Realitätsverlust bei Parkinson-Krankheit: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die nicht nur motorische Symptome wie Zittern, Muskelsteifheit und verlangsamte Bewegungen verursacht, sondern auch eine Vielzahl nicht-motorischer Symptome, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können. Zu diesen nicht-motorischen Symptomen gehören neuropsychiatrische Veränderungen, die sich in Persönlichkeitsveränderungen, Stimmungsschwankungen und sogar psychotischen Symptomen äußern können. Diese Veränderungen können sowohl für die Betroffenen als auch für ihre Angehörigen sehr belastend sein und werden oft als emotional belastender empfunden als die rein körperlichen Symptome.

Persönlichkeitsveränderungen und Stimmungsextreme bei Parkinson

Im Rahmen von Parkinson sind Persönlichkeitsveränderungen und Stimmungsextreme sowohl für Parkinson-Betroffene als auch für Angehörige häufig bedrohlich. Sind die Veränderungen stark ausgeprägt, können sie sogar als emotional belastender wahrgenommen werden als rein körperliche Symptome. Erst in den letzten Jahren wurden in zunehmender Häufigkeit Verhaltensauffälligkeiten und Persönlichkeitsveränderungen beobachtet, die sich im Verlauf der Parkinson-Erkrankung einstellen können. Zu Beginn der Erkrankung stellen viele Menschen vor allem eine zunehmende Sturheit oder Starrsinnigkeit und/oder aggressives Verhalten fest, welches oft unvermittelt auftritt. Weitere Wesensveränderungen sind vor allem durch eine mangelnde Impulskontrolle geprägt, die sowohl durch den weiteren Verlauf der Erkrankung selbst als auch durch die langfristige Einnahme von Medikamenten begünstigt wird. Sie führt zu verschiedensten Verhaltensauffälligkeiten wie einer plötzlich auftretenden Spielsucht oder exzessivem Essen.

Die Ursachen für diese Veränderungen sind vielfältig. Zum einen führt die Parkinson-Krankheit selbst zu einem Ungleichgewicht der Neurotransmitter im Gehirn, insbesondere von Dopamin, aber auch von Serotonin, Noradrenalin und Acetylcholin. Zum anderen können die Medikamente, die zur Behandlung der motorischen Symptome eingesetzt werden, wie Levodopa und Dopaminagonisten, Nebenwirkungen verursachen, die sich auf die Psyche auswirken. Zusätzlich kann die psychische Belastung durch die unheilbare Erkrankung selbst zu Wesensveränderungen führen, ähnlich wie bei anderen chronischen Erkrankungen, wo es zu Belastungsreaktionen, Depressionen, Angststörungen und weiteren psychischen Beschwerden kommen kann. Das Risiko hierfür ist individuell sehr unterschiedlich.

Frühsymptome und subtile Anzeichen

Parkinson tritt schleichend auf und verursacht zu Beginn oft geringfügige Symptome wie Müdigkeit, Vergesslichkeit und leises Sprechen. Die Betroffenen ziehen sich zurück, vernachlässigen ihre Hobbys und bewegen sich wenig. Die Gesichtszüge verlieren an Ausdruck und die Mimik lässt nach. Motorische Symptome zeigen sich in diesem Stadium eher subtil. Es fällt Betroffenen vielleicht schwer, Beine oder Arme wie gewünscht oder so rasch wie früher zu bewegen. Die Parkinson-Patientinnen und Patienten empfinden Steifheit, Unsicherheit und Langsamkeit. Alltägliche Handlungen wie das Aufstehen, Waschen, Ankleiden und Essen dauern länger als zuvor. Dies kann dazu führen, dass sie sich von sozialen Aktivitäten zurückziehen, da sie nicht mehr mit dem Tempo anderer mithalten können.

Lange bevor die typischen motorischen Symptome wie Tremor, Rigor und Akinese auftreten, kommt es zu diversen nicht-motorischen Symptomen wie dem Verlust des Geruchssinns, Missempfindungen, Verdauungsproblemen, Inkontinenz, reduzierter Mimik und den besagten Wesensveränderungen. Viele Persönlichkeitsveränderungen im Zusammenhang mit Parkinson sind durch eine verminderte Fähigkeit zur Kontrolle innerer Impulse gekennzeichnet. Die Verhinderung oder Unterdrückung dieser neu aufgetretenen Verhaltensweisen führt wiederum zu negativen Stimmungsschwankungen.

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Verhaltensstörungen und ihre Auswirkungen

Die Verhaltensänderungen können zu schweren Belastungen innerhalb der Familie, der sozialen und beruflichen Umgebung führen und sich nachteilig für die Betroffenen auswirken. Nicht selten sind es die Angehörigen, die den behandelnden Ärztinnen und Ärzte auf diese veränderten Verhaltensweisen ansprechen, da diese von den Patientinnen und Patienten selbst als nicht störend wahrgenommen werden. Da die Verhaltensstörungen grundsätzlich behandelbar sind, ist es wichtig, darauf zu achten und den behandelnden Neurologinnen und Neurologen anzusprechen, um negative Konsequenzen, etwa im sozialen Umfeld, frühzeitig zu vermeiden.

Einige Beispiele für Verhaltensstörungen, die bei Parkinson auftreten können, sind:

  • Krankhaftes (pathologisches) Spielen: Beinhaltet alle Arten von Spielsucht und kann sich auf Spielbanken und Spielhallen beziehen, aber zunehmend häufiger auch auf Internet-Spiele.
  • Krankhaftes Kaufen: Besteht zunächst ein kaum stillbares Verlangen nach dem Kauf des gewünschten Gegenstandes bis zu dessen Erwerb. Schon kurz nach dem Kauf erlischt meist das Interesse an dem gekauften Gegenstand.
  • Esssucht: Dabei handelt es sich um ein neu auftretendes, oft impulsives, auch nächtliches Verlangen nach Essen oder nach bestimmten Speisen wie Süßem.
  • Hypersexualität: Dabei kommt es zu einem ungewöhnlichen, gesteigerten Verlangen nach sexuellen Kontakten oder auch teilweise abnormen Verhaltensweisen wie Aggressivität, Exhibitionismus, exzessive (Telefon-, Internet-) Pornographie, Fetischismus, Pädophilie etc. Dies kann zu erheblichen Spannungen mit dem Partner führen.
  • Punding: Beschreibt eine Verhaltensstörung, bei der es zu komplexen, immer gleichartigen (stereotypen), sich wiederholenden Tätigkeiten kommt. Die Verhaltensweisen entstehen aus persönlichen Gewohnheiten und Interessen. Typisch sind stundenlanges Sammeln von Gegenständen, Sortieren, Ordnen, Ein- und Ausräumen von Wäsche, Auseinandernehmen und Zusammenbauen technischer Geräte, exzessive Beschäftigung mit dem Computer etc. Diese Tätigkeiten sind nicht zielgerichtet und erfüllen keinen bestimmten Zweck. Sie können sogar zur alles bestimmenden Aktivität werden und zur Vernachlässigung von Mahlzeiten, der Schlafdauer, der Hygiene und sozialer Kontakte führen.
  • Dopaminerges Dysregulationssyndrom: Ist durch ein Verhaltensmuster der Patientinnen und Patienten gekennzeichnet, das zu einer stetigen Zunahme der dopaminergen Dosis führt. Dies geht über das Ausmaß hinaus, welches zur Kontrolle seiner motorischen Symptome wie z.B. dem Zittern oder der Steifigkeit erforderlich ist. Nicht selten kommt es dadurch auch zu einer ungewollten Überbeweglichkeit (Dyskinesie). Die Patientinnen und Patienten erleben nicht selten ein unwiderstehliches Verlangen nach dopaminergen Medikamenten (meist L-Dopa).

Psychosen bei Parkinson

Unter Psychosen wird eine Gruppe psychischer Erkrankungen zusammengefasst, die mit Veränderungen der Gedanken, der Wahrnehmung, der Gefühle und des Verhaltens einhergehen. Die Erkrankten können zeitweise nicht zwischen Wirklichkeit und eigenen Vorstellungen unterscheiden. Schizophrene und manisch-depressive psychotische Störungen haben gemeinsam, dass die Betroffenen den Bezug zu sich selbst und ihrer Umwelt verlieren und sich ihre Persönlichkeit verändert. Viele Menschen mit Psychosen bemerken allerdings keine Veränderung an sich selbst, sondern an ihrer Umwelt.

Grundsätzlich alle Parkinson-Medikamente und auch viele andere Medikamente können bei Parkinson-Patienten eine Psychose verursachen, die behandelt werden muss. Man schätzt, dass 10 bis 30% aller Patienten eine solche Krise im Verlauf der Erkrankung entwickeln. Ein Frühsymptom sind ein unruhiger Schlaf und lebhafte Träume. Dann kommt es zu Verkennungen der Umwelt (Fachwort: Illusionen) und zu Trugbildern (Fachwort Halluzinationen). Später können Wahnvorstellungen und Verwirrtheitszustände auftreten.

Formen von Psychosen

Es gibt verschiedene Formen von Psychosen, die sich in ihren Ursachen und Symptomen unterscheiden:

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  • Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis (Schizophrenie): Vor allem das Denken und die Wahrnehmung sind gestört.
  • Wahnhafte Störungen: Ein Wahn ist das Symptom, das im Vordergrund steht. Bei einem Wahn interpretieren die Betroffenen ihre Umwelt falsch oder geben ihr eine falsche Bedeutung.
  • Organische Psychosen: Es gibt eine feststellbare organische Ursache, z.B. durch Hirntumore, Schädel-Hirn-Traumata, frühkindliche Hirnschädigungen, Vergiftungen, Infektionen (z. B. Gehirn-/ Hirnhautentzündung), Epilepsie oder Durchblutungsstörungen des Gehirns. Eine ähnliche Form der organischen Psychose kann im Rahmen von hohem Fieber, bei Vergiftungen, Infektionen oder Flüssigkeitsmangel (Dehydrierung) auftreten.
  • Durch psychotrope Substanzen ausgelöste Psychosen: Psychotrope Substanzen sind z.B. Alkohol, Cannabis oder andere Drogen.
  • Affektive Störungen mit psychotischen Symptomen: Der Überbegriff für Störungen von Stimmung und Antrieb in Richtung einer Depression oder Manie oder in beide Richtungen (= bipolare Störung) ist "affektive Störungen". Sie können mit psychotischen Symptomen einhergehen, das heißt mit einem Realitätsverlust verbunden sein.

Symptome von Psychosen

Die Symptome von Psychosen sind vielfältig und individuell verschieden. Die ersten Anzeichen der Erkrankung nehmen oft Freunde oder Angehörige wahr. Sie bemerken Persönlichkeitsveränderungen oder wenn die betroffene Person wie fremdgesteuert wirkt. Grundsätzlich lassen sich die Symptome in drei Kategorien einteilen:

  • Positive Symptome (sog. Plussymptome): Wahnvorstellungen, Halluzinationen, Ich-Störungen, formale Denkstörungen.
  • Negative Symptome (sog. Minussymptome): Psychomotorische Verlangsamung, Verlust von Interesse und Antrieb, sozialer Rückzug, verflachte Gefühlswelt.
  • Katatone Symptome (sog. Störungen des Willens und der Motorik): Erstarren in bestimmten Körperhaltungen, unkontrollierte motorische Aktivität, Befehlsautomatie.

Beispiele für einzelne Symptome

  • Wahn: Eine nicht korrigierbare, „falsche“ Beurteilung der Realität (inhaltliche Denkstörung): Am häufigsten leiden die Betroffenen unter Verfolgungs- und Beziehungswahn, Größenwahn und Schuldwahn. Patienten mit Verfolgungswahn fühlen sich z.B. von Außerirdischen verfolgt oder glauben, dass andere Menschen ihnen Schaden zufügen wollen. Im Beziehungswahn beziehen Betroffene allgemeine Ereignisse auf sich selbst oder interpretieren bestimmte Gegenstände bzw. Personen als Bedrohung. Sie glauben z.B., dass Radiosprecher ihnen geheime Botschaften übermitteln. Patienten mit Größenwahn sind überzeugt eine berühmte Persönlichkeit, ein unerkanntes Genie o.ä. zu sein.
  • Halluzinationen: Sinneswahrnehmung, der kein realer Sinnesreiz zugrunde liegt: Diese Täuschung kann alle Sinnesorgane betreffen, wobei es am häufigsten zu akustischen Halluzinationen kommt. Viele hören Stimmen, die z.B. ihr Verhalten kommentieren oder ihnen Befehle erteilen. Meist werden diese Stimmen als bedrohlich empfunden. Aber auch optische (z.B. Sehen von Gegenständen, Personen, Farben), olfaktorische (Gerüche) oder sensorische (z.B. Kribbeln, Brennen) Halluzinationen sind möglich.
  • Ich-Störungen: Die Grenze zwischen der eigenen Person und der Umwelt wird als durchlässig empfunden. Körper, Gedanken und/oder Gefühle werden als fremd erlebt.
  • Formale Denkstörungen: Der Ablauf der Gedanken ist gestört. Darunter fallen Verzerrungen des herkömmlichen Denkablaufs, Zerfahrenheit mit sprunghaften und unlogischen Gedankengängen oder Abbruch eines Gedankengangs ohne erkennbaren Grund.
  • Katatone Symptome: Typisch ist z.B. psychomotorische Verlangsamung. Bei ausgeprägteren Schweregraden der Krankheit können sich sog. katatone Symptome zeigen.

Manche Menschen mit Psychosen berichten von einer Überempfindlichkeit gegenüber Licht oder Farben, Geräuschen, Gerüchen oder Geschmacksempfindungen. Auch das Zeitempfinden kann gestört sein.

Ursachen von Psychosen

Das Vulnerabilitäts-Stress-Modell ist das derzeit am besten akzeptierte Ursachenmodell zur Entstehung von Psychosen und berücksichtigt neurologische, psychologische und soziale Faktoren. Es geht von einer genetischen Anfälligkeit (Vulnerabilität) für die Entstehung einer psychotischen Erkrankung bei Betroffenen aus. Können diese Menschen dann Belastungen (z.B. Stress, traumatische Erlebnisse) nicht ausreichend bewältigen, kann es zum Ausbruch einer Psychose kommen. Bei einer genetischen Veranlagung muss es jedoch nicht zwingend zu einer Erkrankung kommen.

Als neurologische Ursachen werden Störungen der Botenstoffe im Gehirn vermutet, welche die Informationsverarbeitung im Gehirn beeinflussen. Studien ergeben z.B., dass in Großstädten Psychosen häufiger vorkommen als in ländlichen Regionen und dass ethnische Minderheiten in Gebieten mit wenig ethnischer Durchmischung häufiger betroffen sind.

Diagnose von Psychosen

Die Diagnose einer Psychose erfolgt in der Regel durch einen Facharzt für Psychiatrie oder einen Psychotherapeuten. Im Rahmen der Diagnostik werden die Symptome erfasst, die Krankengeschichte erhoben und gegebenenfalls weitere Untersuchungen durchgeführt, um organische Ursachen auszuschließen.

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Depressionen bei Parkinson

Im Zusammenhang mit der Parkinson-Krankheit kommt es bei vielen Betroffenen zu trauriger und niedergeschlagener Stimmung. Dieser Zustand kann mit einem Verlust von Interesse an der Umgebung, Antriebsmangel und Freudlosigkeit verbunden sein (sogenannte Apathie). Hält ein Stimmungstief über einen Zeitraum von mehreren Wochen an, spricht man von einer Depression. Diese ist ein mögliches frühes Anzeichen für eine beginnende Parkinson-Erkrankung, kann aber auch erst im späteren Verlauf der Krankheit, oder als eine seelische Reaktion auf die Diagnose oder anderweitige Folgen der Krankheit auftreten.

Als Parkinson-Symptom entsteht sie als direkte Reaktion auf krankheitsbedingte Veränderungen der Botenstoffe im Gehirn, also die Neurodegeneration. Diese Degeneration führt nämlich nicht nur zu einem Dopaminmangel, sondern auch zu einem Mangel an Serotonin, dem „Glückshormon“. Diese Veränderungen können schon Jahre vor den ersten deutlich sichtbaren motorischen Symptomen wie der Bradykinese oder dem Tremor auftreten. Depressive Verstimmungen, Reizbarkeit oder Angststörungen, sowie der allgemeine soziale Rückzug gelten deshalb als Frühwarnzeichen von neurodegenerativen Erkrankungen wie Morbus Parkinson. Jedoch sind diese Symptome sehr allgemein und nicht jede Depression ist ein Frühsymptom der Parkinson-Erkrankung. Auffällig wird es zum Beispiel dann, wenn depressive Verstimmungen oder Reizbarkeit zusammen mit anderen Symptomen des Frühstadiums und noch dazu plötzlich auftreten, sowie ohne ersichtlichen Grund (wie z.B. Verlust des Arbeitsplatzes, Verlust eines geliebten Menschen, Stress oder andere einschneidende Erlebnisse).

Als Folge von Begleiterscheinungen der Parkinson-Erkrankung treten Depressionen als Reaktion auf den Bewegungsmangel bzw. den Kontrollverlust der Patientinnen und Patienten über ihre eigene Motorik auf, sowie die damit einhergehenden Einschränkungen in der Lebensqualität und Selbstständigkeit. Eine Depression im Rahmen von Morbus Parkinson zu erkennen ist ohnehin nicht ganz leicht. Denn zum einen ähneln sich die typischen Symptome einer Depression und die Symptome bei Morbus Parkinson sehr stark, z. B. Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, ausdruckslose Mimik und Appetitlosigkeit. Jedoch haben sie völlig unterschiedliche Ursachen. Deshalb ist es wichtig, dass die Depression zusammen mit den Ärztinnen und Ärzte als eigenständige Krankheit diagnostiziert und behandelt wird. Zum anderen kann es nach der - für viele Patientinnen und Patienten erstmal schockierenden - Diagnose zu sogenannten Anpassungsstörungen kommen, die auch als reaktive Depression bezeichnet werden. Sie entstehen als Reaktion auf die Parkinson-Diagnose. Treten sie im fortgeschrittenen Krankheitsverlauf auf, können sie auch ein Anzeichen für eine nachlassende Wirksamkeit der bisher eingesetzten Medikamente sein.

Schlafstörungen bei Parkinson

Neben den genannten psychischen Veränderungen, spielen auch Schlafstörungen eine wichtige Rolle bei Parkinson. Schlafstörungen treten in allen Stadien der Parkinson-Erkrankung und bei der Mehrzahl der Betroffenen auf. Bis zu 90 % aller Menschen mit Parkinson sind im Verlauf der Erkrankung von Tagesmüdigkeit und Ein- und Durchschlafstörungen betroffen. Da es allerdings verschiedene Ursachen für das Auftreten von Schlafstörungen bei Parkinson gibt, ist eine gezielte Behandlung nur nach sorgfältiger Analyse der Symptome und der Begleitumstände möglich. Hier ist besonders darauf zu achten, dass abends keine aufmunternden Parkinson-Medikamente eingenommen werden. Dies betrifft Präparate, die die Wirkstoffe Selegilin oder Amantadin enthalten.

Wird das Einschlafen durch Missempfindungen in den Beinen gestört, die sich erst beim Bewegen oder Laufen bessern, kann ein sogenanntes Restless-Legs-Syndrom vorliegen. Dieses lässt sich oft durch abendliche Einnahme zusätzlicher Parkinson-Medikamente bessern. Einfache „Hausmittel“ können bei Einschlafstörungen hilfreich sein. Hierzu zählen z. B. warme Fußbäder vor dem Schlafengehen. Auch Entspannungstechniken wie das autogene Training sind einschlaffördernd. Darüber hinaus ist die vorübergehende Einnahme milder Schlafmittel bei der Parkinson-Krankheit möglich. Welche Vorgehensweise die richtige für Sie ist, sollten Sie mit Ihren Ärztinnen und Ärzte besprechen. Bei allen nächtlichen Ein- und Durchschlafproblemen sollten regelmäßige Zeiten für das Zubettgehen eingehalten und tagsüber Mittagsschlaf und Nickerchen vermieden werden. Nicht selten stehen Schlafstörungen bei Parkinson auch im Zusammenhang mit Depressionen.

Besonders in der zweiten Nachthälfte kann es durch das Absinken des Medikamentenspiegels zu starker Unbeweglichkeit kommen. Das Drehen im Bett und das Aufstehen fallen dann schwer oder sind unmöglich. Oft ist dieser Zustand auch mit Schmerzen verbunden. Besonders unangenehm sind schmerzhafte Fuß- und Zehenkrämpfe, die vor allem in den frühen Morgenstunden auftreten. Besprechen Sie diese Probleme mit Ihren Ärztinnen und Ärzte. Meistens kann die Einnahme eines lang wirksamen Parkinson-Medikamentes wie z. B. eines Dopaminagonisten mit langer Wirkdauer vor dem Einschlafen Linderung verschaffen.

Muss die Blase jede Nacht mehrfach entleert werden, sollte zunächst darauf geachtet werden, ob der Harndrang im Zusammenhang mit Unbeweglichkeit und Steifigkeit steht. In diesem Fall kann dann die abendliche Einnahme lang wirksamer Parkinson-Medikamente die Blase beruhigen. Hilfreich ist es auch, die abendliche Trinkmenge zu reduzieren (dafür aber morgens und mittags mehr trinken!) und auf die regelmäßige Blasenentleerung vor dem Zubettgehen zu achten. Helfen diese Maßnahmen nicht, sollten durch Ärztinnen und Ärzte andere Ursachen für vermehrten Harndrang (z. B. Blasenentzündung, Herzschwäche) ausgeschlossen werden. Urologische Probleme können auch durch Morbus Parkinson selbst entstehen.

Oft ist eine zu starke Medikamentenwirkung die Ursache von lebhaften (Alp-)Träumen und nächtlichen Unruhezuständen. Diese Probleme müssen Sie unbedingt mit Ihren Ärztinnen und Ärzte besprechen, da meist eine Veränderung der Medikamenteneinstellung notwendig ist. Dabei sollte unbedingt auch Ihr Partner zu den nächtlichen Ereignissen befragt werden.

Vermehrte Müdigkeit, die bei einer Ein- und Umstellung der Parkinson-Medikamente eintritt, kann sich nach einigen Tagen bis zu wenigen Wochen unter regelmäßiger Einnahme bessern. Sollte dies nicht der Fall sein, müssen Sie Ihre Ärztinnen und Ärzte informieren. In jedem Fall ist bei vermehrter Tagesmüdigkeit die Frage der Fähigkeit zum Führen eines Kraftfahrzeugs zu besprechen.

Diagnosemöglichkeiten durch Augenuntersuchung

Die Augen seien ein Spiegel der Seele - heißt es. Doch sie lassen noch viel tiefer blicken. Veränderungen am Auge können nämlich Rückschlüsse auf Vorgänge und Anomalien in ganz anderen Regionen des Körpers geben. Hochauflösende Bilder der Netzhaut sind heute schon Routine in der Augenheilkunde. Vor allem ein dreidimensionaler Scan, die sogenannte optische Kohärenztomographie (OCT) ist in Augenkliniken und Praxen weit verbreitet - weil Strukturen eines tausendstel Millimeters aufgelöst werden können!

In weniger als einer Minute nutzt ein OCT-Scan reflektierte Lichtwellen, um Querschnittsbilder der Netzhaut aufzunehmen. Dabei handelt es sich um einen Bereich des Nervengewebes in der hinteren Fläche des Auges, der Licht wahrnimmt und elektrische Signale an das Gehirn sendet. Leistungsstarke Computer können eine große Anzahl von Bildern in einem Bruchteil der Zeit, die ein Mensch benötigen würde, genau analysieren. Mithilfe „maschinellen Lernens“ sind Computer in der Lage, verborgene Informationen über den gesamten Körper allein aus diesen Bildern zu erschließen.

Außerdem wurde bei einer Studie mit 154. 000 Personen eine Möglichkeit der Untersuchung des Auges mittels OCT-Scan entwickelt. In großen Studien-Datensätzen wurden mit Hilfe neuronaler Netze Marker identifiziert. Das Erstaunliche: Mit Hilfe dieser Algorithmen können bereits sieben Jahre vor klinischen Hinweisen Anzeichen eines erhöhten Risikos, später an der Parkinson-Krankheit zu erkranken, gefunden werden. Der Einsatz einer solchen Bildgebung in der breiten Bevölkerung ist besser skalierbar, nicht-invasiv, kostengünstiger und schneller als Aufnahmen des Gehirns und könnte Vorsorge und frühes Eingreifen ermöglichen.

Prof. Claßen, Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurologe am UKL, hält das für einen vielversprechender Befund, der jedoch seiner Meinung nach noch erhärtet werden muss, bevor an einen breiten Einsatz in der klinischen Versorgung zu denken ist. “Auch in Zukunft wird die Parkinsonkrankheit nicht durch eine OCT-Messung allein erkannt werden können“, meint der Parkinsonexperte.

Behandlungsmöglichkeiten

Wichtig ist zunächst das frühzeitige Erkennen der Verhaltensänderungen, bevor es zu nachteiligen Auswirkungen kommt. Besprechen Sie dies als Angehörige direkt mit den Betroffenen und gehen Sie gemeinsam zur Besprechung mit Ärztinnen und Ärzte. Diese werden dann klären, ob ein Zusammenhang mit der Parkinson-Erkrankung bzw. der Medikation besteht.

Die therapeutischen Maßnahmen bestehen für Ärztinnen und Ärzte meist in einer Verringerung der Dosis oder gegebenenfalls auch dem Absetzen des Dopaminagonisten. Da es dadurch zu einer Verschlechterung der Beweglichkeit kommen kann, müssen im Gegenzug oft andere Medikamente in deren Dosierung erhöht werden. Im Einzelfall müssen zusätzliche Medikamente (atypische Neuroleptika, Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer) eingesetzt werden, um die Symptome zu beeinflussen. Da es sich dabei oft um komplexe Vorgänge handelt, dürfen diese Veränderungen der Medikation ausschließlich von Ihren behandelnden Ärztinnen und Ärzte enger Absprache mit Ihnen durchgeführt werden. Eine eigenmächtige Verringerung der dopaminergen Dosis durch Angehörige oder die Patientinnen und Patienten selbst kann zu unvorhergesehenen Komplikationen führen, daher muss davon deutlich abgeraten werden.

Gefährdet sich der oder die Betroffene selbst oder andere, so kann eine stationäre Behandlung zwingend notwendig sein. Dies kann bei psychotischen Symptomen im Rahmen einer Parkinson-Erkrankung, aber auch bei starker Verwirrtheit durch Parkinson der Fall sein.

Umgang mit Persönlichkeitsveränderungen und Realitätsverlust

Betroffene und Angehörige können bereits zu einem frühen Zeitpunkt offen miteinander besprechen, welche Persönlichkeitsveränderung auf sie zukommen kann. Dies kann auch in Anwesenheit des Hausarztes oder der Hausärztin erfolgen. Möglicherweise hat der oder die Parkinson-Betroffene spezielle Wünsche, was beim Auftreten von geistiger Verwirrtheit, depressiven oder demenziellen Veränderungen zu tun ist. Gemeinsam kann eine Art Notfallplan erarbeitet werden, was zu tun ist, wenn eine manifeste Depression oder eine Psychose auftreten. Auch eine Patientenverfügung für den Fall einer späteren Demenz ist meist sinnvoll.

Es kann helfen, wenn Betroffene und Angehörige offen miteinander über belastende Persönlichkeitsveränderungen sprechen. Ist dies nicht möglich, so kann getrennt mit Freunden oder Verwandten darüber gesprochen werden. Häufig bietet dies bereits Entlastung.

Risikofaktoren für Parkinson

Zu den bekannten Risikofaktoren für die Entstehung von PD zählen genetische Prädispositionen, ein höheres Alter (ü60) und Umwelteinflüsse. So kann die Exposition gegenüber bestimmten Chemikalien, wie dem Lösungsmittel Trichlorethylen (TCE), Parkinson begünstigen. Bei TCE-exponierten Personen steige das Risiko ein PD zu entwickeln um bis zu 70 % an, zitiert Pfeifer aus einer großen Kohortenstudie, die TCE-exponiertes und nicht exponiertes Personal aus dem Militär der USA berücksichtigte. Als weitere Chemikalien mit mitochondrialer Toxizität, die in Verbindung mit PD gebracht werden können, erwähnt Pfeifer unter anderem das Insektizid/Pestizid Rotenon und das Herbizid Paraquat. Aber auch Schwermetalle wie Eisen, Quecksilber, Mangan, Kupfer und Blei hätten das Potenzial die vermehrte Bildung von reaktiven Sauerstoffspezies (ROS) anzuregen und die antioxidativen Abwehrsysteme in dopaminergen Neuronen zu schwächen.

Beschrieben wurde auch schon, dass einige genetische Krankheitstreiber bei PD die Mitochondrien und deren Funktion innerhalb der Atmungskette negativ beeinflussen, die ebenfalls zur Akkumulation von ROS in dopaminergen Neuronen beitragen. Dazu zählen zum Beispiel Veränderungen in Genen, wie SNCA und ATP13A2, die die mitochondriale Funktion schädigen und die die Produktion von ROS fördern können.

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