Nervenschmerzen unter Methotrexat (MTX): Ursachen, Behandlung und Management

Methotrexat (MTX) ist ein vielseitiges Medikament, das in der Behandlung verschiedener Erkrankungen eingesetzt wird, von Krebs bis hin zu Autoimmunerkrankungen wie rheumatoider Arthritis und Psoriasis. Obwohl MTX wirksam sein kann, ist es wichtig, sich der potenziellen Nebenwirkungen bewusst zu sein, insbesondere der Nervenschmerzen (Neuropathien), die im Zusammenhang mit der Anwendung auftreten können. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Behandlungsmöglichkeiten und das Management von Nervenschmerzen im Zusammenhang mit MTX.

Einleitung

Rheumatoide Arthritis (RA) ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung, von der in Deutschland jährlich etwa 300-500 von einer Million Menschen neu betroffen sind. Das entspricht etwa 27.000 Neuerkrankungen pro Jahr. Die Prävalenz beträgt ca. 0,8 % der Erwachsenen, d. h. es leben gegenwärtig in Deutschland ca. 534.000 Menschen mit RA. Etwa Dreiviertel der Betroffenen sind Frauen im mittleren und höheren Lebensalter. Die frühzeitige Erkennung und Therapie sind entscheidend, um RA-typische Gelenkveränderungen zu minimieren und die Lebenserwartung zu verbessern.

Die Behandlung der RA hat sich in den letzten Jahren erheblich weiterentwickelt. Nationale und internationale Leitlinien geben einen optimalen Zeitraum von zwölf Wochen bis zur Therapieeinleitung an („window of opportunity“). Standard der Erstlinientherapie ist Methotrexat (MTX), einmal wöchentlich appliziert (am besten subkutan) in einer Dosierung zwischen 15 mg und 20 mg. MTX ist ein Zytostatikum, das die DNA- und RNA-Synthese hemmt und somit entzündungsbedingte Symptome wirksam behandelt.

Ursachen von Nervenschmerzen unter MTX

Nervenschmerzen, auch bekannt als Neuropathien, können eine mögliche Nebenwirkung von MTX sein. Arzneimittelbedingte Neuropathien hängen in der Regel von der Dosis und der Dauer der Verabreichung ab. Der Mechanismus der Schädigung ist fast immer unbekannt. MTX kann Nervenschäden verursachen, indem es den Folatstoffwechsel beeinträchtigt und die Produktion von Blutzellen im Knochenmark unterdrückt. Dies kann zu einer allgemeinen Verschlechterung des Allgemeinzustands und einer erhöhten Anfälligkeit für Infektionen führen.

Weitere Faktoren, die zu Nervenschmerzen unter MTX beitragen können, sind:

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  • Direkte Toxizität: MTX kann Nervenzellen direkt schädigen.
  • Folsäuremangel: MTX ist ein Folsäureantagonist und kann zu einem Mangel an diesem wichtigen Vitamin führen, was Nervenschäden verursachen kann.
  • Immunsuppression: MTX unterdrückt das Immunsystem, was das Risiko von Infektionen erhöht, die wiederum Nervenschmerzen verursachen können.

Symptome von Nervenschmerzen

Die Symptome von Nervenschmerzen können vielfältig sein und von Person zu Person variieren. Einige häufige Symptome sind:

  • Brennen, Stechen oder Schießen in den betroffenen Bereichen
  • Taubheit oder Kribbeln
  • Erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Berührungen
  • Muskelschwäche
  • Schmerzen, die sich nachts verschlimmern

Diagnose von Nervenschmerzen

Die Diagnose von Nervenschmerzen basiert in der Regel auf einer körperlichen Untersuchung, einer Überprüfung der Krankengeschichte und möglicherweise zusätzlichen Tests wie:

  • Nervenleitgeschwindigkeitstests: Diese Tests messen, wie schnell elektrische Signale durch die Nerven wandern.
  • Elektromyographie (EMG): Dieser Test misst die elektrische Aktivität der Muskeln.
  • Nervenbiopsie: In seltenen Fällen kann eine Nervenbiopsie erforderlich sein, um die Ursache der Nervenschmerzen zu ermitteln.

Behandlung von Nervenschmerzen

Die Behandlung von Nervenschmerzen unter MTX zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Einige gängige Behandlungsansätze sind:

  • Dosisreduktion oder Absetzen von MTX: In einigen Fällen kann eine Reduktion der MTX-Dosis oder das Absetzen des Medikaments die Nervenschmerzen lindern.
  • Medikamente: Es gibt verschiedene Medikamente, die zur Behandlung von Nervenschmerzen eingesetzt werden können, darunter:
    • Antidepressiva: Bestimmte Antidepressiva wie Amitriptylin und Duloxetin können bei der Behandlung von Nervenschmerzen wirksam sein.
    • Antikonvulsiva: Antikonvulsiva wie Gabapentin und Pregabalin können ebenfalls bei der Behandlung von Nervenschmerzen eingesetzt werden.
    • Schmerzmittel: In einigen Fällen können Schmerzmittel wie Opioide oder nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) zur Schmerzlinderung eingesetzt werden.
  • Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Muskelkraft und Beweglichkeit zu verbessern und Schmerzen zu lindern.
  • Alternative Therapien: Einige alternative Therapien wie Akupunktur, Massage und Yoga können ebenfalls bei der Behandlung von Nervenschmerzen hilfreich sein.
  • Folsäure-Supplementierung: Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) empfiehlt standardmäßig die Substitution von 5 bis 10 mg Folsäure 24 Stunden nach der Methotrexat-Anwendung, um einem Folsäuremangel vorzubeugen und Nebenwirkungen zu reduzieren. Studien konnten zeigen, dass dadurch mehr als die Hälfte der Menschen, die Nebenwirkungen hatten, die Methotrexat-Behandlung fortsetzen konnten.

Management von Nervenschmerzen

Neben der Behandlung von Nervenschmerzen gibt es auch einige Maßnahmen, die Patienten ergreifen können, um ihre Beschwerden zu lindern und ihre Lebensqualität zu verbessern:

  • Regelmäßige Bewegung: Bewegung kann helfen, die Durchblutung zu verbessern und Schmerzen zu lindern.
  • Gesunde Ernährung: Eine gesunde Ernährung kann helfen, das Nervensystem zu unterstützen und Entzündungen zu reduzieren.
  • Stressmanagement: Stress kann Nervenschmerzen verschlimmern. Entspannungstechniken wie Meditation und Yoga können helfen, Stress abzubauen.
  • Vermeidung von Auslösern: Einige Faktoren wie Kälte, Hitze oder Druck können Nervenschmerzen auslösen. Es ist wichtig, diese Auslöser zu identifizieren und zu vermeiden.
  • Unterstützung suchen: Es kann hilfreich sein, sich mit anderen Menschen auszutauschen, die ebenfalls unter Nervenschmerzen leiden. Es gibt viele Selbsthilfegruppen und Online-Foren, die Unterstützung und Informationen bieten.

Methotrexat: Nutzen und Risiken

MTX ist ein wichtiges Medikament in der Behandlung vieler schwerwiegender Erkrankungen. Es kann Krebs bekämpfen oder das Fortschreiten einer rheumatoiden Arthritis reduzieren. Deshalb hat es auch seine Berechtigung in der Medizin. Selbstverständlich ist man verunsichert, wenn man die vielen Nebenwirkungen liest. Allgemein lässt sich sagen, dass MTX ein potentes und gutes Medikament ist, aber aufgrund der möglichen Nebenwirkungen sollte man regelmäßig seine Blutwerte beim Arzt kontrollieren und sich untersuchen lassen. So kann man etwaige Nebenwirkungen früh detektieren und das Medikament absetzen bzw. anpassen.

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Alternativen zu MTX

Wenn MTX nicht vertragen wird oder nicht ausreichend wirksam ist, gibt es verschiedene Alternativen, die in Betracht gezogen werden können:

  • Andere krankheitsmodifizierende Medikamente (DMARDs): Leflunomid, Sulfasalazin und Hydroxychloroquin sind weitere DMARDs, die zur Behandlung von RA eingesetzt werden können.
  • Biologika: Biologika sind gentechnisch hergestellte Medikamente, die gezielt in das Immunsystem eingreifen und Entzündungen reduzieren.
  • Zielgerichtete synthetische DMARDs: Tofacitinib, Baricitinib und Upadacitinib sind zielgerichtete synthetische DMARDs, die ebenfalls zur Behandlung von RA eingesetzt werden können.

Prävention von MTX-bedingten Nebenwirkungen

Um das Risiko von MTX-bedingten Nebenwirkungen zu minimieren, ist es wichtig, die folgenden Empfehlungen zu beachten:

  • Regelmäßige ärztliche Kontrollen: Regelmäßige Blutuntersuchungen und andere Tests sind wichtig, um mögliche Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen.
  • Folsäure-Supplementierung: Die Einnahme von Folsäure kann helfen, das Risiko von Nebenwirkungen wie Übelkeit, Müdigkeit und Haarausfall zu reduzieren.
  • Vermeidung von Alkohol: Alkohol kann die Leber schädigen und das Risiko von MTX-bedingten Leberschäden erhöhen.
  • Vermeidung von bestimmten Medikamenten: Einige Medikamente wie NSAR und Cotrimoxazol können die Toxizität von MTX erhöhen.
  • Impfungen: Patienten unter MTX sollten sich gegen bestimmte Infektionen impfen lassen, um das Risiko von Komplikationen zu reduzieren.

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