Die operative Behandlung eines Schnappfingers, bei der das Ringband gespalten wird, ist ein risikoarmer Eingriff. Dennoch können in seltenen Fällen Komplikationen auftreten, darunter auch Nervenschmerzen. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen für Nervenschmerzen nach einer Ringband-OP, die Behandlungsmöglichkeiten und gibt Hinweise zur Vorbeugung.
Grundlagen der Ringband-OP bei Schnappfinger
Die Beugesehnen der Hand werden durch Ringbänder an den Fingerknochen entlanggeführt. Diese Ringbänder sorgen dafür, dass die Sehnen beim Bewegen des Fingers nicht abstehen. Bei einer Ringbandstenose, auch Schnappfinger genannt, ist die Sehnenscheide entzündet und verdickt, was dazu führt, dass die Sehne nicht mehr reibungslos unter dem Ringband hindurchgleiten kann. Dies äußert sich durch ein schmerzhaftes Schnappen des Fingers beim Beugen oder Strecken.
Ursachen und Diagnose des Schnappfingers
Typischerweise entsteht eine Ringbandstenose durch Überlastung, Verschleiß oder chronisch-entzündliche Prozesse. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Anfangs bemerken Betroffene oft einen unvollständigen Faustschluss, besonders morgens. Die Diagnose wird in der Regel durch die Krankheitsgeschichte und eine klinische Untersuchung gestellt.
Operative Behandlung: Ringbandspaltung
Wenn konservative Maßnahmen wie Schonung, Kortisonspritzen und Physiotherapie nicht ausreichend helfen, kann eine Operation in Betracht gezogen werden. Dabei wird das A1-Ringband, welches sich am Grundgelenk befindet, durch einen kleinen Schnitt gespalten. Dies kann offen oder perkutan (durch die Haut) erfolgen. Ziel des Eingriffs ist es, die Gleitfähigkeit der Sehne wiederherzustellen.
Ursachen für Nervenschmerzen nach Ringband OP
Obwohl die Ringbandspaltung als risikoarm gilt, können Nervenschmerzen nach dem Eingriff auftreten. Mögliche Ursachen sind:
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- Direkte Nervenverletzung: Während der Operation kann es in seltenen Fällen zu einer direkten Verletzung eines Fingernervs kommen. Da die genannten Komplikationen eine erhebliche Beeinträchtigung verursachen, sollte der Eingriff nur von erfahrenen Operateur:innen ausgeführt werden.
- Nervenkompression: Durch die Operation kann es zu Schwellungen und Vernarbungen im Operationsgebiet kommen, die auf einen Nerv drücken und so Schmerzen verursachen.
- Narbenbildung: Narbengewebe kann sich um einen Nerv bilden und diesen einengen oder reizen, was zu chronischen Schmerzen führen kann. Das Narbenareal kann nach Veranlagung längere Zeit verhärtet, gerötet und berührungsempfindlich sein, wobei diese Beschwerden innerhalb weniger Monate abklingen.
- CRPS (Complex Regional Pain Syndrome): In sehr seltenen Fällen kann sich ein komplexes regionales Schmerzsyndrom entwickeln, das durch chronische Schmerzen, Schwellungen und Veränderungen der Hauttemperatur gekennzeichnet ist. Außerordentlich selten ist das Auftreten eines komplexen regionalen Schmerzsyndroms, früher auch „Morbus Sudeck“ genannt, mit Abbau von Muskel- und Knochengewebe bis hin zur Versteifung von Gelenken.
- Entzündung: Eine anhaltende Entzündung im Operationsgebiet kann ebenfalls Nervenschmerzen verursachen.
Symptome von Nervenschmerzen
Nervenschmerzen nach einer Ringband-OP können sich unterschiedlich äußern. Typische Symptome sind:
- Brennende, stechende oder schneidende Schmerzen: Die Schmerzen werden oft als andersartig im Vergleich zu normalen Wundschmerzen beschrieben.
- Überempfindlichkeit: Die Haut im betroffenen Bereich kann sehr empfindlich auf Berührungen reagieren (Allodynie).
- Kribbeln oder Taubheitsgefühl: Diese Empfindungen können im Finger oder in der Hand auftreten.
- Ausstrahlende Schmerzen: Die Schmerzen können sich entlang des Nervenverlaufs ausbreiten.
- Bewegungseinschränkungen: Schmerzen können die Beweglichkeit des Fingers beeinträchtigen. Eine Bewegungseinschränkung kann aber auch bereits als Folge der Erkrankung vorliegen und bildet sich dann nur langsam oder überhaupt nicht zurück.
Diagnose von Nervenschmerzen
Um die Ursache von Nervenschmerzen nach einer Ringband-OP zu ermitteln, wird der Arzt eine gründliche Untersuchung durchführen. Dazu gehören:
- Anamnese: Erhebung der Krankheitsgeschichte und Beschreibung der Schmerzen durch den Patienten.
- Körperliche Untersuchung: Überprüfung der Sensibilität, Motorik und Reflexe im betroffenen Bereich.
- Provokationstests: Spezielle Tests, um den Nerv zu reizen und die Schmerzen auszulösen.
- Bildgebende Verfahren: In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie MRT oder Ultraschall eingesetzt werden, um andere Ursachen für die Schmerzen auszuschließen.
- Nervenleitgeschwindigkeitsmessung (NLG): Diese Untersuchung kann helfen, die Funktion der Nerven zu beurteilen und eine Nervenschädigung festzustellen.
Behandlung von Nervenschmerzen
Die Behandlung von Nervenschmerzen nach einer Ringband-OP richtet sich nach der Ursache und der Schwere der Schmerzen. Folgende Therapieansätze können zum Einsatz kommen:
- Schmerzmittel:
- Nicht-opioide Schmerzmittel: Medikamente wie Ibuprofen oder Diclofenac können bei leichten bis mittelschweren Schmerzen helfen, die Entzündung zu reduzieren.
- Opioide Schmerzmittel: Bei starken Schmerzen können Opioide kurzfristig eingesetzt werden.
- Antidepressiva: Bestimmte Antidepressiva (z.B. Amitriptylin) können bei Nervenschmerzen helfen, indem sie die Schmerzwahrnehmung beeinflussen.
- Antikonvulsiva: Medikamente, die eigentlich zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt werden (z.B. Gabapentin, Pregabalin), können ebenfalls bei Nervenschmerzen wirksam sein.
- Lokale Behandlungen:
- Cremes und Salben: Capsaicin-Creme oder Lokalanästhetika können lokal aufgetragen werden, um die Schmerzen zu lindern.
- Pflaster: Lidocain-Pflaster können ebenfalls zur lokalen Schmerzlinderung eingesetzt werden.
- Physiotherapie: Gezielte Übungen können helfen, die Beweglichkeit zu verbessern, Narbengewebe zu lösen und die Muskulatur zu stärken. Bereits vom Operationstag an ist eine aktive Fingergymnastik erforderlich, wobei die Finger mehrmals in der Stunde vollständig zur Faust gebeugt und vollständig gestreckt werden sollten. Gelegentlich sind physiotherapeutische Übungsbehandlungen notwendig.
- Ergotherapie: Ergotherapeuten können helfen, den Alltag trotz der Schmerzen besser zu bewältigen und компенсаatorische Strategien zu entwickeln.
- Nervenblockaden: Injektionen mit Lokalanästhetika oder Kortikosteroiden können die Schmerzweiterleitung blockieren und so die Schmerzen lindern.
- TENS (Transkutane Elektrische Nervenstimulation): Bei dieser Methode werden elektrische Impulse über die Haut an die Nerven gesendet, um die Schmerzweiterleitung zu beeinflussen.
- Operation: In manchen Fällen kann eine erneute Operation erforderlich sein, um Narbengewebe zu entfernen, einen Nerv zu dekomprimieren oder eine Nervenrekonstruktion durchzuführen. Die genannten Komplikationen können Nachoperationen erforderlich machen, die Behandlungsdauer verlängern und bleibende Funktionsstörungen der Hand verursachen.
- Psychologische Betreuung: Chronische Schmerzen können zu psychischen Belastungen führen. Eine psychologische Betreuung kann helfen, mit den Schmerzen umzugehen und die Lebensqualität zu verbessern.
Zusätzliche Maßnahmen
- Kühlen: Kühlen des betroffenen Bereichs kann helfen, Schwellungen und Entzündungen zu reduzieren. Bei stärkerer Schwellung sollten neben einer Lockerung des Verbandes zusätzlich mehrmals täglich Eispackungen angewendet werden. Die Wunde darf hierbei nicht feucht werden.
- Hochlagern: Hochlagern der Hand kann ebenfalls helfen, Schwellungen zu reduzieren. Um ein Anschwellen der Hand nach der Operation zu vermeiden und um eine rasche Wundheilung zu erreichen, sollte die Hand in den ersten Tagen in Brusthöhe gehalten und geschont werden. Eine Armschlinge ist hierzu nicht notwendig.
- Sanfte Massage: Sanfte Massage des Narbengewebes kann helfen, Verklebungen zu lösen und die Durchblutung zu fördern.
- Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung oder autogenes Training können helfen, die Schmerzen zu lindern und Stress abzubauen.
Vorbeugung von Nervenschmerzen
Obwohl Nervenschmerzen nach einer Ringband-OP nicht immer vermeidbar sind, gibt es einige Maßnahmen, die das Risiko reduzieren können:
- Wahl eines erfahrenen Operateurs: Ein erfahrener Handchirurg minimiert das Risiko von Nervenverletzungen während der Operation.
- Sorgfältige Operationstechnik: Eine schonende Operationstechnik kann helfen, Nerven zu schonen und Komplikationen zu vermeiden.
- Frühzeitige Mobilisierung: Eine frühzeitige Mobilisierung nach der Operation kann helfen, Verklebungen und Narbenbildung zu reduzieren.
- Konsequente Nachbehandlung: Eine konsequente Nachbehandlung mit Physiotherapie und Ergotherapie kann helfen, die Beweglichkeit zu verbessern und Schmerzen zu lindern.
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