Nach einer kieferorthopädischen Behandlung, sei es mit Spangen, Brackets oder Zahnschienen wie Invisalign, werden häufig Retainer eingesetzt, um das erreichte Ergebnis zu stabilisieren und eine erneute Fehlstellung der Zähne zu verhindern. Diese unscheinbaren Metallstreifen können jedoch, wenn auch selten, unerwartete gesundheitliche Folgen haben und Nervenschmerzen im Zahn verursachen.
Ursachen von Nervenschmerzen im Zahn bei Retainern
Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD)
Einige Patienten leiden an CMD, einer Funktionsstörung des Kiefergelenks, die oft nicht als Ursache für ihre Beschwerden erkannt wird. Die Symptome, die im Körper wahrgenommen werden, werden nicht immer mit einer Störung im Kiefer oder in den Kiefergelenken in Verbindung gebracht. Es ist ratsam, einen spezialisierten CMD-Zahnarzt aufzusuchen, wenn Beschwerden wie Gelenkschmerzen und Verspannungen auftreten, deren Ursache in einem oder beiden Kiefergelenken oder der Lage von Unterkiefer und Oberkiefer zueinander liegen könnte.
Falsche Diagnose
Oft erhalten Patienten auch vom Zahnarzt nicht die richtige Diagnose. Auch wenn ein Zahn behandelt wird oder wenn Zahnersatz nicht richtig eingesetzt wird, kann das zu Verspannungen im Bereich von Hals und Schulter führen.
Umwegwirkungen durch Zahnfixierung
Die Zähne sind kein „Perpetuum mobile“. Die Wirkungen von Energie und Kräften erklärt das übergeordnete physikalische Gesetz, der 1. Hauptsatz der Thermodynamik: Energie/Kraft kann nicht vernichtet werden! Genau deswegen lassen sich Kräfte auch von Retainern nicht großartig beeindrucken. Sie weichen zwar dem größten Widerstand aus, suchen sich aber andere Wege, die mit geringerem Widerstand, um sich auszudehnen. Nach und nach schwächen sie einen Punkt nach dem anderen und destabilisieren allmählich ein gesamtes System. Auch für Zähne und Gaumen stellen sich durch Zahnfixierung lediglich „Umwegwirkungen“ ein. Die Naturgesetze lassen sich nämlich durch nichts überlisten und folgerichtig verändern diese Belastungen erkennbar ihr Umfeld und richten Schäden an. Sie präsentieren sich als gesundheitliche Probleme mit unterschiedlichen Auswirkungen: Kopfschmerzen, Nackenschmerzen, Kiefergelenksprobleme Ohrprobleme sind einige Beispiele dafür. Selbst die korrigierte Zahnstellung kann den Kräften - selbst mit Retainer - auf Dauer nicht standhalten und verstellt Zähne und Kiefer erneut. Die auftretenden Störungen werden allerdings auf Grund der zeitlichen Distanz zwischen den Ereignissen, selten mit den Verursachern, Kieferorthopädie und Retainer, in Verbindung gebracht.
Zahnverschiebung trotz Retainer
Auch wenn ein Retainer eingesetzt wird, können sich Zähne verschieben. Dies kann verschiedene Ursachen haben:
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- Parodontitis: Zahnfleischentzündungen können zu Zahnverschiebungen führen.
- Druck von Weisheitszähnen: Durchbrechende Weisheitszähne können Druck auf die anderen Zähne ausüben und Verschiebungen verursachen.
- Bruxismus (Zähneknirschen): Nächtliches Zähneknirschen kann die Zähne belasten und zu Verschiebungen führen.
- Veränderung des Gebisses: Zahnfüllungen oder Zahnersatz können die Position der Zähne beeinflussen.
Lockere Retainer
Ein lockerer Retainer ist ein häufiges Problem, das die meisten Patienten früher oder später betrifft. Retainer halten die Zähne nach einer kieferorthopädischen Behandlung in ihrer korrigierten Position, sind aber Verschleiß unterworfen. Die häufigsten Ursachen für lockere Retainer sind normaler Verschleiß durch das tägliche Kauen und Sprechen, harte Lebensmittel oder nächtliches Zähneknirschen.
Bei festsitzenden Retainern kann sich der Kleber mit der Zeit lösen oder der dünne Draht brechen. Dies ist ein normaler Alterungsprozess und kein Zeichen für mangelnde Qualität. Herausnehmbare Retainer können durch unsachgemäße Handhabung, Stürze oder Materialermüdung beschädigt werden. Auch die natürliche Bewegung der Zähne kann dazu führen, dass Retainer lockerer werden, da sich minimale Spannungen aufbauen.
Bestimmte Gewohnheiten können das Lockern beschleunigen. Dazu gehören das Beißen auf harte Gegenstände, das Öffnen von Verpackungen mit den Zähnen oder übermäßiges Kaugummikauen. Auch schlechte Mundhygiene kann bei festsitzenden Retainern zu Problemen führen, da Zahnstein die Klebeverbindung schwächen kann.
Schlechte Mundhygiene
Ein weiterer Schmerzfaktor kann das Zahnfleisch sein. Vor allem bei einem Mangel an Mundhygiene kann sich Zahnbelag am Zahnfleischrand sammeln und von Bakterien besiedelt werden. Wird dieser Zahnbelag nicht entfernt, kann dies zu einer Zahnfleischentzündung (Gingivitis) führen, die durch Zahnschmerzen sowie blutendes, gerötetes und geschwollenes Zahnfleisch gekennzeichnet ist. Auch ist das Risiko einer Kariesentstehung durch erhöhten Bakterienbefallerhöht. Durch eine adäquate Mundhygiene, kann das Risiko einer Zahnfleischentzündung reduziert und die Entstehung von Karies minimiert werden. Diese beinhaltet das regelmäßige und gründliche Zähneputzen mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta, das Verwenden von Zahnseide (und/oder anderen Hilfsmitteln zur Reinigung von Zahnzwischenräumen, wie z. B.
Zähne unter Kronen
Viele denken, dass wenn eine Krone auf einem Zahn angebracht ist, er nicht mehr an Zahnkrankheiten leidet. Das ist jedoch nicht der Fall. Zähne unter diesen Konstruktionen sind genauso anfällig für Pathologien wie jeder andere. Es gibt viele Faktoren, die Zahnschmerzen oder erhöhte Empfindlichkeit auslösen können. Es gibt viele Gründe, warum ein Zahn unter einer Krone schmerzen kann. Wenn vor der Installation der orthopädischen Konstruktion keine Wurzelkanalreinigung durchgeführt wurde, befinden sich immer noch Nerven in der Zahneinheit. In einer solchen klinischen Situation kann die Krone Druck auf den Nerv ausüben und ihn verletzen. Anzeichen einer Infektion können sein: Schwellung des Zahnfleisches, Schmerzen beim Kauen, Empfindlichkeit gegenüber Temperatur und Fieber. Nach der Installation der Krone kann vorübergehende Unannehmlichkeit auftreten. Diese Schmerzen sollten nicht länger als 2 Wochen anhalten. Aufgrund eines Risses in der Prothese oder der Zahnstruktur darunter kann eine unangenehme Empfindlichkeit gegenüber Kälte, Hitze oder Luft auftreten. Schmerzen und Empfindlichkeit treten auf, wenn das Zahnfleisch um die Krone herum zurückgeht und einen Teil der Wurzel freilegt. Zahnfleischrezession kann durch zu hartes Zähneputzen verursacht werden. Wenn die Krone nicht richtig passt, kann dies zu Unannehmlichkeiten führen. Eine falsche Passform beeinflusst auch den Biss und das Lächeln. Die Zahnprothese sollte sich an den Biss anpassen, genauso wie die anderen Zähne. Wenn Sie Unbehagen oder noch schlimmere Schmerzen verspüren, suchen Sie sofort einen Zahnarzt auf. Bei Karies kann eine Wurzelkanalbehandlung erforderlich sein. Dies beinhaltet das Bohren eines kleinen Lochs in der Krone, um den infizierten Nerv und das infizierte Gewebe in den Zahnwurzeln zu entfernen. Wenn eine Infektion unter die Krone gelangt ist, ist der Handlungsablauf im Prinzip ähnlich. Wenn bei einem Patienten Bruxismus oder Zahnfleischrezession diagnostiziert wird, ist ein separater Behandlungsverlauf erforderlich. Eine der häufigsten Ursachen für ihr Auftreten ist eine schlechte Mundhygiene.
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Behandlung von Nervenschmerzen im Zahn bei Retainern
CMD-Behandlung
Ein Patient, der an CMD leidet, erhält daher oft eine Behandlung, die auf seine Beschwerden und Symptome abzielt, nicht aber auf eine Craniomandibuläre Dysfunktion als mögliche Ursache. Nicht zuletzt auch deswegen, weil er selbst die Symptome, die er im Körper wahrnimmt, nicht auf eine Störung im Kiefer oder in den Kiefergelenken zurückführt. Es kommt also vor, dass Patienten gar nicht auf die Idee kommen, ihren Zahnarzt oder bzw. einen CMD Zahnarzt aufzusuchen, weil sie nicht wissen, dass die Ursachen für ihre Beschwerden in der falschen Bisslage oder in den Kiefergelenken liegen. Es ist zu empfehlen, dann einen spezialisierten CMD Zahnarzt aufzusuchen.
Sofortmaßnahmen bei lockeren Retainern
Wenn Sie bemerken, dass Ihr Retainer locker geworden ist, sollten Sie zunächst die Situation einschätzen. Bei festsitzenden Retainern, die nur leicht locker sind, aber noch an Ort und Stelle sitzen, können Sie vorsichtige Maßnahmen ergreifen. Vermeiden Sie harte oder klebrige Nahrungsmittel und kauen Sie nicht auf der betroffenen Seite.
Falls der lockere Retainer scharfe Kanten bildet oder Sie beim Sprechen oder Essen stört, können Sie vorübergehend orthodontisches Wachs auftragen. Dieses ist in Apotheken erhältlich und kann kurzfristig Abhilfe schaffen. Wichtig ist, dass Sie nicht versuchen, den Retainer selbst zu reparieren oder mit Gewalt zu entfernen, da dies zu Verletzungen führen kann.
Bei herausnehmbaren Retainern sollten Sie diese weiterhin tragen, sofern sie nicht beschädigt sind und noch einigermaßen passen. Auch ein leicht lockerer herausnehmbarer Retainer ist besser als gar keiner. Bewahren Sie eventuelle abgebrochene Teile auf, da der Kieferorthopäde diese für eine Reparatur benötigen könnte.
Kontaktieren Sie zeitnah Ihren Kieferorthopäden, um einen Termin zu vereinbaren. Je länger Sie warten, desto mehr können sich die Zähne bewegen, was die Reparatur erschwert und verteuert.
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Wann sofortige Hilfe nötig ist
Es gibt Situationen, in denen ein lockerer Retainer sofortige professionelle Hilfe erfordert. Wenn ein Draht bricht und scharfe Enden entstehen, die das Zahnfleisch oder die Zunge verletzen können, sollten Sie umgehend Ihren Kieferorthopäden kontaktieren oder dessen Notdienst aufsuchen.
Auch wenn sich ein Teil des Retainers vollständig gelöst hat und Sie befürchten, es verschlucken zu können, ist schnelle Hilfe nötig. In diesem Fall sollten Sie das lose Teil vorsichtig entfernen und sicher aufbewahren. Bei starken Schmerzen oder anhaltenden Blutungen dürfen Sie nicht warten.
Ein weiterer Notfall liegt vor, wenn Sie bereits bemerken, dass sich Ihre Zähne nach dem Lockern des Retainers verschieben. Dies kann besonders bei den Frontzähnen im Unterkiefer schnell geschehen. Je früher Sie handeln, desto einfacher ist die Korrektur.
Falls Ihr gewohnter Kieferorthopäde nicht erreichbar ist, können Sie sich an einen zahnärztlichen Notdienst wenden. Dieser kann zumindest erste Hilfe leisten und scharfe Kanten entfernen.
Reparatur und Erneuerung
Die Art der Reparatur hängt vom Typ des Retainers und der Art des Schadens ab. Bei festsitzenden Retainern kann oft nur der gelockerte Bereich neu befestigt werden, ohne dass der gesamte Retainer ersetzt werden muss. Dies ist ein relativ einfacher Eingriff, der meist in einer Sitzung durchgeführt werden kann.
Herausnehmbare Retainer können manchmal repariert werden, oft ist jedoch ein kompletter Ersatz notwendig. Die Herstellung neuer Retainer dauert normalerweise wenige Tage bis eine Woche, je nachdem ob noch Abdrücke oder digitale Scans vorhanden sind.
Die Kosten für Reparaturen sind normalerweise überschaubar, besonders wenn das Problem früh erkannt wird. Ein kompletter Ersatz ist teurer, aber manchmal notwendig, wenn der Retainer bereits mehrere Jahre alt ist. Viele Praxen bieten Garantien auf ihre Retainer an, die Reparaturen für einen bestimmten Zeitraum abdecken.
Bei der Reparatur wird auch geprüft, ob die aktuelle Zahnstellung noch der ursprünglichen entspricht. Falls sich die Zähne bereits verschoben haben, kann eine kleine Anpassung nötig sein.
Vorbeugung zukünftiger Probleme
Um zukünftige Probleme mit lockeren Retainern zu vermeiden, sollten Sie einige Vorsichtsmaßnahmen beachten. Vermeiden Sie sehr harte Lebensmittel wie Nüsse, Eis oder harte Bonbons. Verwenden Sie Ihre Zähne nicht als Werkzeug zum Öffnen von Verpackungen oder zum Beißen auf Gegenstände.
Bei herausnehmbaren Retainern ist die richtige Handhabung wichtig. Setzen Sie sie vorsichtig ein und entfernen Sie sie behutsam. Bewahren Sie sie immer in der dafür vorgesehenen Box auf und lassen Sie sie nicht herumliegen.
Regelmäßige Kontrollen beim Kieferorthopäden helfen dabei, Probleme früh zu erkennen. Auch wenn Ihr Retainer gut sitzt, sollten Sie die empfohlenen Kontrolltermine wahrnehmen. Dabei kann der Zustand überprüft und gegebenenfalls vorbeugend angepasst werden.
Eine gute Mundhygiene verlängert die Lebensdauer von Retainern. Bei festsitzenden Retainern können Plaque und Zahnstein dazu führen, dass sich die Klebeverbindung löst. Herausnehmbare Retainer sollten täglich gereinigt werden.
Bekämpfung der Zahnfleischentzündung
Haben Sie das Gefühl, dass die Zahnfleischentzündung nicht abklingt, das Zahnfleisch schmerzt und das Zahnfleischbluten sogar stärker wird? Informieren Sie ihren Zahnarzt oder Kieferorthopäden! Dieser kann mit Ihnen die Ursachen auffinden und Ihnen zu einer besseren Mundgesundheit verhelfen. Häufig ist eine professionelle Zahnreinigung mit Reinigung der Zahnfleischtaschen angezeigt, um auch versteckte, tief liegende Bakterien zu entfernen.
Medikamente
Welche Schmerzmedikamente bei welcher Problematik genau verwendet werden sollten, ist mit dem behandelnden Zahnarzt oder Kieferorthopäden abzusprechen. Im Allgemeinen gilt der Grundsatz, dass Schmerzmedikamente lediglich bei starken Schmerzen eingenommen werden sollten, wenn keine anderen Maßnahmen zur Linderung des Schmerzes mehr helfen. Ein wichtiger Hinweis hierbei ist, dass einige Studien von einer Hemmung des Kieferknochenumbaus berichten, wenn Ibuprofen zeitgleich mit einer kieferorthopädischen Behandlung eingenommen wird.(1) Die Behandlungsdauer würde sich in solch einem Fall verlängern. Ist Ihnen dennoch das Risiko zu groß, ist die Einnahme von Paracetamol ebenfalls sinnvoll. Auch ist die lokale Anwendung von Mundgelen (wie z. B. Dynexan) möglich, die einen geringen Prozentsatz an Lokalanästhetika enthalten.
Langfristige Betreuung
Retainer haben eine begrenzte Lebensdauer und müssen regelmäßig überprüft und eventuell ersetzt werden. Festsitzende Retainer können oft viele Jahre halten, sollten aber mindestens einmal jährlich kontrolliert werden. Herausnehmbare Retainer haben meist eine kürzere Lebensdauer und sollten alle paar Jahre erneuert werden.
Die langfristige Betreuung umfasst auch die Anpassung an Veränderungen im Mund. Weisheitszähne, die später durchbrechen, Zahnfleischveränderungen oder andere Faktoren können Anpassungen erforderlich machen.
Es ist wichtig zu verstehen, dass die Retention oft ein lebenslanger Prozess ist. Auch viele Jahre nach der ursprünglichen Behandlung können sich Zähne noch bewegen. Daher sollten Sie auch langfristig auf die Funktionsfähigkeit Ihrer Retainer achten.
Bei Problemen sollten Sie nicht zögern, professionelle Hilfe zu suchen. Eine frühe Behandlung ist meist einfacher und kostengünstiger als eine spätere Reparatur. Auch scheinbar kleine Probleme können sich verschlimmern, wenn sie nicht beachtet werden.
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