Ein Schlaganfall beim Hund, in der Veterinärmedizin auch als zerebrovaskulärer Insult bezeichnet, ist ein akutes neurologisches Ereignis, das durch eine Durchblutungsstörung im Gehirn verursacht wird. Er tritt in zwei Hauptformen auf: dem häufigeren ischämischen Schlaganfall durch Gefäßverschluss und dem selteneren hämorrhagischen Schlaganfall durch Blutungen. Charakteristisch ist der plötzliche Beginn neurologischer Symptome wie Koordinationsstörungen, Kopfschiefhaltung, Lähmungserscheinungen und Bewusstseinsveränderungen.
Ursachen für Gehirngerinnsel beim Boxer
Bei Hunden und Katzen ist ein Schlaganfall größtenteils die Folge einer zugrundeliegenden Erkrankung. Der ischämische Schlaganfall wird hauptsächlich durch Thromboembolien verursacht, also Blutgerinnsel, die ein Hirngefäß verstopfen. Diese können aus dem Herzen stammen, insbesondere bei Tieren mit Herzerkrankungen wie Kardiomyopathien, Herzklappenerkrankungen oder Vorhofflimmern. Auch systemische Erkrankungen wie Niereninsuffizienz, Hypertonie, Schilddrüsenüberfunktion, Cushing-Syndrom und Diabetes mellitus erhöhen das Risiko für einen Schlaganfall. Hämorrhagische Schlaganfälle sind seltener und treten vorwiegend infolge von Blutgerinnungsstörungen, Gefäßmissbildungen, Bluthochdruck oder Tumoren auf. Auch bestimmte Toxine und Infektionen können Blutungen im Gehirn verursachen. Rasseprädispositionen sind ebenfalls zu beobachten: Cavalier King Charles Spaniel, Greyhound und Boxer scheinen bei Hunden häufiger betroffen zu sein, während bei Katzen keine eindeutigen Rasseprädispositionen bekannt sind.
Cushing-Syndrom als Risikofaktor
Das Cushing-Syndrom, oft auch verkürzt als „Cushing“ bezeichnet, betrifft Hunde in der Regel ab einem Alter von acht Jahren. Hündinnen sind häufiger betroffen als Rüden. Cortisol ist als „Stresshormon“ bekannt und wird in Stresssituationen auf ganz natürlichem Wege vermehrt in den Körper abgegeben. Grundlage hierfür ist ein normal funktionierender Hypothalamus (Schaltzentrale des vegetativen Nervensystems), welcher das Corticotrope Releasing Hormon produziert. Dieses CRH wirkt auf die Hypophyse (Hirnanhangdrüse, sozusagen ausführendes Organ des Hypothalamus), diese wiederum bildet nun das Adenocorticotrope Hormon. Meist, bzw. in 90% der Fälle liegt das hypophysäre Cushing-Syndrom (Morbus Cushing) vor. Daneben kann das Cushing-Syndrom noch als Folge einer medikamentösen Therapie auftreten, bei welcher Cortisol oder seltener auch ACTH verabreicht werden. Es gibt einige Anzeichen für das Cushing-Syndrom. In der Regel zeigt der betroffene Hund zwei oder drei Symptome. Durst (auch Polydypsie, Polyurie genannt): Betroffene Tiere trinken übermäßig viel. Haut und Fell: Es kommt zur sogenannten Pergamenthaut, die Haut kann sich dunkel verfärben, Kalkknötchen können eingelagert werden, fettig sein und zu Mitessern neigen. Ein häufig beobachtetes Symptom ist Haarausfall beziehungsweise sehr dünnes Fell besonders am Rumpf. Das Fellwachstum kann verzögert sein und es kann zu Wundheilungsstörungen kommen. Muskulatur: Die Muskulatur bildet sich zurück, häufig werden ehemals muntere Tiere sehr matt. Geschlechtsorgane: Bei Rüden kommt es zur Hodenatrophie. Betroffene Hunde können an Diabetes mellitus erkranken, auch steigt die Neigung zu Thrombosen (Blutgerinnsel, kann in allen blutführenden Gefäßen auftreten), diese können tödlich enden. Einige Tiere hecheln vermehrt.
Symptome von Gehirngerinnseln beim Boxer
Die klinischen Anzeichen eines Schlaganfalls bei Hunden und Katzen treten typischerweise plötzlich auf und variieren je nach betroffenem Gehirnareal. Charakteristisch ist der akute Beginn ohne vorherige Warnsignale. Zu den häufigsten Symptomen zählen Koordinationsstörungen, die sich in Taumeln, Gleichgewichtsverlust und unsicherem Gang äußern. Viele Tiere zeigen eine Kopfschiefhaltung oder Kreisbewegungen in einer Richtung. Lähmungserscheinungen können einseitig (Hemiparese) oder beidseitig auftreten und von leichter Schwäche bis zur vollständigen Bewegungsunfähigkeit reichen. Veränderungen des Bewusstseinszustands sind ebenfalls typisch und reichen von leichter Benommenheit bis hin zur Bewusstlosigkeit. Manche Tiere zeigen Verhaltensänderungen wie Desorientierung, Unruhe oder ungewöhnliche Ängstlichkeit. Im Gegensatz zum Menschen äußern sich Schlaganfälle bei Tieren seltener durch Sprachstörungen oder hängende Gesichtszüge, da diese Symptome bei Tieren schwerer zu erkennen sind.
Differenzierung von anderen Erkrankungen
Teilweise wird auch eine plötzlich auftretende Störung im Innenohr (idiopathisches/geriatrisches Vestibulärsyndrom des Hundes) fälschlicherweise als Schlaganfall bezeichnet.
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Diagnose von Gehirngerinnseln beim Boxer
Die Diagnose eines Schlaganfalls bei Hund und Katze stellt eine Herausforderung dar und erfordert eine umfassende neurologische Untersuchung. Der Tierarzt wird zunächst eine gründliche Anamnese erheben, wobei besonders auf den plötzlichen Beginn der Symptome geachtet wird. Bildgebende Verfahren sind für die definitive Diagnose unerlässlich. Die Magnetresonanztomografie (MRT) gilt als Goldstandard, da sie sowohl ischämische als auch hämorrhagische Läsionen mit hoher Sensitivität darstellen kann. Die Computertomografie (CT) ist eine Alternative, hat jedoch Einschränkungen bei der Darstellung frischer ischämischer Infarkte. Laboruntersuchungen dienen weniger der direkten Diagnose eines Schlaganfalls, sondern vielmehr dem Ausschluss anderer Erkrankungen und der Identifikation möglicher Grunderkrankungen. Ein vollständiges Blutbild, Blutchemie, Urinanalyse und Gerinnungsparameter gehören zur Standarddiagnostik. Bei Verdacht auf Herzerkrankungen als Ursache sind EKG und Echokardiografie angezeigt. Differenzialdiagnostisch müssen andere neurologische Erkrankungen mit ähnlicher Symptomatik ausgeschlossen werden, insbesondere das idiopathische Vestibularsyndrom, das bei älteren Hunden häufig auftritt und oft fälschlicherweise als Schlaganfall interpretiert wird. Weitere Differenzialdiagnosen umfassen Gehirntumore, Entzündungen des Zentralnervensystems, Vergiftungen und Traumata.
Diagnostische Maßnahmen beim Cushing-Syndrom
Die gängigste erste Diagnosemöglichkeit ist die Untersuchung mehrerer Urinproben (UCC-Bestimmung). Hier wird der erste morgendliche Urin untersucht. Bei drei positiven Urinproben - entnommen an unterschiedlichen Tagen - ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Hund am Cushing-Syndrom erkrankt ist. Generell werden hierzu verwendet: der ACTH-Stimulations-Test, der Low Dose-Dexamethason-Suppressions-Test (LDDS-Test). Nun sollte idealerweise ein LDDS-Test durchgeführt werden. Der LDDS-Test kann auch ohne eine vorangegangene UCC-Bestimmung erfolgen. Gesunde Hunde reagieren in diesem Test mit einem starken Abfall (Suppression) des körpereigenen Cortisolspiegels. Bei Cushing-kranken Hunden bleibt der Cortisolspiegel erhöht. Der früher häufige verwendete ACTH-Stimulationstest wird nicht mehr routinemäßig empfohlen, da dieser Test viele erkrankte Tiere nicht identifizieren konnte. Manchmal müssen Tests wiederholt werden, um die Diagnose zu erlangen.
Behandlung von Gehirngerinnseln beim Boxer
Die Behandlung eines Schlaganfalls bei Hund und Katze unterscheidet sich von der Humanmedizin. Anders als beim Menschen gibt es in der Veterinärmedizin keine etablierte Thrombolyse-Therapie zur akuten Auflösung von Gerinnseln. In der Akutphase steht die Stabilisierung der Vitalfunktionen im Vordergrund. Dazu gehören die Sicherstellung einer ausreichenden Sauerstoffversorgung, die Aufrechterhaltung eines angemessenen Blutdrucks und die Kontrolle des intrakraniellen Drucks. Infusionstherapie wird eingesetzt, um die Durchblutung des Gehirns zu verbessern und eine ausreichende Hydration zu gewährleisten. Die medikamentöse Therapie richtet sich nach der Ursache des Schlaganfalls. Bei ischämischen Ereignissen werden häufig Thrombozytenaggregationshemmer wie niedrig dosierte Acetylsalicylsäure oder Clopidogrel eingesetzt, um weitere Thromboembolien zu verhindern. Besonders wichtig ist die Behandlung der zugrundeliegenden Erkrankungen. Bei Herzerkrankungen wird eine entsprechende kardiologische Therapie eingeleitet. Die Pflegemaßnahmen spielen eine entscheidende Rolle für die Genesung. Dazu gehören regelmäßiges Wenden bei bewegungsunfähigen Patienten zur Vermeidung von Druckstellen, Unterstützung bei der Nahrungs- und Wasseraufnahme sowie Hilfe beim Harn- und Kotabsatz.
Therapieansätze beim Cushing-Syndrom
Wenn eine steril-eitrige Meningitis festgestellt wird, sollte sofort mit einer entzündungshemmenden Behandlung mit Kortikosteroiden begonnen werden. Auch wenn die steril-eitrige Meningitis beim Hund häufig ist, sollte ausgeschlossen sein dass beispielsweise Bakterien am Entzündungsgeschehen beteiligt sind. Sonst kann die Therapie, die das Immunsystem Ihres Hundes schwächt, sogar zu einer Verschlechterung führen. Zum einen wird Ihr Tierarzt oder Ihre Tierärztin daher vermutlich vor der Behandlung bestimmte Proben nehmen. Wenn die Erkrankung in akuter Form vorliegt, schnell diagnostiziert und die beschriebene Behandlung angewandt wird, ist die Prognose vor allem bei jungen Tieren meist gut. Damit es nicht zu einem Rückfall kommt, dürfen Sie die Therapie auf keinen Fall zu früh beenden. Bei einem Rückfall muss die Dosis der Korstikosteroide erhöht werden und die Behandlungsdauer verlängert sich entsprechend.
Prognose und Nachsorge
Die Prognose nach einem Schlaganfall bei Hund und Katze ist individuell sehr unterschiedlich und hängt von mehreren Faktoren ab. Entscheidend sind das Ausmaß und die Lokalisation der Hirnschädigung, die Grunderkrankung sowie das Alter und der allgemeine Gesundheitszustand des Tieres. Generell haben Tiere mit leichten bis mittelschweren neurologischen Defiziten eine günstigere Prognose. Die ersten 24-72 Stunden nach dem Ereignis sind kritisch. Tiere, die diese Phase überleben, zeigen häufig eine spontane Verbesserung ihrer neurologischen Symptome innerhalb der ersten Wochen. Studien haben gezeigt, dass etwa 50-60 % der Hunde mit ischämischen Schlaganfällen eine gute bis sehr gute Erholung zeigen. Die Nachsorge umfasst regelmäßige neurologische Kontrolluntersuchungen, um den Heilungsverlauf zu überwachen. Je nach Grunderkrankung sind zusätzliche Kontrollen wie Blutdruckmessungen, Blutuntersuchungen oder kardiologische Untersuchungen erforderlich. Die medikamentöse Therapie zur Prävention weiterer Schlaganfälle muss konsequent fortgesetzt werden. Besonders wichtig ist die häusliche Pflege und Rehabilitation. Tierbesitzer sollten angeleitet werden, wie sie ihr Tier bei eingeschränkter Mobilität unterstützen können. Dies umfasst Hilfe beim Aufstehen und Gehen, gegebenenfalls mit Unterstützungshilfen wie Tragegurten oder speziellen Geschirren. Das Risiko für einen erneuten Schlaganfall liegt bei etwa 20-25 %, kann aber durch konsequente Behandlung der Grunderkrankung deutlich reduziert werden.
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Aktuelle Forschung
Die veterinärmedizinische Forschung zum Schlaganfall bei Haustieren hat in den vergangenen Jahren bedeutende Fortschritte gemacht. Aktuelle Studien konzentrieren sich auf die Verbesserung der Frühdiagnostik durch neue bildgebende Verfahren und die Identifikation spezifischer Biomarker im Blut, die einen Schlaganfall schneller und präziser nachweisen können. Im Bereich der Therapie werden neuroprotektive Substanzen erforscht, die das Ausmaß der Hirnschädigung begrenzen könnten. Experimentelle Ansätze umfassen Antioxidantien, Kalziumkanalblocker und entzündungshemmende Medikamente, die in der kritischen Phase nach dem Schlaganfall eingesetzt werden könnten. Die vergleichende Medizin gewinnt zunehmend an Bedeutung, da natürlich auftretende Schlaganfälle bei Haustieren als Modell für die humane Schlaganfallforschung dienen können. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf…
Präventive Maßnahmen
Regelmäßige tierärztliche Untersuchungen, eine ausgewogene Ernährung und die Vermeidung von übermäßigem Stress sind wichtige vorbeugende Maßnahmen, um das Risiko eines Kreislaufkollapses zu verringern.
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