Nervenschmerzen im Rücken und Bein: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Rückenschmerzen sind ein weit verbreitetes Leiden, das viele Menschen im Laufe ihres Lebens betrifft. Oftmals sind die Ursachen unspezifisch und schwer zu bestimmen. Wenn jedoch Schmerzen im unteren Rücken mit Beschwerden im Bein einhergehen, kann dies auf eine sogenannte Spinalkanalstenose hindeuten. In diesem Artikel werden die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von Nervenschmerzen im Rücken und Bein, insbesondere im Zusammenhang mit einer Spinalkanalstenose und Ischialgie, detailliert erläutert.

Was ist eine Spinalkanalstenose?

Bei einer Spinalkanalstenose verengt sich der Wirbelkanal der Wirbelsäule, auch Spinalkanal genannt. Dieser Kanal beherbergt die Nervenbahnen des Rückenmarks sowie Blutgefäße, die auch die Beine versorgen. Eine Verengung des Wirbelkanals kann dazu führen, dass nicht mehr genügend Platz für Nerven und Gefäße vorhanden ist, was Beschwerden im Rücken und in den Beinen auslösen kann. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass eine Spinalkanalstenose nicht zwangsläufig Beschwerden verursachen muss.

Die Spinalkanalstenose kann angeboren sein, entsteht jedoch viel häufiger durch den natürlichen Alterungsprozess des Körpers, was als degenerative Spinalkanalstenose bezeichnet wird. Mit zunehmendem Alter kommt es zu Abnutzungserscheinungen an Bandscheiben, Knochen und Bändern der Wirbelsäule. Die Bandscheiben verlieren an Flüssigkeit, werden spröde und rissig, was die Stabilität der Wirbelsäule beeinträchtigen kann. Der Körper versucht manchmal, dies durch Knochenbildung an den Wirbeln auszugleichen (Spondylophyten). Veränderungen an der Wirbelsäule können auch die natürliche Krümmung der unteren Wirbelsäule verstärken, was zu einem Hohlkreuz oder Flachrücken führen kann.

Spinalkanalstenosen sind bei Menschen unter 50 Jahren eher selten, treten aber mit steigendem Alter häufiger auf. In der Magnetresonanztomografie (MRT) ist bei etwa 20 bis 30 von 100 Menschen über 60 Jahren eine Spinalkanalstenose erkennbar.

Symptome einer Spinalkanalstenose

Eine Spinalkanalstenose kann sich durch verschiedene Symptome äußern, darunter:

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  • Schmerzen im unteren Rücken: Diese können bis in Gesäß und Oberschenkel ziehen, manchmal auch bis in den Unterschenkel.
  • Ischialgie: Schmerzen, die ins Bein ausstrahlen, werden umgangssprachlich als "Ischias" bezeichnet.
  • Belastungsabhängige Beschwerden: Die Symptome treten typischerweise bei Belastung auf, insbesondere beim langsamen Gehen oder Stehen.
  • Entlastung durch Vorbeugen: Leichtes Vorbeugen entlastet die Nerven, weshalb sich Betroffene beim Gehen oft leicht nach vorne lehnen oder sich zwischendurch setzen, um den Oberkörper nach vorne zu beugen.
  • Eingeschränkte Gehstrecke: Längere Strecken können aufgrund der Beschwerden nicht so gut zurückgelegt werden.
  • Kribbeln und Taubheitsgefühle: Diese können in den Beinen auftreten.
  • Lähmungserscheinungen: In seltenen Fällen kann es zu Lähmungserscheinungen kommen, die zu Unsicherheit auf den Beinen führen können.
  • Kauda-Syndrom: In sehr seltenen Fällen können Taubheitsgefühle oder Lähmungserscheinungen auf ein ernsthaftes Problem wie eine Nervenschädigung hinweisen. Beim sogenannten Kauda-Syndrom kommt es zu Lähmungen oder einer plötzlichen Störung der Blasen- oder Darmfunktion.

Die Schmerzen nehmen meist schleichend über Jahre zu, wobei sich viele Betroffene nicht genau erinnern können, wann sie angefangen haben. Beschwerden wie Taubheit oder Kribbeln in den Beinen kommen oft erst nach längerer Zeit hinzu. Es ist jedoch auch möglich, dass die Beschwerden von selbst wieder nachlassen.

Lumboischialgie: Wenn der Schmerz ins Bein ausstrahlt

Unter einer Lumboischialgie versteht man Kreuzschmerzen in der Lendenwirbelsäule, die von dort in den Ober- und Unterschenkel ausstrahlen. Wenn Schmerzen vom Rücken in das Bein ausstrahlen, unterscheidet man radikuläre und pseudoradikuläre Schmerzen.

  • Radikuläre Schmerzen: Diese entstehen durch die Kompression einer Nervenwurzel im Wirbelkanal (Spinalkanal), z.B. durch einen Bandscheibenvorfall.
  • Pseudoradikuläre Schmerzen: Diese fühlen sich wie ein Nervenwurzelschmerz an, sind es aber nicht. Sie strahlen zwar auch in das Bein aus, zumeist jedoch nicht weiter als bis zum Knie. Sie entstehen auch nicht durch die Kompression einer Nervenwurzel, sondern sind Gelenkschmerzen (Ileo-Sakral-Gelenk, Facettengelenk der Lendenwirbelsäule), die in den Oberschenkel ausstrahlen können.

Eine Lumboischialgie liegt definitionsgemäß nur bei radikulären Schmerzen vor und - wenn man die Begrifflichkeit genau einhält - auch nur bei der Kompression von Nervenwurzeln, welche am Ende den Ischiasnerv bilden, also der Nervenwurzeln L4, L5 und S1.

Radikuläre Schmerzen bei einer Lumboischialgie

Das Rückenmark ist kürzer als die Wirbelsäule, da es im Laufe seiner Ausbildung mit dem Längenwachstum der Wirbelsäule nicht mitgehalten hat. Das Rückenmark endet ungefähr auf Höhe des 1. Lendenwirbels, also ungefähr knapp oberhalb des Bauchnabels. Von dort an liegt im Wirbelkanal (Spinalkanal) nicht mehr das Rückenmark selbst, sondern nur noch eine Ansammlung von Nervenwurzeln, die zu dem für sie vorgesehenen Nervenaustrittsloch (Neuroforamen) an der weiter unten gelegenen Lendenwirbelsäule ziehen. Wegen der Ähnlichkeit mit einem Pferdeschweif spricht man auch von der „Cauda equina“.

Da es fünf Lendenwirbel gibt, gibt es auch Nervenaustrittslöcher auf fünf verschiedenen Segmenthöhen. Je nachdem, wo eine Nervenwurzel den Wirbelkanal Richtung Peripherie verlässt, spricht man von der L1-, L2-, L3-, L4- oder L5-Nervenwurzel. Die erste aus dem Kreuzbein (lat.: Sakrum) austretende Nervenwurzel heißt S1-Nervenwurzel.

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Jede dieser Nervenwurzeln hat eine klar umrissene und sehr individuelle Aufgabe. Sie leitet zum Beispiel Berührungs- und Temperaturempfinden eines ganz bestimmten auf der Hautoberfläche gelegenen Areals weiter zum Gehirn. Dieses Areal wird „Dermatom“ genannt. Aus diesem Dermatom werden auch Schmerzen über die jeweilige Nervenwurzel an das Gehirn geleitet. Deshalb kann man aus der Ausbreitung des Schmerzes Rückschlüsse auf die betroffene Nervenwurzel ziehen und damit auf die Höhe eines möglicherweise vorliegenden Bandscheibenvorfalls. Ähnlich verhält es sich mit Taubheitsgefühlen, welche sich bei Nervenwurzelkompressions-Syndromen ebenfalls auf das von der Nervenwurzel versorgte Dermatom beschränken. Zuletzt innerviert jede Nervenwurzel ganz bestimmte „Kennmuskeln“, die S1-Wurzel zum Beispiel die Wadenmuskulatur. Da wir die Wadenmuskulatur benötigen, um uns auf die Zehen zu stellen, ist eine Schwäche des Zehenspitzenstands ein deutlicher Hinweis auf eine Kompression der S1-Nervenwurzel.

Nachdem sie den Wirbelkanal (Spinalkanal) verlassen haben, bilden die Nervenwurzeln einen großen Nervenknoten, den sogenannten Plexus, aus dem die zwei großen Hauptnervenstämme entspringen, die weiter in das Bein ziehen. Diese beiden Nerven sind der vorne gelegene Femoralnerv und der hinten gelegene Ischiasnerv. Der Femoralnerv wird aus den Nervenwurzeln L1-L3 gebildet, der Ischiasnerv aus den Nervenwurzeln L4-S1. Nimmt man die Definition der Lumboischialgie also ganz genau, so entsteht sie durch Reizung der Nervenwurzel L4, L5 oder S1. Gemeinhin wird mit einer Lumboischiagie aber doch jeder Rückenschmerz in Kombination mit einem Beinschmerz beschrieben.

Ursachen einer Lumboischialgie

Die häufigste Ursache für Rückenschmerzen mit Ausstrahlung in das Bein ist der klassische Hexenschuss, auch Lumbago genannt. Er entsteht vor allem durch Blockierungen in den Ileo-Sakral-Gelenken zwischen dem Becken und dem Kreuzbein und/oder durch Blockierungen der kleinen Wirbelgelenke (Facettengelenke) an der Lendenwirbelsäule.

Die häufigste Ursache für eine echte Lumboischiagie ist dagegen ein Bandscheibenvorfall. Dieser drückt auf die Nervenwurzel entweder direkt im Wirbelkanal oder im ohnehin engen Nervenaustrittsloch und führt zu einer entzündlichen Reizung der Nervenwurzel, welche nun Schmerzen hervorruft, die aus dem von der Nervenwurzel versorgten Dermatom zu kommen scheinen. Eine weitere Möglichkeit ist, daß durch Verschleiß an den Bandscheiben und Wirbelgelenken hervorgerufene Knochenanbauten das Nervenaustrittsloch einengen. Liegt eine höhergradige Kompression der Nervenwurzel vor, kommen Kribbelgefühle und Taubheit im betroffenen Dermatom hinzu. Desweiteren kann es bei sehr schwerer Kompression der Nervenwurzel zu Lähmungen der entsprechenden Kennmuskeln kommen.

Diagnose von Nervenschmerzen im Rücken und Bein

Um die Ursache der Beschwerden herauszufinden, wird der Arzt oder die Ärztin zunächst nach der Art der Beschwerden fragen. Zusammen mit einer körperlichen Untersuchung reicht dies oft schon aus, da die Beschwerden bei einer Spinalkanalstenose sehr typisch sind.

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Eine bildgebende Untersuchung wie eine Magnetresonanz-Tomografie (MRT) wird nötig, wenn die Schmerzen trotz Behandlung nicht besser werden, sehr stark sind oder wenn es zu Gefühlsstörungen oder Lähmungserscheinungen in den Beinen kommt. Dann ist es wichtig, abzuklären, ob etwas anderes als eine Spinalkanalstenose hinter den Beschwerden steckt. Eine Röntgenuntersuchung kann bei einem Verdacht auf Wirbelgleiten sinnvoll sein, weil das in einer Röntgenaufnahme in der Regel gut sichtbar ist.

Bildgebende Verfahren werden immer eingesetzt, bevor operiert wird oder Spritzen gegen die Beschwerden in den Rücken gegeben werden.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung von Nervenschmerzen im Rücken und Bein, insbesondere bei Spinalkanalstenose und Ischialgie, zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. In den meisten Fällen stehen nicht-operative (konservative) Behandlungen im Vordergrund.

Konservative Behandlungsmethoden

  • Entlastungshaltungen: Das Beugen des Oberkörpers oder das Kippen des Beckens können die Nerven entlasten.
  • Manuelle Therapie: Hierbei wird der betroffene Wirbelsäulenabschnitt und die Nervenwurzeln am Übergang zum Kreuzbein gezielt mobilisiert. Auch eine Dehnung und Mobilisierung der Gelenke im Hüft-, Becken- und Wirbelsäulenbereich sowie Rumpfübungen gehören dazu.
  • Physiotherapie: Gezielte Übungen und Haltungen zur Entlastung der Wirbelsäule werden erlernt, die man dann selbstständig durchführen kann.
  • Schmerzstillende Medikamente: Diese werden eingesetzt, um Rückenschmerzen zu lindern und sich trotz Beschwerden weiter zu bewegen. Meist werden entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen empfohlen. Am besten nimmt man sie nur bei Bedarf und in der geringsten wirksamen Dosierung ein. Von den meisten anderen schmerzstillenden Medikamenten wird wegen fehlender oder unklarer Wirksamkeit und Nebenwirkungen eher abgeraten.
  • Aktiv bleiben: Generell wird empfohlen, im Alltag möglichst aktiv zu bleiben.
  • Multimodale Schmerztherapie: Besonders wenn Beschwerden länger andauern und chronisch werden, kann eine sogenannte multimodale Schmerztherapie sinnvoll sein. Hierbei wird man von Fachleuten aus verschiedenen therapeutischen Bereichen betreut, etwa aus der Medizin, Physiotherapie und Psychologie. Sie unterstützen dabei, in Bewegung zu bleiben und mit den Beschwerden umzugehen.
  • Stufenbettlagerung: Im ganz akuten Fall hilft die Stufenbettlagerung, d.h. eine Rückenlage mit um ca. 90° angewinkelten Hüft- und Kniegelenken (z.B. durch ein großes Kissen unter den Knien).
  • Wärme- oder Kälteanwendung: Den meisten Menschen hilft lokale Wärmeanwendung (heißes Bad, Kirschkernkissen, Wärmegel, Wärmepflaster, etc.). Die Wärme entspannt die Muskulatur und wirkt dadurch schmerzlindernd. Einigen Menschen hilft eher Kälte, z.B. durch ein kühlendes Gel aus der Apotheke.
  • Periradikuläre Therapie (PRT): Durch eine schmerzstillende und entzündungshemmende Spritze an die betroffene Nervenwurzel (PRT = Periradikuläre Therapie) kann für eine sehr rasche Schmerzlinderung gesorgt werden. In der Regel ist es dabei erforderlich, die betroffene Nervenwurzel mithilfe einer Computertomographie zu lokalisieren, um sicher zu gehen, daß das Medikament auch die symptomatische Nervenwurzel erreicht.

Operative Behandlungsmethoden

Wenn die Beschwerden viele Monate oder Jahre andauern und trotz konservativer Behandlungen nicht besser werden, kann eine Operation infrage kommen. Vor einem solchen Eingriff hat man das Recht auf eine zweite ärztliche Meinung bei einer Spezialistin oder einem Spezialisten. Auch die Entscheidungshilfe zur Operation bei Spinalkanalstenose kann beim Abwägen der Vor- und Nachteile eines solchen Eingriffs helfen.

Eine Operation ist sofort nötig, wenn die Nerven so stark beeinträchtigt sind, dass Lähmungserscheinungen beispielsweise an den Beinen auftreten oder die Blase oder der Darm nicht mehr richtig funktionieren. Letzteres sind Zeichen des sogenannten Kauda-Syndroms.

Manchmal schließt sich an eine Operation eine Rehabilitation an. Sie hat das Ziel, die Erholung zu fördern und dazu beizutragen, dass man sich nach einer Operation auch langfristig wieder möglichst gut bewegen kann. Eine Rehabilitation kann Übungen zur Kräftigung, Dehnung und für das Gleichgewicht umfassen. Die Übungen werden meist von einer Physiotherapeutin oder einem Physiotherapeuten angeleitet.

Fachleute geben keine allgemeine Empfehlung für oder gegen eine Rehabilitation nach einer Spinalkanalstenose-Operation.

Weitere Aspekte der Behandlung

  • Umgang mit Beschwerden im Alltag: Die Beschwerden durch eine Spinalkanalstenose können von Tag zu Tag unterschiedlich stark sein. Wenn sie stärker sind, kann das für berufstätige Menschen zu Einschränkungen im Job führen. Auch Alltagstätigkeiten wie Putzen oder Einkaufen können schwerfallen und man braucht für viele Dinge mehr Zeit. Manchmal ist es dann gut, im Familien- oder Freundeskreis um Unterstützung zu bitten.
  • Psychische Belastung: An Tagen mit starken Schmerzen fällt es mitunter schwer, sich wie gewohnt zum Beispiel mit anderen zu treffen oder ins Kino zu gehen. Daher kann es manchmal leichter sein, sich spontan zu melden oder kurzfristig für eine Unternehmung zu entscheiden, wenn die Beschwerden gerade schwächer sind. Die Sorge vor einer Verschlechterung kann aber belastend sein.
  • Langfristige Strategien: Ein „Wundermittel“ gegen Beschwerden einer Spinalkanalstenose gibt es nicht. Sie begleiten viele Menschen über lange Zeit. Die Herausforderung ist dann, sich damit zu arrangieren und gute Strategien für den Alltag zu entwickeln. Chronische Schmerzen können jedoch körperlich und psychisch so zu schaffen machen, dass sie manchmal sogar zu Problemen wie einer Depression führen.

Ischiasnerv: Ursachen und Behandlung

Der Ischiasnerv (Nervus ischiadicus) ist der dickste und längste Nerv im menschlichen Körper. Er verlässt den Wirbelkanal im Bereich der Lendenwirbelsäule und des Kreuzbeins, verläuft über das Gesäß und die Hinterseite des Oberschenkels bis in die Kniekehle, wo er sich verzweigt. Schmerzen im Ischiasnerv entstehen durch Einklemmungen, Verletzungen oder Reizungen des Ischiasnervs oder seiner Wurzeln. Mögliche Ursachen können ein Bandscheibenvorfall, Verletzungen eines Wirbelkörpers oder Entzündungen sein.

Ursachen einer Ischialgie

Eine Ischialgie entsteht durch eine Reizung oder Kompression des Ischiasnervs. Dafür kommen mehrere Ursachen infrage:

  • Bandscheibenvorfall: Im Bereich der Wirbelsäule ist der Bandscheibenvorfall häufig ursächlich für eine Nervenreizung. Der Bandscheibenkern tritt beim Bandscheibenvorfall aus dem Faserknorpelring aus und drückt auf die aus dem Wirbelkanal austretenden Nervenwurzeln des Ischiasnervs. Auch eine Bandscheibenprotrusion (Bandscheibenvorwölbung) kann auf die Nervenwurzeln des Ischiasnervs drücken.
  • Erkrankungen der Wirbelkörper: Auch im Bereich der Wirbelkörper gibt es verschiedene Erkrankungen, die für eine Reizung oder Einklemmung des Ischiasnervs verantwortlich sein können. Dazu zählen beispielsweise Frakturen oder Blockaden der Wirbelkörper, Fehlstellungen der Wirbelsäule sowie die Spondylolisthesis, bei der sich einzelne Wirbelkörper meist verschleißbedingt gegeneinander verschieben.
  • Entzündungen: Die Bandscheiben und Wirbelkörper können zudem von einer Entzündung betroffen sein, der sogenannten Spondylodiszitis. Auch die Nervenwurzel des Ischiasnervs selbst kann entzündet sein. Neben mechanischen Reizungen, z. B. durch einen Knochentumor, können auch Bakterien oder Viren derartige Entzündungen auslösen.
  • Piriformis-Syndrom: Im Bereich des Beckens kann der Ischiasnerv ebenfalls eingeklemmt oder gereizt werden. Frakturen der Hüftknochen, eine Hüftluxation sowie muskuläre Verspannungen oder Verdickungen wie beim Piriformis-Syndrom können ursächlich sein.
  • Weitere Ursachen: Eine Schädigung des Ischiasnervs ist zudem durch chirurgische Eingriffe möglich. Aber auch eine Schwangerschaft kann Druck auf den Ischiasnerv ausüben. Es gibt zudem chronische Krankheiten, die zu Nervenschädigungen führen können.

Behandlung einer Ischialgie

Die Frage nach der Behandlung einer Ischialgie lässt sich nicht pauschal beantworten. Sie richtet sich in erster Linie nach der zugrundeliegenden Ursache. In jedem Fall ist eine adäquate Schmerztherapie ratsam, um Schonhaltungen zu vermeiden.

  • Konservative Maßnahmen: Eine erste Linderung bei akuten Rückenschmerzen lässt sich beispielsweise durch die Stufenlagerung erzielen. Zudem kommen entzündungshemmende Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika) zum Einsatz. Sind die Schmerzen auf verspannte oder verhärtete Muskulatur im Bereich des Gesäßes zurückzuführen, wie es beim Piriformis-Syndrom der Fall ist, helfen konservative Maßnahmen. Dazu zählen beispielsweise Dehnübungen, die Verspannungen lösen, oder Triggerpunktmassagen im Rahmen einer Physiotherapie.
  • Spezialistische Untersuchung: Um die genaue Ursache der Ischias-Beschwerden zu identifizieren, sollten Sie sich von einem Spezialisten für Orthopädie und Wirbelsäulenerkrankungen untersuchen lassen.

Differenzialdiagnose

Eine Reizung oder Einklemmung des Ischiasnervs führt zu Schmerzen im unteren Rücken, die bis in die Beine und Füße ausstrahlen können. Andere Krankheitsbilder verursachen ähnliche Symptome. Für eine adäquate Behandlung ist es wichtig, die genaue Ursache der Beschwerden zu identifizieren.

  • Hexenschuss (Lumbago): Ein Hexenschuss entsteht meist plötzlich, z. B. durch eine ruckartige Bewegung oder schweres Heben. Es handelt sich dabei um stechende Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule, die in den meisten Fällen auf verspannte Muskulatur zurückzuführen sind. Im Gegensatz dazu können Nervenschmerzen den gesamten Verlauf des Nervs betreffen.
  • Bandscheibenvorfall: Wenn ein Bandscheibenvorfall in den unteren beiden Segmenten der Lendenwirbelsäule (L4/5) oder im Bereich der Sakralwirbel 1 - 3 auftritt, kann er die Nervenwurzeln des Ischiasnervs einengen.
  • Piriformis-Syndrom: Beim Piriformis-Syndrom drückt der Piriformismuskel auf den Ischiasnerv und löst Schmerzen in der Gesäßregion aus.
  • Iliosakralgelenk-Syndrom (ISG-Syndrom): Bei einer Blockade oder Entzündung des ISG kann es zu Schmerzen im unteren Rücken kommen. Diese Schmerzen treten meist einseitig auf, je nachdem welches der beiden Iliosakralgelenke betroffen ist.

Häufige Patientenfragen zum Thema Ischiasnerv

  • Dauer der Krankschreibung: Die Dauer der Krankschreibung bei Problemen mit dem Ischiasnerv richtet sich nach der Ursache. In den meisten Fällen verschwinden Ischias-Schmerzen schon nach einigen Tagen. Bei schweren Verläufen, z. B. im Rahmen eines Bandscheibenvorfalls oder einer Wirbelsäulenerkrankung, dauert die Arbeitsunfähigkeit länger.
  • Ischias in der Schwangerschaft: Mit dem wachsenden Kind dehnt sich die Gebärmutter während der Schwangerschaft auf die 20-fache Größe aus. Durch den nach vorne wachsenden Bauch schafft die Gebärmutter sich Platz. Dennoch wächst der Druck im Bauchraum und im Becken. Dabei kann die ausdehnende Gebärmutter auch auf den Ischiasnerv drücken. Zudem leiden Schwangere durch den veränderten Körperschwerpunkt häufig unter Muskelverspannungen im unteren Rücken.
  • Schmerzmittel: Bei akuten Schmerzen durch eine Reizung des Ischiasnervs helfen entzündungshemmende Schmerzmittel aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika. Dazu zählen z. B. Diclofenac, Ibuprofen oder Paracetamol. Erst wenn diese nicht ausreichend wirken, verschreibt der Arzt stärkere Schmerzmittel, sogenannte Opioide (z. B.
  • Schlafposition: Bei Ischias-Schmerzen können Sie sowohl auf dem Rücken als auch auf der Seite liegen. Wichtig für eine gesunde Schlafposition ist die Lage der Wirbelsäule. Diese sollte durch die Matratze gleichzeitig gestützt und entlastet werden. Hüfte und Schultern sollten in die Matratze einsinken.
  • Ischias bei Kindern: Auch bei Kindern kann es zu Muskelverspannungen kommen, die sich auf den Ischiasnerv auswirken. Ursächlich sind meist Bewegungsmangel oder Fehlbelastungen, z. B. durch das Tragen einer schweren Schultasche. Auch Fehlstellungen der Wirbelsäule oder Bandscheibenvorfälle sind bereits im Kindesalter möglich.

Vorbeugung von Nervenschmerzen im Rücken und Bein

Zur Vorbeugung von Ischiasschmerzen und anderen Nervenschmerzen im Rücken und Bein können Sie selbst viel beitragen:

  • Bewegung: Regelmäßige Bewegung und Sport sowie gezielte Rückengymnastik können generell Schmerzen im Rückenbereich vorbeugen. Gut geeignet sind Ausdauersportarten wie Schwimmen, Walken oder Radfahren.
  • Rückengymnastik: Durch gezielte Übungen wird die Rückenmuskulatur gelockert, gedehnt und gestärkt. Wichtig ist dabei eine Kräftigung der tiefen Muskulatur in Bauch und Rücken.
  • Ergonomie am Arbeitsplatz: Achten Sie auf eine gute Sitzhaltung, insbesondere bei Computerarbeit. Monitor, Schreibtisch, Stuhl und Tastatur sollten optimal auf Ihre Sitzposition eingestellt sein. Unterbrechen Sie ab und zu Ihre Tätigkeit und lockern Sie die Rückenmuskeln mit Dehnbewegungen auf.
  • Richtiges Heben: Achten Sie darauf, schwere Dinge aus den Knien heraus und mit geradem Rücken anzuheben und zu tragen.
  • Stressmanagement: Seelische Belastungen im privaten oder beruflichen Bereich können Ischiasbeschwerden begünstigen. Achten Sie auf ein gutes Stressmanagement.

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