Nervenschmerzen, Haut und Stress: Ursachen und Lösungsansätze

Nervenschmerzen, auch neuropathische Schmerzen oder Neuralgien genannt, sind komplexe und oft schwer zu behandelnde Schmerzzustände. Sie entstehen durch Schädigungen oder Funktionsstörungen des Nervensystems und unterscheiden sich grundlegend von anderen Schmerzarten wie Rücken- oder Kopfschmerzen. Stress, sowohl psychischer als auch physischer Natur, kann eine bedeutende Rolle bei der Entstehung und Verstärkung von Nervenschmerzen und Hautproblemen spielen. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Ursachen von Nervenschmerzen, den Zusammenhang mit Stress und Hauterkrankungen und bietet einen Überblick über mögliche Behandlungsansätze.

Einführung in Nervenschmerzen

Nervenschmerzen entstehen als direkte Folge einer Schädigung von "Gefühlsfasern" des Nervensystems. Im Gegensatz zum "normalen" Schmerzerleben entstehen die Schmerzimpulse in der Regel nicht mehr im Bereich der Nervenendigungen von Schmerzfasern in den Geweben des Körpers. Stattdessen resultieren sie aus einer Schädigung oder Fehlfunktion des Nervensystems selbst. Betroffene beschreiben die Schmerzen oft als brennend, stechend oder einschießend. Auch eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit gegenüber Berührungen (Allodynie) oder anderen Reizen (Hyperalgesie) kann auftreten.

Ursachen von Nervenschmerzen

Nervenschädigungen können vielfältige Ursachen haben:

  • Bandscheibenvorfall: Ein Bandscheibenvorfall, bei dem der Bandscheibenkern auf eine Nervenwurzel drückt, kann zu Nervenschmerzen führen. Am häufigsten ist dabei die fünfte Nervenwurzel im Lendenbereich betroffen.
  • Polyneuropathie: Das Wort „Polyneuropathie“ bedeutet „Erkrankung vieler Nerven“ - beispielsweise im Rahmen einer Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) - und kann zu einem Brennschmerz der Füße führen.
  • Gürtelrose (Herpes zoster): Hier entstehen die neuropathischen Schmerzen im Bereich kleiner Nerven in der Haut, deren Schädigung als Folge einer Nervenentzündung durch das Varizella-Zoster-Virus hervorgerufe wird.
  • Unfälle oder Operationen: Nervenquetschungen oder Nervendurchtrennungen im Rahmen von Unfällen oder Operationen - z.B. des Trigeminus-Nervs im Gesicht bei zahnärztlichen Eingriffen - können Nervenschmerzen nach sich ziehen.
  • Phantomschmerz: Bei diesem Krankheitsbild werden Schmerzen in Gliedmaßen gespürt, die durch eine Amputation entfernt wurden.
  • Engpass-Syndrome: Nervenschmerzen können auch auftreten, wenn Nerven zusammengedrückt werden, was als Engpass-Syndrom bezeichnet wird. Ein häufiges Beispiel ist das Karpaltunnel-Syndrom am Handgelenk.

Diagnose von Nervenschmerzen

Die Diagnose neuropathischer Schmerzen erfordert eine sorgfältige Anamnese und körperliche Untersuchung. Dabei werden Verteilungsmuster, Stärke und Qualität der Schmerzen erhoben. Wichtig ist auch die Erfassung begleitender Gefühlsstörungen wie Taubheitsgefühle. Ergänzend können Schmerzzeichnungen, Schmerzfragebögen und spezielle Tests wie die quantitative sensorische Testung (QST) zur Prüfung der Hautempfindlichkeit eingesetzt werden. Bildgebende Verfahren wie CT oder MRT können eine Nervenschädigung direkt sichtbar machen.

Nervenschmerzen und Stress

Stress ist eine natürliche Reaktion des Körpers auf belastende Situationen. Er kann jedoch chronisch werden und sich negativ auf die Gesundheit auswirken. Neueste Forschungsergebnisse zeigen, dass die Haut und das Nervensystem eng miteinander verbunden sind. Daraus folgern Expertinnen und Experten, dass Stress und Emotionen die Haut direkt beeinflussen können.

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Wie Stress Nervenschmerzen beeinflusst:

  • Einfluss auf das Immunsystem: Stress kann das Immunsystem beeinflussen und dadurch Hautkrankheiten verschlimmern. Dies geschieht durch komplexe Wechselwirkungen zwischen Nerven, Hormonen und Immunzellen.
  • Erhöhtes Risiko für Hauterkrankungen: Wer beispielsweise unter einer depressiven Verstimmung leidet, seit längerer Zeit chronisch erschöpft ist oder seelischen Belastungen ausgesetzt ist, hat ein signifikant höheres Risiko, eine Hautkrankheit zu entwickeln.
  • Verstärkung von Schmerzen: Nervenzellen lernen und können ein (Schmerz-)Gedächtnis bilden. Die Nerven sind dann derart überempfindlich, dass selbst schwache Schmerzreize oder psychische Reize wie Stress oder starke Emotionen genügen, um starke Schmerzen auszulösen.

Nervenschmerzen und Haut

Die Haut ist nicht nur ein Schutzorgan, sondern auch ein Spiegel der Seele. Psychische Belastungen können sich in Hauterkrankungen äußern oder bestehende Hautprobleme verstärken. Studien zeigen, dass etwa jede vierte Person mit Hautkrankheiten auch unter Depressionen, Angst oder anderen psychischen Problemen leidet.

Psychosomatische Dermatosen:

Fachleute sprechen von sogenannten psychosomatischen Dermatosen, also Hautkrankheiten, die durch die Psyche beeinflusst werden. Beispiele hierfür sind:

  • Neurodermitis: Psychische Faktoren wie belastende oder lebensverändernde Ereignisse, sozialer Stress oder Interaktionsprobleme können Symptome auslösen sowie den Juckreiz und die Schwere der Neurodermitis verschlimmern.
  • Psoriasis (Schuppenflechte): Die Psoriasis ist eine entzündliche, nicht ansteckende Erkrankung. Die chronische Erkrankung macht sich vor allem durch rötliche, schuppende Hautveränderungen bemerkbar, die jucken können. Psoriasis tritt meistens in Schüben auf, die durch psychischen Stress ausgelöst werden können.

Behandlung von Nervenschmerzen

Die Behandlung von Nervenschmerzen gestaltet sich oft schwierig und erfordert einen individuellen Therapieansatz. Ziel ist es, die Schmerzen zu lindern, die Lebensqualität zu verbessern und die zugrunde liegende Ursache zu behandeln, wenn möglich.

Medikamentöse Therapie:

  • Antidepressiva: Trizyklische Antidepressiva können bei neuropathischen Schmerzen eingesetzt werden.
  • Antikonvulsiva: Medikamente gegen Krampfanfälle (Epilepsie) können ebenfalls schmerzlindernd wirken.
  • Opioide: Niedrig dosierte Opioide wie Tramadol werden aufgrund ihrer Wirkung auf die endogene Schmerzhemmung und ihrer zusätzlichen serotonergen Effekte teilweise eingesetzt.
  • Capsaicin-Pflaster: Capsaicin ist für die Schärfe der Chilischoten verantwortlich und hat sich in Form von Capsaicin-Pflastern auf der Haut in Studien als erfolgversprechendes Mittel gegen Polyneuropathie erwiesen.

Nicht-medikamentöse Therapie:

  • Physikalische Therapie: Physikalische Maßnahmen wie Wärme- oder Kälteanwendungen, Massagen oder Elektrotherapie können zur Schmerzlinderung beitragen.
  • Ergotherapie: Ergotherapie kann helfen, den Alltag trotz Schmerzen besser zu bewältigen.
  • Psychotherapie: Neuropathische Schmerzen gehen oft mit Angst oder Depression einher, die die Schmerzen verschlimmern können. Eine Psychotherapie kann helfen, diese psychischen Belastungen zu reduzieren und den Umgang mit den Schmerzen zu verbessern.
  • Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie autogenes Training, progressive Muskelentspannung, Yoga, Tai-Chi oder Qigong können helfen, Stress abzubauen und die Schmerzen zu lindern.
  • Achtsamkeitsmeditation: Die 3-Schritte-Methode der Achtsamkeitsmeditation kann helfen, den Stresszustand zu beobachten und die Auswirkungen der Meditation auf das Wohlbefinden zu erkennen.

Weitere Maßnahmen:

  • Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität kann Verspannungen lösen, die Muskulatur stärken und Schmerzen lindern.
  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Vitaminen, insbesondere B-Vitaminen, ist wichtig für die Nervengesundheit.
  • Stressmanagement: Techniken zur Stressbewältigung, wie z.B. regelmäßige Pausen, Entspannungsübungen oder Hobbys, können helfen, den Stresspegel zu senken.

Prävention von Nervenschmerzen

Nicht immer lassen sich Nervenschmerzen verhindern, da sie häufig durch äußere Einflüsse entstehen (Infektionen, Verletzungen und Traumata). Man kann durch eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung, regelmäßiger Bewegung und Verzicht auf Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum das Risiko jedoch verringern. Eine gute Vitaminversorgung, insbesondere mit B-Vitaminen, sowie eine konsequente Blutzuckerkontrolle bei Diabetes sind entscheidend. Zudem sollten nervenschädigende Substanzen wie neurotoxische Medikamente möglichst vermieden werden.

Stressbewältigung in der Pflege

Der Pflegeberuf ist besonders stressig. Das liegt an den Arbeitsbedingungen, etwa wechselnden Schichtdiensten, fehlenden Erholungsphasen und hoher Arbeitslast. Der chronische Stress macht sich in den steigenden Fehltagen bemerkbar. Um dem entgegenzuwirken, ist es wichtig, nicht nur die Ressourcen und den Umgang mit Stress bei jeder einzelnen Person zu stärken, sondern auch die Belastungen im beruflichen Umfeld zu reduzieren.

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Maßnahmen zur Stressbewältigung in der Pflege:

  • Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF): AOK-Angebote zur BGF können einen wirkungsvollen Beitrag leisten, um gesunde Rahmenbedingungen zu schaffen.
  • Arbeitssituationsanalyse: Die Identifizierung von Ressourcen und Ursachen für Belastungen aus Sicht der Beschäftigten ist ein wichtiger Schritt, um die Situation nachhaltig zu verbessern.
  • Seminare und Trainings: Seminare wie "Fit für die Pflegeschicht" und Online-Trainings wie RESIST helfen Pflegekräften, ihre psychische Widerstandskraft zu stärken und besser mit Stress umzugehen.
  • Regelmäßige Pausen: Regelmäßige Pausen und die Möglichkeit, sich auch während der Arbeitszeit ausreichend zu erholen, sind einfache Maßnahmen, um Stress in der Pflege zu bewältigen.

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