Migräneanfälle: Ursachen und Zusammenhänge ohne Schilddrüse

Kopfschmerzen sind ein weit verbreitetes Leiden, das die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen kann. Die Ursachen für Kopfschmerzen sind vielfältig und reichen von harmlosen Verspannungen bis hin zu schwerwiegenden Erkrankungen. Migräne, eine spezielle Form von Kopfschmerz, zeichnet sich durch starke, oft einseitige und pulsierende Schmerzen aus, die von weiteren Symptomen wie Übelkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet sein können.

Kopfschmerzen: Ein Überblick

Kopfschmerzen entstehen meist außerhalb des Gehirns, da das Gehirn selbst keine Schmerzrezeptoren besitzt. Ein zu starker Druck auf die Hirnhäute und die darin verlaufenden Nervenbahnen kann Schmerzen auslösen, die dumpf, drückend oder pochend sein können und sich über den ganzen Kopf erstrecken.

Man unterscheidet zwischen primären und sekundären Kopfschmerzen. Primäre Kopfschmerzen, zu denen Spannungskopfschmerzen, Migräne und Clusterkopfschmerzen gehören, sind eigenständige Erkrankungen. Sekundäre Kopfschmerzen sind hingegen Symptome einer anderen Krankheit oder eines anderen Gesundheitszustandes, wie z.B. Infektionen, Verletzungen oder Stoffwechselstörungen.

Spannungskopfschmerz

Spannungskopfschmerzen sind die häufigste Form von Kopfschmerzen und werden oft als drückender oder ziehender Schmerz beschrieben, der meist beidseitig am Kopf auftritt. Sie können durch Stress, seelische Belastungen, Schlafmangel, Flüssigkeitsmangel, Lärm oder schlechte Luft ausgelöst werden. Auch Hormonschwankungen bei Frauen können eine Rolle spielen.

Migräne

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch starke, einseitige, rezidivierende, pulsierende Schmerzen auszeichnet. Die Schmerzen halten in der Regel mehrere Stunden bis Tage an und werden oft von vegetativen Begleitsymptomen wie Übelkeit und Erbrechen begleitet. Hinzu kommt eine Überempfindlichkeit gegenüber Licht, Geräuschen oder Gerüchen. Migräne kann sowohl mit als auch ohne Aura auftreten.

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Die genaue Ursache von Migräne ist nicht vollständig geklärt. Man geht jedoch von einer genetischen Veranlagung aus. Triggerfaktoren spielen eine zentrale Rolle bei der Entstehung und Entwicklung von Migräne. Diese können dann zu einer Überaktivität eines als „Migränegenerator“ bezeichneten Areals des Hirnstamms (Formatio reticularis) führen. Es entsteht eine neuronale Funktionsstörung, die sich dann über den Kortex ausbreitet („spreading depression“) und eine Gefäßerweiterung der Gehirngefäße verursacht.

Es gibt verschiedene Formen von Migräne, darunter Migräne ohne Aura, Migräne mit Aura, Augenmigräne, menstruelle Migräne, abdominelle Migräne, hemiplegische Migräne, Migräne mit Hirnstammaura und vestibuläre Migräne.

Clusterkopfschmerz

Clusterkopfschmerzen sind sehr starke Schmerzen, die kürzer andauern und immer auf derselben Seite auftreten. Sie werden von Symptomen wie tränenden Augen begleitet und treten in Clustern (Gruppen) über einen Zeitraum von Wochen oder Monaten auf, gefolgt von schmerzfreien Perioden.

Sekundäre Kopfschmerzen

Sekundäre Kopfschmerzen sind Symptome einer anderen Krankheit oder eines anderen Gesundheitszustandes. Mögliche Ursachen sind:

  • Entzündungen der Nasennebenhöhlen (Sinusitis)
  • Infektionen (z.B. Meningitis)
  • Verletzungen des Kopfes (z.B. Schädel-Hirn-Trauma, Gehirnerschütterung)
  • Gefäßanomalien im Gehirn (z.B. Aneurysmen, Arteriitis)
  • Sehstörungen
  • Erkrankungen der Schilddrüse (Überfunktion oder Unterfunktion)
  • Diabetes mellitus
  • Gestörter Druck im Schädelinneren
  • Beschwerden oder Verletzungen der Halswirbelsäule
  • Neurologische Erkrankungen (z.B. Hirntumore, Schlaganfall, Epilepsie, Multiple Sklerose)
  • Trigeminusneuralgie
  • Zahnprobleme
  • Funktionsstörungen im Kiefergelenk
  • Hormonschwankungen
  • Schlafstörungen
  • Übermäßiger Gebrauch von Schmerzmitteln
  • Substanzen (z.B. Alkohol, Koffein, Nikotin, Drogen)
  • Psychische Erkrankungen (z.B. Depressionen, Angststörungen)
  • Bluthochdruck (Hypertonie)

Migräneanfälle ohne Schilddrüse: Ursachen und Zusammenhänge

Der Zusammenhang zwischen Migräneanfällen und Schilddrüsenerkrankungen ist komplex und noch nicht vollständig geklärt. Eine Studie von Kopfschmerzexperten aus Athen deutet jedoch auf eine mögliche Verbindung hin, insbesondere zwischen Migräne und Schilddrüsenunterfunktion.

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Schilddrüsenunterfunktion und Kopfschmerzen

Kopfschmerz ist ein häufiges Symptom der Schilddrüsenunterfunktion, von dem etwa ein Drittel der Patienten betroffen sind. Die genauen Mechanismen, die Kopfschmerzen bei Schilddrüsenunterfunktion verursachen, sind jedoch noch unklar.

Studienlage

Eine Studienübersicht untersuchte den Zusammenhang zwischen Kopfschmerz, insbesondere Migräne, und Schilddrüsenerkrankungen. Die Ergebnisse zeigten eine große Bandbreite in Teilnehmergruppen, Studiendesign und Studienziel. Einige Studien konzentrierten sich auf die klinischen Eigenschaften von Unterfunktions-assoziierten Kopfschmerzen und ob diese auf eine Behandlung mit Schilddrüsenhormon ansprachen. Andere Studien untersuchten speziell Migräne und Schilddrüsenerkrankungen als Begleiterkrankungen. In der Mehrzahl dieser Studien wurde eine positive Assoziation gefunden, d.h. Migräne und Schilddrüsenprobleme traten gehäuft gemeinsam auf. Eine andere Studie fand, dass Kopfschmerz, speziell Migräne, möglicherweise die Entwicklung von Schilddrüsenproblemen begünstigte.

Mögliche Zusammenhänge

Die Kopfschmerzexperten schlossen aus der Studienübersicht, dass weiterhin die Forschung keine klaren Antworten ermöglicht. Eine zweigleisige Verbindung zwischen Kopfschmerz und Schilddrüsenerkrankungen, besonders zwischen Migräne und Schilddrüsenunterfunktion, scheint aber möglich: die Krankheiten könnten sich also gegenseitig begünstigen oder verstärken. Um die Zusammenhänge gezielter zu untersuchen, sind nun aber größere Multizentrenstudien erforderlich.

Weitere Ursachen von Migräneanfällen

Neben einer möglichen Verbindung zur Schilddrüsenfunktion gibt es eine Reihe weiterer Faktoren, die Migräneanfälle auslösen können:

  • Histaminreiche Ernährung / DAO-Mangel: Histaminreiche Lebensmittel wie Rotwein, Schokolade, Käse, Bananen oder Erdbeeren können Migräneanfälle auslösen. Ein Mangel am Enzym DAO, das für den Abbau von Histamin im Dünndarm verantwortlich ist, kann ebenfalls zu histaminbedingten Symptomen wie Migräne führen.
  • Serotoninmangel: Ein Serotoninmangel im Gehirn kann Migräneanfälle begünstigen. Serotonin ist ein Neurotransmitter, der unter anderem auf die Magen-Darm-Tätigkeit, das Herz-Kreislauf-System und die Blutgerinnung wirkt.
  • Mangel an Magnesium: Ein Magnesiummangel kann ein Auslöser für Migräne sein. Studien haben gezeigt, dass eine Magnesiumzufuhr von 500-600 mg pro Tag eine präventive Wirkung haben kann.
  • Mangel an Q10: Q10 scheint eine Rolle für die Gefäßaktivität und die Energiebereitstellung der Zellen in Zusammenhang mit einer Migräne zu spielen. Betroffene leiden häufiger an einem Q10-Mangel.
  • Überschuss an Noradrenalin: Erhöhte Noradrenalin-Werte kurz vor einer Migräneattacke können Migräneanfälle triggern. Noradrenalin wird im Körper bei Stress, Flüssigkeitsmangel und bei Schwankungen im Blutzuckerspiegel ausgeschüttet.
  • Hormonelle Störungen: Hormonelle Schwankungen, insbesondere bei Frauen vor der Periode, können Migränebeschwerden auslösen. Die weiblichen Hormone Progesteron und Östrogen spielen hier eine entscheidende Rolle.
  • Starke Blutzuckerschwankungen: Neuere Studien zeigen, dass der Zuckerstoffwechsel eine tragende Rolle bei der Entstehung von Migräne spielen kann. Starke Blutzuckerschwankungen nach dem Essen können Migräneanfälle auslösen.

Individuelle Trigger

Trigger, die eine Migräne auslösen können, sind immer individuell und oft sehr unterschiedlich. Häufige Trigger sind:

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  • Schlafüberschuss oder Schlafmangel
  • Hunger oder Unterzuckerung
  • Hormonumstellungen
  • Körperlicher oder psychischer Stress
  • Bestimmte Nahrungsmittel
  • Licht, Geräusche oder Gerüche
  • Wetterveränderungen
  • Starke Emotionen
  • Bestimmte Medikamente
  • Räume, in denen geraucht wird

Diagnose und Behandlung von Migräne

Die Diagnose von Migräne basiert hauptsächlich auf der Beschreibung der Symptome durch den Patienten. Der Arzt wird eine gründliche Anamnese erheben und eine körperliche Untersuchung durchführen, um andere Ursachen für die Kopfschmerzen auszuschließen. In manchen Fällen können bildgebende Untersuchungen wie CT oder MRT erforderlich sein.

Die Behandlung von Migräne hängt von der Schwere und Häufigkeit der Anfälle ab. Es gibt Ansätze zur akuten Behandlung während eines Anfalls und präventive Maßnahmen, um die Anzahl und Schwere der Anfälle zu reduzieren.

Akute Behandlung

Bei leichten bis mittelstarken Migräneattacken sind NSAR (Nichtsteroidale Antirheumatika) die bevorzugten Medikamente. Dazu gehören Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen, Diclofenac-Kalium und eine Kombination aus ASS, Paracetamol und Koffein.

Mittelschwere bis schwere Migräneattacken werden hauptsächlich mit Triptanen behandelt. Beispiele für diese Medikamente sind Sumatriptan und Almotriptan. Triptane wirken, indem sie spezielle Rezeptoren im Gehirn aktivieren und Entzündungen sowie Blutgefäßverengungen hemmen.

Präventive Maßnahmen

Es gibt verschiedene medikamentöse und nicht-medikamentöse Maßnahmen, die zur Vorbeugung von Migräne eingesetzt werden können:

  • Medikamentöse Prophylaxe: Medikamente wie Betablocker, Flunarizin, Antiepileptika oder Topiramat können die Häufigkeit, Dauer und Intensität der Migräne mindern.
  • Verhaltenstherapeutische Verfahren und Entspannungsübungen: Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson, kognitiv-behaviorales Schmerzbewältigungstraining und Biofeedback-Therapie können helfen, mit Migräne besser umzugehen.
  • Vermeidung von Migräneauslösern: Patientinnen und Patienten können anhand eines Anfallstagebuchs Schlüsse ziehen, wodurch ihre Migräne entsteht, und ggf. ihren Lebensstil verändern.
  • Natürliche Vorbeugung: Ein regelmäßiger Schlafrhythmus, die Einhaltung fester Mahlzeiten sowie das Meiden von lauten Geräuschen oder hellem Licht können helfen, Migräneanfälle vorzubeugen.
  • Überprüfung des Vitalstoffstatus: Ein Mangel an Vitamin D, Riboflavin (Vitamin B2), Coenzym Q10 oder Magnesium kann Migräneanfälle begünstigen. EineSupplementierung dieser Vitalstoffe kann hilfreich sein.

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