Eine Gürtelrose kann mit unangenehmen Symptomen wie Ausschlag, Kribbeln, Jucken und Schmerzen einhergehen. In etwa jedem zehnten Fall drohen sogar langfristige Nervenschmerzen, die die Schlafqualität und Lebensqualität erheblich beeinträchtigen können. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen der Gürtelrose, die besten Behandlungsansätze für akute und chronische Beschwerden und die Möglichkeiten, sich durch eine Zosterimpfung zu schützen. Zudem wird auf die homöopathische Behandlung von Nervenschmerzen nach Gürtelrose eingegangen.
Was ist Gürtelrose? Viren auf Wanderschaft
Plötzliche Schmerzen und ein roter, gürtelförmiger Ausschlag am Rumpf sind typische Symptome einer Gürtelrose. Auslöser ist das Windpocken- oder Varizellenvirus (Varizella-Zoster-Virus), das zur Familie der Herpesviren gehört und die Erkrankung medizinisch als Herpes zoster verursacht.
Der Weg des Virus
Nach einer Infektion mit dem Varizellenvirus erkrankt man zunächst an Windpocken. Nach dem Abheilen des juckenden Ausschlags verschwinden die Viren jedoch nicht vollständig. Sie wandern in bestimmte Nervenzellen, die Ganglienzellen von Hirn- oder Spinalnerven, wo sie lebenslang verbleiben und vom Immunsystem in Schach gehalten werden.
Reaktivierung des Virus
Schwächelt das Immunsystem, können die Viren reaktiviert werden und den Körper erneut „von innen“ befallen. Faktoren, die das Immunsystem schwächen können, sind:
- Seelischer und körperlicher Stress
- Normale Alterungsprozesse
- Immunsuppressive Therapien (z. B. zur Behandlung von Krebs oder rheumatoider Arthritis)
- Immunerkrankungen (z. B. HIV-Infektion)
Manchmal tritt die Gürtelrose auch ohne erkennbaren Grund auf.
Lesen Sie auch: Hüft-TEP und Nervenschmerzen
Typische Symptome einer Gürtelrose
Werden die Viren reaktiviert, wandern sie entlang der Nervenfaser zur Körperoberfläche. Am häufigsten geschieht dies im Bereich von Brustkorb und Rumpf. Auf der Haut verursachen sie dann einen gürtelförmigen Ausschlag mit gleichförmigen Papeln und Bläschen auf rotem Grund. Dieses charakteristische Muster entsteht, weil sich die Viren entlang der Nervenfaser ausbreiten, die gürtelförmig von der Wirbelsäule zur Vorderseite des Körpers verlaufen.
Die Gürtelrose kann sich schon vor dem Hautausschlag durch Kribbeln oder Taubheitsgefühl bemerkbar machen. Ist sie voll ausgeprägt, leiden die Betroffenen unter:
- Fieber und starkem Krankheitsgefühl
- Wundschmerzen im Bereich des Ausschlags
- Nervenschmerzen im Bereich des befallenen Nervs, z. B. starke Missempfindungen (Ameisenlaufen, Juckreiz) und bohrende oder stechende Schmerzen.
Normalerweise heilt der Ausschlag innerhalb von zwei bis vier Wochen folgenlos aus. Bei etwa jeder zehnten Patient*in dauern Schmerzen und Missempfindungen jedoch auch nach Abheilen des Hautausschlags an oder flackern nach einem beschwerdefreien Intervall wieder auf. In diesen Fällen spricht man von der Post-Zoster-Neuralgie.
Achtung, Ansteckungsgefahr!
Die Bläschen des Ausschlags enthalten massenweise Varizellenviren. Gürtelrose-Patient*innen können durch Schmierinfektionen andere infizieren. Besonders gefährdet sind Schwangere, die noch keine Windpocken hatten, da eine Infektion das ungeborene Kind schwer schädigen kann. Um Ansteckungen zu vermeiden, sollte der Ausschlag bis zum Abheilen gut abgedeckt und der Kontakt zu Ungeimpften bzw. noch nicht an Windpocken Erkrankten vermieden werden.
Weitere Formen des Herpes zoster
Neben der typischen Gürtelrose gibt es auch andere Formen des Herpes zoster. Besonders unangenehm ist es, wenn die Varizellen in den Ganglienzellen der Hirnnerven sitzen und dort reaktiviert werden.
Lesen Sie auch: Nervenschaden nach Zahnbehandlung: Symptome und Therapie
- Zoster ophthalmicus: Betrifft den Trigeminalnerv und führt zu Ausschlag und Schmerzen im Bereich von Stirn, Nasenwurzel und Nasenrücken, oft begleitet von Fieber und einem starken Krankheitsgefühl. Es droht die Infektion des Auges mit Bindehautentzündung, Hornhautentzündung, Augenmuskellähmung und sogar Erblindung.
- Zoster oticus: Betrifft die Nerven, die für das Ohr zuständig sind, und äußert sich als Ohrenschmerzen, Hörminderung, Schwindel und schmerzhafte Bläschen am Gehörgang.
- Zoster-Enzephalitis: Befall des Gehirns.
- Zoster generalisatus: Ausbreitung der Varizellenviren über den gesamten Körper inklusive innerer Organe.
Diese schweren, lebensbedrohlichen Varianten kommen bei Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem vor.
Eine weitere seltene Sonderform ist der „Zoster sine herpete“, bei dem die Betroffenen unter heftigen Schmerzen in einem Dermatom leiden, aber keinen typischen bläschenförmigen Ausschlag entwickeln.
Wer ist gefährdet?
Jeder, der einmal an Windpocken erkrankt war, beherbergt die Viren und kann später an einer Gürtelrose oder einer anderen Form des Herpes zoster erkranken. Das Risiko steigt mit dem Alter, da das Immunsystem dann weniger gut arbeitet. Ab 50 nimmt nicht nur die Gefahr einer Virusreaktivierung zu, sondern auch die Schwere der Erkrankung.
Auch Menschen, die gegen Windpocken geimpft wurden, können an einem Herpes zoster erkranken, da sich das abgeschwächte Impfvirus ebenfalls in Ganglienzellen der Spinal- oder Hirnnerven zurückzieht. Ein Zoster nach Impfung tritt jedoch sehr selten auf und verläuft deutlich milder als der Herpes zoster durch das echte Virus.
Akute Behandlung von Gürtelrose: Gegen Virus, Schmerz und Krusten
Die normale Gürtelrose hat eine relativ gute Prognose. Etwa 70-80 % der Fälle heilen mithilfe der passenden Therapie folgenlos aus. Diese basiert auf drei Säulen:
Lesen Sie auch: Medikamentenfreie Schmerzlinderung bei Nervenschmerzen
- Bekämpfung der Viren
- Eindämmung von Schmerzen und Juckreiz
- Förderung der Abheilung der Bläschen
Antivirale Medikamente
Diese Medikamente mildern den Verlauf der Erkrankung und reduzieren die Ansteckungsgefahr. Auf die antivirale Therapie wird nur bei sehr leichten Verläufen verzichtet. Zwingend erforderlich ist sie bei:
- Patient*innen über 50 Jahren
- Zoster im Kopfbereich
- Stark ausgeprägtem Zoster, z. B. beim Befall mehrerer Dermatome am Rumpf
- Kompliziertem Verlauf
- Immunschwäche
Zum Einsatz kommen die Wirkstoffe Aciclovir, Valaciclovir, Famcicluvir und Brivudin. Je nach Präparat werden die antiviralen Medikamente drei- bis fünfmal täglich als Tabletten eingenommen. In schweren Fällen, wie bei Zoster ophthalmicus oder Zoster oticus, werden sie auch intravenös verabreicht, oft in Kombination mit Kortison, um das Risiko für gefährliche Komplikationen wie Seh- oder Hörverlust zu reduzieren.
Schmerztherapie
Der entzündliche Ausschlag verursacht oft unangenehme Wundschmerzen, die mit entzündungs- und schmerzlindernden Wirkstoffen wie Ibuprofen oder Paracetamol behandelt werden. Bei sehr starken Schmerzen kommen auch Opioide wie Oxycodon-Tabletten oder intravenös verabreichtes Morphin zum Einsatz.
Bei neuropathischen Schmerzen, die durch den Angriff des Nervs entstehen, können Wirkstoffe helfen, die auch bei der Post-Zoster-Neuralgie eingesetzt werden, z. B. Gabapentin, Pregabalin oder das Antidepressivum Amitryptilin.
Lokaltherapie
Die lokale Therapie fördert die Abheilung und reduziert das Risiko einer bakteriellen Infektion des Ausschlags. Polihexanid-Gele wirken antiseptisch und helfen, die Verkrustungen zu lösen. Lösungen aus Polihexanid oder Octenidin sind ebenfalls antiseptisch und lindern Schmerzen und Missempfindungen durch ihren kühlenden Effekt. Synthetische Gerbstoffe verringern ebenfalls den Juckreiz und lassen die Läsionen abtrocknen.
Hinweis: Zur lokalen Therapie keine Schüttelmixtur mit Zink verwenden! Diese lindert zwar den Juckreiz, fördert jedoch neuen Untersuchungen zufolge eine bakterielle Infektion der Läsionen. Außerdem lässt sich unter der weißlichen Schicht das Abheilen des Ausschlags nicht gut kontrollieren.
Post-Zoster-Neuralgie: Wenn der Schmerz bleibt
In etwa 10 % der Fälle entwickeln die Betroffenen eine Post-Zoster-Neuralgie. Dabei bleiben die Nervenschmerzen länger als vier Wochen bestehen, obwohl der Hautausschlag längst abgeklungen ist. Manchmal entwickeln sie sich aber auch erst nach einem beschwerdefreien Intervall. Typisch sind Missempfindungen und starke brennende, bohrende oder stechende Schmerzen. Oft ist die Region auch besonders berührungsempfindlich.
Die Behandlung der Post-Zoster-Neuralgie ist kompliziert und erfordert oft die Kombination verschiedener Wirkstoffe. Etwa 30 % der Patient*innen werden auch durch intensive Maßnahmen nicht schmerzfrei. Zum Einsatz kommen:
- Antikonvulsiva (Medikamente gegen Krampfanfälle) wie Gabapentin, Pregabalin
- Antidepressiva wie Amitryptilin
- Opioide wie Tramadol oder Morphin
- Lidocain-Pflaster
- Pflaster mit Capsaicin
- Als Ersatzmedikamente Carbamazepin oder Duloxetin
Bei intakter Hautempfindlichkeit des betroffenen Dermatoms empfehlen manche Ärzt*innen auch die Transkutane elektrische Nervstimulation (TENS). Daneben können auch andere Verfahren der physikalischen Therapie, z. B. Kälte- oder Wärmeanwendungen, helfen, die Beschwerden der Post-Zoster-Neuralgie abzumildern.
Hinweis: Eine Post-Zoster-Neuralgie kann psychisch sehr belastend sein. In manchen Fällen sind Verhaltens- oder Psychotherapien hilfreich, um besser mit den chronischen Schmerzen umzugehen.
Prävention: Die Zosterimpfung als stärkste Waffe
Ein besonders starkes Mittel gegen die Gürtelrose und ihre Komplikationen ist die Zosterimpfung. Es gibt sie mit einem abgeschwächten Virus als Lebendimpfstoff und als Totimpfstoff. Letzterer soll effektiver sein und einen längeren Impfschutz bieten, weshalb dieser von der STIKO vorgezogen wird.
Die STIKO empfiehlt die Zosterimpfung mit dem Totimpfstoff für:
- Alle Personen über 60
- Menschen ab 50 Jahren, die ein erhöhtes Risiko für Herpes zoster haben (z. B. aufgrund einer immunsuppressiven Therapie oder einer Grunderkrankungen wie Diabetes, COPD, oder rheumatoider Arthritis).
Die Impfung erhöht die zelluläre Immunabwehr und unterstützt dadurch den Körper, die in den Nervenzellen sitzenden Varizellenviren weiter in Schach zu halten.
Für einen vollständigen Schutz sind zwei Impfungen mit einem Abstand von zwei bis sechs Monaten erforderlich. Ob eine Auffrischung nötig ist, wird noch diskutiert. Bisher gehen die Expert*innen davon aus, dass Geimpfte etwa zehn Jahre lang vor einer Gürtelrose bewahrt werden.
Hinweis: Die Zoster-Impfung verträgt sich gut mit anderen Impfungen. Auch eine Covid-19-Impfung ist kein Grund, darauf zu verzichten. Zur Sicherheit empfiehlt die STIKO bei der Zoster-Impfung lediglich, vor und nach der Covid-19-Impfung 14 Tage Abstand einzuhalten.
Homöopathie bei Nervenschmerzen nach Gürtelrose
Neben der konventionellen Therapie kann die Homöopathie eine sinnvolle Ergänzung bei der Behandlung von Gürtelrose-bedingten Nervenschmerzen darstellen. In der Homöopathie werden Erkrankungen als Folge einer Dysbalance im Organismus gesehen. Ziel der homöopathischen Behandlung ist es, den erkrankten Organismus bei der Selbstregulation zu unterstützen. Homöopathische Arzneimittel werden individuell passend zum Patienten ausgewählt, um sanfte, aber gezielte Reize zu setzen und so die Selbstheilung anzustoßen und Beschwerden zu lindern.
Wichtig: Homöopathie kann die konventionelle Therapie meist nicht ersetzen, aber sie kann sie sinnvoll begleiten und ergänzen.
Bewährte homöopathische Mittel
Einige homöopathische Mittel haben sich bei der Behandlung von Nervenschmerzen nach Gürtelrose bewährt. Dazu gehören:
- Rhus toxicodendron: Dieses Mittel wird häufig bei Erkrankungen der Sehnen und Bänder, im psychischen Bereich sowie bei Nervenleiden eingesetzt. Es soll akute Schmerzen des Bewegungsapparates bessern, besonders nach Verrenkungen, Verstauchungen und Zerrungen. Auch gegen einen Hexenschuss und Arthrose soll Rhus toxicodendron helfen. Typische Symptome sind beispielsweise steife Gelenke.
- Ranunculus bulbosus: Dieses Mittel wird oft bei Gürtelrose und Kopfneuralgie eingesetzt.
- Gelsemium comp.: Dieses Komplexmittel wird zur Behandlung von Nervenschmerzen eingesetzt und soll eine erhöhte Schmerzempfindung und Druckempfindlichkeit reduzieren. Die naturheilkundlichen Inhaltsstoffe von Gelsemium comp. sind unter anderem Eisenhut (Aconitum), Kockelskörner (Cocculus), Colocynthis (Koloquinte), Rhus toxicodendron (Giftsumach) und Gelsemium (wilder Jasmin).
Schüßler-Salze
Auch Schüßler-Salze können bei der Behandlung von Nervenschmerzen nach Gürtelrose unterstützend wirken:
- Nr. 5, Kalium phosphoricum: Dient als Baumaterial für die Nervenzellen und unterstützt den Kräftehaushalt im Körper. Bei Nervenbelastungen besteht oft ein Mangel an diesem Mineralstoff.
- Nr. 7, Magnesium phosphoricum: Ist ein wichtiger Bestandteil der Nervenbahnen und hat eine positive Wirkung, wenn Nervenschmerzen mit ins Spiel kommen.
- Nr. 10, Natrium sulfuricum: Fördert die Ausscheidung und hat eine entzündungshemmende Wirkung, was den Heilverlauf zusätzlich begünstigt.
- Nr. 21, Zincum chloratum: Trägt zur Immunstärkung und zur Stabilisierung des Nervensystems bei.
Bach-Blüten
Unterdrückte Emotionen können sich über die Haut signalisieren. Daher können auch Bach-Blüten bei der Behandlung von Gürtelrose infrage kommen:
- Nr. 3, Beech: Hilft, Unterstützung von außen besser annehmen zu können.
- Nr. 11, Elm: Ist angezeigt, wenn extreme Anstrengung vorhanden war oder ist.
- Nr. 18, Impatiens: Kann Abhilfe schaffen, wenn Ungeduld und Reizbarkeit vorhanden sind.
- Nr. 35, White Chestnut: Hilft, zur Ruhe zu kommen und die Gedanken zu ordnen.
Fallbeispiel
Ein Patient mittleren Alters wurde wegen einer Gürtelrose an der linken Bauchseite mit Missempfindungen von der linken Leiste bis zur Achsel behandelt. Zudem litt er unter einem linksseitigen Scheitelkopfschmerz, stechend wie ein Stromschlag, schießend nach innen. Nach der Repertorisation wurde das Mittel Staphisagria C 200 einmalig gegeben. Die Therapie schien erfolgreich zu sein. Der Patient hatte nur noch einmal Paracetamol benötigt, die Neuralgie am Kopf war fast verschwunden und neue Zoster-Eruptionen waren nicht mehr aufgetreten.
Was Sie selbst tun können
Erkrankte können auch selbst viel dazu beitragen, die Erkrankung möglichst schnell zu überwinden:
- Kratzen Sie die Bläschen nicht auf - das kann Narben hinterlassen!
- Sorgfältige Hautpflege: Spezielle Lotionen, Gele oder Puder können helfen, den Juckreiz zu lindern und die Bläschen auszutrocknen. Nach dem Austrocknen der Bläschen unterstützen pflegende Cremes die Heilung.
- Schonen Sie sich! Körper und Seele die nötige Ruhe zu gönnen, ist für die Genesung von Gürtelrose enorm wichtig.
- Stärken Sie Ihr Immunsystem: Wer mag, kann sich zusätzlich mit regelmäßigen Wechselduschen oder Saunieren abhärten. In Belastungsphasen sind vor allem Eisen, Zink und Vitamin D3 wichtige Mikronährstoffe fürs Immunsystem. Und das Nervensystem braucht genug B-Vitamine und Magnesium.
- Ernährung: Eine immunstärkende, basenreiche Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse ist ratsam. Auch auf eine ausreichende Zufuhr von Vitamin C und Zink sollte geachtet werden. Hochwertige Öle, wie z.B. Leinöl, Olivenöl oder Kokosöl, können ebenfalls positiv wirken. Gemieden werden sollen Nahrungsmittel, die das Immunsystem schwächen.
tags: #nervenschmerzen #nach #gurtelrose #homoopathie