Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die vor allem ältere Menschen betrifft. Zu den Hauptsymptomen gehören Bewegungsverlangsamung (Bradykinese), Muskelsteifheit (Rigor), Zittern (Tremor) und Haltungsinstabilität. Diese Symptome können die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Neben medikamentösen Behandlungen spielt die Bewegungstherapie eine zentrale Rolle bei der Behandlung von Parkinson. Eine vielversprechende Methode ist die gerätegestützte Bewegungstherapie mit MOTOmed, die in diesem Artikel näher beleuchtet wird.
Was ist MOTOmed?
MOTOmed ist ein Bewegungstherapiegerät, das speziell für Menschen mit Bewegungseinschränkungen entwickelt wurde. Es ermöglicht ein motorbetriebenes, assistives oder aktives Training der Beine und/oder Arme. Anwender können im Sitzen, im Rollstuhl oder vom Stuhl aus trainieren. Die Geräte sind in Deutschland von den gesetzlichen Krankenkassen als Hilfsmittel anerkannt, was die Zugänglichkeit für viele Patienten erleichtert.
Forced Exercise: Ein Schlüsselkonzept in der Parkinson-Therapie
Ein wichtiger Ansatz in der MOTOmed-Therapie bei Parkinson ist das Konzept des "Forced Exercise". Hierbei werden die unteren Extremitäten von Parkinson-Patienten mit höherer Geschwindigkeit bewegt, als sie es aufgrund ihrer Erkrankung selbst könnten. Eine Forschergruppe aus den USA (Ridgel et al., 2009) fand heraus, dass Bewegungsgeschwindigkeiten von bis zu 90 U/min zu einer Verbesserung des Tremors führen können. Diese schnellen Beinbewegungen wirken sich nicht nur lokal aus, sondern haben einen positiven Effekt auf den gesamten Körper. Zudem wurde eine signifikante Verbesserung der Feinmotorik der Hände um über 30 % festgestellt.
Wissenschaftliche Grundlage
Die RECK Medizintechnik entwickelte in Zusammenarbeit mit einer Forschungsgruppe aus den USA die MOTOmed Bewegungstherapie für Parkinson-Patienten auf der Grundlage aktueller Erkenntnisse aus der Parkinsonforschung. Der Einsatz von Spezialkomponenten ermöglicht motorunterstützte Beinbewegungen, die dem gesunden Radfahren ähneln, mit Geschwindigkeiten von bis zu 90 U/min. Dies ermöglicht die Anwendung der "Forced Exercise"-Therapie mit dem MOTOmed viva2 Parkinson.
Wie MOTOmed bei Parkinson wirkt
Die MOTOmed Parkinson Modelle (MOTOmed loop p.l, MOTOmed loop p.la und MOTOmed viva2 Parkinson) verfügen über einen softwaregesteuerten Motor, der ein Bewegungstraining bei hohen Drehzahlen ermöglicht. Parkinson-Patienten können sich passiv bewegen lassen oder aktiv mitarbeiten. Therapieeinheiten mit dem MOTOmed viva2 Parkinson können positive Auswirkungen auf die Gehfähigkeit, das Gleichgewicht, die Akinese (Bewegungsarmut), die Feinmotorik und die Haltungsstabilität haben. Zudem können Symptome wie Tremor und Rigor (Muskelsteifheit) reduziert werden.
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Therapie-Modi
MOTOmed bietet verschiedene Therapie-Modi, die auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten abgestimmt werden können:
- Passiv: Die motorbetriebene Bewegung ohne Kraftaufwand eignet sich zur Regulierung des Muskeltonus, zur Lockerung der Muskulatur und zur Frühmobilisation nach langen Ruhezeiten. Das passive Training fördert die Durchblutung, die Verdauung und die Gelenkbeweglichkeit.
- Assistiv: Bei der motorunterstützten Bewegungstherapie ermöglicht die Funktion MOTOmed ServoTreten einen leichten Übergang vom passiven zum aktiven Training. Die assistive Bewegung fördert Kraft und Ausdauer schon bei geringsten Eigenkräften.
- Aktiv: Das aktive Training mit eigener Muskelkraft gegen fein dosierbare Bremswiderstände kräftigt die Bein-, Arm- und Oberkörpermuskulatur und stärkt das Herz-/Kreislaufsystem.
Der Wechsel zwischen aktiven und passiven Phasen (Intervalltraining) kann den Therapieerfolg zusätzlich steigern.
Therapieziele
Mit MOTOmed können folgende Therapieziele verfolgt werden:
- Rigor und Tremor positiv beeinflussen
- Gehen fördern
- Folgen von Bewegungsmangel mindern
- Restmuskelkräfte aktivieren
- Fatigue entgegenwirken
- Psyche und Wohlbefinden stärken
Persönliche Erfahrungen mit MOTOmed
Ein Anwender berichtet von seinen positiven Erfahrungen mit MOTOmed nach einem Unfall, der ihn ab der Hüfte abwärts nahezu vollständig lähmte. Er beschreibt, wie er mit dem MOTOmed trainierte, zunächst mit den Armen zum Aufwärmen und dann mit den Beinen als Mentaltraining. Das Gerät bewegte seine Beine ohne eigene Muskelkraft und erkannte kleinste Bewegungsimpulse, die er dann selbst mittreten konnte. Als seine Beine stärker wurden, stellte er einen leichten Widerstand ein und absolvierte längere "Fahrten" in mäßigem Tempo, abwechselnd mit kürzeren Intervalltrainings.
Der Erfolg kam nicht über Nacht, aber knapp ein Jahr nach dem Unfall konnte er das erste Mal wieder für eine Sekunde stehen. Er lernte, mit immer weniger Hilfsmitteln immer längere Strecken zu laufen und übt heute die ersten freien Schritte.
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Studien und Forschungsergebnisse
Zahlreiche Studien belegen die Wirksamkeit der MOTOmed Bewegungstherapie bei Parkinson. Eine Interventionsstudie zeigte signifikant positive Verbesserungen der Grobmotorik (Gehen) sowie der Hand-/Feinmotorik (Diadochokinese) von Parkinson-Patienten durch ein zehnwöchiges Forced Exercise Bewegungstraining mittels eines motorbetriebenen Bewegungstherapiegerätes (MOTOmed viva2_Parkinson). (Laupheimer et al., 2011)
Weitere relevante Studien sind:
- Ridgel et al. (2009): Forced, Not Voluntary, Exercise Improves Motor Function in Parkinson’s Disease Patients.
- Stuckenschneider et al. (2015): Active assistive forced exercise provides long-term improvement to gait velocity and stride length in patients bilaterally affected by Parkinson‘s disease.
- Pereira-Pedro et al. (2023): Effects of MOTOmed® movement therapy on the motor function and main symptoms of patients with Parkinson’s disease: a systematic review.
Diese Studien zeigen, dass MOTOmed die motorischen Funktionen verbessern, Symptome lindern und die Lebensqualität von Parkinson-Patienten steigern kann.
Aktiv und assistiv „erzwungene“ Bewegungsgeschwindigkeit (Forced Exercise)
Neueste Untersuchungen eines Forschungsteams um Univ.-Prof. Dr. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln bestätigen, dass aktiv und assistiv „erzwungene“ Bewegungsgeschwindigkeit (Forced Exercise) zu einer Verbesserung der Ganggeschwindigkeit und der Schrittlänge bei Patienten mit bilateraler Parkinsonerkrankung führt.
In einer randomisierten Studie nahmen 24 Patienten mit Symptomen der bilateralen Parkinsonerkrankung an einem 12-wöchigen Trainingsprogramm teil, das entweder durch ein aktiv assistives oder passives Forced Exercise Training gekennzeichnet war. Die Ergebnisse zeigten, dass durch beide Interventionsmethoden die Gehgeschwindigkeit erhöht, die Schwung- und Standphase verbessert, die Schrittlänge erweitert und die Doppelstandphase verringert wurde. Das aktiv assistive Forced Exercise Training konnte dabei den Haltungs- und den Aktionstremor positiv beeinflussen und hinsichtlich der Ganggeschwindigkeit und der Schrittlänge nachhaltige Verbesserungen und Langzeiteffekte erzielen.
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MOTOmed Modelle und Ausstattung
Es gibt verschiedene MOTOmed Modelle, die auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Anwender zugeschnitten sind. Neben dem Beintrainer gibt es auch Kombinationsmodelle für ein Bein- und Arm-/Oberkörpertraining. Der MOTOmed Arm-/Oberkörpertrainer ist in den Trainingsbereich ein- und ausschwenkbar und kräftigt gezielt die Arm-, Oberkörper- und Schultermuskulatur und stärkt die Atemhilfsmuskulatur.
MOTOmed viva2 Parkinson
Das MOTOmed viva2 Parkinson ist serienmäßig mit einem Chipkartenleser ausgestattet und verfügt damit bereits über die Voraussetzung für das Trainingsanalyse- und Auswertungsprogramm sam2.
MOTOmed loop edition
Das MOTOmed loop besticht durch seine digitale Intelligenz und seine visuelle Erscheinung. Per Upgrade Bundle lassen sich fast alle Modelle in seiner Ausstattung und Funktionalität erweitern. Ebenso zeichnet das MOTOmed loop seine einzigartige Höhenverstellung, mit der die Anwender ihre MOTOmed Modelle werkzeuglos in der Höhe anpassen können, sowie die schnelle und einfache Umstellung vom Arm- auf Beintraining aus.
MOTOmed muvi
Das simultane Bewegungskonzept ist ein innovatives Feature, welches das MOTOmed muvi einzigartig macht. Das passive oder aktive Training, die Bewegungsgeschwindigkeit und die Bremswiderstände für Beine und Arme können auch bei simultaner Bewegung getrennt eingestellt werden. Dadurch kann sich der Anwender zum Beispiel die Beine passiv bewegen lassen und gleichzeitig mit den Armen aktiv trainieren.
MOTOmed viva2 light
Das MOTOmed viva2 light bietet hochwertige Standardfunktionen für eine sichere Bewegung bei Lähmung und Spastik. Neben dem Beintrainer gibt es das MOTOmed viva2 light auch als Kombinationsmodell für ein Bein- und Arm-/Oberkörpertraining. Der MOTOmed Arm-/Oberkörpertrainer ist in den Trainingsbereich ein- und ausschwenkbar. Das MOTOmed viva2 light ist von den gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland als Hilfsmittel anerkannt.
MOTOmed letto2
Patienten können ihre unteren Extremitäten im Pflegebett oder auf der Therapieliege zur Frühmobilisation vom MOTOmed letto2 bewegen lassen, oder motorunterstützt sowie aktiv trainieren. Für ein aktivierendes Bein- und Arm-/Oberkörpertraining entwickelte RECK Medizintechnik das motorunterstützte Bettmodell MOTOmed letto2 Beine/Arme. Durch die schwenkbare Motorkonsole kann das Bettmodell von rechts, links oder am Fußende eines Pflegebettes positioniert werden.
Ausstattung
Die MOTOmed Geräte verfügen über eine Vielzahl von Funktionen, die das Training erleichtern und sicherer machen:
- Einstiegshilfe: Erleichtert das Einlegen der Füße in die Fußschalen.
- BewegungsSchutz: Stoppt die Pedalbewegung bei Muskelverkrampfungen, Spastiken oder Bewegungsblockaden.
- ServoTreten / ServoDrehen: Unterstützt die aktive Bewegungsausführung selbst bei geringsten Eigenkräften.
- SymmetrieTraining: Hilft, die schwächere Körperseite gezielt zu stärken.
- Trainingsfeedback: Liefert vielfältige Informationen über Trainingswerte wie Dauer, Strecke, Symmetrie, Gesamtumsatz, Tonus, etc.
Zusätzlich gibt es eine Reihe von Zubehörartikeln, wie z.B. Sicherheitsfußschalen, Beinführungen, Fußhalterungen, Handgriffe und Rollstuhlkippsicherungen, die das Training noch individueller und komfortabler gestalten.