Anstatt Nerven Hilfe anbieten: Tipps für ein besseres Miteinander

Jeder Mensch gerät irgendwann einmal an seine Grenzen. Anstatt sich zu ärgern und zu verzweifeln, kann es hilfreich sein, sich Unterstützung zu suchen. Dieser Artikel zeigt, warum es oft schwerfällt, um Hilfe zu bitten, welche Vorteile es bringt und wie man es besser machen kann, sowohl im beruflichen als auch im privaten Umfeld.

Warum fällt es uns so schwer, um Hilfe zu bitten?

Oft vermeiden wir es, in schwierigen Situationen andere um Hilfe zu bitten, weil wir nicht auf andere angewiesen sein wollen. Wir leben in einer Zeit, in der es nicht leichtfällt, sich selbst und anderen Schwächen einzugestehen. In den sozialen Medien wollen wir nur die schönen Seiten unseres Lebens zeigen, was ein verzerrtes Bild der Realität vermittelt. Hilfsbedürftigkeit scheint nicht in diese Welt der vermeintlichen Perfektion zu passen.

Der Wunsch nach sozialer Anerkennung ist ein starker Faktor, der uns daran hindert, andere um Hilfe zu bitten. Besonders im beruflichen Umfeld, wo wir unsere Kompetenz unter Beweis stellen wollen, kann es Ängste auslösen, wenn wir fremde Hilfe benötigen.

Die negative Kosten-Nutzen-Rechnung: Sich mit einer Bitte an andere zu wenden, scheint riskant zu sein. Man öffnet sich, gibt Schwächen preis und macht sich verletzbar. Es besteht die Möglichkeit, eine Ablehnung zu erfahren. Gar nicht erst zu fragen, erscheint vielen als die bessere Option, um einer Enttäuschung zuvorzukommen. Schlechte Erfahrungen können zu der Einstellung führen, alles alleine machen zu müssen, um niemandem zur Last zu fallen. Der Versuch, sich alleine durchzukämpfen, kann auch auf das Bedürfnis zurückgehen, Abhängigkeit zu vermeiden.

Warum wir öfter um Hilfe bitten sollten

Die Gründe, warum es uns so schwerfällt, um Hilfe zu bitten, hängen oft mit unserem Wunsch nach Anerkennung und schlechten Erfahrungen zusammen. Diese Hürden entspringen Ängsten, die unseren Blick verstellen. Dabei ist es evolutionär in uns angelegt, anderen Menschen zu helfen. Wer hilft, fühlt sich gut und gestärkt, da sein Belohnungssystem im Gehirn aktiviert wird und Glückshormone freisetzt. Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand eine Bitte ausschlägt, ist daher gering.

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Indem wir dem Helfenden Wertschätzung und Vertrauen in sein Wissen und seine Fähigkeit vermitteln und uns trauen, uns ihm gegenüber zu offenbaren, erhält die Beziehung zudem eine ganz andere Qualität. Jemandem einen Gefallen zu schulden, enthält somit auch eine positive Komponente: Wir haben die Möglichkeit, eine vertrauensvolle Beziehung weiter auszubauen.

Auch um unser Ansehen müssen wir uns keine Sorgen machen, wenn wir uns helfen lassen. Im Gegenteil ist dies ein Zeichen emotionaler Reife und Selbstsicherheit: Man verfällt nicht dem Glauben, dass das eigene Wissen und die eigenen Fähigkeiten grenzenlos sein müssen. Stattdessen ist man sich seiner selbst so sicher, dass man zu seinen Schwächen stehen kann - und das signalisiert Stärke. Nicht zuletzt macht es uns sogar sympathischer, uns Unterstützung zu suchen. Das ist ein wissenschaftlich gut untersuchtes Phänomen. Der sogenannte „Benjamin-Franklin-Effekt“ besagt, dass Menschen uns sympathischer finden, wenn wir sie um einen Gefallen bitten.

Um Hilfe zu bitten, kann darüber hinaus noch weitere Vorteile für uns haben:

  • Wir kommen schneller ans Ziel: Haben wir jemanden zur Seite, der sich gut auf einem Gebiet auskennt, benötigen wir weniger Zeit, um eine Aufgabe zu erledigen.
  • Wir sparen Kraft und Energie: Durch die Unterstützung anderer können wir unsere Ressourcen für andere Dinge nutzen.
  • Wir entwickeln uns weiter: Zeigt uns jemand, wie etwas geht, lernen wir dazu und vermeiden, immer wieder die gleichen Fehler zu machen.
  • Wir beugen Frustration und Stress vor: Indem wir unsere Probleme aktiv angehen, beweisen wir Eigenverantwortung und Stärke und machen es uns nicht unnötig schwer.

Tipps, um Hilfe anzubieten, anstatt zu nerven

Im beruflichen Umfeld:

Unangebrachte Aussagen vermeiden:

  • Abwertungen und persönliche Angriffe: Aussagen wie "Das war ja klar, dass du das nicht schaffst" verletzen und zerstören Vertrauen. Besser: Sachlich bleiben und gemeinsam nach Lösungen suchen.
  • Verallgemeinerungen: Pauschale Aussagen wie "Das machst du immer falsch" sind wenig konstruktiv. Besser: Konkrete Situationen ansprechen.
  • Vergleiche mit anderen Kollegen: Vergleiche schaden dem Selbstwertgefühl und demotivieren. Besser: Individuelle Fähigkeiten anerkennen.
  • Unterstellungen und Misstrauen: Unterstellungen schädigen das Vertrauen und verhindern offene Gespräche. Besser: Nach den Hintergründen fragen.
  • Herablassende Bemerkungen: Entwertende Sätze demotivieren und schädigen die Beziehungsebene. Besser: Wertschätzend unterstützen.
  • Jemanden vor anderen Kollegen kritisieren: Kritik vor anderen stellt Kollegen bloß und senkt ihre Motivation. Besser: Kritik in Einzelgesprächen äußern.
  • "Das ist nicht mein Problem" sagen: Dieser Satz signalisiert Desinteresse und fehlende Teamorientierung. Besser: Bereitschaft zur Unterstützung zeigen.
  • Nicht hilfreiche (und ungefragte) "Ratschläge" geben: Besserwisserische Ratschläge entmutigen und verhindern, dass Kollegen eigene Lösungen entwickeln. Besser: Unterstützung anbieten.
  • Sorgen und Anliegen ignorieren: Wer Sorgen und Anliegen ignoriert, wirkt herablassend und schwächt die Kommunikation im Team. Besser: Empathisch und verständnisvoll reagieren.
  • Privates in die Diskussion ziehen: Persönliche Bemerkungen sind unprofessionell und respektlos. Besser: Persönliche Themen im beruflichen Kontext weglassen.

Um Hilfe bitten als Chef:

Viele Chefs scheuen sich, um Hilfe zu bitten, aus Angst, als schwach wahrgenommen zu werden. Doch es ist eine Stärke, sich Unterstützung zu suchen. Niemand kann alles wissen.

  • Expertise anerkennen: Bitten Sie Mitarbeiter um Hilfe, indem Sie ihre Fachkenntnisse hervorheben. Kommunizieren Sie, warum Sie auf ihre Expertise angewiesen sind.
  • Konkret sein: Formulieren Sie genau, welche Hilfe Sie benötigen. Vermeiden Sie es, Aufgaben abzuwälzen, für die der Mitarbeiter nicht bezahlt wird.
  • Dankbarkeit zeigen: Bedanken Sie sich so konkret wie möglich für die Unterstützung. Belohnen Sie Mitarbeiter, die über sich hinausgewachsen sind.

Im privaten Umfeld:

Umgang mit Dauernörglern:

  • Liebevolle Aufmerksamkeit schenken: Dauernörgler möchten oft nur Aufmerksamkeit. Schenken Sie ihnen Ihre volle, ungeteilte Aufmerksamkeit.
  • Freundliche Hinweise geben: Weisen Sie Ihr Gegenüber freundlich darauf hin, dass er oder sie sich beschwert. Bringen Sie eine andere Perspektive ein.
  • In den Spiegel schauen: Fragen Sie sich, was Sie im Kontakt mit einem Dauernörgler über sich selbst erfahren können. Sind Sie in Ihrem eigenen Leben zu kritisch?
  • Veränderungsmöglichkeiten erkennen: Bieten Sie Ihre Hilfe an, um gemeinsam Lösungsansätze zu entwickeln.
  • Abgrenzen, wenn nötig: Wenn Sie das Gefühl haben, als "Mülleimer" benutzt zu werden, grenzen Sie sich ab. Jeder ist für sich selbst verantwortlich.

Ratschläge anbieten, die wirklich helfen:

  • Empathisch zuhören: Konzentrieren Sie sich darauf, wirklich zu verstehen, was der andere auf dem Herzen hat.
  • Offene Fragen stellen: Ermutigen Sie den anderen, seine Gedanken, Gefühle und Lösungsideen zu reflektieren.
  • Um Erlaubnis fragen: Bieten Sie Ihre Empfehlung nur an, wenn Sie gefragt werden.
  • Behutsam formulieren: Seien Sie wertfrei und bieten Sie Ihre Hinweise als Möglichkeit an.
  • Gefühle anerkennen: Zeigen Sie, dass Sie die Situation und die damit verbundenen Gefühle verstehen.

Nachbarschaftliche Hilfe anbieten

  • Freundlich sein: Grüßen, lächeln und eine kurze, freundliche Bemerkung machen.
  • Sich vorstellen: Als neu zugezogener Nachbar sich kurz vorstellen.
  • Hilfsbereit sein: Pakete annehmen, Einkäufe hochtragen oder andere spontane Hilfe anbieten.
  • Gespräche suchen: Beim Abholen von Paketen oder anderen Gelegenheiten ins Gespräch kommen.

Sich entschuldigen

Sich ehrlich zu entschuldigen ist eine der wichtigsten Fähigkeiten in menschlichen Beziehungen.

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  • Ehrlich sein: Eine unehrliche Entschuldigung ist schlimmer als keine Entschuldigung.
  • Zeitnah entschuldigen: Je länger man wartet, desto schwieriger wird es, vergeben zu werden.
  • Verantwortung übernehmen: Keine Ausreden im gleichen Satz wie die Entschuldigung.
  • Verständnis zeigen: Aussprechen, dass man versteht, warum der andere sauer oder enttäuscht ist.
  • Wiedergutmachung anbieten: Versuchen, das Geschehene auszugleichen.
  • Besserung geloben: Versuchen, den Fehler nicht zu wiederholen.
  • Umarmung: Wenn das Verhältnis es erlaubt, ist eine Umarmung Gold wert.
  • Taten folgen lassen: Nach der Entschuldigung sollte sich etwas verbessern.

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