Fluoxetin bei Migräne: Nutzen, Risiken und Alternativen

Fluoxetin ist ein selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), der hauptsächlich zur Behandlung von Depressionen, Zwangsstörungen und Bulimie eingesetzt wird. Obwohl es nicht primär als Migränemittel zugelassen ist, wird es in einigen Fällen zur Migräneprophylaxe eingesetzt. Dieser Artikel beleuchtet die Verwendung von Fluoxetin bei Migräne, seine Wirkungsweise, mögliche Nebenwirkungen und alternative Behandlungsansätze.

Einführung

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, oft sehr starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist, die von Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen und Lichtempfindlichkeit begleitet sein können. Die präventive Behandlung von Migräne zielt darauf ab, die Häufigkeit, Dauer und Intensität von Migräneattacken zu reduzieren.

Trizyklische Antidepressiva als Alternative

Trizyklische Antidepressiva (TZA) wie Amitriptylin und Imipramin gelten als Mittel der Wahl zur Schmerzlinderung bei endogener Depression sowie bei Spannungskopfschmerzen, Migräne und atypischen Gesichtsschmerzen. Amitriptylin und Imipramin wirken gut schmerzlindernd, wobei Desipramin eine Alternative darstellen kann. Studien haben gezeigt, dass die Schmerzlinderung durch Desipramin bei einigen Patienten ähnlich gut ist wie bei Amitriptylin.

Fluoxetin: Wirkmechanismus und Anwendung

Fluoxetin wirkt, indem es die Wiederaufnahme von Serotonin im Gehirn hemmt. Serotonin ist ein Neurotransmitter, der eine wichtige Rolle bei der Stimmungsregulation spielt. Durch die Erhöhung der Serotoninkonzentration im synaptischen Spalt soll Fluoxetin stimmungsaufhellend und angstlösend wirken.

Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI)

Fluoxetin gehört zur Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI). Diese Medikamente werden zur Behandlung von psychischen Störungen eingesetzt. Fluoxetin wird üblicherweise in Salzform als Fluoxetinhydrochlorid angewendet und ist verschreibungspflichtig.

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Anwendungsgebiete von Fluoxetin

Fluoxetin wird angewendet bei:

  • Depressiven Erkrankungen (Episoden einer Major Depression) bei Erwachsenen
  • Zwangsstörung bei Erwachsenen
  • Bulimie (einer Form von Essstörungen) bei Erwachsenen, nur als Ergänzung zu einer Psychotherapie zur Reduktion von Essattacken und selbst herbeigeführtem Erbrechen.
  • Mittelgradigen bis schweren Episoden einer Major Depression bei Kindern und Jugendlichen ab 8 Jahren, wenn die Depression nach 4 bis 6 Sitzungen nicht auf psychologische Therapiemaßnahmen anspricht.

Es ist wichtig zu beachten, dass Fluoxetin bei Kindern und Jugendlichen mit einer mittelgradigen bis schweren Episode einer Major Depression nur in Verbindung mit einer gleichzeitigen psychologischen Behandlung gegeben werden sollte.

Dosierung und Anwendung

Die empfohlene Dosis für Erwachsene beträgt 20 mg/Tag. Die Dosis sollte innerhalb von 3 bis 4 Wochen nach Behandlungsbeginn überprüft und gegebenenfalls individuell angepasst werden. Einige Patienten benötigen eine schrittweise Erhöhung der Dosis auf maximal 60 mg. Generell sollte die niedrigste wirksame Dosis verwendet werden.

Bei Kindern und Jugendlichen (8 Jahre und älter) beträgt die Anfangsdosis 10 mg/Tag bei mittelgradiger bis schwerer Episode einer Major Depression. Die Behandlung sollte unter Aufsicht eines Spezialisten begonnen und überwacht werden. Die Dosis kann nach ein bis zwei Wochen auf 20 mg/Tag erhöht werden.

Abbruchraten bei Migräneprophylaktika

Eine retrospektive Auswertung von US-Verschreibungsdaten zeigte hohe Abbruchraten bei oralen Migräneprophylaktika. Nach sechs Monaten lag die Persistenz mit dem ersten verschriebenen Medikament bei nur 25 % und nach 12 Monaten bei 14 %. Bereits ab dem 30. Tag war ein steiler Abfall der Einnahme zu beobachten. Die größte Wahrscheinlichkeit für das Absetzen gegenüber Topiramat ergab sich für Gabapentin, Amitriptylin und Nortriptylin.

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Fluoxetin und Migräne: Was sagt die Forschung?

Obwohl Fluoxetin nicht als primäres Mittel zur Migräneprophylaxe gilt, gibt es Hinweise darauf, dass es in bestimmten Fällen wirksam sein kann. Einige Studien deuten darauf hin, dass SSRIs wie Fluoxetin die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken reduzieren können. Es wird vermutet, dass dies auf die Modulation des Serotoninspiegels im Gehirn zurückzuführen ist.

Fallbeispiele und Erfahrungsberichte

Einige Patienten berichten von positiven Erfahrungen mit Fluoxetin bei der Behandlung von Migräne. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Wirksamkeit von Fluoxetin bei Migräne von Person zu Person unterschiedlich sein kann.

Eine Patientin namens Datura berichtete in einem Online-Forum über einen Migräneanfall mit Aura und Hitzegefühl im Bauchbereich nach vierwöchiger Einnahme von Fluoxetin. Nach Rücksprache mit ihrem Arzt setzte sie das Medikament ab.

Risiken und Nebenwirkungen von Fluoxetin

Wie alle Medikamente kann auch Fluoxetin Nebenwirkungen verursachen. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören:

  • Übelkeit
  • Kopfschmerzen
  • Schlaflosigkeit
  • Müdigkeit
  • Sexuelle Funktionsstörungen

In seltenen Fällen kann Fluoxetin auch schwerwiegendere Nebenwirkungen verursachen, wie z. B.:

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  • Serotonin-Syndrom
  • Suizidgedanken
  • Herzrhythmusstörungen

Es ist wichtig, dass Patienten ihren Arzt über alle Nebenwirkungen informieren, die während der Einnahme von Fluoxetin auftreten.

Besondere Vorsichtshinweise

Besondere Vorsicht bei der Einnahme von Fluoxetin ist erforderlich bei:

  • Epilepsie oder Krampfanfällen
  • Manie aktuell oder in der Vergangenheit
  • Auftreten von Fieber, Muskelsteifheit oder Zittern, Bewusstseinsveränderungen
  • Suizidgedanken und Verschlechterung der Depression/Angststörung
  • Akathisie/psychomotorische Unruhe
  • Absetzreaktionen bei Beendigung einer Behandlung mit einem Serotoninwiederaufnahmehemmer
  • Sexuelle Funktionsstörung

Langzeitfolgen

Die langfristige Anwendung von Antidepressiva, einschließlich Fluoxetin, kann zu einer signifikanten Gewichtszunahme führen. Innerhalb von sechs Jahren wiesen Patienten, die Antidepressiva einnahmen, ein erhöhtes Risiko für eine Gewichtszunahme von mehr als fünf Prozent ihres Ausgangsgewichts auf. Weitere Langzeitprobleme sind sexuelle Funktionsstörungen und Schlafstörungen.

Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln

Fluoxetin kann die Wirkung einiger anderer Arzneimittel beeinflussen. Zu den wichtigsten Wechselwirkungen gehören:

  • Irreversible, nicht-selektive Monoaminoxidase-Hemmer (MAO-Hemmer)
  • Metoprolol
  • Lithium
  • Tramadol
  • Triptane
  • Phenytoin
  • Arzneimittel, die eine Wirkung auf den Herzrhythmus haben können

Es ist wichtig, dass Patienten ihren Arzt über alle Medikamente informieren, die sie einnehmen, um mögliche Wechselwirkungen zu vermeiden.

Alternative Behandlungsansätze bei Migräne

Es gibt eine Vielzahl von alternativen Behandlungsansätzen bei Migräne, die je nach Schweregrad und individuellen Bedürfnissen des Patienten eingesetzt werden können.

Akuttherapie

Leichte Migräneattacken sollten mit Antiemetika und Analgetika behandelt werden. Mittelschwere bis schwere Attacken werden mit einem Antiemetikum und Ergotamintartrat therapiert oder mit einem spezifischen Migränemittel wie Sumatriptan behandelt.

Migräneprophylaxe

Die Indikation für eine Migräneprophylaxe besteht bei mindestens drei Migräneattacken pro Monat, Attacken, die auf Akuttherapie nicht ausreichend ansprechen, oder bei nichttolerablen Nebenwirkungen der Akuttherapie. Zu den Substanzen mit gesicherter Wirkung gehören Betablocker wie Metoprolol und Propanolol sowie Flunarizin. Substanzen mit möglicher Wirkung sind Serotonin-Antagonisten, Dihydroergotamin, Cyclandelat, nichtsteroidale Antirheumatika, Acetylsalicylsäure und Valproinsäure.

Medikamentenfreie Alternativen

Angesichts der wachsenden Zweifel an der Neurotransmitter-Hypothese sollten Patienten alternative, medikamentenfreie Therapieansätze in Betracht ziehen, die nachhaltigere Ergebnisse bieten. Dazu gehören:

  • Psychotherapie
  • Entspannungstechniken
  • Achtsamkeitstraining
  • Bernhardt-Methode

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