Die Kindersprechstunde Neurologie an der Universitätsklinik Tübingen bietet eine umfassende und spezialisierte Versorgung für Kinder und Jugendliche mit einem breiten Spektrum an neurologischen Erkrankungen, Entwicklungsstörungen und anderen pädiatrischen Problemen. Die Abteilung legt großen Wert auf eine fachkompetente Diagnostik und Therapie, sowie auf eine ganzheitliche Betreuung der Patienten und ihrer Familien.
Schwerpunkte der Abteilung
Die Abteilung betreut Kinder und Jugendliche aller Altersgruppen mit akuten und chronischen Erkrankungen. Der Schwerpunkt liegt auf neurologischen Erkrankungen und Entwicklungsstörungen, aber auch auf kindlichem Diabetes und allgemeinpädiatrischen Erkrankungen.
Neuropädiatrie
Die Neuropädiatrie umfasst die Diagnostik und Behandlung neurologischer Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Bei unklaren Symptomen erfolgt zunächst eine ambulante Vorstellung, um zu entscheiden, ob eine weitergehende Abklärung erforderlich ist. Akute Probleme werden in der Neuropädiatrischen Ambulanz behandelt, chronische Beschwerden im Sozialpädiatrischen Zentrum.
Allgemeinpädiatrie
In der allgemeinpädiatrischen Ambulanz werden Patienten zur Mitbeurteilung, Diagnose und Behandlung von Erkrankungen des Kindes- und Jugendalters vorgestellt. Auch Patienten, deren Erkrankung oder Störung keinem Spezialgebiet zugeordnet werden kann, werden hier betreut.
Diabetologie und Endokrinologie
Die Abteilung betreut Kinder und Jugendliche mit Diabetes mellitus und anderen endokrinologischen Erkrankungen. Die enge und multiprofessionelle Patientenführung ist hierbei der Schlüssel zu einer langfristig guten Stoffwechseleinstellung.
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Sozialpädiatrie
Das Sozialpädiatrische Zentrum (SPZ) ist ein anerkanntes Zentrum nach § 119 SGB V. Das Behandlungsteam besteht aus Ärzten (Neuropädiatern), Ergotherapeuten, Logopäden, Physiotherapeuten, Diplompsychologen und Sozialpädagogen. Hier werden Kinder und Jugendliche mit motorischen, sprachlichen oder geistigen Entwicklungsstörungen und chronischen neurologischen Erkrankungen betreut.
Behandlungsschwerpunkte im Detail
Die Kindersprechstunde Neurologie in Tübingen deckt ein breites Spektrum an Erkrankungen und Störungen ab. Hier eine detailliertere Übersicht:
Bewegungsstörungen
Hinter Bewegungsstörungen im Kindesalter können sich seltene Krankheitsbilder verbergen. Spezialsprechstunden betreuen Bewegungsstörungen mit Unsicherheit (Ataxien), Muskeltonus-Erhöhungen (spastische Paraparesen) und viele andere.
Diabetes Mellitus
Der Diabetes mellitus im Kindesalter stellt Patienten und Familien vor große Herausforderungen. Die enge und multiprofessionelle Patientenführung ist entscheidend für eine gute Stoffwechseleinstellung.
Frühkindliche Entwicklungsstörungen
Frühkindliche Entwicklungsstörungen sind ein Schwerpunkt der täglichen Arbeit. Das Spektrum reicht von milder Sprachentwicklungsverzögerung über nicht altersgemäße motorische Entwicklung bis hin zu tiefgreifenden Entwicklungsstörungen wie Autismus. Auch ehemalige Frühgeborene werden routinemäßig nachuntersucht.
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Entzündliche Erkrankungen des Nervensystems
Entzündliche Erkrankungen des Nervensystems sind zwar selten, spielen aber eine wichtige Rolle. Dazu gehören die akute demyelinisierende Enzephalitis im frühen Kindesalter und die multiple Sklerose im späteren Kindes- und Jugendalter. Zunehmend werden autoimmunologisch vermittelte Erkrankungen wie die NMDA-Rezeptor-Enzephalitis diagnostiziert.
Zerebrale Krampfanfälle und Epilepsie
Zerebrale Krampfanfälle sind häufig bei Kindern, von einfachen Fieberkrämpfen bis hin zu schwer behandelbaren Epilepsiesyndromen. Als Teil des Epilepsiezentrums Tübingen stehen umfassende diagnostische Möglichkeiten zur Verfügung. Ein Schwerpunkt sind vererbte Ionenkanalerkrankungen.
Verhaltensstörungen
Verhaltensstörungen bei Kleinkindern sind oft vorübergehend. In manchen Fällen können sie jedoch auf eine neurologische Erkrankung oder Entwicklungsstörung hinweisen. Eine umfassende und multiprofessionelle Entwicklungs- und Verhaltensbeobachtung steht zur Verfügung.
Hirntumoren
Hirntumoren sind die häufigsten soliden Tumore im Kindesalter. Die Betreuung erfolgt in enger Kooperation mit der pädiatrischen Neurochirurgie und der pädiatrischen Hämatologie. Die Nachsorge wird interdisziplinär durchgeführt.
Hydrozephalus und Spina Bifida
Kinder mit Hydrozephalus mit oder ohne begleitende Fehlbildungen an der Wirbelsäule (Spina bifida) werden in enger Zusammenarbeit mit den pädiatrischen Neurochirurgen betreut. Kinder mit Wirbelsäulenfehlbildungen werden in einem multiprofessionellen Team betreut, zu dem auch Kinderurologen und Kinder-Schlafmediziner gehören.
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Die Spina bifida (angeborene Verschlussstörung des Neuralrohres) gehört zu den häufigsten angeborenen Fehlbildungen des Menschen. In Abhängigkeit der Höhe der betroffenen Rückenmarksanteile kommt es zu unterschiedlichen Symptomen wie: Lähmungen und Empfindungsstörungen der Beine, Funktionsstörungen von Blase und Mastdarm, Hydrozephalus (Hirnwasseraufstau), Verkrümmung der Wirbelsäule. In einer interdisziplinären Spezialsprechstunde für Patienten mit Spina bifida werden Kinder und Jugendliche aller Altersstufen umfassend betreut.
Kinderinfektiologie
Die Kinderinfektiologie befasst sich mit der Prävention, Diagnostik und Therapie von Infektionskrankheiten im Säuglings-, Kindes- und Jugendalter.
Schädelfehlbildungen
Fehlbildungen im Bereich des knöchernen Schädels und des Gesichts können früh nach der Geburt offensichtlich sein oder sich erst langsam im Laufe des ersten Lebensjahres zeigen. Für einige dieser Krankheitsbilder ist eine frühe Operation sinnvoll. Solche Patienten werden in einer multiprofessionellen Sprechstunde gemeinsam mit pädiatrischen Neurochirurgen und Kollegen aus der Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgie angeschaut. In der Sprechstunde werden Kinder mit verschiedenen Fragestellungen aus diesem Bereich gesehen. Bei Bedarf wird die erforderliche Diagnostik, meist in Form von einer sonographischen Untersuchung, veranlasst. Eine Fotografin steht zur erforderlichen Dokumentation zur Verfügung. Die Beratung erfolgt bei Fehlbildungen und Asymmetrien des kindlichen Hirn- und Gesichtsschädels, sowie zu möglichen konservativen und operativen Behandlungen.
Leukodystrophien
Hinter der Krankheitsgruppe der Leukodystrophien verbergen sich seltene und meist erbliche Erkrankungen der weißen Hirnsubstanz. Die Abteilung hat viel Erfahrung mit der Metachromatischen Leukodystrophie und bringt spezialisierte Laborverfahren für die differentialdiagnostische Abklärung ein. In der Betreuung und Therapie wird mit europäischen Netzwerken und Partnern zusammengearbeitet. Im interdisziplinären Rahmen wird als Schwerpunktzentrum für Metachromatische Leukodystrophie (MLD) und Morbus Krabbe in der Leukodystrophie-Sprechstunde deutschlandweit Familien mit betroffenen Kindern betreut. Angeboten werden individuelle Beratung und Betreuung von Familien, Leukodystrophie-Sprechstunde (SPZ) , Erstdiagnose, Zweitmeinung, Therapie-Beratung und -begleitung.
Muskelerkrankungen
Muskelerkrankungen im Kindesalter sind vielfältig. Neben klassischen Erkrankungen wie der Duchenne‘schen Muskeldystrophie oder der spinalen Muskelatrophie wird das gesamte Spektrum in enger Kooperation mit den Erwachsenenneurologen und anderen Disziplinen im Muskelzentrum Stuttgart-Tübingen betreut. Auch Erkrankungen der peripheren Nerven (Neuropathien) werden behandelt, wobei die ganze Breite der neurophysiologischen Untersuchungsmethoden eingesetzt wird.
Neurofibromatosen
Die Neurofibromatosen gehören zu den seltenen Erkrankungen und die Diagnose kann im Kindesalter oft erst im Verlauf gestellt werden. Die Krankheitsverläufe sind individuell sehr unterschiedlich und Krankheitsmerkmale oft komplex. Die Betreuung erfolgt in enger Kooperation mit der pädiatrischen Neurochirurgie, wenn eine Operation notwendig wird. In der Neurofibromatose-Ambulanz werden Kinder und Jugendliche bis zum Alter von 18 Jahren mit den verschiedenen Formen der Neurofibromatosen betreut. Für eine Erstvorstellung wird um Zusendung eines Fragebogens gebeten. Alle Formen der Entwicklungsdiagnostik/ Neuropsychologische Untersuchung sind auch im Rahmen der Sprechstunde möglich. Aufgrund der Komplexität des Krankheitsbildes findet die Versorgung der Patientinnen und Patienten im Rahmen des ZNF (Zentrum für Neurofibromatosen) am Zentrum für seltene Erkrankungen (ZSE) statt. Bei primär chirurgischer Fragestellung kann eine Vorstellung direkt in der Sprechstunde pädiatrische Neurochirurgie im Rahmen des ZNF erfolgen.
Die Neurofibromatose Typ 1 (NF 1, „Morbus Recklinghausen“) ist eine seltene Erkrankung. Sie entsteht durch eine Genveränderung auf dem Chromosom 17 und ist die im Kindesalter häufigste Form der Neurofibromatosen. Die Diagnose wird klinisch (durch die Untersuchung) gestellt, wenn mindesten zwei der folgenden Kriterien vorliegen: Sechs oder mehr Café-au-lait-Flecken mit einem Durchmesser von mehr als 5 mm vor der Pubertät, bzw. mehr als 15 mm nach der Pubertät, Zwei oder mehr Neurofibrome oder ein plexiformes Neurofibrom, Sommersprossenartige Pigmentierung der Haut in der Achselhöhle oder in der Leistengegend („Freckling“), Tumor am Sehnerv (Optikusgliom), Mindestens 2 Irishamartome (Pigmentanreicherungen auf der Regenbogenhaut des Auges, auch „Lisch-Knötchen“ genannt), Typische Knochenveränderungen (Keilbeinflügeldysplasie, Verkrümmung der langen Röhrenknochen), Verwandter 1. Grades mit der Diagnose NF1. Das NF 1-Gen hat aber auch wichtige Funktionen für das Lernen und die Entwicklung. Bei bis zu 70 % der Kinder findet sich eine Aufmerksamkeitsstörung ohne (ADH) und mit Hyperaktivität (ADHS). Außerdem können Teilleistungsstörungen wie Lese-Rechtschreibschwäche oder eine Rechenstörung auftreten.
Seltene Erkrankungen
Seltene Erkrankungen sind häufig erblich und betreffen oft das Nervensystem. Die Abteilung ist ein integraler Bestandteil des Zentrums für seltene Erkrankungen am Universitätsklinikum Tübingen und arbeitet eng mit den Kollegen der Genetik zusammen.
Diagnostik und Therapie
Die Kindersprechstunde Neurologie in Tübingen bietet ein breites Spektrum an diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten. Dazu gehören:
- Neurometabolisches Labor: Mit besonderer Expertise im Bereich lysosomaler Erkrankungen.
- MRT-Diagnostik: Mittels speziellen Leukodystrophie-Untersuchungen in der Neuroradiologischen Abteilung.
- Genetische Diagnostik: Im Institut für Medizinische Genetik in Tübingen.
- EEG, Sonografien, Röntgenuntersuchungen: In der Kinderklinik.
- Neurophysiologische Untersuchungen: (Akustisch, sensibel und visuell evozierte Potentiale) im Labor der Neurologischen Klinik.
- Videourodynamische Untersuchungen: In der Kinderradiologie durch die Kollegen der Kinderchirurgie.
- Komplexere Untersuchungen: (Schlaflaboruntersuchung, Langzeit-Video-EEG, Hirndruckmessung, Shuntfunktionsstudie).
Als Therapieoptionen werden angeboten:
- Gentherapie Libmeldy®: In Zusammenarbeit mit der Abteilung Hämatologie/Onkologie der Kinderklinik.
- Hämatopoietische Stammzelltransplantation (HSZT): Als Therapie-Option bei juveniler MLD wird in der Abteilung Hämatologie/Onkologie der Kinderklinik angeboten.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit
Die Kindersprechstunde Neurologie arbeitet eng mit anderen Fachbereichen der Universitätsklinik Tübingen zusammen, um eine umfassende und koordinierte Versorgung der Patienten zu gewährleisten. Dazu gehören:
- Pädiatrische Neurochirurgie
- Pädiatrische Hämatologie/Onkologie
- Kinderurologie
- Kinder-Schlafmedizin
- Erwachsenenneurologie
- Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie
- Institut für Medizinische Genetik
Das Team
Das Behandlungsteam besteht aus erfahrenen Ärzten (Neuropädiatern), Ergotherapeuten, Logopäden, Physiotherapeuten, Diplompsychologen und Sozialpädagogen.
Ziel der Behandlung
Ziel der Behandlung ist eine diagnostische Zuordnung der Erkrankung und die Erstellung eines umfassenden Behandlungs- und Hilfeplanes.
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