Die Auseinandersetzung mit Demenz und Alzheimer ist nicht nur für Betroffene und ihre Angehörigen von Bedeutung, sondern auch für die gesamte Gesellschaft. Insbesondere Schulen spielen eine wichtige Rolle bei der Aufklärung, Sensibilisierung und Förderung des Verständnisses für diese Erkrankungen. Dieser Artikel beleuchtet verschiedene Ideen und Projekte, die in Schulen umgesetzt werden können, um Schülerinnen und Schüler für das Thema Demenz zu sensibilisieren, die soziale Teilhabe von Menschen mit Demenz zu fördern und Ängste sowie Vorurteile abzubauen.
Die Bedeutung der Auseinandersetzung mit Demenz in der Schule
Demenz ist eine Erkrankung, die immer mehr Menschen betrifft. In Deutschland leben derzeit etwa 1,8 Millionen Menschen mit der Diagnose Demenz. Viele Kinder und Jugendliche erleben, dass ihre Großeltern oder andere nahestehende Personen an Demenz erkranken. Dies kann zu Unsicherheiten, Ängsten und Missverständnissen führen. Die Schule ist ein wichtiger Ort, um Aufklärung zu leisten und Wissen zu vermitteln, um diesen Herausforderungen zu begegnen.
Eine Schülerin einer 6. Klasse resümierte: „Das Wissen, dass die Krankheit nicht einfach ‚nur‘ vergessen ist, sondern den Alltag der Betroffenen beeinflusst, hat ihren Blick auf Menschen mit Demenz verändert.“ Durch die Auseinandersetzung mit dem Thema Demenz in der Schule können Schülerinnen und Schüler ein besseres Verständnis für die Erkrankung entwickeln und lernen, offener und angstfreier mit Menschen mit Demenz umzugehen.
Handreichungen und Materialien für die Umsetzung von Projekten
Um Schulen bei der Umsetzung von Projekten zum Thema Demenz zu unterstützen, gibt es verschiedene Handreichungen und Materialien. Dazu gehören:
- Handreichung zu Beteiligungsprozessen: Diese Handreichung bietet Anregungen für Kommunen und Quartiere, um Bürgerinnen und Bürger in Beteiligungsprozesse zum Thema Demenz einzubinden. Sie zeigt auf, wie Beteiligungsprozesse ein Gewinn für die demenzaktive Entwicklung im Quartier sein können.
- Handreichung zur Partizipation: Diese Handreichung betont, wie wichtig es ist, Menschen mit Demenz in Entwicklungsprozesse vor Ort einzubeziehen.
- Handreichung zu Projekttagen in der Grundschule: Diese Handreichung enthält eine Konzeption für fünf Projekttage zum Thema Demenz für Schülerinnen und Schüler der 2. bis 4. Klasse, inklusive einer Projektmappe. Das Projekt "Was ist los mit Oma Kuckuck?" ist ein Beispiel für solche Projekttage.
Die Seite www.alzheimer4teachers.de bietet gut aufbereitetes und erprobtes Unterrichtsmaterial für Grundschülerinnen und Grundschüler bis zu Teenagern. Eine Vielzahl von Methoden erleichtert den Zugang zu den Themen Älterwerden, Demenz, Kommunikation und Umgang mit den Erkrankten.
Lesen Sie auch: Fortgeschrittene Demenz: Ein umfassender Überblick
Schulwettbewerbe als Anreiz zur Auseinandersetzung mit Demenz
Ein erfolgreiches Beispiel für die Auseinandersetzung mit Demenz in der Schule sind Schulwettbewerbe. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. Selbsthilfe Demenz (DAlzG) organisierte den Schulwettbewerb „Demenz: Hinsehen, helfen, handeln!“, der sich an Schülerinnen und Schüler der 7. bis 10. Klassen allgemeinbildender Schulen sowie Auszubildende von Pflegeschulen richtete.
Der Wettbewerb gab Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, sich intensiv mit dem Thema Demenz auseinanderzusetzen und einen kreativen Beitrag zu einem gesellschaftlich relevanten Thema zu leisten. Gefragt waren kreative Ideen zum Thema Demenz, aber auch praktische Unterstützungsmöglichkeiten für Menschen mit Demenz. Das konnten hilfreiche Tools, gezielte Aktivitäten/Programme, Videos, Spiele, Musik oder Alltagslösungen sein. Es war möglich, in Projektwochen, Arbeitsgruppen, Kursen oder Vergleichbarem zusammenzuarbeiten. Es konnten sowohl Einzelbeiträge als auch Gruppenbeiträge eingereicht werden.
Die eingereichten Beiträge durften in verschiedenen kreativen Formaten gestaltet werden, darunter:
- Technik: Entwicklung von Hilfsmitteln oder Apps
- Kunst: Bilder, Skulpturen oder andere künstlerische Darstellungen
- Kreation: Innovative Alltagshilfen oder Wohnkonzepte
- Musik: Songs oder Musiktherapie-Konzepte
- Video: Musikvideos, (Kurz-)Filme, Animation
Eine Fach-Jury wertete die Projekte aus und kürte die Siegerinnen und Sieger. Die Einreichungen wurden nach folgenden Gesichtspunkten von der Jury bewertet:
- Kreativität und Originalität
- Praktische Umsetzbarkeit im Alltag
- Nutzen und Mehrwert für Menschen mit Demenz, ihre Angehörigen und Freunde
Der Wettbewerb startete am Welt-Alzheimertag und ermöglichte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, bis zum 31. Januar Projekte einzureichen, die darauf abzielten, die soziale Teilhabe von Menschen mit Demenz zu fördern, die Lebensqualität von Menschen mit Demenz, ihren Angehörigen und Freunden zu verbessern, innovative und mutige Konzepte für Erkrankte, Angehörige und Institutionen zu entwickeln sowie Ängste und Vorurteile gegenüber Demenz in der Gesellschaft abzubauen. Das Preisgeld betrug insgesamt 7.500 €.
Lesen Sie auch: Wechselwirkungen zwischen Schmerzmitteln und Demenz
Beispiele für prämierte Projekte
Der Schulwettbewerb brachte eine Vielzahl kreativer und innovativer Projekte hervor. Einige Beispiele sind:
- „VR gegen Demenz“: Das Team des Arnold-Gymnasiums in Neustadt bei Coburg entwickelte mithilfe von Virtual-Reality-Technik eine Möglichkeit, vertraute Orte aus dem Leben von Menschen mit Demenz virtuell erlebbar zu machen - auf Grundlage persönlicher Erinnerungen und Gespräche mit Betroffenen. Die Jury lobte die innovative Verbindung von Technik und Empathie.
- „Mehrsprachiges interaktives Buch für Menschen mit Demenz“: Das Caritas Bildungswerk für Pflege und Gesundheit Ahaus entwickelte ein multimediales Buch, das gezielt auf die Bedürfnisse nicht deutschsprachiger Menschen mit Demenz eingeht.
Diese Projekte zeigen, wie Schülerinnen und Schüler einen wertvollen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit Demenz leisten können.
Weitere Projektideen für Schulen
Neben Schulwettbewerben gibt es viele weitere Projektideen, die in Schulen umgesetzt werden können, um das Thema Demenz zu thematisieren und die Begegnung zwischen Jung und Alt zu fördern.
- Demenzkoffer: Ein individuell anpassbarer Koffer mit Spielen und Materialien zur kognitiven und emotionalen Aktivierung. Er kann gleichermaßen von Angehörigen wie von Pflegepersonal eingesetzt werden.
- Wahlpflichtkurs „Jugendliche begleiten Menschen mit Demenz“: Ein Unterrichtsmodul, das Theorie und Praxis miteinander verknüpft.
- Demenz-Workshop für Grundschulkinder: Ein Workshop-Format zur frühzeitigen Sensibilisierung junger Kinder für das Thema Demenz.
- Podcast-Reihe „Wer bin ich?“: Drei Podcast-Folgen greifen unterschiedliche Aspekte des Lebens mit Demenz auf.
Generationenübergreifende Projekte
Eine besonders wertvolle Möglichkeit, das Thema Demenz in der Schule zu behandeln, sind generationenübergreifende Projekte. Ein Beispiel hierfür ist das Projekt "Jung trifft alt" an der Lorenz-Oken-Schule Bohlsbach in Offenburg. Jeden Donnerstag besuchen sich Kinder einer 3. Klasse und Gäste eines Pflegeheims. Mal machen sich die Drittklässler*innen auf den Weg, mal die Gäste des Pflegeheims: Im wöchentlichen Wechsel besuchen sich Jung und Alt, um miteinander zu basteln, zu malen, Geburtstage zu feiern, zu spielen, den Schulgarten zu genießen, zu singen.
Zur inhaltlichen Vorbereitung lernen die engagierten Schüler*innen zunächst im Format eines Ateliers, was Demenz ist und einen guten Umgang mit Betroffenen auszeichnet. „Ein ganz wichtiges Lernziel im Projekt ist, auf fremde Menschen zugehen zu können. Sich trauen, Gespräche zu beginnen und zu führen, über den Alltag zu sprechen, einander behilflich zu sein. Und auch zu merken, welche Bedürfnisse oder Einschränkungen es gibt, um schon in jungen Jahren gut aufeinander einzugehen", sagt Lehrerin Nicole Luchner.
Lesen Sie auch: Ursachen und Behandlung von Zittern bei Demenz
Die Erfahrungen mit solchen Projekten sind durchweg positiv. „Das Projekt prägt die Kinder mit Sicherheit sehr nachhaltig", sagt Stefanie Zentner, Schulleitung der Lorenz-Oken-Schule Bohlsbach. "Sie erleben, wie glücklich sie andere Menschen mit ihrem Engagement machen können. Sie erleben Wertschätzung, immer wieder." Was die Grundschulkinder bei den Senior*innen auslösen, entpuppt sich als Überraschung. "Menschen, die sehr in sich gekehrt sind, sind plötzlich sehr wach, wenn die Kinder kommen. Sie singen, malen und machen andere Dinge, die sie sonst in unserer Betreuung nicht mehr machen", sagt Selina Schmidt.
Informationen und Schulungen für Lehrkräfte
Um das Thema Demenz kompetent in der Schule behandeln zu können, ist es wichtig, dass Lehrkräfte gut informiert und geschult sind. Die BZgA (jetzt BIÖG) entwickelt in Zusammenarbeit mit der Deutschen Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) Schulungsmaterialien für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, die Menschen jeden Alters in Präventionskursen über die Präventionspotenziale und Risikofaktoren für die Entstehung von Demenz aufklären und sensibilisieren sollen. Dieses Angebot ist eingebettet in die Nationale Demenzstrategie der Bundesregierung.
Das interaktive Demenz Partner-Webtraining unter www.demenz-partner.de/anmeldung-web-training vermittelt Wissen über Demenz und hilft dabei, Menschen mit Demenz besser in ihrem Alltag zu unterstützen. Die Initiative Demenz Partner klärt seit 2016 über das Thema Demenz auf und sensibilisiert für den Umgang mit Menschen mit Demenz.
Weitere Ressourcen und Anlaufstellen
Neben den bereits genannten Angeboten gibt es eine Vielzahl weiterer Ressourcen und Anlaufstellen, die Schulen bei der Auseinandersetzung mit dem Thema Demenz unterstützen können. Dazu gehören:
- Alzheimer & You: Die Jugendseite der Deutschen Alzheimer Gesellschaft gibt Informationen für Jugendliche rund um das Thema Alzheimer.
- Alzheimer und wir: Blog einer Journalistin, deren Mutter an Alzheimer erkrankt ist und die den Umgang damit in ihrer Familie und mit ihren Kindern thematisiert.
- AFTD Kids and Teens: Englischsprachige Seite mit separaten Bereichen für Kinder und Jugendliche, die in der Familie von Frontotemporaler Demenz (FTD) betroffen sind.
- Demenz-Unterricht: Ein Angebot des Vereins Besuch im Anderland mit YouTube-Filmen
- Elterninfo Demenz: Ein Ratgeber der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz.
- Demenz-Podcast:
- Folge 14: Kinder und Demenz
- Folge 41: Jugendliche und Demenz
- Podcast Leben, Lieben, Pflegen:
- Folge 7: Kinder - unsere Vorbilder
- Folge 15: Young Carers (Junge Pflegende)