Nervenschmerzen in der Achselhöhle: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Schmerzen in der Achselhöhle können vielfältige Ursachen haben, die von harmlosen Muskelverspannungen bis hin zu ernsthaften Erkrankungen reichen. Die Achselhöhle (Axilla) ist ein komplexer Bereich des Körpers, der zahlreiche anatomische Strukturen wie Muskeln, Lymphknoten, Blutgefäße und Nervenbahnen beherbergt. Daher ist es wichtig, die möglichen Ursachen von Achselschmerzen zu kennen, um eine angemessene Diagnose und Behandlung zu gewährleisten.

Anatomie der Achselhöhle

Die Achselhöhle ist der Raum zwischen Brustkorb, Schulter und Oberarm. Ihre Form wird durch die Innenfläche der Schultergelenke vorgegeben und durch verschiedene Muskelanteile genauer definiert. Innerhalb der Achselhöhle befinden sich:

  • Schweißdrüsen (Glandulae sudorigerae apocrinae): Diese Drüsen sondern auch Sexual-Botenstoffe (Pheromone) ab.
  • Achsellymphknoten (Nodi lymphatici axillares): Diese spielen eine wichtige Rolle im Immunsystem.
  • Blutgefäße: Achselvene (Vena axillaris) und Achselarterie (Arteria axillaris) mit ihren Nebenästen.
  • Nervenbahnen: Armgeflecht (Plexus brachialis), ein Nervengeflecht, aus dem die Nerven der Arme, Schulter und Brust hervorgehen.

Häufige Ursachen von Nervenschmerzen in der Achselhöhle

Aufgrund der komplexen Anatomie der Achselhöhle können Schmerzen in diesem Bereich verschiedene Ursachen haben. Hier sind einige der häufigsten:

1. Muskuläre Ursachen

  • Überlastung oder Fehlbelastung: Muskelschmerzen durch Über- oder Fehlbelastung der Achselmuskulatur beim Training oder durch ungewohnte Bewegungen im Alltag. Eine geschwächte Rotatorenmanschette kann ebenfalls zu Schmerzen führen, besonders bei arm- und schulterlastigen Sportarten.
  • Haltungsfehler: Bewegungsmangel und monotone Arm- und Schulterhaltung, z.B. bei der Arbeit am PC oder beim Spielen von Computer- und Konsolenspielen, können zu Muskelverspannungen und Schmerzen führen.
  • Verspannungen oder Zerrungen: Verspannungen oder Zerrungen von Muskeln, die sich nahe der Achselhöhle befinden, können zu Schmerzen unter der Achsel führen.

2. Lymphknotenschwellungen

  • Infektionen: Schwellungen der Achsellymphknoten (Nodi lymphatici axillares) sind ein häufiges Symptom von Infektionen im Körper, da sie im Zuge von immunologischen Abwehrreaktionen versuchen, durch die massive Produktion von Abwehrzellen den Infektionserregern Einhalt zu gebieten. Dies kann durch lokale Entzündungen oder organübergreifende Infektionen verursacht werden.
  • Lymphknotenkrebs: Obwohl gefürchtet, ist Lymphknotenkrebs eine eher seltene Ursache für Achselschmerzen.
  • Metastasierung: Krebszellen können sich in die Lymphgefäße absetzen und in den Lymphknoten Metastasen bilden, was zu Schwellungen und Schmerzen führen kann. Eine typische Krebserkrankung, die auf diesem Wege recht häufig angeschwollene Achsellymphknoten und im späteren Verlauf auch reizbedingte Schmerzen verursacht, ist Brustkrebs.

3. Verletzungen und degenerative Erkrankungen

  • Verletzungen: Gewalteinwirkungen auf die Achsel-, Oberarm- und Schultergegend, die zu Muskelrissen oder Sehnenabrissen führen, können Achselschmerzen verursachen. Eine Einklemmung des Nervengeflechts im Bereich der Achselhöhle kann ebenfalls zu Schmerzen, sensorischen Missempfindungen und motorischen Ausfällen führen.
  • Degenerative Abnutzungserscheinungen: Arthrose im Schultergelenk oder in anderen Gelenkabschnitten kann zu Achselschmerzen führen.
  • Bandscheibenvorfälle: Ein Prolaps der Bandscheiben im Bereich der Hals- und Brustwirbelsäule kann ebenfalls Schmerzen in die Achselhöhle ausstrahlen.

4. Nervenbedingte Ursachen

  • Nervus-axillaris-Neuralgie: Schmerzen und sensorische Störungen, die durch eine Schädigung oder Dysfunktion des Nervus axillaris verursacht werden. Dieser Nerv versorgt sensorisch die Haut über dem Deltamuskel, der die Schulter umgibt. Die häufigsten Ursachen für eine Nervus-axillaris-Neuralgie sind direkte Traumata, Druckschäden durch falsche Lagerung während einer Operation oder wiederholte Überlastung.
  • Kompression des Nervus axillaris: Eine Kompression des Nervus axillaris kann auch Schmerzen verursachen.
  • Nervenentzündung: Entzündungen im Bereich des Nervs können ebenfalls Schmerzen verursachen.
  • Einklemmung des Nervus axillaris: Besonders gefährdet für Einklemmungen ist der Nervus axillaris bei Schulterauskugelungen.

5. Weitere Ursachen

  • Hautirritationen: Schon nach bloßen kosmetischen Interventionen wie der Entfernung der Achselhaare durch eine herkömmliche Rasur kann es bei unsachgemäßer Anwendung zu lokalen Reizungen kommen, die zu brennenden Schmerzen führen.
  • Enge Kleidung: Das Tragen zu enger Kleidung, insbesondere BHs mit zu eng sitzenden Trägern oder drückenden Bügeln, kann Schmerzen in der Achselhöhle verursachen.
  • Gefäßerkrankungen: Einige Gefäßerkrankungen können schmerzende Achselhöhlen provozieren. Weitaus häufiger kommt es allerdings im Zusammenhang mit einer intravenösen Infusionstherapie zum Krankheitsbild der Thrombophlebitis.

Symptome von Nervenschmerzen in der Achselhöhle

Die Art der Schmerzen in der Achselhöhle kann je nach Ursache variieren. Sie können als drückend, dumpf, stechend oder brennend wahrgenommen werden. Die Schmerzen können dauerhaft sein oder nur bei bestimmten Bewegungen auftreten. Begleitende Symptome können sein:

  • Funktionseinschränkungen
  • Taubheitsgefühle
  • Missempfindungen (vor allem im Bereich der Finger)
  • Schwellungen
  • Rötungen
  • Unspezifische Begleitsymptome bei organübergreifenden Infektionen

Bei einer Läsion des Nervus axillaris kommt es zu einem Gewebeschwund (Atrophie) des Musculus deltoideus. Des Weiteren führt eine Schädigung des Nervus axillaris auch zu einer Parese der Armanhebung bei Abduktion seitwärts und vorwärts. Zudem kann eine Läsion des Nervus axillaris als weiteres Symptom auch zu einer Schwäche der Außenrotation führen. Es können auch Sensibilitätsstörungen im Bereich der äußeren Schulter und Schulterkappe bei einer Läsion des Nervus axillaris auftreten. Diese Sensibilitätsstörungen können sich in Taubheitsgefühlen äußern. Eine Läsion des Nervus axillaris kann auch zu sogenannten neuropathischen Schmerzen führen. Dies sind Schmerzen, welche vom Nerven ausgehen. Diese Schmerzen äußern sich als brennende und stechende sowie elektrisierende Schmerzen als typisches Symptom (besonders in der Achselhöhle).

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Diagnose von Nervenschmerzen in der Achselhöhle

Um die Ursache von Achselschmerzen zu ermitteln, ist eine umfassende Untersuchung durch einen Arzt oder eine Ärztin erforderlich. Diese umfasst in der Regel:

  • Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte, um mögliche Unfall- und Krankheitsszenarien, Begleitsymptome, Alltagsgewohnheiten oder Vorerkrankungen aufzudecken.
  • Körperliche Untersuchung: Abtasten der Achselhöhle, Überprüfung der Beweglichkeit der Schulter und des Arms, neurologische Tests.
  • Bildgebende Verfahren: Je nach Verdacht können Röntgenaufnahmen, Ultraschalluntersuchungen oder MRT-Aufnahmen (Magnetresonanztomographie) durchgeführt werden, um die Strukturen in der Achselhöhle genauer zu beurteilen.
  • Weitere Untersuchungen: In einigen Fällen können Blutuntersuchungen, Lymphknotenbiopsien oder elektrophysiologische Untersuchungen (ENG, EMG) erforderlich sein, um die Diagnose zu sichern.

Behandlung von Nervenschmerzen in der Achselhöhle

Die Behandlung von Achselschmerzen richtet sich nach der zugrundeliegenden Ursache. Es gibt sowohl konservative als auch operative Behandlungsmöglichkeiten:

1. Konservative Behandlung

  • Schonung: Bei Überlastung oder Verletzungen sollte die Achselpartie zunächst geschont werden. Vermeiden Sie das Heben schwerer Lasten oder eine erneute Überforderung.
  • Kühlung: Kalte Umschläge, Quarkwickel oder Coolpacks können helfen, die Schmerzen zu lindern.
  • Schmerzmittel: Schmerzmittel wie Diclofenac, Ibuprofen oder Paracetamol können bei Bedarf eingenommen werden.
  • Physiotherapie: Dehnübungen und Kräftigungsübungen können helfen, die Muskulatur zu stärken und die Beweglichkeit zu verbessern. Sanfte Dehnübungen und Bewegungen, die die Belastung des Nervus axillaris minimieren, sind ebenfalls empfehlenswert.
  • Heilpflanzliche Mittel: Bei Muskel- und Gelenkbeschwerden können heilpflanzliche Mittel wie Arnika oder Tiger Balm eingesetzt werden.
  • Anpassung der Lebensweise: Regelmäßige Pausen bei sitzenden Tätigkeiten, Aufwärmtraining vor sportlichen Aktivitäten und das Tragen bequemer Kleidung können helfen, Achselschmerzen vorzubeugen.

2. Operative Behandlung

  • Tumorentfernung: Bei Krebserkrankungen kann eine operative Entfernung des Tumors und der befallenen Lymphknoten erforderlich sein.
  • Drainage von Abszessen oder Zysten: Größere Abszesse oder Zysten können operativ entleert werden.
  • Nervenrekonstruktion: In seltenen Fällen kann eine operative Rekonstruktion des Nervus axillaris erforderlich sein, wenn dieser durch eine Verletzung geschädigt wurde.

Vorbeugung von Nervenschmerzen in der Achselhöhle

Einige Maßnahmen können helfen, Achselschmerzen vorzubeugen:

  • Vermeiden Sie Überlastung und Fehlbelastung der Muskulatur.
  • Achten Sie auf eine gute Körperhaltung.
  • Machen Sie regelmäßige Dehn- und Kräftigungsübungen.
  • Tragen Sie bequeme Kleidung.
  • Vermeiden Sie unnötige Reizungen der Haut in der Achselhöhle.

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