Nervenschmerzen nach Dupuytren OP: Ursachen, Behandlung und was Sie wissen sollten

Die Dupuytren-Kontraktur, erstmals 1831 von dem französischen Chirurgen Baron Guillaume Dupuytren beschrieben, ist eine Erkrankung, die durch eine narbenähnliche, strangförmige Verkürzung der Palmaraponeurose gekennzeichnet ist. Diese bindegewebige Platte liegt unter der Haut der Hohlhand und kann zu Bewegungseinschränkungen der Finger führen. Eine Operation kann hier Abhilfe schaffen, doch nicht selten klagen Patienten danach über Nervenschmerzen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen dieser Schmerzen, die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten und gibt Betroffenen wichtige Informationen an die Hand.

Was ist die Dupuytren-Kontraktur?

Bei der Dupuytren-Kontraktur (D.K.) handelt es sich um eine narbenähnliche, strangförmige, straffe Verkürzung der Palmaraponeurose. Die Palmaraponeurose ist eine unter der Haut der Hohlhand gelegene dreieckförmige, bindegewebige Platte, die am ganzen übrigen Körper in Form einer wesentlich dünneren „Haut“ (Faszie) die Muskulatur und andere Strukturen bedeckt.

Symptome und Diagnose

Erste Anzeichen der Dupuytren-Kontraktur sind üblicherweise steife Finger, Bewegungseinschränkungen sowie Knoten in der Hohlhand, vor allem im Bereich des 4. und 5. Fingerstrahles, seltener des 1. bis 3. Strahles, die sich im weiteren Verlauf strangförmig verändern können. Auch Knoten im Bereich der Finger deuten auf die Krankheit hin. Einziehungen der Haut im Bereich der Hohlhand und der Finger können vorhanden sein. Dupuytren-Stränge sind längs, seltener quer verlaufend, von der Hohlhand ausgehend bis auf die Finger, teilweise bis zum Endglied, übergreifend. Symptome wie steife Finger mit Bewegungseinschränkung und das typische klinische Bild sichern die Diagnose. Fehldiagnosen sind kaum möglich. Die Dupuytren-Kontraktur kann sich schnell oder langsam entwickeln, zeitweilig sogar ganz zum Stillstand kommen. Rückbildungen bestehender Kontrakturen sind nicht zu erwarten. Gewöhnlich schreitet die Erkrankung langsam, innerhalb von Jahren, voran. In 15-20% der Fälle können sich auch an den Fußsohlen Kontrakturen entwickeln.

Wann ist eine Operation notwendig?

Ziel einer Operation ist vor allem die Wiederherstellung der Handfunktion, weniger die komplette Entfernung des Kontrakturgewebes. Die Operation ist dann angezeigt, wenn Beuge- oder Krallenstellung der betroffenen Finger zu Funktionseinschränkungen führen oder in seltenen Fällen Schmerzen und/oder kosmetische Beeinträchtigungen bestehen. Die Operation der Dupuytren-Kontraktur erfolgt in der Regel ambulant. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Operation schmerzfrei durchzuführen.

Nervenschmerzen nach der Operation

Häufig klagen Patienten nach der Operation über Narbenschmerzen, die jedoch weitgehend innerhalb der ersten 6-8 Wochen verschwinden. Eine gute Pflege der Narbe mit fetthaltiger Salbe fördert den Heilungsprozess. Komplikationen, die in direktem Zusammenhang mit der Operation stehen, treten äußerst selten auf.

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Ein Bericht eines Patienten schildert jedoch einen anderen Verlauf: Trotz Operation und Nachschneiden bildete sich eine Entzündung mit extremen Schmerzen. Auch nach fast 2 Jahren ist die Hand immer noch eingeschränkt und schmerzhaft, insbesondere am Finger-Hand-Übergang, aber auch an anderen Stellen der Hand, mit Ausstrahlung in den Unterarm. Cortison brachte nur kurzzeitig Linderung.

Mögliche Ursachen für Nervenschmerzen

  • Narbenschmerzen: Die häufigste Ursache sind Narbenschmerzen, die durch die Reizung von Nervenendigungen im Narbengewebe entstehen.
  • Nervenverletzung: In seltenen Fällen kann es während der Operation zu einer Verletzung kleiner Fingernerven kommen, was zu Taubheitsgefühlen oder anhaltenden Schmerzen führen kann. Komplikationen wie die Beschädigung von Nerven und Blutgefäßen sind bei einem Ersteingriff eher selten und treten häufiger ein, wenn zum wiederholten Mal am gleichen Finger operiert wird.
  • Entzündungen: Entzündungen im Operationsgebiet können ebenfalls Nervenschmerzen verursachen.
  • CRPS (Complex Regional Pain Syndrome): In seltenen Fällen kann sich ein komplexes regionales Schmerzsyndrom entwickeln, das durch chronische Schmerzen, Schwellungen und Veränderungen der Hauttemperatur gekennzeichnet ist.
  • Vorhandene Verengung der Hauptvene des Arms (Stenose): Eine schon vor der Operation vorhandene Verengung der Hauptvene des Arms (Stenose) kann den Heilungsvorgang nach der Dupuytren-Operation stark beeinträchtigen und zum Beispiel zu dauerhaft geschwollenen Händen und zum Hand-Finger-Syndrom mit unvollkommenen Faustschluss führen.

Was tun bei Nervenschmerzen?

  • Schmerzkontrolle: Schmerzmittel können helfen, die Schmerzen zu lindern. In manchen Fällen kann eine Schmerzärztin/ein Schmerzarzt Medikamente wie Tilidin verschreiben. Cortison kann ebenfalls helfen, Entzündungen zu reduzieren und Schmerzen zu lindern, aber die Wirkung ist oft nur vorübergehend.
  • Physiotherapie und Ergotherapie: Physiotherapie und Ergotherapie sind wichtige Bestandteile der Nachbehandlung. Sie helfen, die Beweglichkeit der Hand wiederherzustellen, Schwellungen zu reduzieren und die Narben zu mobilisieren. Die zig Stunden Physiotherapie etc. haben nicht immer eine Wirkung.
  • Narbennachbehandlung: Eine gute Narbenpflege ist entscheidend. Die Narbe sollte regelmäßig (4-5 x täglich) mit Ringelblumensalbe (oder anderen fetthaltigen Salben) dünn eingerieben (massiert) werden, um sie weicher, weniger schmerzhaft und besser belastbar zu machen. Unterstützen kann man diesen Effekt auch durch Beklopfen der Narbe.
  • Kälteanwendungen: Regelmäßige Übungen im kalten Wasser (ggf. unter Zusatz von Eiswürfeln) können helfen, Schwellungen zu reduzieren und Schmerzen zu lindern.
  • Nachtschiene: Gelegentlich wird nach einer Operation das Tragen einer Nachtschiene empfohlen.
  • Weitere Behandlungen: Je nach Ursache der Nervenschmerzen können weitere Behandlungen in Erwägung gezogen werden, wie z.B. Injektionen, Nervenblockaden oder operative Revisionen.
  • Psychologische Unterstützung: Chronische Schmerzen können eine erhebliche psychische Belastung darstellen. Psychologische Unterstützung kann helfen, mit den Schmerzen umzugehen und die Lebensqualität zu verbessern.

Nachbehandlung und Rehabilitation

Die spezielle Nachbehandlung beginnt bereits während der Wundheilung. Nach Entfernung der Fäden werden die Bewegungsübungen intensiviert, entweder eigenständig oder unterstützt durch einen Handtherapeuten. Ob und welche dieser Behandlungen notwendig sind, ist ganz verschieden und muss individuell abgestimmt werden. Am Folgetag wird der Verband gewechselt. Die Fäden werden nach 10-12 Tagen gezogen.

Wichtige Aspekte der Nachbehandlung

  • Bewegung: Die nicht im Gipsverband fixierten Gelenke sollen bewegt, aber nicht belastet werden.
  • Kontrolle: Gips- und Weichteilkontrolle, ggf. Entfernung der Redon-Drainage (oder am 2.-3. Tag).
  • Übungen: Beginn mit regelmäßigen (3-4 x tgl.) Übungen im kalten Wasser (ggf. unter Zusatz von Eiswürfeln).
  • Narbenpflege: Beginn mit der Narbennachbehandlung. Narbe 4-5 x tgl. mit Ringelblumensalbe (oder anderen fetthaltigen Salben) dünn einreiben (massieren).

Zweifel am Nutzen einer Nachbehandlung

Eine Untersuchung von H. Herweijer et al. kommt zu dem Ergebnis, dass sich nachbehandelte und nicht nachbehandelte Patientengruppen nicht unterscheiden. Es gibt jedoch keine allgemein verbindliche Vorschrift, wie diese Nachbehandlung aussehen soll. Dazu kommt noch, dass die Nachbehandlung auf den individuellen Patienten und seine speziellen Problem eingehen muss. Generell wird empfohlen, sich schon vor der Operation darum zu kümmern, wer die Nachbehandlung durchführen bzw. unterstützen wird, wenn möglich einen mit Dupuytren erfahrenen Therapeuten/in zu wählen und den allgemeinen Plan mit dem Chirurgen abzusprechen.

Rezidiv und Risikofaktoren

Da für die Dupuytren-Kontraktur eine genetische Disposition vorliegt, ist die Prognose von Patient zu Patient verschieden. Die Krankheit schreitet langsam fort - mit und ohne Operation. Sie verläuft typischerweise in Schüben. In welchem Zeitrahmen dies zu erwarten ist, ist individuell sehr verschieden und kann auch im Voraus nicht festgestellt werden. Man muss leider davon ausgehen, dass die Krankheit nach jeder Operation, aber auch nach jeder anderen Behandlung, wieder auftreten kann. Wenn sie an anderen Stellen auftritt, spricht man von einer Ausbreitung (Englisch: extension), wenn sie im behandelten Bereich erneut auftritt, von einem Rezidiv (Englisch: recurrence).

Je mehr Risikofaktoren bei einem Patienten vorliegen, desto wahrscheinlicher ist das Wiederauftreten der Krankheit. In der Arbeit von Degreef und De Smet variiert die Wahrscheinlichkeit für ein Rezidiv von 36 % (keine Risikofaktoren liegen vor) bis 94 % (alle Risikofaktoren liegen vor).

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