Nervenschmerzen im Stirn- und Augenbereich können äußerst belastend sein und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Die Ursachen für diese Schmerzen sind vielfältig und reichen von relativ harmlosen Verspannungen bis hin zu schwerwiegenden Erkrankungen. Eine genaue Diagnose ist daher entscheidend, um die richtige Behandlung einzuleiten.
Gesichtsschmerzen: Ein Überblick
Gesichtsschmerzen sind Schmerzen, die bevorzugt im Bereich von Nase, Augen, Mund und Kinn auftreten. Die Schmerzen können unterschiedlich intensiv sein und eine oder beide Gesichtshälften betreffen. Je nach Dauer und Ursache der Schmerzen unterscheidet man verschiedene Formen von Gesichtsschmerz. Häufig lösen Probleme mit den Nerven Gesichtsschmerzen aus. Solche Schmerzen schießen meist blitzartig ein und fühlen sich bohrend an. Mit Gesichtsschmerzen beschreibt man Schmerzen, die sich auf das Gesicht im anatomischen Sinn beziehen. Dieses reicht vom Kinn bis zur Nasenwurzel und breitet sich über Augenbrauen und Wangenpartie bis zu den Ohren und dem hinteren Kiefergelenk aus. Neben Augen, Nase und Mund zählen auch Kiefer, Zunge, Rachen, Jochbögen, Haut und Muskeln zum Gesicht.
Formen von Gesichtsschmerzen
Je nach Dauer unterscheiden Medizinerinnen und Mediziner zwei Formen von Schmerzen:
- Akute Gesichtsschmerzen: Sie treten plötzlich auf und verschwinden nach kurzer Zeit wieder.
- Chronische Gesichtsschmerzen: Sie bestehen längerfristig.
Zusätzlich werden Gesichtsschmerzen eingeteilt in:
- Schmerzen mit bekannter Ursache
- Schmerzen mit unbekannter Ursache
Eine spezielle Form des dauerhaften Gesichtsschmerzes unbekannter Ursache ist der atypische Geschichtsschmerz.
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Wann sollte man Gesichtsschmerzen ärztlich abklären lassen?
Schmerzen im Gesicht sollte man generell vom Arzt oder von der Ärztin abklären lassen, da sie ernste Gründe haben können. Auch Kopfschmerzarten wie Migräne oder Cluster-Kopfschmerzen machen sich mitunter in Form von Gesichtsschmerzen bemerkbar. Um die genauen Ursachen für die Schmerzen zu finden, ist ein ärztliches Gespräch und eine körperliche Untersuchung notwendig.
Wichtig: Treten Kieferschmerzen bevorzugt im linken Unterkiefer auf und kommen Symptome hinzu wie Schmerzen hinter dem Brustbein, Engegefühl und Übelkeit, sind das Hinweise auf einen Herzinfarkt. Dann ist eine sofortige Abklärung nötig (Notruf 112).
Auslöser für Schmerzen im Gesicht
Schmerzen im Gesicht können sehr verschiedene Ursachen haben. Häufig stecken Störungen der Nerven dahinter wie bei der Trigeminusneuralgie. Das sind Nervenschmerzen im Versorgungsgebiet des Trigeminus-Nervs - genauer im Bereich von Stirn, Unter- und Oberkiefer. Darüber hinaus gibt es verschiedene andere Nerven, die selten Grund für Gesichtsschmerzen sind, beispielsweise der Zungen-Rachen-Nerv (Glossopharyngeus-Nerv).
Weitere mögliche Ursachen für Gesichtsschmerzen sind zum Beispiel:
- Fehlfunktionen des Kauapparats (kraniomandibuläre Dysfunktionen)
- Zähneknirschen (Bruxismus); ausstrahlende Zahnschmerzen
- Gürtelrose (Herpes zoster)
- Nasennebenhöhlenentzündung
- Grüner Star (Glaukom)
- bestimmte Kopfschmerzarten
- Erkrankungen von Gehirn und Rückenmark wie Multiple Sklerosen
- nach einem Schlaganfall
- Geschwulsterkrankungen im Gehirn, zum Beispiel Hirntumoren
- Verletzungen am Kopf
- Operationen im Gesicht
- Schäden an der Wirbelsäule
- Muskelverspannungen im Nacken und der Schulter
- Zungenbrennen
- Sehnerv-Entzündung (Optikusneuritis)
- das Tolosa-Hunt-Syndrom: seltene Schmerzerkrankung im Augenbereich
Wichtig: Kieferschmerzen bevorzugt im linken Unterkiefer können auf einen Herzinfarkt hinweisen - vor allem, wenn sie in Kombination mit Brustschmerzen vorkommen. Dann ist unverzüglich der Notruf unter der Nummer 112 zu wählen.
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Wie fühlen sich Nervenschmerzen im Gesicht an?
Nervenbedingte Gesichtsschmerzen sind sehr intensiv und schießen oft blitzartig ein. Sie werden als stechend oder stromschlagartig empfunden. Der stechende Schmerz kann einmalig auftreten oder mehrfach hintereinander.
Was ist ein atypischer Gesichtsschmerz?
Schmerzen im Gesicht können sich zu chronischen Beschwerden ohne erkennbare Ursache entwickeln. Medizinerinnen und Mediziner haben das früher als atypischen Gesichtsschmerz bezeichnet. Heute sprechen sie von einem anhaltenden idiopathischen Gesichtsschmerz. Idiopathisch bedeutet, dass sich keine genaue Ursache finden lässt. Frauen sind deutlich häufiger von solchen Gesichtsschmerzen betroffen als Männer. Mitunter tritt der Schmerz in Zusammenhang mit einer anderen chronischen Schmerzerkrankung auf.
Wie äußert sich ein atypischer Gesichtsschmerz?
Die allermeisten Menschen mit einem atypischen Gesichtsschmerz klagen über einen Dauerschmerz mit gleicher oder wechselnder Intensität. Nur bei wenigen verschwinden die Beschwerden für mehrere Monate und kommen dann wieder. Typischerweise tritt der Schmerz einseitig auf und lässt sich schlecht lokalisieren. Betroffene beschreiben ihn oft als tief, brennend, bohrend und quälend. Selten schießt der Schmerz ein.
Welche Ursachen hat ein atypischer Gesichtsschmerz?
Es ist unklar, welche Ursachen diese Form von Gesichtsschmerz hat. Möglicherweise ist er eine Spätfolge einer ausgeheilten Verletzung im Gesicht, an Zähnen und Kiefer oder einem operativen Eingriff. Ein tatsächlicher Zusammenhang lässt sich aber meist nicht finden.
Für Betroffene bedeutet das oft, dass sie etliche Ärztinnen und Ärzte aufsuchen und teils unnötige Eingriffe über sich ergehen lassen. Mit der Zeit entwickeln viele psychische Symptome wie Depressivität oder Ängstlichkeit.
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Trigeminusneuralgie: Eine häufige Ursache für Nervenschmerzen im Gesicht
Eine häufige Ursache für Nervenschmerzen im Stirn- und Augenbereich ist die Trigeminusneuralgie. Bei der Trigeminusneuralgie kommt es zu plötzlich einschießenden, nur Sekunden andauernden, elektrisierenden Schmerzen in einem oder zwei benachbarten Ästen des Nervus trigeminus (Gesichtsnerv mit drei Endästen). Solche Attacken können spontan auftreten oder beim Kauen, Sprechen oder Zähneputzen ausgelöst werden - manchmal reicht auch bereits kalter Wind, der über die Wange streicht. Meistens lässt sich keine Ursache der Erkrankung aufdecken. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Die meisten Erkrankten sind im höheren Lebensalter, die Krankheit kann aber auch bei Kindern und jungen Erwachsenen auftreten. Insbesondere dann ist es jedoch wichtig, mit einer Kernspintomografie des Kopfes und einer neurologischen Untersuchung andere Ursachen einer Trigeminusneuralgie auszuschließen, beispielsweise eine Entzündung des Nerven im Austrittsbereich aus dem Hirnstamm, wie sie bei einer Multiplen Sklerose vorkommen kann. Eine Trigeminusneuralgie tritt häufiger im Winter als im Sommer auf und kann sich auch in kurzen Abständen wiederholen und wieder verschwinden. Häufigste Ursache ist ein im Bereich des Hirnstamms gelegenes Gefäß, das durch die sich ständig wiederholende Pulswelle des Blutstroms den Trigeminusnerv beim Austritt aus dem Hirnstamm reizt und schädigt (neurovaskuläre Kompression = Druckschädigung des Nerven durch den Gefäß-Nerven-Kontakt). Eine Entzündung im Bereich einer Zahnwurzel kann zu ähnlich elektrisierenden Schmerzen führen wie bei einer Trigeminusneuralgie. Deshalb sollte man sich zahnärztlich untersuchen und gegebenenfalls eine Röntgenaufnahme der Zähne anfertigen lassen, wenn die Trigeminusneuralgie im zweiten oder dritten Nervenast (im Ober- oder Unterkieferbereich) ausgeprägt ist.
Symptome der Trigeminusneuralgie
Betroffene Personen leiden unter Schmerzattacken im Gesicht. Der Schmerz ist ausgesprochen stark. Meist betrifft er eine Gesichtshälfte (und nicht beide). Patient*innen beschreiben den Schmerz z. B. als elektrisierend, einschießend, stechend, scharf und blitzartig. Er setzt plötzlich ein. Die Dauer liegt meist zwischen einem Sekundenbruchteil und 2 Minuten. Einige Personen erleben bis zu etwa 100 Attacken am Tag. Die Attacken können ohne erkennbaren Auslöser einsetzen, sie können aber auch durch harmlose Reize ausgelöst werden, beispielsweise einen Luftzug, Kauen, Sprechen, Schlucken oder eine Berührung.
Meist ist der Wangen- und Kieferbereich betroffen. Dies entspricht den zwei unteren Ästen des Trigeminusnerven, die oft gleichzeitig betroffen sind. Nur selten handelt es sich um Schmerzen im Bereich der Stirn. Sie treten auf, wenn der erste Ast betroffen ist.
Einige Patient*innen leiden zusätzlich unter einem dumpfen, leichten Dauerschmerz im betroffenen Bereich. Bei einer sekundären Trigeminusneuralgie, die durch eine Grunderkrankung verursacht wird, kann sich das Gefühlsempfinden ändern. Dann sinkt beispielsweise das Empfindungsvermögen im betroffenen Hautbereich (Hypästhesie).
Ursachen der Trigeminusneuralgie
Es gibt zwei Trigeminusnerven - einen für die rechte Gesichtshälfte und einen für die linke. Zusammen sind sie zuständig für die Sensibilität des Gesichtes, der Augenhornhäute und des vorderen Teils der Mundschleimhaut. Das heißt, sie senden Informationen von der Haut an das Gehirn. Zusätzlich aktiviert der dritte Ast des N. trigeminus die Kaumuskulatur.
Die Nervenwurzel eines Trigeminusnerven entspringt im Hirnstamm. Die Nervenfasern führen zu einer rundlichen Ansammlung von Nervenzellkörpern (Ganglion trigeminale). Aus dem Ganglion entspringen auf jeder Seite drei Äste. Sie führen durch kleine Öffnungen im Schädel zur Haut. Ihre Austrittstellen deuten an, welchen Hautbereich sie jeweils versorgen. So tritt der erste Ast (Nervus ophtalmicus) über dem Auge aus dem Schädel. Der zweite Ast (Nervus maxillaris) tritt unter dem Auge aus, und der dritte Ast (Nervus mandibularis) am Unterkiefer.
Es gibt verschiedene Ursachen für eine Trigeminusneuralgie:
Klassische Trigeminusneuralgie
- Kontakt zwischen dem Nerv und einem Blutgefäß: Ein Blutgefäß drückt die Nervenwurzel zusammen (Kompression) oder drängt sie zur Seite. Auch ein Gewebeschwund (Atrophie) ist in diesem Fall möglich. Meist handelt es sich um die Arteria cerebelli superior ("obere Kleinhirn-Arterie"). Es können aber auch andere Arterien und Venen sein.
- Schädigung der Myelinscheiden: Myelinscheiden sind schützende Hüllen, die sich um Nerven legen. Manchmal erleidet eine Myelinscheide an einer Stelle einen Schaden (fokale Demyelinisierung). Dann können Nervenimpulse der betroffenen Fasern auf andere Fasern übergehen, die Schmerz übertragen.
- Im Endstadium kann das Nervengewebe so weit schwinden (Atrophie), dass es zum Dauerschmerz kommt.
Trigeminusneuralgie durch andere Erkrankungen (sekundäre Trigeminusneuralgie): Auslöser dieser Form sind z. B. Hirnstamminfarkte und eine Multiple Sklerose. Diese Erkrankungen verursachen eine Störung im Verlauf des Nervs.
Nicht immer ist ein Auslöser erkennbar. Dann spricht man von einer idiopathischen Trigeminusneuralgie.
Die Wahrscheinlichkeit, an einer Trigeminusneuralgie zu erkranken, steigt mit dem Alter.
Risikofaktoren
- Multiple Sklerose
- Tumore im Kleinhirnbrückenwinkel (Akustikusneurinom, Metastase)
- Arteriovenöse Malformation (fehlgebildete Blutgefäße im Gehirn)
- Hirnstamminfarkte
- Herpes zoster (Gürtelrose; zunächst verursacht der Erreger die Windpocken, dann ggf. nach Jahrzehnten eine Gürtelrose)
- Schädel-Hirn-Trauma
Diagnose der Trigeminusneuralgie
Die Diagnose erfolgt meist anhand der typischen Beschwerden. Nach dem Arztgespräch werden Sie neurologisch untersucht. Die Untersuchung konzentriert sich besonders auf die Hirnnerven. Die Diagnose ist möglicherweise einfacher zu stellen, wenn die untersuchende Person eine Schmerzattacke beobachten kann. Bei der Untersuchung geht um folgende Dinge:
- Untersuchung der Hirnnervenfunktionen
- Provokation des Schmerzes durch Berührung von „Triggerzonen”
- Muskelzucken im betroffenen Bereich bei starken Schmerzen (Tic douloureux)
- Schmerzfreie Phase nach der Attacke
Hinweise für eine sekundäre Trigeminusneuralgie sind ein jüngeres Alter der betroffenen Person, beidseitige Schmerzen und frühzeitige Dauerschmerzen. Gleiches gilt für Empfindungsstörungen und bestimmte Hörstörungen. Eine Erkrankung des ersten Trigeminusastes ohne Beteiligung der anderen Äste ist ebenfalls auffällig. Auch eine fehlende Besserung durch Medikamente deutet auf eine Vorerkrankung hin.
Bei dem Verdacht auf eine Trigeminusneuralgie erhalten Sie eine Überweisung an eine Facharztpraxis für Neurologie. Wenn die Beschwerden akut schlimmer werden, erhalten Sie möglicherweise eine Einweisung ins Krankenhaus.
Bildgebende Verfahren
- MRT und CT: Eine Magnetresonanztomografie (MRT) ist besonders wichtig, um die Ursache festzustellen und sekundäre Ursachen auszuschließen. Der Trigeminusnerv kann mit MRT hochaufgelöst dargestellt werden. Eine MRT kommt ohne Strahlenbelastung aus. Allerdings hat bis zu jede dritte gesunde Person ebenfalls einen Gefäß-Nerven-Kontakt im Bereich des Trigeminusnervs. Ein Kontakt führt nicht immer zu, dass der Nerv komprimiert wird. Neben der MRT kann eine Computertomografie (CT) sinnvoll sein. Damit lassen sich z. B. Knochen und Blutgefäße gut darstellen. So wird vor einer Operation oft auch eine CT gemacht. Der Nutzen wiegt dann stärker als das Risiko durch die Strahlenbelastung.
- Weitere Untersuchungen: Andere Untersuchungen haben teils keine so große Aussagekraft wie die MRT bzw. CT. Denkbar ist in einigen Fällen eine elektrophysiologische Untersuchung. Dabei wird ein Muskeln mit einem leichten Stromstoß zum Zucken gebracht und seine Bewegung wird aufgezeichnet. Es können dabei Schmerzattacken ausgelöst werden.
Therapie der Trigeminusneuralgie
Eine Trigeminusneuralgie wird in erster Linie mit Medikamenten, sogenannten Antikonvulsiva, behandelt. Diese, zur Behandlung der Epilepsie eingesetzten Arzneimittel vermindern die Nervenaktivität und „beruhigen“ so den Schmerz. Auch einige weitere Arzneimittel können erfolgreich eingesetzt werden.
Medikamentöse Therapie
Es gibt verschiedene mögliche Medikamente. Im Akutfall wird meist Phenytoin verwendet. Es wirkt bei der Mehrzahl der Patient*innen. Phenytoin kann zunächst mit einer Spritze verabreicht werden. Danach ist eine weitere Behandlung mit Tabletten möglich. Die Tagesdosis hängt davon ab, wie hoch der Wirkstoffspiegel im Blut ist. Der Spiegel wird mit Blutentnahmen bestimmt. Phenytoin kann zu einem Wachstum des Zahnfleisches führen (Gingivahyperplasie). Eine Wechselwirkung mit anderen Medikamenten ist möglich. Gegenanzeigen sind u. a. eine fortgeschrittene Herzinsuffizienz, ein Herzinfarkt in den letzten 3 Monaten und andere Herzerkrankungen. Auch bei einer Schwangerschaft sollte Phenytoin nicht verwendet werden.
Zur Langzeittherapie kann z. B. Carbamazepin verwendet werden. Carbamazepin dient der Vorbeugung (Prophylaxe) von weiteren Anfällen. Studien haben ergeben, dass Carbamazepin bei den meisten Patient*innen gut wirkt. Oft beginnt man mit einer Tablette abends und steigert dann die Dosis. Typische Nebenwirkungen von Carbamazepin sind beispielsweise Müdigkeit, Schwindel, Veränderungen im Blutbild und allergische Hautreaktionen. Es kommen Wechselwirkungen zwischen Carbamazepin und anderen Medikamenten vor. Bei einigen Erkrankungen sollte Carbamazepin nicht verwendet werden.
Als Langzeittherapie der zweiten Wahl kann Carbamazepin z. B. mit Gabapentin kombiniert werden. Alternativ ist evtl. ein Wechsel von Carbamazepin auf einen anderen Wirkstoff möglich.
Invasive Therapie
Nicht immer genügt eine Behandlung mit Medikamenten. Dann sind andere Verfahren notwendig. Es gibt aber keine Empfehlung dafür, wann eine Operation durchgeführt werden sollte.
Die Methode der Wahl ist in der Regel eine neurochirurgische Operation. Bei dem Eingriff legt der Chirurg bzw. die Chirurgin die Stelle frei, an der sich Nerv und Blutgefäß berühren. Der Kontakt wird aufgehoben, damit der Nerv nicht mehr komprimiert wird. Dann wird ein kleines Stück Material zwischen dem Nerv und dem Gefäß platziert. Bei dem Material handelt es sich z. B. um Teflon. Diese Operation heißt mikrovaskuläre Dekompression. Nach der Operation sind ungefähr 80 % der betroffenen Personen schmerzfrei. Die Operation ist nicht möglich bei sekundären oder atypischen Neuralgien.
Andere Verfahren zielen darauf ab, einen Teil des Nervengewebes zu zerstören, z. B. am Ganglion trigeminale. Das Ziel ist, dass Schmerzreize nicht mehr weitergeleitet werden. Dazu gibt mehrere Möglichkeiten:
- Hitze durch elektrischen Strom
- Glyzerin, das eingespritzt wird (Rhizolyse)
- Ballon, der eingebracht wird und dann durch Entfaltung das Gewebe zusammendrückt (Ballonkompression).
- Röntgenstrahlung
Andere Verfahren, die die Schmerzweiterleitung unterbrechen (Neuromodulation).
Weitere Therapien
Es gibt nichtinvasive Verfahren der Neuromodulation, die also die Schmerzweiterleitung unterbrechen sollen. Hier existieren aber zu wenige Daten, die beweisen, dass die Behandlung wirkt. Darüber hinaus sollte die medikamentöse Behandlung optimiert werden. Die betroffene Person sollte bei Bedarf auch eine Physiotherapie bzw. Psychotherapie erhalten.
Verlauf und Prognose der Trigeminusneuralgie
Zwischen den Attacken haben die meisten Patient*innen keine Beschwerden. Die Attacken erscheinen oft phasenweise. Während dieser Phasen treten sie teils wochen- oder monatelang täglich auf. Zwischen den Phasen können die Attacken jahrelang ausbleiben.
Die Trigeminusneuralgie schränkt die Lebensqualität oft deutlich ein. Einige Patient*innen entwickeln Depressionen und Angstzustände. In schweren Fällen beginnen Betroffene, weniger zu essen und zu trinken, in der Hoffnung, den Anfällen aus dem Weg zu gehen, da Berührungen Attacken provozieren können. In der Tat sollten nicht notwendige zahnärztliche Operationen vermieden werden. So belastend die Trigeminusneuralgie ist: Oft bessert sie sich von allein oder geht ganz zurück. Wenn operiert wird, dann führt der Eingriff meist zum Erfolg. Von 100 operierten Personen sind nach 1 Jahr mehr als 80 beschwerdefrei. Nach 5 Jahren sind es mehr als 70.
Wie jede Operation birgt auch die mikrovaskuläre Dekompression ein Risiko. In bis zu 10 % der Fälle kommt es zu einer Hörstörung auf der Seite, auf der operiert wurde. Die Wahrscheinlichkeit eines tödlichen Verlaufs beträgt bei der Operation etwa 0,5 %.
Atypischer Gesichtsschmerz
Ein Gesichtsschmerz, der nicht dem Nervenschmerz (Neuralgie) zugeordnet werden kann, wird als „atypisch“ bezeichnet. Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft wählte dafür die Bezeichnung „idiopathischer anhaltender Gesichtsschmerz“, die sich jedoch noch nicht vollständig durchgesetzt hat. Das Wort „idiopathisch“ bedeutet, dass die Ursache nicht bekannt ist. Der atypische Gesichtsschmerz betrifft Frauen häufiger als Männer und überwiegend das mittlere und höhere Lebensalter. Die Schmerzen werden häufig im Gesicht im Bereich des Oberkiefers oder unterhalb des Auges empfunden. Typisch ist, dass sie sich oft nicht genau zuordnen lassen oder die Zuordnung wechselt. Es handelt sich meist um einen dumpfen, drückenden und in der Tiefe nicht genau einzugrenzenden Schmerz. In aller Regel ist das Berührungsempfinden im Gesicht ungestört. Gelegentlich besteht eine Überempfindlichkeit im betroffenen Schmerzbereich. Da der Schmerz in der Tiefe und dumpf lokalisiert ist, suchen die Betroffenen häufig Hals-Nasen-Ohren- und Zahnärzte auf. Nicht selten werden Zähne gezogen (Zahnextraktionen), zahnärztliche Restaurationsarbeiten oder HNO-ärztliche Eingriffen an den Nasennebenhöhlen durchgeführt. In aller Regel verschwinden die Schmerzen hierdurch aber nicht. Unter der irrtümlichen Annahme, dass sich eine Ursache der Beschwerden aufdecken und behandeln ließe, werden solche Behandlungen dann oftmals erfolglos wiederholt. Tatsächlich ist es jedoch so, dass in dieser Situation jeder weitere Eingriff zur Chronifizierung des Schmerzbildes und zur Ausbreitung der Beschwerden beitragen kann. Eine psychotherapeutische Mitbehandlung kann hier wichtig sein. Frustration über erfolglose Ursachensuche und fehlgeschlagene Behandlungen, die mit Schmerzen und Kosten einhergehen, führen häufig dazu, dass die Patienten ratlos, mutlos oder depressiv verstimmt werden. Psychische Begleitbeeinträchtigungen wie Depressionen und Angststörungen sind beim atypischen Gesichtsschmerz genauso häufig anzutreffen wie bei anderen Schmerzerkrankungen.
Wenn andere Erkrankungen sorgfältig ausgeschlossen wurden, sollte ein Patient mit atypischem Gesichtsschmerz oder atypischem Zahnschmerz (Odontalgie) zunächst darüber aufgeklärt werden, dass er unter einer Schmerzerkrankung leidet, die sich häufig auch wieder zurückbildet. Damit die Erkrankung nicht chronisch wird, sollten möglichst keine weiteren operativen Eingriffe durchgeführt werden. Zur Behandlung kann beispielsweise ein zur Schmerzbehandlung niedrig dosiertes trizyklisches Antidepressivum gegeben werden. Unterstützend können Massage, Kälte- oder Wärmeanwendungen im Gesicht sowie andere manuelle Verfahren hilfreich sein. Eine zusätzlich bestehende Depression oder Angststörung sollte gezielt medikamentös oder psychotherapeutisch behandelt werden. Sinnvoll ist die Kombination aus medikamentöser Therapie, Entspannungsverfahren (z.B. progressive Muskelrelaxation nach Jacobson) und Ausdauersport sowie eine gezielte psychotherapeutische Mitbetreuung bei hohen psychosozialen Belastungen. Da die Betroffenen oft schon jahrelang unter ihrer Erkrankung leiden, ist auch ein multimodales Behandlungsprogramm nicht immer erfolgreich, und die Behandlung kann lange andauern, bis sich eine Verbesserung einstellt.
Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD)
Bei der craniomandibulären Dysfunktion (auch als Myoarthropathie bezeichnet) sind das Kiefergelenk oder die Kaumuskulatur betroffen, insbesondere der Masseter-Muskel (gut tastbar beim Zubeißen und Entspannen am Kieferwinkel schräg unter dem Ohrläppchen) und der Schläfenmuskel. Das Kiefergelenk besteht aus Ober- und Unterkiefer sowie einem dazwischen liegenden Knorpelscheibchen, auf dem der Gelenkanteil des Unterkiefers bei Unterkieferbewegungen entlanggleitet. Veränderungen des Knorpelscheibchens können zu Knackgeräuschen des Unterkiefers führen, die jedoch häufig nicht schmerzhaft sind und nicht behandelt werden müssen. Anhaltende Schmerzen können einerseits durch Verschleiß oder entzündliche Veränderungen des Kiefergelenks verursacht werden, andererseits durch Verspannungen der Kaumuskulatur, z.B. durch Zähnepressen oder -knirschen, was häufig stressbedingt ist. Dabei kann es auch zu ausstrahlenden Schmerzen in andere Gesichtsbereiche und die Zähne kommen. Häufig ist dieser Kopfschmerz am Morgen am stärksten ausgeprägt (da das Knirschen sehr häufig in der Nacht geschieht) und schläfenbetont. Er kann einseitig betont sein. Als Therapie wird u.a. eine Aufbissschiene empfohlen, die das Gelenk entlastet und über eine Änderung der Position der Strukturen beim Zubeißen bzw. in der Ruheposition die erlernten Bewegungsmuster (Zähneknirschen und -pressen) entkoppeln soll. Auch Physiotherapie (Krankengymnastik) bewirkt bei muskulären Beschwerden sehr häufig eine Besserung, ebenso wie Eigenmassage der Kaumuskulatur durch den Patienten. Wichtig ist dabei, dass gezielte Eigenübungen erlernt werden, die dann täglich vom Betroffenen selbst durchgeführt werden. Empfehlenswert sind auch das Erlernen der progressiven Muskelentspannung nach Jacobson sowie ein gezielter Umgang mit Stress. Bei besonderen Belastungsfaktoren ist die Inanspruchnahme einer psychologischen Beratung, ggf. auch eine psychotherapeutische Betreuung, sinnvoll. Zusätzlich können vom Arzt trizyklische Antidepressiva in niedriger Dosierung verordnet werden, die als Nebeneffekt etwas entspannen, aber auch müde machen. Bei verschleißartigen Veränderungen des Kiefergelenks kann die Abtragung von Knorpelresten helfen, bei entzündlichen Veränderungen die Einnahme entzündungshemmender Medikamente. Beachtet werden sollte, dass muskuläre Beschwerden der Kaumuskulatur auch die Kopfschmerzhäufigkeit bei Kopfschmerzpatienten (vor allem von Migräne und Kopfschmerz vom Spannungstyp) erhöhen können.
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