Vitamin B6, auch Pyridoxin genannt, ist ein essenzielles Vitamin, das eine zentrale Rolle im Stoffwechsel spielt, insbesondere im Aminosäurestoffwechsel. Es ist an über 100 enzymatischen Reaktionen im Körper beteiligt und somit für zahlreiche Körperfunktionen unerlässlich. Eine ausreichende Versorgung mit Vitamin B6 ist wichtig für die neurologische Gesundheit, die Blutbildung und das Immunsystem. Allerdings kann sowohl ein Mangel als auch eine Überdosierung von Vitamin B6 zu gesundheitlichen Problemen führen, insbesondere zu peripheren Neuropathien.
Was ist eine Polyneuropathie?
Bei einer Polyneuropathie handelt es sich um eine Erkrankung des peripheren Nervensystems, also der Nerven, die außerhalb von Gehirn und Rückenmark verlaufen. Diese Nerven sind dafür verantwortlich, Berührungen, Temperatur oder Schmerzempfindungen wahrzunehmen sowie die Bewegungen der Muskeln zu steuern. Bei Menschen mit einer Polyneuropathie sind mehrere periphere Nerven geschädigt, wodurch die Weiterleitung von Signalen zwischen Gehirn, Rückenmark und den übrigen Körperregionen beeinträchtigt wird.
Circa fünf Prozent aller Menschen entwickeln im Laufe ihres Lebens eine Polyneuropathie. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko zu erkranken kontinuierlich an; bei Menschen über 80 Jahren auf bis zu 35 Prozent.
Symptome einer Polyneuropathie
Je nachdem, welche Nerven betroffen sind, stehen unterschiedliche Beschwerden im Vordergrund:
- Schäden an den sensiblen Nerven (Empfindungsnerven): Diese Nerven übermitteln Informationen von der Haut zum Gehirn. Bei Beeinträchtigungen treten oft stechende oder brennende Schmerzen auf. Betroffene haben das Gefühl, als ob tausende Ameisen über ihre Haut krabbeln. Manchmal entwickeln sie eine Überempfindlichkeit, bei der selbst leichte Berührungen schmerzhaft sein können.
- Schäden an den kleinen Nervenfasern: Diese Nerven vermitteln Schmerz-, Temperatur- und Berührungsempfindungen. Bei Nervenschäden nehmen Betroffene Hitze, Kälte und Schmerzen nur noch abgeschwächt oder gar nicht mehr wahr. Zusätzlich treten oft Taubheitsgefühle auf, besonders in Händen und Füßen. Die Haut fühlt sich pelzig und fremd an. Als Folge steigt die Verletzungsgefahr erheblich: So wird beispielsweise die Wassertemperatur beim Duschen oder Baden nicht mehr als zu heiß empfunden. Auch kleine Verletzungen wie Schnittwunden, Brandblasen oder Druckstellen bleiben oftmals unbemerkt und werden erst spät entdeckt. Dadurch erhöht sich das Risiko für Entzündungen oder chronische Wunden.
- Schäden an motorischen Nerven: Motorische Nerven steuern die Muskeln. Sind sie betroffen, können die Impulse, welche die Muskeln zum Bewegen anregen, nicht mehr richtig weitergeleitet werden. Die Folge sind Muskelschwäche oder Lähmungen, insbesondere in den Beinen und Füßen. Bei einigen Menschen sind auch die Arme und Hände betroffen. Langfristig kann die fehlende Nutzung der Muskeln zu einem Abbau der Muskelmasse führen, was die Bewegungsfähigkeit weiter einschränkt.
- Schäden an den autonomen Nerven: Autonome Nerven steuern das vegetative Nervensystem. Sind sie geschädigt, können sie Kreislaufprobleme wie Schwindel oder Ohnmacht beim Aufstehen verursachen. Zudem kann die Verdauung beeinträchtigt sein, was zu Symptomen wie Verstopfung, Durchfall oder Inkontinenz führen kann. Auch Probleme mit der Blase, etwa eine Blasenschwäche oder Schwierigkeiten beim Wasserlassen, sind durch die Nervenschäden möglich.
Ursachen und Diagnose von Polyneuropathie
Typischerweise beginnt die Polyneuropathie schleichend. Zu den häufigsten Auslösern zählen:
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- Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit): Ein dauerhaft hoher Blutzuckerspiegel schädigt die Nerven.
- Langjähriger Alkoholmissbrauch: Alkohol greift das empfindliche periphere Nervensystem an und schädigt die Schutzschicht (Myelinschicht) der Nervenfasern oder die Nervenfasern selbst.
Weitere Auslöser der Polyneuropathie sind unter anderem:
- Infektionskrankheiten, wie etwa Borrelien oder Herpes zoster-Viren
- Autoimmunreaktionen, wie das Guillain-Barré-Syndrom und rheumatoide Arthritis
- Vitaminmangel, z. B. Vitamin B12
- Schilddrüsen-, Leber- oder Krebserkrankungen
- Genetische Faktoren
- Umweltgifte wie Arsen, Blei, Quecksilber und Thallium sowie diverse Lösungsmittel und Medikamente
Entscheidend ist die umfangreiche, gründliche Suche nach möglichen Ursachen - nur so lassen sich Polyneuropathien gezielt behandeln. Zu den Untersuchungen zählen eine umfangreiche Labordiagnostik (Blutuntersuchungen, eventuelle Untersuchung des Nervenwassers mittels Lumbalpunktion) und Messung der elektrischen Nervenleitung (Elektroneurographie oder Elektromyographie). Gegebenenfalls sind bildgebende Verfahren wie eine Nervensonografie mit hochauflösendem Ultraschall bzw. MR-Neurografie, also die Darstellung gesunder oder kranker Nervenabschnitte mithilfe der Magnetresonanztomografie (MRT), sowie Nerven- und Hautbiopsien oder Gentests angezeigt. Bei der körperlichen Untersuchung werden Reizempfinden, Geh- und Stehvermögen, Muskelstärke und Reflexe geprüft. In etwa 20 Prozent der Fälle bleibt die Ursache trotz umfassender Abklärung ungeklärt.
Vitamin B6-Mangel als Ursache der Polyneuropathie
Ein Vitaminmangel ist meistens durch eine einseitige Ernährung bedingt. Er kann verschiedene Erkrankungen begünstigen und gehört zu den Hauptursachen von Polyneuropathie. Da vor allem ein Mangel an Vitamin B12 zu einer Polyneuropathie führen kann, ist das Erkrankungsrisiko bei Vegetariern und Veganern besonders hoch. Ein Vitaminmangel kann durch verschiedene Erkrankungen und Lebensumstände gefördert werden. Auch eine Vitaminüberdosierung erhöht das Erkrankungsrisiko für Polyneuropathie.
Verschiedene Ursachen für einen Vitaminmangel:
Ein Vitaminmangel, der zu einer Polyneuropathie führen kann, hat unterschiedliche Ursachen. Von einem Mangel an Vitamin B12 sind vor allem Vegetarier, die auf Fleisch verzichten, sowie Veganer, die komplett auf Fleisch, Fisch, Eier, Milch und andere tierische Produkte verzichten, betroffen. Auch eine Magenoperation oder erhöhter Alkoholkonsum kann zu einem Mangel an Vitamin B12 und an anderen Vitaminen führen. Ein Mangel an Vitamin B1 (Thiamin) entsteht durch chronische Darm- oder Lebererkrankungen. Eine Polyneuropathie kann auch durch einen Mangel an Vitamin B6 oder Vitamin E gefördert werden. Ältere Patienten sind häufiger von einem Vitaminmangel betroffen, da die Vitamine durch den Darm nicht immer vollständig aufgenommen werden. Häufig ist ein Vitaminmangel in einer einseitigen Ernährung begründet.
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Ein Vitaminmangel kann eine Polyneuropathie, aber auch andere Erkrankungen begünstigen. Eine Polyneuropathie kann daher auch indirekt infolge eines Vitaminmangels auftreten, beispielsweise als Begleiterscheinung von Krebs.
Vitamin B6-Mangel: Symptome und Auswirkungen
Ein Mangel an Vitamin B6 kann verschiedene Symptome hervorrufen, darunter:
- Gerötete, schuppige Haut, vor allem um Mund, Nase und Augen
- Entzündungen der Mundschleimhaut und der Lippen
- Müdigkeit
- Schlaflosigkeit
- Reizbarkeit
- Niedergeschlagenheit bis hin zur Depression
- In schweren Fällen eine besondere Form der Blutarmut (Anämie)
Ein Mangel an Vitamin B6 kann auch zu einer subakuten sensomotorischen Polyneuropathie führen. Zu einem Mangel an Vitamin B6 kann es bei einer raschen Gewichtsabnahme oder durch Komplikationen bei der Behandlung von Morbus Parkinson kommen. Häufiger führt die Einnahme verschiedener Medikamente zu einem Mangel an Vitamin B6.
Vitamin B1 und seine Rolle bei Polyneuropathie
Der Oberarzt und Leiter der Neuromuskulären Spezialambulanz an der Neurologischen Klinik des Hermann-Josef-Krankenhauses Erkelenz, Prof. Dr. med. Karlheinz Reiners, schreibt einem Mangel an Vitamin B1 (Thiamin) eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Diabetes und Neuropathien zu. Ein Mangel an Vitamin B1 kann die Entstehung von Diabetes und damit verbunden einer Polyneuropathie fördern. Bei vielen Diabetikern besteht nach Ansicht von Prof. Dr. Reiners ein gravierender Mangel an Vitamin B1. Pathogene Prozesse im diabetischen Stoffwechsel werden durch einen Vitamin-B1-Mangel gefördert. Sie können zu Gefäßschäden und anderen diabetischen Komplikationen führen. Wird im Zusammenhang mit Diabetes oder einer Polyneuropathie ein Mangel an Vitamin B1 festgestellt, kann er mit der Gabe von Benfotiamin, einer Vorstufe von Vitamin B1, kompensiert werden. Bei einer diabetischen Polyneuropathie wirkt Benfotiamin zusätzlich der Schmerzwahrnehmung entgegen. Als fettlösliche Verbindung kann Benfotiamin vom Körper gut aufgenommen werden. Mit der biologisch aktiven Form von Vitamin B1, Thiamin-Diphosphat, wird eine höhere Bioverfügbarkeit von Vitamin B1 erzielt.
Wie Sie einem Vitaminmangel entgegenwirken können
Möchten Sie einem Vitaminmangel und damit verbunden dem Entstehen einer Polyneuropathie entgegenwirken, kommt es auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung an. Ernähren Sie sich vegetarisch oder vegan, können Sie einem Mangel an Vitamin B12 durch Nahrungsergänzungsmittel entgegenwirken. Anhand von Blutuntersuchungen kann eine Vitaminanalyse vorgenommen werden. Wird ein Mangel an Vitaminen festgestellt, sollte ein Ausgleich erfolgen. Da die Vitamine bei einem Mangel oft nicht durch den Darm aufgenommen werden, ordnet der Arzt zusätzlich meist eine Darmspiegelung an. Mit einer Darmsanierungsmaßnahme, die auf einer Umstellung der Ernährung beruht, kann eine bessere Aufnahme der Vitamine durch den Darm erzielt werden. Um die Beschwerden einer diabetischen Neuropathie auf einem niedrigen Niveau zu halten, kann eine Modifikation des Lebensstils sinnvoll sein.
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Vitamin B6-Überdosierung als Ursache der Polyneuropathie
Paradoxerweise kann nicht nur ein Mangel, sondern auch eine Überdosierung von Vitamin B6 zu peripheren Neuropathien führen. Dies liegt daran, dass hohe Dosen von Vitamin B6 neurotoxische Wirkungen haben können.
Symptome einer Vitamin B6-Überdosierung
Eine Überdosierung von Vitamin B6 zeigt sich im Wesentlichen durch eine sensorische Polyneuropathie (Empfindungsstörungen insbesondere an Händen und Füßen), ggf. mit Ataxie (Bewegungsstörungen). Extrem hohe Dosen können sich in Krämpfen äußern. Hohe Dosen von Vitamin B6 können die Milchproduktion hemmen.
Ab welcher Dosis ist Vitamin B6 schädlich?
Obwohl Vitamin B6 ein wasserlösliches Vitamin ist und im Urin ausgeschieden wird, können sehr hohe Dosen über längere Zeitabschnitte schmerzhafte sensorische Neuropathien verursachen, die sich durch Schmerzen und Taubheitsgefühl in den Extremitäten äußern. In besonders schweren Fällen kann dem Patienten das Gehen sehr schwer fallen. Die sensorische Neuropathie (Erkrankung des peripheren Nervensystems mit Störungen der Schmerzempfindung) entwickelt sich gewöhnlich, wenn mehr als 1.000 mg Vitamin B6 eingenommen werden. Es gibt aber auch Fallbeschreibungen von Personen, die eine solche Neuropathie bei einer Dosis von „nur“ 500 mg täglich über den Zeitraum von mehreren Monaten entwickelten.
Zu Störungen des Nervensystems in Form von peripherer Neuropathie und Ataxie (Gangstörungen) kam es in einer Studie an Frauen bei isolierter und hochdosierter Gabe von 500 bis 5.000 mg Vitamin B6 in einem Zeitraum von ein bis drei Jahren. Weitere Studien zeigten bei langfristiger Einnahme von 500 mg und bei der Zufuhr von 2.000 mg über ein Jahr ebenfalls Störungen des Nervensystems.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass ab einer Menge von 500 mg Vitamin B6 mit deutlichen negativen Effekten zu rechnen ist. Mengen von 200 mg pro Tag, eingenommen über zwei Jahre, sind mit einer geringen Häufigkeit für Nebenwirkungen verbunden. Bei einer geringeren Menge um die 100 mg sind unerwünschte Wirkungen bei dauerhafter Aufnahme (über drei Jahre) nicht gänzlich auszuschließen.
Empfohlene Tageshöchstdosis
Das amerikanische Amt für Lebensmittel und Ernährung hat die Tageshöchstdosis für Pyridoxin auf 100 mg täglich festgelegt. Die sichere tägliche Höchstmenge für Vitamin B6 liegt - gemäß der European food safety authority (EFSA; Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) - bei 25 mg.
Behandlung der Vitamin B6-Polyneuropathie
Die Behandlung der Vitamin B6-Polyneuropathie richtet sich nach der Ursache.
Behandlung bei Vitamin B6-Mangel
- Ernährungsumstellung: Eine ausgewogene Ernährung, die reich an Vitamin B6-haltigen Lebensmitteln ist, kann helfen, einen Mangel auszugleichen. Gute Vitamin B6-Quellen sind u.a. Hefen, Getreide (besonders Getreidekeimlingen), Sojabohnen, Leber, Nieren, Muskelfleisch, Milch, Milchprodukten, grünem Gemüse, Kartoffeln, Karotten und Bananen.
- Nahrungsergänzungsmittel: In einigen Fällen kann die Einnahme von Vitamin B6-Präparaten erforderlich sein, um den Mangel schnell auszugleichen. Die Dosierung sollte jedoch immer in Absprache mit einem Arzt erfolgen, um eine Überdosierung zu vermeiden.
- Behandlung der Grunderkrankung: Wenn der Vitamin B6-Mangel durch eine andere Erkrankung verursacht wird, muss diese entsprechend behandelt werden.
Behandlung bei Vitamin B6-Überdosierung
- Absetzen des Vitamin B6-Präparats: Die wichtigste Maßnahme ist das sofortige Absetzen des Vitamin B6-Präparats, das die Überdosierung verursacht hat.
- Symptomatische Behandlung: Die Symptome der Polyneuropathie, wie Schmerzen und Empfindungsstörungen, können mit Schmerzmitteln und anderen Medikamenten behandelt werden.
- Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Muskelkraft und Koordination zu verbessern.
Vitamin B6 Hevert
VITAMIN B6 HEVERT enthält den Wirkstoff Pyridoxin (Vitamin B6). Es wird angewendet:
- zur Behandlung von Vitamin-B6-Mangelerscheinungen.
- zur Behandlung einer peripheren Neuropathie (Nervenentzündung) infolge eines durch Arzneimitteleinnahme verursachten Vitamin B6-Mangels (z.B. durch Arzneimittel mit Wirkstoffen wie Isoniazid, D-Penicillamin, Cycloserin).
- zur Behandlung von pyridoxinabhängigen Störungen (seltene Stoffwechselstörungen wie etwa primäre Hyperoxalurie Typ I, Homocystinurie, Cystathioninurie, Xanthurensäureurie oder seltene Blutbildungsstörungen wie Sideroblastische Anämie, Vitamin B6-Mangel bedingte hypochrome mikrozytäre Anämie, die teilweise durch erhöhte Vitamin B6-Gaben behandelt werden können).
- zur Erhaltungsbehandlung nach Vitamin B6-Mangel bedingten Krämpfen bei Neugeborenen und Säuglingen.
Die Dosierung ist individuell durch den behandelnden Arzt festzulegen. In der Regel werden Dosierungen von 2 bis 200 mg Vitamin B6 pro Tag empfohlen.
Weitere Therapiemöglichkeiten bei Polyneuropathie
Unabhängig von der Ursache der Polyneuropathie gibt es verschiedene Therapiemöglichkeiten, um die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern:
- Medikamentöse Therapie: Schmerzen oder Gangstörungen bei Polyneuropathie können medikamentös behandelt werden.
- Physikalische Therapie: Dazu zählen etwa Physiotherapie, Gleichgewichts- und Gehtraining sowie gelenkschonende Sportarten wie Aqua-Fitness. Diese können helfen, Beweglichkeit, Kraft und Gleichgewicht zu verbessern. Spezielle Schienen oder orthopädische Einlagen können zusätzliche Stabilität geben.
- Alltagstipps: Der Alltag mit einem eingeschränkten Temperatur- und Schmerzempfinden kann herausfordernd sein und erfordert besondere Vorsicht und Vorsorge, um Verletzungen zu vermeiden und frühzeitig zu erkennen sowie um Stürze zu vermeiden.
Alltag mit Polyneuropathie
Der Alltag mit einem eingeschränkten Temperatur- und Schmerzempfinden kann herausfordernd sein und erfordert besondere Vorsicht und Vorsorge, um Verletzungen zu vermeiden und frühzeitig zu erkennen sowie um Stürze zu vermeiden.
Wie kann ich Verletzungen frühzeitig erkennen?
Kontrollieren Sie täglich sorgfältig Ihre Hände und Füße und achten Sie auf Rötungen, kleine Schnitte oder Druckstellen. Nutzen Sie für schwer einsehbare Stellen einen Handspiegel.
Welche Rolle spielt Hautpflege?
Regelmäßiges Eincremen beugt trockener, rissiger Haut vor, die anfällig für Erreger ist. Stellen Sie Wunden oder Entzündungen fest, sollten Sie frühzeitig ärztlichen Rat einholen. Auch medizinische Fußpflege kann eine sinnvolle Ergänzung sein.
Wie schütze ich mich vor Verbrennungen oder Erfrierungen?
Nutzen Sie ein Thermometer, um die Wassertemperatur zu überprüfen. Verzichten Sie zudem auf Wärmflaschen oder Heizdecken. Im Winter können warme Handschuhe und gut isolierte Schuhe vor Kälte schützen.
Worauf sollte ich zuhause und draußen achten?
In den eigenen vier Wänden sind unter anderem rutschfeste Böden, ausreichende Beleuchtung und das Entfernen von Stolperfallen wie losen Teppichen, wichtig, um Stürzen vorzubeugen. Im Freien sollten Sie auf festes Schuhwerk, Gehhilfen, gut beleuchtete Wege und die Vermeidung glatter oder unebener Flächen achten.
Polyneuropathie und Sexualität
Die Nervenschädigung kann bei Männern und Frauen zu sexuellen Funktionsstörungen führen. Durch die Polyneuropathie sind die Nerven geschädigt, die für die Empfindungen und Steuerung von Körperfunktionen zuständig sind - darunter auch die Nerven, die an der sexuellen Reaktion beteiligt sind. Männer haben häufig Schwierigkeiten eine Erektion zu bekommen oder aufrechtzuerhalten. Frauen hingegen verspüren oft eine geringere Empfindlichkeit im Intimbereich, wodurch Erregung und Orgasmus erschwert sind. Zudem kann auch eine vaginale Trockenheit auftreten, was den Geschlechtsverkehr unangenehm macht.
Auch Schmerzen oder Unsicherheiten können die Lust mindern und den Sexualtrieb negativ beeinflussen.
Was kann Betroffenen helfen?
Sprechen Sie offen mit Ihrem behandelnden Arzt, am besten einem Neurologen oder Sexualmediziner.
Wo finde ich mit Polyneuropathie Unterstützung?
Für Erkrankte kann der Austausch mit anderen Betroffenen sehr hilfreich sein, zum Beispiel über Selbsthilfegruppen wie die Deutsche Polyneuropathie Selbsthilfe e.
Chemotherapie-induzierte Polyneuropathie (CIPN)
Aufgrund des demografischen Wandels und somit auch der Zunahme maligner Erkrankungen werden Chemotherapie-induzierte Polyneuropathien (CIPN) immer bedeutender. Je nach Therapieregime bestehen starke Abweichungen. Besonders oft sind neurotoxische Beeinträchtigungen nach der Gabe von Platin-haltigen Zytostatika, Taxanen, Vinca-Alkaloiden oder Proteasomen-Inhibitoren wie Bortezomib zu beobachten. Nach der Applikation von neueren Antikörper-basierten Therapien und hier auch Checkpoint-Inhibitoren treten teilweise persistierende Strukturschäden an Spinalganglien und peripheren Nerven auf. Die Gefahr der Entstehung einer CIPN steigt bei Kombination der verschiedenen Chemotherapeutika noch zusätzlich.
Typischerweise beginnt die CIPN mit sensiblen Ausfallsymptomen sowie Schmerzen innerhalb der ersten beiden Therapiemonate. Sie kann sich stabilisieren oder zurückbilden, nachdem die Therapie abgesetzt wurde.
Das Coasting-Phänomen, das vorwiegend nach Gabe von Platin-Derivaten beobachtet wird, leitet sich namentlich von »Roller Coaster« (Achterbahn) ab. Nach Ende der Chemotherapie können Art und Schwere der Symptome schwanken oder auch erst Jahre später auftreten oder stärker werden.
Etwa 40 Prozent der Chemotherapie-induzierten Polyneuropathien (CIPN) gehen mit chronischen Schmerzen einher, wobei nicht nur eine neuropathische, sondern auch eine vermutlich sekundäre, auf muskulärer Fehlfunktion beruhende myofasziale Komponente bestehen kann.
Das späte Auftreten von Beschwerden ist durchaus irritierend, da der zeitliche Zusammenhang zur Ursache mitunter nicht mehr gesehen wird. Zwar nimmt das medizinische Wissen zu den Spät- und Langzeitfolgen einer Chemotherapie zu. Laut Studien berichtet ein Großteil der Patient(inn)en nach einer Chemotherapie über anhaltende oder teilweise verstärkte Sensibilitätsverluste unter anderem in Füßen und Beinen. In spezifischen Untersuchungen war das Sturzrisiko fast doppelt so hoch wie bei Patienten ohne Neuropathie.
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