Bauch und heben Sie den Oberkörper leicht an. Ziehen Sie die Arme seitlich im rechten Winkel zur Wirbelsäule und bewegen Sie die Schulterblätter zur Mitte. Strecken Sie die Arme nach vorne und ziehen Sie sie dann wieder zurück.
  • Schulterrotationsübung: Legen Sie sich auf die Seite, mit der schmerzenden Schulter nach oben. Halten Sie eine kleine Wasserflasche oder Hantel in der Hand und bilden Sie mit dem Ellenbogen einen rechten Winkel. Drehen Sie den Unterarm langsam nach oben und senken Sie ihn wieder ab.

Durch regelmäßiges Üben dieser Techniken können Sie Ihre Schulter stabilisieren und die Heilung unterstützen.

Konservative und operative Behandlung einer Rotatorenmanschettenruptur

Die Behandlung einer Rotatorenmanschettenruptur richtet sich nach dem Schweregrad der Verletzung, dem Ausmaß der Beschwerden und den individuellen Lebensumständen der Betroffenen. Sämtliche Behandlungsstrategien orientieren sich grundsätzlich an der individuellen Beschwerdesymptomatik, am Anspruch des Patienten und an seinen speziellen Lebensbedingungen. Bei jungen Patienten sollte großzügig eine operative Rekonstruktion, d.h. die Naht der Sehne erfolgen. Je geringer der Bewegungs- und Belastungsanspruch ist, desto zurückhaltender kann man beim älteren Menschen mit der Rekonstruktion einer gerissenen Sehne sein. Hier kann dann ggf. auch mit konservativen Therapiemaßnahmen die Lebensqualität wieder hergestellt werden. In der Regel wird bei Patienten, die älter sind als 65 Jahre und darüber hinaus tolerable Schmerzen aufweisen durchaus auch konservativ therapiert. Bei der Entscheidung zur konservativen Therapie kommen Behandlungsmaßnahmen ähnlich der Therapie des Impingementsyndroms in Frage.

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Konservative Behandlung

In vielen Fällen kann eine konservative Behandlung helfen, die Beschwerden zu lindern und die Schulterfunktion zu verbessern. Hierbei stehen Schonung, schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente sowie physikalische Therapien im Vordergrund. Mithilfe von Physiotherapie, insbesondere speziellen Pendelübungen und Krankengymnastik, kann die Beweglichkeit der Schulter erhalten werden. Darüber hinaus kommen Techniken wie manuelle Lymphdrainage zum Einsatz, um Schwellungen zu lindern. Diese konservativen Maßnahmen zielen darauf ab, Schmerzen zu reduzieren und die Funktion der Schulter so weit zu stabilisieren, dass der Alltag wieder beschwerdefrei bewältigt werden kann.

Sollte sich durch konservative Maßnahmen über drei Monate kein Therapierfolg einstellen, muss an eine operative Versorgung gedacht werden.

Operative Behandlung

Wenn konservative Behandlungsmethoden nicht ausreichen, um die Rotatorenmanschettenruptur zu behandeln, ist eine Operation oft die beste Option. Abhängig von der Schwere des Sehnenrisses und dem Zustand des Schultergelenks stehen verschiedene Operationsmethoden zur Verfügung. Die Operation besteht in einer Rekonstruktion bzw Naht der gerissenen Sehne. Dies kann arthroskopisch durch 4-5 kleine Zugänge oder auch durch einen kleinen Schnitt (mini open, ca 2-3cm) erfolgen. Damit die Sehne am Knochen anheilen kann, benötigt sie Zeit und Ruhe, d.h. die Nachbehandlung ist eine langwierige und oft mit viel Geduld und Therapie verbundene Prozedur. Zunächst wird die Schulter mit einem Spezialkissen für 4-6 Wochen ruhiggestellt und nur passiv, d.h. durch den Therapeuten oder durch eine auf Leihbasis zur Verfügung gestellte Motorschiene beübt, bevor nach dieser Anfangzeit eine intensive physiotherapeutische Behandlung zur Wiederherstellung der Funktion, Beweglichkeit und zum Muskelaufbau erfolgt. Eine solche Operation dauert in der Regel 1 bis 2 Stunden und wird meist minimalinvasiv durchgeführt. In Einzelfällen bleiben Patienten eine Nacht stationär im Krankenhaus, normalerweise können wir die OP jedoch ambulant durchführen.

Operationsmethoden

  • Arthroskopische Naht: Diese minimalinvasive Methode ist die häufigste Form der Operation bei einer Rotatorenmanschettenruptur. Über kleine Schnitte wird ein Arthroskop in das Schultergelenk eingeführt, das dem Chirurgen eine exakte Ansicht des betroffenen Gewebes bietet. Die gerissenen Sehnen werden gewebeschonend wieder befestigt, was zu einer schnellen Heilung und einer geringeren Narbenbildung führt.
  • Sehnenersatz: Diese Methode wird angewendet, wenn der Sehnenriss zu groß ist oder die Sehnen zu weit zurückgezogen wurden, um sie direkt zu reparieren. Eine Art „Flicken“ wird verwendet, um den Defekt zu schließen. Dabei wird entweder Fremdhaut (von einer Gewebebank) oder körpereigenes Gewebe (z.B. Sehne vom Oberschenkel) verwendet.
  • Muskel-Sehnen-Transfer: Bei nicht mehr reparablen Sehnendefekten wird eine Sehne des Rückenmuskels (meist des Latissimus dorsi) verwendet, um die Funktion der gerissenen Sehne zu übernehmen. Der Muskel muss „umlernen“, um seine neue Aufgabe als Stabilisator des Schultergelenks zu erfüllen.
  • Schulterprothese (Schulter-TEP): Diese Methode kommt zum Einsatz, wenn neben der Rotatorenmanschettenruptur auch die Gelenkflächen des Schultergelenks geschädigt sind. Besonders bei Patienten über 65 Jahren ist dies eine effektive Lösung, um die Schulterfunktion wiederherzustellen und Schmerzen zu lindern.

Begleiterkrankungen bei einer Rotatorenmanschettenruptur

Eine Rotatorenmanschettenruptur kann mit verschiedenen Begleiterkrankungen einhergehen, die entweder als Ursache für die Ruptur in Frage kommen oder als Folge der Verletzung auftreten können.

  • Impingement-Syndrom: Sind Sehnen oder Weichteile unter dem Schulterdach, dem höchsten Punkt des Schulterblatts, eingeklemmt, sprechen Mediziner:innen von einem Impingement-Syndrom. Dies kann zu Schmerzen und einer eingeschränkten Beweglichkeit der Schulter führen.
  • Tendinosis calcarea (Kalkschulter): Die Tendinosis calcarea, auch Kalkschulter genannt, ist eine Erkrankung, bei der sich Kalk in den Sehnen der Rotatorenmanschette ablagert. Diese Kalkablagerungen können Schmerzen verursachen und die normale Funktion der Schulter beeinträchtigen.
  • Bursitis subacromialis: Als Bursa subacromialis wird der große Schleimbeutel zwischen der Rotatorenmanschette und dem Schulterdach bezeichnet. Ist dieser Schleimbeutel entzündet, sprechen Mediziner:innen von einer Bursitis subacromialis. Diese Entzündung kann zu Schmerzen und Schwellungen führen und die Bewegung der Schulter einschränken.
  • Arthrose (Omarthrose): Die Arthrose ist eine Verschleißerkrankung, bei der sich der Gelenkknorpel abnutzt. Betrifft die Arthrose das Schultergelenk, ist die Rede auch von einer Omarthrose. Sie kann zu Schmerzen, Steifigkeit und einer Verringerung der Bewegungsfreiheit führen.
  • Schulterinstabilität: Von einer Schulterinstabilität sprechen wir, wenn das Schultergelenk zu wiederholten Luxationen oder Subluxationen tendiert. Das bedeutet kurz gesagt: Das Gelenk kugelt immer wieder aus oder verrenkt sich.
  • Adhäsive Kapsulitis (Frozen Shoulder): Adhäsive Kapsulitis ist eine chronisch entzündliche Erkrankung der Gelenkkapsel und Gelenkinnenhaut. Weil sie fast immer das Schultergelenk betrifft und zur Versteifung führt, spricht man auch von einer „Frozen Shoulder“ beziehungsweise „Schultersteife“. Sie kann Schmerzen verursachen und zunehmend die Beweglichkeit des Schultergelenks einschränken.

Für die erfolgreiche Behandlung einer Rotatorenmanschettenruptur ist es wichtig, diese Begleiterkrankungen zu berücksichtigen, weil sie den Heilungsprozess beeinflussen können.

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Schmerzen nach der Schulter-OP

Moderne Schmerztherapie

Eine Schulteroperation wird heutzutage regelmäßig in einer Vollnarkose kombiniert mit einer Teilnarkose der Schulter / Armes durchgeführt. In der postoperativen Phase werden dann entsprechende Schmerzmedikamente verabreicht die den Schmerz kontrollieren. Diese Medikamente werden der Größe der Schulter OP und dem zu erwartenden und individuellen Schmerz regelmäßig angepasst. Wenn die Schulter OP umfangreicher ist und somit mehr Schmerzen zu erwarten sind wird vor der Schulteroperation im Interscalenus Bereich (anstatt nur eine einmalige Dosis des Lokalanästhetikums / Interscalenus Block, zu geben) ein lokaler Katheter / kleiner Schlauch gelegt über welchen auch nach der Operation regelmäßig Narkosemittel bei Bedarf gespritzt werden kann. Insgesamt nehmen Schulterschmerzen nach einer Schulter OP natürlicherweise, nach 24 - 48 Stunden massiv ab.

Heilungsdauer und Rehabilitation

Die Heilung nach einer Rotatorenmanschettenruptur hängt von der Art der Verletzung und der gewählten Behandlungsmethode ab. Nach einer konservativen Behandlung kann es mehrere Wochen bis Monate dauern, bis die Schulter wieder schmerzfrei bewegt werden kann. Nach einer Operation beträgt die Heilungsdauer etwa 3 bis 6 Monate, wobei die Schulter in den ersten 6 Wochen ruhiggestellt wird. Die aktive Rehabilitation beginnt nach 6 Wochen, und nach etwa 3 Monaten kann mit leichtem Krafttraining begonnen werden.

Nachbehandlung

Nach der Operation wird der Arm über 6 Wochen auf einem sogenannten Abduktionskissen gelagert, um die frische Sehnen-Naht zur besseren Heilung zu entlasten. Die physiotherapeutische Behandlung ist bereits ab dem ersten Tag nach der OP unerlässlich. Bei einer Rotatorenmanschettenläsion ist ohne Therapie keine Heilung zu erwarten. Je früher die Diagnose einer Rotatorenmanschettenläsion gestellt wird, desto besser ist die Prognose.

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