Das Leben von Frauen ist von hormonellen Veränderungen geprägt, die vielfältige Auswirkungen auf ihre Gesundheit haben können. Diese Veränderungen, die durch den Menstruationszyklus, Schwangerschaften und die Menopause hervorgerufen werden, beeinflussen nicht nur die reproduktiven Funktionen, sondern auch neurologische und psychische Erkrankungen wie Migräne, ADHS und Multiple Sklerose. Ein entscheidender Faktor bei vielen dieser Beschwerden ist der Östrogenspiegel, dessen Schwankungen weitreichende Folgen haben können. Dieser Artikel beleuchtet, wie Östrogenmangel Polyneuropathie verstärken kann und welche Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten es gibt.
Hormonelle Schwankungen und ihre Auswirkungen
Hormone wie Östrogen und Progesteron spielen eine zentrale Rolle im weiblichen Körper. Ihre Spiegel variieren im Laufe des Menstruationszyklus und in verschiedenen Lebensphasen, was zu unterschiedlichen gesundheitlichen Problemen führen kann.
Migräne und hormonelle Verhütung: Migräne, insbesondere in der prämenstruellen Phase, kann sich durch hormonelle Schwankungen verschlimmern. Frauen mit Migräne sollten jedoch beachten, dass die Kombination von Migräne und hormoneller Verhütung das Schlaganfallrisiko erhöhen kann. Bei Migräne mit Aura sind hormonelle Kombinationspräparate nicht empfehlenswert, insbesondere bei zusätzlichen kardiovaskulären Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Nikotin, Diabetes oder Übergewicht.
ADHS und der Menstruationszyklus: Auch das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADHS) kann stark vom Menstruationszyklus beeinflusst werden. Viele Patientinnen berichten von einer Verschlimmerung ihrer Symptome in der prämenstruellen Phase. Hier kann eine Anpassung der Medikation, Hormontherapie oder pflanzliche Präparate wie Mönchspfeffer helfen. Entspannungstechniken, eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung können ebenfalls unterstützend wirken.
Die Wechseljahre und ihre Beschwerden
Die Wechseljahre sind eine weitere Phase hormoneller Umstellung im Leben einer Frau. In dieser Zeit sinkt der Östrogenspiegel, was zu einer Vielzahl von Beschwerden führen kann:
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Gewichtszunahme: Die veränderte Hormon- und Stoffwechselsituation kann die Gewichtsverteilung beeinflussen und zu einer Zunahme des Fettgewebes um die Körpermitte führen.
Gelenkschmerzen: Der Östrogenabfall kann Entzündungen verstärken und die Gelenke weniger gut "schmieren". Zudem reguliert Östrogen den Flüssigkeitshaushalt, was bei einem Mangel zu Beschwerden führen kann.
Haarverlust und Gesichtsbehaarung: Hormonelle Schwankungen können zu dünner werdendem Haar und Haarausfall führen. Gleichzeitig kann ein verhältnismäßig höherer Testosteronspiegel nach der Menopause zu zunehmender Gesichtsbehaarung führen.
Hautveränderungen: Östrogen beeinflusst die Kollagenproduktion und Hautfeuchtigkeit positiv. Ein Mangel kann zu trockener, dünner und weniger elastischer Haut führen.
Verdauungsbeschwerden: Stress, der in der Perimenopause häufig auftritt, kann zu Magenbeschwerden und Blähungen führen.
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Brennendes Gefühl im Mund: Der Östrogenmangel kann die Schleimhaut im Mund beeinflussen und zu einem brennenden Gefühl, Kribbeln oder Taubheit führen. Auch die Speichelproduktion kann abnehmen, was das Geschmacksempfinden beeinträchtigen kann.
Kribbeln in Händen und Füßen: Ein Kribbeln in den Händen, Füßen, Armen und Beinen kommt in den Wechseljahren häufiger vor.
Allergien: Vorhandene Allergien können sich in dieser Zeit verschlimmern.
Burning-Mouth-Syndrom (BMS)
Das Burning-Mouth-Syndrom (BMS) ist eine idiopathische Form des Zungenbrennens und brennenden Gefühls im Mundbereich, ohne sichtbare Veränderungen der Zunge oder Mundschleimhaut. Es wird zunehmend als neuropathische Erkrankung diskutiert, möglicherweise in Form einer "small fiber neuropathy".
Ursachen und Mechanismen:
Periphere Mechanismen: Eine Dysfunktion der Geschmacks- und Schmerzrezeptoren in der Mundschleimhaut könnte eine Rolle spielen.
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Zentrale Mechanismen: Veränderungen im zentralen Nervensystem, insbesondere in den Gehirnregionen für Schmerzwahrnehmung und -verarbeitung, könnten zur Entstehung des BMS beitragen.
Immunologische Faktoren: Aktuelle Erkenntnisse deuten darauf hin, dass immunologische Veränderungen eine Rolle in der Pathogenese spielen könnten.
Hormonelle Einflüsse: Hormonelle Schwankungen, insbesondere ein Abfall der Östrogenspiegel im Klimakterium, können die Empfindlichkeit der oralen Schleimhaut und Nervenfasern beeinflussen.
Psychogene Faktoren: Stress, Angst und depressive Zustände verstärken die Symptome erheblich.
Das primäre Burning-Mouth-Syndrom ist eine idiopathische Erkrankung, deren Pathogenese auf einer Kombination aus peripheren, zentralen, immunologischen, hormonellen und psychogenen Mechanismen beruht.
Restless-Legs-Syndrom (RLS)
Das Restless-Legs-Syndrom (RLS) ist eine neurologische Erkrankung, die durch einen unkontrollierbaren Bewegungsdrang der Beine gekennzeichnet ist, oft begleitet von Missempfindungen wie Kribbeln, Stechen oder Schmerzen. Die Symptome treten primär in Ruhe auf und bessern sich durch Bewegung.
Zusammenhang mit den Wechseljahren:
Hormonelle Einflüsse: Forscher vermuten, dass die Sexualhormone Östrogen und Progesteron Auswirkungen auf die Nervenweiterleitung haben. Zudem besteht eine Korrelation zwischen dem Neurotransmitter Dopamin und den weiblichen Sexualhormonen.
Nährstoffmangel: Ein Mangel an Eisen, Magnesium und Vitamin D kann das RLS begünstigen.
Behandlungsmöglichkeiten:
Bewegung: Leichte Beingymnastik, Dehnen der Waden, Bürsten oder Massieren der Unterschenkel oder Wechselduschen der Beine können helfen.
Ursachenbehandlung: Die Behandlung eines zugrunde liegenden Eisen- oder Magnesiummangels kann die Symptome lindern.
Dopaminagonisten: Bei stark ausgeprägten Symptomen können Medikamente, welche den Wirkeffekt von Dopamin imitieren, helfen.
Lebensstil: Ein gesunder Lebensstil mit Schlafhygiene, Stressreduktion und einer ausgewogenen Ernährung kann die Symptome lindern.
Polyneuropathie und Östrogenmangel
Die Polyneuropathie ist eine Erkrankung, die die peripheren Nerven betrifft und zu Kribbeln, Brennen, Schmerzen und Taubheitsgefühlen in den Händen und Füßen führen kann. Studien haben gezeigt, dass es einen Zusammenhang zwischen Östrogenmangel und Polyneuropathie gibt.
Mechanismen:
Nervenleitgeschwindigkeit: Untersuchungen haben gezeigt, dass postmenopausale Frauen mit peripherer Neuropathie eine verringerte motorische Nervenleitgeschwindigkeit aufweisen.
Entzündungen: Östrogen wirkt entzündungshemmend und schützt die Nerven. Ein Mangel kann Entzündungen verstärken und die Nerven schädigen.
Durchblutung: Östrogen fördert die Durchblutung. Ein Mangel kann die Durchblutung der Nerven beeinträchtigen und zu Schäden führen.
Weitere Ursachen für Juckreiz und Missempfindungen
Neben den hormonellen Einflüssen gibt es weitere Faktoren, die Juckreiz und Missempfindungen in den Wechseljahren verstärken können:
Xenohormone: Chemische Verbindungen in der Umwelt, die hormonähnliche Wirkungen haben können, wie Bisphenol A (BPA) und Phthalate. Diese können die hormonelle Balance stören und Menopausenbeschwerden verstärken.
Hauterkrankungen: Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder Krätze (Skabies) können Juckreiz verursachen.
Infektionen: Infektionen der Haut oder Schleimhaut mit Pilzen, Bakterien oder Viren können ebenfalls Juckreiz auslösen.
Psychische Ursachen: Stress, Angststörungen oder Psychosen können Juckreiz verstärken.
Stoffwechselerkrankungen: Erkrankungen von Leber, Gallenblase und Bauchspeicheldrüse können Juckreiz verursachen.
Schilddrüsenerkrankungen: Schilddrüsenerkrankungen wie eine chronische Schilddrüsenüberfunktion können Juckreiz auslösen.
Neurologische Erkrankungen: Neurologische Erkrankungen wie Spinalkanalstenosen können ebenfalls Juckreiz verursachen.
Diagnose und Behandlung
Eine gründliche Diagnose ist entscheidend, um die Ursache von Juckreiz, Missempfindungen und Polyneuropathie festzustellen. Der Arzt wird ein ausführliches Gespräch führen und eine körperliche Untersuchung durchführen.
Diagnostische Maßnahmen:
Anamnese: Erfassung der Symptome, Krankengeschichte, Medikamenteneinnahme und Lebensstil.
Körperliche Untersuchung: Inspektion der Haut, Nägel, Haare und Schleimhäute.
Neurologische Untersuchung: Überprüfung der Nervenfunktion, Reflexe und Sensibilität.
Blutuntersuchungen: Überprüfung der Hormonspiegel, Entzündungswerte, Leber- und Nierenwerte, Schilddrüsenwerte und Vitaminspiegel.
Weitere Untersuchungen: Je nach Verdacht können weitere Untersuchungen wie Nervenleitgeschwindigkeitsmessungen, Hautbiopsien oder bildgebende Verfahren erforderlich sein.
Behandlungsmöglichkeiten:
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Beschwerden.
Hormonersatztherapie (HRT): Bei Östrogenmangel kann eine HRT helfen, den Hormonspiegel auszugleichen und die Symptome zu lindern.
Nährstoffsubstitution: Bei Mangelerscheinungen können Eisen-, Magnesium- oder Vitamin-D-Präparate helfen.
Medikamentöse Therapie: Je nach Ursache können Schmerzmittel, Antidepressiva, Antikonvulsiva oder andere Medikamente eingesetzt werden.
Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Nervenfunktion zu verbessern und Schmerzen zu lindern.
Lebensstiländerungen: Eine gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung, Stressreduktion und der Verzicht auf Alkohol und Nikotin können die Symptome lindern.
Hautpflege: Regelmäßige Hautpflege mit rückfettenden Cremes und milden Reinigungsmitteln kann Juckreiz lindern.
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