Nervenschmerzen nach Flankenschnitt: Ursachen und Behandlung

Nervenschmerzen nach einem Flankenschnitt können eine belastende Komplikation darstellen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen für diese Schmerzen und gibt einen Überblick über die möglichen Behandlungsansätze.

Was ist ein Flankenschnitt und wann wird er durchgeführt?

Ein Flankenschnitt ist ein chirurgischer Zugang, der an der Seite des Körpers, zwischen Rippen und Hüfte, durchgeführt wird. Er wird häufig bei Operationen an der Niere, den Harnleitern oder der Nebenniere eingesetzt. Beispielsweise kann ein Flankenschnitt bei einer Nierenbeckenplastik zur Korrektur einer Harnleiterabgangsenge oder bei der Entfernung von Nierenzellkarzinomen erforderlich sein. Auch bei ventralen (vorderen) Techniken zur Behandlung von Skoliose kann ein Flankenschnitt zum Einsatz kommen.

Ursachen von Nervenschmerzen nach Flankenschnitt

Nervenschmerzen nach einem Flankenschnitt, auch als postoperative neuropathische Schmerzen bezeichnet, können verschiedene Ursachen haben:

  • Direkte Nervenschädigung während der Operation: Während des Eingriffs kann es zu Kompressionen, Dehnungen, Traumen oder Durchtrennungen von Nerven kommen. Dies kann durch die Lage des Patienten während der Operation oder durch die Instrumente selbst verursacht werden.
  • Entzündungsprozesse: Entzündungen im Operationsgebiet können die peripheren Nerven reizen oder schädigen.
  • Narbenbildung: Narbengewebe kann Nerven einklemmen oder komprimieren. Ein Narbenbruch (Narbenhernie), bei dem sich Bauchinhalt durch eine Schwachstelle im Narbengewebe wölbt, kann ebenfalls Nerven komprimieren.
  • Psoashämatom: Eine Blutung im Bereich des Musculus psoas (Lendenmuskel) kann den Plexus lumbalis schädigen und zu Nervenschmerzen führen.
  • Kompressionssyndrome: Durch die Operation bedingte Veränderungen im Gewebe können zu Kompressionen von Nerven führen, wie beispielsweise beim häufigsten Kompressionssyndrom der unteren Extremität, der Meralgia paraesthetica.
  • Iatrogene Schädigung: Intraoperative Dehnungsverletzungen, beispielsweise bei Hüftoperationen, oder Operationen im Bereich der Aorta oder der Iliakalarterien können zu Nervenschäden führen.
  • Strahlenschäden: Nach Bestrahlung von Tumoren im kleinen Becken können Strahlenschäden des Beinplexus auftreten.

Risikofaktoren für postoperative Nervenschmerzen

Bestimmte Faktoren können das Risiko für die Entwicklung postoperativer Nervenschmerzen erhöhen:

  • Vorerkrankungen der peripheren Nerven: Bereits bestehende Nervenschäden machen die Nerven anfälliger für weitere Schädigungen.
  • Nervenschäden begünstigende Erkrankungen: Diabetes mellitus, periphere Gefäßerkrankungen, Alkoholabhängigkeit oder Arthritis können die Entstehung von Nervenschäden begünstigen.
  • Body-Mass-Index: Sowohl ein sehr hoher als auch ein sehr niedriger BMI können das Risiko erhöhen.
  • Subjektiv erniedrigte Schmerzschwelle oder pessimistische Erlebnisverarbeitung: Psychologische Faktoren können die Schmerzwahrnehmung beeinflussen.
  • Übergewicht: Erhöht den Druck im Bauchraum und kann die Wundheilung beeinträchtigen, was das Risiko für einen Narbenbruch erhöht.
  • Nikotinkonsum: Beeinträchtigt die Durchblutung und Sauerstoffversorgung des Gewebes, was die Wundheilung stört.

Symptome von Nervenschmerzen

Neuropathische Schmerzen zeichnen sich durch eine veränderte Hautsensibilität aus. Betroffene können überempfindlich auf Berührungen, Kälte oder Wärme reagieren oder Taubheitsgefühle verspüren. Die Schmerzen selbst werden oft als brennend, stechend, einschießend oder elektrisierend beschrieben. Manchmal vermeiden die Betroffenen es, den schmerzenden Körperteil zu bewegen, was zu Muskelabbau führen kann.

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Diagnose von Nervenschmerzen

Die Diagnose von Nervenschmerzen basiert auf der Anamnese, der körperlichen Untersuchung und gegebenenfalls auf zusätzlichen Untersuchungen:

  • Anamnese: Der Arzt wird nach der Art der Schmerzen, ihrer Lokalisation, ihrem zeitlichen Verlauf und möglichen Auslösern fragen.
  • Körperliche Untersuchung: Der Arzt wird die Sensibilität und Motorik des betroffenen Bereichs überprüfen.
  • Elektromyographie (EMG): Diese Untersuchung misst die elektrische Aktivität der Muskeln und kann Hinweise auf Nervenschäden liefern.
  • Bildgebende Verfahren: In manchen Fällen können bildgebende Verfahren wie MRT oder CT eingesetzt werden, um andere Ursachen der Schmerzen auszuschließen oder Nervenkompressionen darzustellen.

Behandlung von Nervenschmerzen

Die Behandlung von Nervenschmerzen nach einem Flankenschnitt zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Es gibt verschiedene Therapieansätze:

  • Medikamentöse Therapie:
    • Antikonvulsiva: Medikamente wie Gabapentin oder Pregabalin können die Nervenaktivität reduzieren und Schmerzen lindern.
    • Trizyklische Antidepressiva: Diese Medikamente können ebenfalls bei Nervenschmerzen wirksam sein, indem sie die Schmerzverarbeitung im Gehirn beeinflussen.
    • Selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SSNRI): Medikamente wie Duloxetin oder Venlafaxin können ebenfalls bei Nervenschmerzen eingesetzt werden.
    • Opioide: In schweren Fällen können Opioide zur Schmerzlinderung eingesetzt werden, allerdings bergen sie ein hohes Suchtpotenzial und sollten nur unter strenger ärztlicher Aufsicht verwendet werden.
    • Lokale Therapie: Lidocain-Pflaster können lokal auf die schmerzende Stelle aufgetragen werden, um die Nervenaktivität zu reduzieren.
  • Nicht-medikamentöse Therapie:
    • Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Beweglichkeit zu verbessern, Muskelverspannungen zu lösen und die Schmerzen zu lindern.
    • Ergotherapie: Ergotherapie kann helfen, den Alltag trotz der Schmerzen besser zu bewältigen.
    • Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS): Bei der TENS werden elektrische Impulse über die Haut an die Nerven abgegeben, um die Schmerzübertragung zu blockieren.
    • Akupunktur: Akupunktur kann bei manchen Menschen mit Nervenschmerzen wirksam sein.
    • Psychotherapie: Psychotherapie kann helfen, mit den Schmerzen umzugehen und die Lebensqualität zu verbessern.
  • Invasive Therapie:
    • Nervenblockaden: Bei Nervenblockaden werden Lokalanästhetika in die Nähe der betroffenen Nerven gespritzt, um die Schmerzübertragung zu blockieren.
    • Ganglionblockaden: Ähnlich wie bei Nervenblockaden werden hier Lokalanästhetika in die Nähe von Nervenknoten (Ganglien) gespritzt.
    • Neuromodulationsverfahren: Bei Neuromodulationsverfahren werden elektrische Impulse eingesetzt, um die Nervenaktivität zu modulieren und die Schmerzen zu lindern. Ein Beispiel hierfür ist die Rückenmarkstimulation (Spinal Cord Stimulation, SCS).
  • Operation:
    • Narbenkorrektur: Wenn Narbengewebe die Ursache der Nervenschmerzen ist, kann eine operative Narbenkorrektur helfen, den Druck auf die Nerven zu reduzieren.
    • Behandlung eines Narbenbruchs: Wenn ein Narbenbruch Nerven komprimiert, kann eine operative Reparatur des Narbenbruchs erforderlich sein. Dabei kann die Bauchwand entweder offen oder minimalinvasiv (laparoskopisch) operiert werden. Bei größeren Brüchen wird häufig ein Kunststoffnetz zur Stabilisierung eingesetzt.

Prävention von Nervenschmerzen

Einige Maßnahmen können helfen, das Risiko für die Entwicklung von Nervenschmerzen nach einem Flankenschnitt zu reduzieren:

  • Sorgfältige Operationstechnik: Eine schonende Operationstechnik kann das Risiko für Nervenschäden reduzieren.
  • Optimale Patientenlagerung: Eine korrekte Lagerung des Patienten während der Operation kann Nervenkompressionen vermeiden.
  • Frühzeitige Schmerztherapie: Eine frühzeitige und effektive Schmerztherapie kann die Entwicklung chronischer Schmerzen verhindern.
  • Risikofaktoren minimieren: Das Minimieren von Risikofaktoren wie Übergewicht, Rauchen und Diabetes kann die Wundheilung verbessern und das Risiko für Nervenschäden reduzieren.
  • Vorbeugung eines Narbenbruchs: Ein optimales Wundmanagement nach der Operation und das Vermeiden von starkem Pressen oder Heben schwerer Lasten können das Risiko für einen Narbenbruch reduzieren.

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