Eine Sensibilitätsstörung des Nervus facialis, auch Gesichtsnerv genannt, kann sich durch vielfältige Symptome äußern und die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Die Ursachen für diese Störung sind vielfältig und reichen von harmlosen Entzündungen bis hin zu schwerwiegenden Erkrankungen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen von Sensibilitätsstörungen des Nervus facialis, die Symptome und die möglichen Behandlungsansätze.
Einführung in den Nervus facialis
Der Nervus facialis ist der siebte von zwölf Hirnnerven und spielt eine zentrale Rolle für die Funktion des Gesichts. Er ist primär für die Innervation der mimischen Muskulatur verantwortlich, steuert also unsere Gesichtsausdrücke. Darüber hinaus beeinflusst er die Tränen- und Speichelsekretion sowie die Geschmackswahrnehmung im vorderen Bereich der Zunge. Aufgrund seiner vielfältigen Funktionen kann eine Schädigung des Nervus facialis weitreichende Folgen haben.
Ursachen für Sensibilitätsstörungen des Nervus facialis
Die Ursachen für eine Sensibilitätsstörung des Nervus facialis sind vielfältig. Häufig lässt sich keine eindeutige Ursache feststellen, was als idiopathische Fazialisparese bezeichnet wird. Zu den möglichen Ursachen gehören:
Infektionen
Infektionen spielen eine bedeutende Rolle bei der Entstehung von Fazialisparesen. Sowohl virale als auch bakterielle Infektionen können den Nervus facialis beeinträchtigen:
- Virusinfektionen: Das Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV-1) wird als möglicher Auslöser für idiopathische Fazialisparesen vermutet. Auch das Varizella-Zoster-Virus, das Gürtelrose verursacht, kann den Nervus facialis befallen und zu einer Gesichtslähmung führen. Seltener können andere Viren wie das Zytomegalievirus (CMV) oder das Mumpsvirus eine Fazialisparese auslösen.
- Bakterielle Infektionen: Die Borreliose, eine durch Zecken übertragene bakterielle Infektion, ist eine bekannte Ursache für Fazialisparesen. Auch eine Mittelohrentzündung kann in seltenen Fällen den Nervus facialis beeinträchtigen.
Entzündungen
Entzündliche Prozesse im Körper können ebenfalls zu einer Schädigung des Nervus facialis führen:
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- Sarkoidose: Diese entzündliche Erkrankung des Bindegewebes kann den Nervus facialis betreffen und eine Fazialisparese verursachen.
- Guillain-Barré-Syndrom: Diese entzündliche Erkrankung des Nervensystems kann ebenfalls zu einer Fazialisparese führen, oft in Verbindung mit anderen neurologischen Symptomen.
Verletzungen und Traumata
Verletzungen im Gesichtsbereich können den Nervus facialis direkt schädigen:
- Knochenbrüche: Ein Bruch des Felsenbeins, beispielsweise bei einem schweren Schädel-Hirn-Trauma, kann den Nervus facialis verletzen.
- Wunden: Direkte Verletzungen im Gesicht können den Nervus facialis durchtrennen oder quetschen.
- Operationen: In seltenen Fällen kann der Nervus facialis im Rahmen einer Operation im Gesichtsbereich geschädigt werden.
Tumore
Tumore im Bereich des Nervus facialis können Druck auf den Nerv ausüben und seine Funktion beeinträchtigen:
- Akustikusneurinom: Dieser gutartige Tumor des Hörnervs kann auf den Nervus facialis drücken und eine Fazialisparese verursachen.
- Andere Tumore: Auch andere Tumore im Bereich des Schädels können den Nervus facialis komprimieren.
Vaskuläre Ursachen
Vaskuläre Ereignisse können ebenfalls zu einer Schädigung des Nervus facialis führen:
- Schlaganfall: Eine zentrale Fazialisparese entsteht häufig als Folge eines Schlaganfalls, bei dem die Nervenbahnen im Gehirn geschädigt werden.
Autoimmunerkrankungen
Autoimmunerkrankungen können den Nervus facialis indirekt schädigen, indem sie Entzündungen im Nervensystem verursachen.
Stoffwechselerkrankungen
Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus können die Nervenfunktion beeinträchtigen und somit auch den Nervus facialis schädigen.
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Weitere Ursachen
- Kälteeinwirkung: In einigen Fällen wird eine Kälteeinwirkung als unmittelbarer Auslöser für eine Fazialisparese vermutet.
- Schwangerschaft: Schwangere Frauen haben ein erhöhtes Risiko, eine Fazialisparese zu entwickeln, wobei die genaue Ursache hierfür unklar ist.
- Medikamente: In seltenen Fällen können bestimmte Medikamente wie Ciclosporin A eine Fazialisparese auslösen.
Symptome einer Sensibilitätsstörung des Nervus facialis
Die Symptome einer Fazialisparese sind vielfältig und hängen davon ab, welcher Teil des Nervus facialis betroffen ist. Typische Symptome sind:
- Einseitige Lähmung der Gesichtsmuskulatur: Dies äußert sich durch einen herabhängenden Mundwinkel, Schwierigkeiten beim Schließen des Augenlids und eine eingeschränkte Fähigkeit, die Stirn zu runzeln.
- Gesichtsasymmetrie: Durch die Lähmung der Gesichtsmuskulatur kommt es zu einer Asymmetrie des Gesichts.
- Verlust der Fähigkeit des vollständigen Lidschlusses: Dies kann zu trockenen Augen und Hornhautschäden führen.
- Positives Bell-Phänomen: Beim Versuch, das Auge zu schließen, dreht sich der Augapfel nach oben und das weiße des Auges wird sichtbar.
- Verstrichene Stirn- und Nasolabialfalten: Die Falten im Gesicht werden durch die Lähmung der Muskulatur weniger ausgeprägt.
- Beeinträchtigte Artikulation: Die Schwäche der Wangen- und Lippenmuskulatur kann das Sprechen erschweren.
- Geschmacksstörungen: Betroffene können Geschmacksstörungen im vorderen Bereich der Zunge entwickeln.
- Abnahme der Speichelsekretion: Die Speichelproduktion kann reduziert sein, was zu einem trockenen Mund führen kann.
- Geräuschüberempfindlichkeit: Eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Geräuschen (Hyperakusis) kann auftreten.
- Abnahme der Tränensekretion: Die Tränenproduktion kann reduziert sein, was zu trockenen Augen führen kann.
- Schmerzen hinter dem Ohr: In einigen Fällen treten Schmerzen hinter dem Ohr auf.
- Missempfindungen im Gesicht: Das Gesicht kann sich taub oder kribbelig anfühlen.
Diagnose von Sensibilitätsstörungen des Nervus facialis
Die Diagnose einer Fazialisparese umfasst mehrere Schritte:
- Anamnese: Der Arzt erfragt die Krankengeschichte des Patienten, einschließlich der Symptome, des zeitlichen Verlaufs und möglicher Vorerkrankungen.
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht die Funktion der Gesichtsmuskulatur, indem er den Patienten bittet, verschiedene Gesichtsausdrücke zu machen.
- Neurologische Untersuchung: Der Arzt überprüft die Funktion der anderen Hirnnerven, um andere neurologische Erkrankungen auszuschließen.
- Blutuntersuchungen: Das Blut wird auf Infektionen (z. B. Borreliose, Varizella-Zoster-Virus) und andere Erkrankungen untersucht.
- Elektrophysiologische Untersuchungen: Diese Untersuchungen (z. B. Fazialisneurografie) messen die elektrische Aktivität des Nervus facialis und helfen, den Ort und das Ausmaß der Schädigung zu bestimmen.
- Bildgebende Verfahren: In einigen Fällen werden bildgebende Verfahren wie Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) eingesetzt, um Tumore oder andere strukturelle Ursachen auszuschließen.
- Lumbalpunktion: Bei Verdacht auf eine Entzündung des Nervensystems kann eine Lumbalpunktion durchgeführt werden, um das Nervenwasser zu untersuchen.
Therapie von Sensibilitätsstörungen des Nervus facialis
Die Therapie einer Fazialisparese richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad der Erkrankung. Zu den wichtigsten Therapieansätzen gehören:
Medikamentöse Therapie
- Kortikosteroide: Kortikosteroide (z. B. Kortison) werden häufig bei idiopathischer Fazialisparese eingesetzt, um die Entzündung des Nervus facialis zu reduzieren und die Heilung zu beschleunigen.
- Virostatika: Bei einer durch Viren verursachten Fazialisparese (z. B. Herpes Zoster) werden Virostatika eingesetzt, um die Virusvermehrung zu hemmen.
- Antibiotika: Bei einer bakteriellen Infektion (z. B. Borreliose) werden Antibiotika eingesetzt, um die Bakterien zu bekämpfen.
- Schmerzmittel: Bei Schmerzen können Schmerzmittel eingesetzt werden.
Physikalische Therapie
- Physiotherapie: Gezielte Übungen können helfen, die Gesichtsmuskulatur zu stärken und die Koordination zu verbessern.
- Transkutane Nervenstimulation: Leichte Stromwellen regen die betroffenen Nerven und Muskeln an.
Augenschutz
- Augentropfen und -salben: Bei unvollständigem Lidschluss werden Augentropfen und -salben eingesetzt, um die Augen feucht zu halten und Hornhautschäden zu vermeiden.
- Uhrglasverband: Nachts wird ein Uhrglasverband getragen, um das Auge vor Austrocknung zu schützen.
Operative Therapie
In seltenen Fällen ist eine operative Therapie erforderlich, beispielsweise bei Tumoren oder bei schweren Verletzungen des Nervus facialis.
- Nervenrekonstruktion: Bei Durchtrennung des Nervus facialis kann eine Nervenrekonstruktion durchgeführt werden, um die Verbindung zwischen den Nervenenden wiederherzustellen.
- Druckentlastung: In seltenen Fällen kann eine Druckentlastung des Nervus facialis durch Entfernung von Knochenanteilen im Felsenbein erforderlich sein.
- Mikrovaskuläre Dekompression: Bei einem Hemispasmus facialis kann eine mikrovaskuläre Dekompression durchgeführt werden, um den Nervus facialis von einer komprimierenden Gefäßschlinge zu befreien.
Weitere Therapien
- Botulinumtoxin: Bei Synkinesien (unwillkürlichen Mitbewegungen der Gesichtsmuskulatur) kann Botulinumtoxin eingesetzt werden, um die überaktiven Muskeln zu entspannen.
- Psychologische Unterstützung: Eine Fazialisparese kann zu psychischen Belastungen führen. In solchen Fällen kann eine psychologische Unterstützung hilfreich sein.
Prognose von Sensibilitätsstörungen des Nervus facialis
Die Prognose einer Fazialisparese hängt von der Ursache, dem Schweregrad und dem Zeitpunkt der Behandlung ab. In vielen Fällen kommt es zu einer spontanen Besserung, insbesondere bei der idiopathischen Fazialisparese. Bei etwa 80 % der Betroffenen bilden sich die Symptome innerhalb von Wochen bis Monaten vollständig oder fast vollständig zurück.
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Negative prognostische Faktoren sind:
- Vollständige Lähmung des Nervus facialis
- Keine Besserung nach 3 Wochen
- Alter > 60 Jahre
- Starke Schmerzen
- Begleiterkrankungen (z. B. Diabetes, Bluthochdruck)
- Gürtelrose im Gesicht als Ursache
- Verletzung als Ursache
- Schwangerschaft
- Hyperakusis
- Elektrophysiologisch nachgewiesene ausgeprägte Schädigung des Nervus facialis
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