Rückenschmerzen sind ein weit verbreitetes Problem, das viele Menschen betrifft. Circa 5 Millionen Menschen der deutschen Gesamtbevölkerung leiden unter chronischen Schmerzen. Dabei sind weltweit chronische Rückenschmerzen und Kopfschmerzen unter den häufigsten Ursachen für Erwerbsunfähigkeit und/oder Behinderung. Sie können verschiedene Ursachen haben und sich unterschiedlich äußern. Besonders belastend sind nächtliche Rückenschmerzen, die den Schlaf stören und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen können. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen von Nervenschmerzen im Rücken, die nachts auftreten, und bietet Lösungsansätze zur Linderung der Beschwerden.
Ursachenforschung bei nächtlichen Rückenschmerzen
Die Ursachenforschung ist bei Rückenschmerzen schwierig. Viele Menschen machen diese Erfahrung: Sie wachen mit Rückenschmerzen nach dem Schlafen auf. Bei manchen sind sie danach aber schnell wieder weg, bei anderen halten sie länger an. Sind diese Schmerzen direkt auf den Schlaf zurückzuführen? Oder ist es eher so, dass sich Rückenschmerzen, die eine andere Ursache haben, durch den Schlaf verschlimmern? Das lässt sich meist nicht eindeutig beantworten - genauso wie die Ursache von Rückenschmerzen generell oft nicht geklärt werden kann. Fachleute sprechen in solchen Fällen von „unspezifischen“ Rückenschmerzen. Das bedeutet, dass es keine eindeutige und benennbare Ursache (wie beispielsweise eine Verletzung) gibt, sondern dass vermutlich viele unterschiedliche Faktoren eine Rolle spielen.
Psychosomatische Ursachen
Wer kennt das nicht: Rückenschmerzen oder Schmerzen im Nacken ohne erkennbare körperliche Ursache. Oft verbergen sich dahinter psychische Verspannungen, die als Reaktion auf beruflichen oder seelischen Stress auftreten. Manchmal zeigt sich Stress nicht in Gedanken oder Gefühlen, sondern im Körper. Bleibt innere Anspannung über längere Zeit bestehen, kann sie sich festsetzen, z. B. in Form von Muskelverspannungen im Nacken, den Schultern oder im unteren Rücken. Bleiben diese Beschwerden dauerhaft bestehen, obwohl keine eindeutige körperliche Ursache vorliegt, sprechen Fachleute von psychisch bedingten bzw. Anhaltender Stress versetzt das Nervensystem in einen Zustand ständiger Alarmbereitschaft. Das war evolutionär sinnvoll, etwa zur Flucht oder zum Kampf, doch heute bleibt die körperliche Anspannung oft bestehen, obwohl keine akute Gefahr besteht. Und genau darin liegt das Problem: Der Körper kommt nicht mehr zur Ruhe. Die Muskulatur, insbesondere in Nacken, Schultern und Rücken, spannt sich an. Bleibt die Entspannung aus, können sich die Muskeln nicht mehr erholen. Aus Angst vor Schmerzen oder durch Unbeweglichkeit werden Bewegungen vermieden. Das zentrale Nervensystem reagiert empfindlicher. Der Schmerz wird stärker bzw. Angst, Überforderung, anhaltender Stress oder depressive Verstimmungen können Rückenschmerzen verstärken oder überhaupt erst entstehen lassen - nicht umsonst spricht man in diesem Zusammenhang von „chronischen Rückenschmerzen, wenn die Seele weint“. Die Muskulatur bleibt angespannt, die Erschöpfung wächst, der Schlaf wird unruhig. Viele Betroffene beginnen, Bewegungen zu vermeiden oder ziehen sich zunehmend zurück, aus Sorge, die Beschwerden könnten schlimmer werden.
Direkte Ursachen
Nicht immer lässt sich für Rückenschmerzen eine klare körperliche Ursache finden, besonders dann nicht, wenn die Beschwerden über längere Zeit bestehen. Chronische Rückenschmerzen belasten nicht nur den Körper, sie wirken sich häufig auch auf die seelische Gesundheit aus. Umgekehrt können psychische Erkrankungen den Verlauf und die Intensität der Schmerzen deutlich beeinflussen. Treten Rückenschmerzen plötzlich auf oder halten länger an, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll, unabhängig davon, wie stark sie empfunden werden. Hausärzte oder Orthopäden prüfen, ob körperliche Ursachen vorliegen, z. B. ein Bandscheibenvorfall, Arthrose, eine Nervenwurzelreizung oder osteoporotische Veränderungen. Auch muskuläre Überlastung, etwa durch langes Sitzen, Bewegungsmangel oder einseitige Belastungen im Beruf, kann Schmerzen verursachen. Frühzeitige ärztliche Beratung hilft nicht nur, ernsthafte Ursachen auszuschließen, sondern auch, gemeinsam die passende Behandlung zu finden - sei es medizinisch, physiotherapeutisch oder psychologisch unterstützt. Bleiben Rückenschmerzen, bei denen seelische Faktoren eine Rolle spielen, unbehandelt, können sie sich verfestigen und zu einer eigenständigen Störung entwickeln. Die Beschwerden beeinflussen dann nicht nur den Körper, sondern auch das seelische Wohlbefinden und den Alltag.
Nervenschmerzen
Wenn Schmerzen durch eine Nervenschädigung verursacht werden, spricht man von Nervenschmerzen oder auch neuropathischen Schmerzen. Sie treten häufig spontan auf und sind typischerweise ziehend, brennend oder auch blitzartig. Nervenschmerzen sind häufig mit Taubheitsgefühl oder Missempfindungen verbunden. Weder Nerven- noch Rückenschmerzen stellen ein einheitliches Krankheitsbild dar, sondern sind Symptome einer Vielzahl von Erkrankungen. Nervenschmerzen treten immer dann auf, wenn Nervenfasern, die für die Schmerzinformationsverarbeitung verantwortlich sind, geschädigt werden, wobei der Schädigungsort irgendwo in der Schmerzbahn, die von der Haut über die Nerven, das Rückenmark und schließlich zum Gehirn zieht, liegen kann. Bei chronischen Rückenschmerzen gibt es oft eine Kombination von Schmerzen durch degenerative Veränderungen der Wirbelsäule, Muskelverspannungen und Nervenschmerzen. Der wichtigste Risikofaktor für die Chronifizierung von Schmerzen ist vorausgegangener Schmerz. Zusätzlich spielen oft psychosoziale, arbeitsplatzbezogene, familiäre und sozioökonomische Belastungsfaktoren eine Rolle. Psychische Störungen wie Angst und Depression können genauso wie eine Persönlichkeitsstruktur mit der Tendenz zur Vermeidung oder Überforderung die Schmerzchronifizierung begünstigen.
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Warum sind Rückenschmerzen manchmal morgens am schlimmsten?
Zwischen Rückenschmerzen und Schlaf besteht eine komplizierte Beziehung. Schmerzen stören den Schlaf und umgekehrt erhöht schlechter Schlaf die Wahrscheinlichkeit für stärkere Schmerzen. Fest steht: Die Schlafenszeit ist eine relativ bewegungsarme Zeitspanne. Im Schlaf bewegen wir uns sieben bis acht Stunden lang kaum. Das lange Liegen kann dazu führen, dass sich eine vorbelastete oder schwache Rückenmuskulatur versteift und verspannt, beziehungsweise bestehende Rückenprobleme sich verstärken. Das kann zu Schmerzen führen, wenn wir aufwachen, und besonders, wenn wir uns wieder bewegen. Manche Menschen empfinden diese Schmerzen am Morgen als besonders schlimm, andere eher die Schmerzen nach einem langen Arbeitstag. Schmerz ist sehr individuell.
Schlafposition und Matratze
Beim Thema Schlaf und Rückenschmerzen stehen zwei Punkte immer wieder besonders im Fokus: die Schlafposition und die Matratze.
Die richtige Schlafposition
Zunächst zur Schlafhaltung: Welche ist die beste? Man sollte meinen, das ließe sich leicht beantworten. Tatsächlich ist jedoch nicht abschließend geklärt, welche Position am besten geeignet ist, um Rückenprobleme entgegenzuwirken.
In der Forschung herrscht allerdings Einigkeit darüber, welche Position die schlechteste ist: Wer unter Rückenschmerzen leidet, sollte vermeiden, auf dem Bauch zu schlafen. Obwohl sich das Körpergewicht in der Bauchlage gleichmäßig verteilt, kann diese Position die Krümmung der Lendenwirbelsäule verstärken. In der Folge werden die kleinen Gelenke und Bänder der Lendenwirbelsäule belastet und Verschiebungen einzelner Wirbelkörper sowie Verengungen von Nervenkanälen begünstigt. All dies zusammen erhöht die Wahrscheinlichkeit von Rückenschmerzen.
Es gibt Studien, denen zufolge die Rückenlage am besten dabei hilft, Rückenschmerzen vorzubeugen. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Seitenlage grundsätzlich ungünstig ist. Für Menschen mit Rückenschmerzen ist es sinnvoll, verschiedene Schlafpositionen auszuprobieren, um herauszufinden, ob sich die Beschwerden dadurch reduzieren lassen. Menschen, die unter einer obstruktiven Schlafapnoe leiden, sollten außerdem beachten, dass das Schlafen in Rückenlage die Apnoe begünstigt.
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Der Mensch ist ein Gewohnheitstier - auch im Schlaf. Wer eine neue, vermeintlich rückenfreundlichere Schlafposition über Nacht beibehalten möchte, wacht morgens oft in der gewohnten Lage wieder auf. Es ist ganz normal, dass wir uns im Schlaf umherwälzen und die Position wechseln. Bevor Sie jetzt also über die richtige Schlafposition nachgrübeln, bedenken Sie: Vor allem ausreichend Bewegung am Tag und eine trainierte Rückenmuskulatur helfen dabei, Rückenschmerzen vorzubeugen.
Die passende Matratze und das richtige Kopfkissen
Bei Rückenschmerzen kann es hilfreich sein, auf die Festigkeit der Matratze zu achten. Sie sollte weder zu hart noch zu weich sein. Mittelfeste Matratzen haben sich in Studien als am besten für den Rücken herausgestellt, da sie die Wirbelsäule am ehesten in ihrer natürlichen Position unterstützen. Tausche eine alte, durchgelegene Matratze aus! Dein Becken sollte nicht zu sehr einsinken.
Da der Zusammenhang zwischen Kopfkissen und Rückenschmerzen nicht genügend erforscht ist, lassen sich keine Empfehlungen zur besten Kissenart aussprechen. Achte darauf, dass dein Kissen nicht zu hoch ist. Es gibt jedoch Ratschläge, wie sich die Wirbelsäule je nach Schlafposition entlasten lässt, was sich positiv auf Rückenschmerzen auswirken kann.
- Rückenschläfer wählen ein Kopfkissen, das den Nacken stützt und den Kopf einsinken lässt. Ein zusätzliches Kissen unter den Knien unterstützt die natürliche Krümmung der Wirbelsäule.
- Seitenschläfer benutzen am besten ein dickes Kissen, das den oberen Teil der Wirbelsäule gerade hält. Ein kleines Kissen zwischen den Knien stabilisiert auch den unteren Rücken.
- Wer gar nicht anders als auf dem Bauch einschlafen kann, verwendet idealerweise gar kein Kopfkissen oder nur ein sehr dünnes. Ein zusätzliches dünnes Kissen unter dem Bauch kann bei Beschwerden helfen, die Wirbelsäule zu entlasten.
Lösungsansätze und Behandlungsmöglichkeiten
Rückenschmerzen, bei denen seelische Belastungen eine Rolle spielen, lassen sich nicht mit einer einzigen Methode behandeln. Entscheidend ist ein ganzheitlicher Ansatz, der sowohl körperliche als auch psychische Faktoren in den Blick nimmt. Dafür können u. a.
Medikamentöse Therapie
Die Behandlung von Nerven- und Rückenschmerzen erfolgt nach den Richtlinien der Fachgesellschaften. Das Prinzip der medikamentösen Therapie ist „so viel wie nötig, so wenig wie möglich“. Bei Nervenschmerzen kann von den speziellen Symptomen auf die zugrunde liegenden Ursachen geschlossen und so eine spezifische medikamentöse Therapie initiiert werden.
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Nicht-medikamentöse Therapie
- Entspannungstechniken: Gezielte Entspannungstechniken helfen, muskuläre Anspannung zu lösen und innere Unruhe zu reduzieren. Bewährt hat sich die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, bei der einzelne Muskelgruppen systematisch angespannt und wieder gelockert werden. Auch ruhige Bewegungsformen wie Yoga, Qigong oder Tai-Chi wirken positiv.
- Körperliche Aktivität: Regelmäßige körperliche Aktivität wirkt sich nachweislich positiv auf Schmerzen und Stimmung aus. Empfohlen werden zwei bis drei Stunden Bewegung pro Woche, angepasst an die eigenen Möglichkeiten. Ob Spazierengehen, Radfahren, Tanzen oder Schwimmen, wichtig ist, dass die Bewegung Freude macht. Bewege dich am Tag genug. Das fördert die Durchblutung, hat positive Auswirkungen auf deinen Stoffwechsel und stärkt das Immunsystem.
- Physiotherapie: Physiotherapeuten erstellen ein individuelles Übungsprogramm, welches auf das Beschwerdebild des Patienten abgestimmt ist. Ziel ist es, verspannte Muskelgruppen zu lockern, die Haltung zu verbessern und bestimmte Muskelpartien gezielt zu kräftigen.
- Stressmanagement: Nicht jeder Stress lässt sich vermeiden. Was man allerdings beeinflussen kann, ist der Umgang damit. Achtsamkeit, gutes Zeitmanagement, das Reduzieren von Multitasking sowie regelmäßige Pausen können helfen, den Alltag zu entschleunigen.
- Psychotherapie: Wenn sich belastende Gedanken, Sorgen oder negative Denkmuster dauerhaft auf den Körper auswirken, kann eine psychotherapeutische Begleitung hilfreich sein. Bei chronischen Schmerzen sind u. a.
- Rehabilitation: Es gibt Kliniken für Rehabilitation, die interdisziplinäre Behandlungsprogramme anbieten, welche sowohl körperliche als auch psychische Faktoren berücksichtigen, dazu gehört u. a. die verhaltensmedizinisch orientierte Rehabilitation (VOR). Sie richtet sich gezielt an Menschen mit chronischen Beschwerden, die durch psychische Belastungen, Stress oder innere Anspannung verstärkt werden. Ein zentrales Ziel der VOR ist es, Patientinnen und Patienten zu mehr Selbstwirksamkeit zu führen.
Zusätzliche Tipps für einen besseren Schlaf
- Schlafhygiene: Achten Sie auf eine gute Schlafhygiene, indem Sie für eine ruhige, dunkle und kühle Schlafumgebung sorgen.
- Vermeiden Sie Bildschirme: Vermeide abends den Konsum von Social Media oder anderen Medien über Laptop oder Handy. Studien deuten darauf hin, dass häufige Bildschirmnutzung mit einem schlechten Schlaf zusammenhängt.
- Dehnübungen: Dehnübungen im Bett vor dem Aufstehen können dabei helfen, sie zu lindern. Sie können außerdem schon vor dem Aufstehen Übungen im Bett ausführen, die Rückenschmerzen entgegenwirken und vorbeugen.
- Langsame Umstellung der Schlafposition: Schritt 1Üben Sie täglich, aber setzen Sie sich nicht unter Druck. Um die Schlafposition zu verändern, brauchen Sie nicht nur Geduld, sondern auch ein klares Ziel, z. B. Schmerzfreiheit im Rücken und Nacken. Schritt 2Bleiben Sie bei jedem Versuch in der Rückenlage so lange liegen, wie es für Sie machbar ist. Wenn Sie nicht einschlafen können, drehen Sie sich nach einer gewissen Zeit in Ihre normale Einschlafposition zurück. Erhöhen Sie die Zeit in der Rückenlage jede Nacht. Schritt 3Wenn Sie nachts aufwachen, drehen Sie sich wieder in die Rückenlage zurück. Bleiben Sie so lange auf dem Rücken liegen, wie es für Sie angenehm ist. Wenn Sie nicht mehr einschlafen können, drehen Sie sich wieder in Ihre gewohnte Einschlafposition.
- Vorbereitung auf das Aufstehen: Ein paar Minuten, um den Rücken auf die Umstellung vom Liegen auf Sitzen, Stehen und Gehen vorzubereiten, können bei morgendlichen Rückenschmerzen helfen. Nehmen Sie sich beim Aufstehen Zeit und drehen Sie sich über die Seite in eine aufrechte Position. Setzen Sie sich zunächst auf die Bettkante und lassen Sie Ihren Rücken sich an die Bewegung gewöhnen.
Was hilft gegen Rückenschmerzen nach dem Schlafen und wie beuge ich vor?
Schlechter Schlaf kann bestehende Rückenschmerzen verstärken. Menschen, die häufig oder regelmäßig unter Rückenproblemen leiden, sollten deshalb besonders darauf achten, dass alle Voraussetzungen für einen gesunden Schlaf erfüllt sind. Dazu gehören zum Beispiel eine nicht zu warme Raumtemperatur, Dunkelheit und Ruhe.
Es ist außerdem sinnvoll, den Rücken durch gezielte Maßnahmen im Alltag zu stärken. Sport ist natürlich gut, aber es ist auch schon sehr hilfreich, mehr Bewegung in den Alltag zu integrieren. Bewegung stärkt den Rücken. Außerdem wirkt sie sich positiv auf das allgemeine Wohlbefinden aus und hilft dabei, Stress abzubauen. Auch Stress kann die Entstehung von Rückenschmerzen begünstigen. Neben ausreichend Bewegung kann daher auch Stressreduktion eine vorbeugende Maßnahme bei Rückenschmerzen sein.
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