Parkinson-Übungen: Ein umfassender Leitfaden zur Verbesserung der Lebensqualität

Parkinson-Übungen sind ein wesentlicher Bestandteil des Managements der Parkinson-Krankheit. Neben der medikamentösen Behandlung spielen sie eine entscheidende Rolle, um die motorischen und kognitiven Fähigkeiten zu erhalten und zu verbessern. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über verschiedene Übungsansätze, Programme und Ressourcen, die speziell auf die Bedürfnisse von Menschen mit Parkinson zugeschnitten sind.

Bedeutung von Bewegung bei Parkinson

Morbus Parkinson ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die hauptsächlich Menschen über 60 betrifft. Die Krankheit manifestiert sich durch Symptome wie Bewegungsverlangsamung (Bradykinese), Zittern (Tremor), Muskelsteifheit (Rigor) sowie Gleichgewichts- und Koordinationsprobleme. Diese Symptome entstehen durch den fortschreitenden Verlust von Dopamin-produzierenden Zellen im Gehirn, was die Kommunikation zwischen Gehirn und Muskeln beeinträchtigt.

Bewegung spielt eine zentrale Rolle bei der Behandlung von Parkinson, da sie die Durchblutung und die Verschaltungen im Gehirn verbessert. Studien haben gezeigt, dass körperliches Training die Motorik erhalten und verbessern sowie weiteren Einschränkungen entgegenwirken kann. Dr. Jens Schröder, Leitender Oberarzt im Klinikum Bremen-Ost, betont, dass es mindestens ebenso wichtig sei, den Körper gesund und in Bewegung zu halten, wie die tägliche Medikamenteneinnahme. Jede Stimulation sei gut.

Übungsansätze und Programme

Es gibt eine Vielzahl von Übungsansätzen und Programmen, die speziell für Menschen mit Parkinson entwickelt wurden. Diese reichen von Physiotherapie und Ergotherapie bis hin zu speziellen Sportarten wie Tischtennis und Ballett.

NEUROvitalis Parkinson

NEUROvitalis Parkinson ist ein Programm, das speziell auf das Training kognitiver Funktionen bei Parkinsonpatienten ohne oder mit leichten kognitiven Störungen abgestimmt ist. Es erweitert das NEUROvitalis Basisprogramm und beinhaltet Übungen zur Förderung visuokognitiver Funktionen und sozialer Kognition. Das Ergänzungsmodul umfasst drei Übungseinheiten, vertiefende Literatur und Informationen zu Wirksamkeitsstudien.

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Ein Bestandteil von NEUROvitalis Parkinson ist das Aktivierungsspiel „Blickwechsel“, das mit 150 Domino-Spielkarten die Exekutivfunktionen, insbesondere den Aufmerksamkeitswechsel und die Flexibilität des Denkens, fördert. Dieses Spiel kann unabhängig von anderen NEUROvitalis-Materialien eingesetzt werden und trainiert eine parkinsontypische kognitive Leistungsschwäche.

Das Programm eignet sich für den Einsatz in neuropsychologischen, logopädischen und ergotherapeutischen Praxen, Fach- und Rehabilitationskliniken, Senioreneinrichtungen, Tagestätten, Bildungsstätten sowie anderen Einrichtungen, die ein wissenschaftlich fundiertes Angebot zur Verbesserung der geistigen Fähigkeiten anbieten möchten.

LSVT®BIG Therapie

Die LSVT®BIG Therapie ist ein weiterer Ansatz, der für Menschen mit neurologischen Erkrankungen und Parkinson-Patienten entwickelt wurde. Die Übungen zielen darauf ab, große Bewegungsamplituden bei funktionellen und kraftvollen Übungen einzuüben. Der Fokus liegt auf der Veränderung motorischer Muster durch standardisierte und wiederholte Übungen. Dieser Ansatz kann auch bei Kursteilnehmenden mit altersbedingten Bewegungseinschränkungen in den Übungsplan einfließen.

PingPongParkinson

PingPongParkinson ist ein Beispiel dafür, wie eine spezifische Sportart zur Therapie eingesetzt werden kann. Die Bewegung mit dem klingenden Namen schwappte vor einigen Jahren aus den USA nach Deutschland und hat sich als wirksame Methode zur Verbesserung der Motorik und der psychischen Gesundheit erwiesen.

Die Idee entstand, als Nenad Bach, ein Ingenieur und Musiker, der an Parkinson erkrankt war, feststellte, dass Tischtennis ihm half, die Kontrolle über seine Finger zurückzugewinnen. Das regelmäßige Training führte dazu, dass er seine Finger wieder besser bewegen und sogar wieder Gitarre spielen konnte.

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PingPongParkinson geht davon aus, dass das Tischtennistraining die Motorik der Erkrankten verbessert. Pilotstudien aus Japan und Schweden aus dem Jahr 2020 zeigten, dass regelmäßiges Training einen Nutzen bringen kann. Dies gilt nicht nur für die Bewegungen, sondern auch für die Psyche, da viele Betroffene unter Depressionen leiden. Das Spielen lenkt ab, muntert auf und fördert den sozialen Austausch.

Trainer Rami Karnoub betont, dass das Ziel nicht darin besteht, das Gegenüber von der Platte zu putzen, sondern möglichst lange gleichmäßige Ballwechsel zu erzielen. Das Klicken des Balls auf Schläger und Platte sorge für einen gleichmäßigen Rhythmus und jeder Schlag fördere die Feinmotorik, außerdem werde die Haltung gelockert.

Ballett

Ballett ist eine weitere ungewöhnliche, aber wirksame Form der Bewegungstherapie für Menschen mit Parkinson. Im BBC Podcast „Inside Health“ wurde berichtet, wie Ballett einem Parkinson-Patienten bei seinen Symptomen geholfen hat. Univ.-Prof. Dr. Elke Kalbe von der Uniklinik Köln erklärte, dass Ballett durch Musik und Rhythmus fließende Bewegungen fördert, was Parkinson-Patientinnen und -Patienten besonders gut hilft.

Weitere Bewegungsangebote

Neben den genannten spezifischen Programmen und Sportarten gibt es eine Vielzahl weiterer Bewegungsangebote, die für Menschen mit Parkinson geeignet sind. Dazu gehören:

  • Tanzen: Fördert Koordination und Rhythmusgefühl.
  • Bewegung im Wasser (Gangtraining oder Wassergymnastik): Entlastet die Gelenke und erleichtert die Bewegung.
  • Krafttraining: Stärkt die Muskeln und verbessert die Stabilität.
  • Ausdauertraining: Fördert die Herz-Kreislauf-Gesundheit und die Ausdauer.
  • Tai Chi und Yoga: Verbessern Gleichgewicht, Flexibilität und Entspannung.
  • Physiotherapie: Bietet individuelle Übungen zur Verbesserung der Motorik undFunktion.

Cochrane Review: „Hauptsache Bewegung!“

Ein aktueller Cochrane Review untersuchte die Wirksamkeit von Bewegungsangeboten für Menschen mit Morbus Parkinson. Die Auswertung von 156 randomisierten Studien ergab, dass strukturierte Bewegungsangebote - von Tanzen über Bewegung im Wasser bis hin zu Krafttraining und Tai Chi - leichte bis starke Verbesserungen des Schweregrads von Bewegungssymptomen und der Lebensqualität bewirken.

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Die genaue Art der Bewegung könnte dabei zweitrangig sein. Prof. Kalbe betonte, dass die persönlichen Vorlieben von Menschen mit Parkinson besonders berücksichtigt werden sollten, um sie zu motivieren, überhaupt an einem Bewegungsprogramm teilzunehmen. „Hauptsache Bewegung!“

Online-Ressourcen und Unterstützung

Die Parkinson Online Akademie bietet eine Vielzahl von Webinaren und Informationen, die allgemeinverständlich aufbereitet sind und Betroffenen, Angehörigen und interessierten Laien ein tieferes Verständnis der Parkinson-Krankheit und deren Behandlung vermitteln. Die Webinare werden von Expert:innen geleitet und bieten die Möglichkeit, Fragen zu stellen und sich auszutauschen.

Einsteiger Online-Kurs‚Mit Parkinson in Bewegung kommen‘In diesem zukunftsweisenden Einstiegskurs möchte ich, dass Du erforschst, welche Bewegungsressourcen Du hast, welche Dir Spaß machen und was für Dich wichtig ist.

Die vier Etappen führen Dich zum sofortigen Loslegen:

  1. WISSEN - DER PARKINSON - DEIN PARKINSON: Hier spreche ich über Parkinson, seine Einschränkungen und helfe Dir, eine eigene Bestandsaufnahme zu machen: Was behindert Dich am Meisten in Deinem Alltag, welches Symptom nervt laufend?
  2. SPORTLICHES TRAINING ALS WICHTIGE RESSOURCE: Anhand von drei wissenschaftlichen Forschungsarbeiten gebe ich Dir Motivation durch Wissen! Was bringt Sport allgemein und welches Training ist wofür gut? Welche Erfahrungen hast Du bereits mit Bewegung gemacht? Was weißt Du, was kannst Du, wie fühlst du dich mit Bewegung?
  3. MOTIVATION DURCH ANDERE: Seit über 15 Jahren begleite ich Menschen mit Parkinson und schule und trainiere sie, um auf allen Ebenen: körperlich, psychisch und geistig fitter zu werden. All die Jahre ist das immer begleitet von natürlichen Schwankungen, aber es lohnt sich, dran zu bleiben. (A) Frische Diagnose, mitten im Leben. Du hast nur leichte bis keine Einschränkungen. (B) Zu Fuß mit leichten Gleichgewichtsstörungen. Deine Gehstrecke ist reduziert. Du fühlst Dich etwas eingeschränkt. (C) Haltungsprobleme sind aufgetreten. Du stolperst ab und zu. Rücken oder Nacken schmerzen immer mal. Teile Dich in eine der Gruppen ein und überlege, welcher Trainingstyp Du bist!
  4. IN DIE HANDLUNG KOMMEN: Was-Wann-Wo - konkret geplant! Wenn nicht jetzt, wann dann? Ich erkläre Dir die Bedeutung von Motivation für das Gelingen regelmäßigen Trainings und warum eine gute und realistische Planung wichtig ist. Erkenne wie es geht und nimm Dir die Zeit für eine eigene Bestandsaufnahme. Dann schau genau und ehrlich hin: Wann hast Du Zeit, wann Energie?

Darüber hinaus gibt es zahlreiche Parkinson-Broschüren, die Betroffene und Angehörige dabei unterstützen, die Parkinson-Symptome besser zu verstehen, Behandlungsmöglichkeiten einzuordnen und den Alltag mit der Erkrankung leichter zu gestalten. Diese Broschüren enthalten oft spezielle Übungsanleitungen mit leicht umsetzbaren Bewegungsübungen für den Alltag, die helfen, Symptome zu lindern, die Beweglichkeit zu fördern und das Wohlbefinden zu stärken.

Tipps für den Einstieg in ein Bewegungsprogramm

Der Einstieg in ein Bewegungsprogramm kann eine Herausforderung sein, insbesondere wenn man bereits unter den Symptomen der Parkinson-Krankheit leidet. Hier sind einige Tipps, die helfen können:

  1. Wählen Sie eine Aktivität, die Ihnen Spaß macht: Die Motivation ist entscheidend für den langfristigen Erfolg. Wählen Sie eine Aktivität, die Ihnen Freude bereitet und die Sie gerne regelmäßig ausüben.
  2. Beginnen Sie langsam und steigern Sie sich allmählich: Überfordern Sie sich nicht am Anfang. Beginnen Sie mit kurzen Einheiten und steigern Sie die Dauer und Intensität allmählich.
  3. Suchen Sie sich Unterstützung: Trainieren Sie mit einem Freund, einem Familienmitglied oder einer Selbsthilfegruppe. Der soziale Kontakt und die gegenseitige Motivation können sehr hilfreich sein.
  4. Konsultieren Sie einen Arzt oder Therapeuten: Lassen Sie sich von einem Arzt oder Therapeuten beraten, welche Übungen für Sie geeignet sind und wie Sie diese sicher ausführen können.
  5. Seien Sie geduldig und realistisch: Die Verbesserung der Symptome kann Zeit dauern. Seien Sie geduldig mit sich selbst und setzen Sie sich realistische Ziele.
  6. Hören Sie auf Ihren Körper: Achten Sie auf die Signale Ihres Körpers und vermeiden Sie Überlastung. Machen Sie Pausen, wenn Sie sie brauchen.

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