Der richtige Zeitpunkt: Wann Migräne-Tabletten eingenommen werden sollten

Kopfschmerzen und insbesondere Migräne können den Alltag erheblich beeinträchtigen. Eine effektive Behandlung ist daher entscheidend, um die Häufigkeit und Schwere von Anfällen zu reduzieren. Bei der medikamentösen Behandlung von Migräne spielt der Zeitpunkt der Einnahme eine entscheidende Rolle für die Wirksamkeit.

Bedeutung des Einnahmezeitpunkts

Für die Behandlung von Kopfschmerzen, insbesondere Migräne, ist es wichtig, dass die Kopfschmerzmittel, vor allem Triptane, so früh wie möglich eingenommen werden. Im Laufe einer Migräneattacke kann es häufig zu einer Störung der Aufnahmefähigkeit von Magen und Darm kommen. Wenn die Wirkstoffe dann nicht mehr an ihren Wirkort gelangen, können sie ihre Wirkung nicht mehr entfalten. Eine späte Einnahme kann dazu führen, dass ansonsten sehr wirkungsvolle Medikamente ihre Wirkung nicht ausüben können und die Schmerzen dadurch lange anhalten.

Die meisten Fachleute raten, Medikamente frühzeitig und in ausreichender Menge einzunehmen. Wer häufig Schmerzen aushält, riskiert, dass sich der Körper auf wiederkehrende Schmerzerlebnisse einstellt und ein Schmerzgedächtnis entwickelt, wodurch die Kopfschmerzen chronisch werden können.

Medikamente zur Behandlung von Migräne

Es gibt verschiedene Medikamente zur Behandlung von Migräne, die sich in ihrer Wirkweise und ihrem optimalen Einnahmezeitpunkt unterscheiden.

Triptane

Triptane sind Mittel der ersten Wahl bei Migräne, da sie Attacken effektiv und spezifisch unterdrücken. Sie imitieren die Eigenschaften des körpereigenen Botenstoffes Serotonin, mit dessen Hilfe die Weite der Blutgefäße reguliert wird. Triptane besetzen die Bindungsstellen von Serotonin auf den Gefäßen, was u.a. eine Verengung der Blutgefäße in den Hirnhäuten bewirkt und den Migräneanfall unterbricht. Weiter hemmen sie die Freisetzung entzündlicher Eiweißstoffe im Gehirn (Neuropeptide) sowie die Fortleitung von Schmerzimpulsen.

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Triptane sollten nach der Aura, zu Beginn der Kopfschmerzphase eingenommen werden. Sie können aber auch noch während einer Migräneattacke erfolgreich angewendet werden. Bei einer Migräne mit Aura sollten Betroffene die Triptane erst einnehmen, wenn die Aura vorbei ist.

Triptane sind in verschiedenen Formen erhältlich, darunter Tabletten, Zäpfchen, Nasensprays oder Spritzen zur Selbstinjektion. Bei Migräneattacken mit Übelkeit und Erbrechen haben sich Nasenspray und Zäpfchen als besonders vorteilhaft erwiesen, da der Magen umgangen wird und der Wirkstoff direkt aufgenommen werden kann. Eine weitere Möglichkeit ist, sich das Medikament mit einer Fertigspritze selbst unter die Haut zu spritzen.

In Deutschland sind Almotriptan, Naratriptan und Sumatriptan rezeptfrei als Tabletten für Migräne in der Apotheke erhältlich. Für Eletriptan, Frovatriptan, Rizatriptan und Zolmitriptan ist ein Rezept erforderlich.

Schmerzmittel

Zur Behandlung leichter Migräneattacken können Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen, Naproxen, Paracetamol oder Phenazon eingesetzt werden. Acetylsalicylsäure sollte möglichst als Brauselösung eingenommen werden, da dadurch eine besonders schnelle und sichere Aufnahme im Magen-Darmtrakt erfolgt. Ähnlich schnell ist auch die Aufnahme bei Verwendung einer Kautablette.

Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerz-Gesellschaft (DMKG) empfiehlt die fixe Kombination aus ASS (250 bis 265 mg), Paracetamol (200 bis 265 mg) und Koffein (50 bis 65 mg) als Mittel der ersten Wahl für die Selbstmedikation bei Migräne. Diese Kombination wirkt schnell und stark.

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Es ist wichtig, die empfohlene Dosis des jeweiligen Schmerzmittels zu beachten und die Einnahme nicht zu verlängern, da ein Zuviel Nebenwirkungen wie Magenreizungen verursachen kann.

Antiemetika

Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen können Begleitsymptome von Migräneattacken sein. Sogenannte Antiemetika (Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen) sollen diese Funktionsstörungen bei Migräne beheben. Die eingeschränkte Magenaktivität während der Migräneattacke führt dazu, dass die Schmerzmittel kaum in den Darm weitertransportiert werden, wodurch die gewünschte Wirkung ausbleibt.

Die Gabe eines Medikaments gegen Übelkeit und Erbrechen hat sich in der Behandlung der Migräneattacke als sinnvoll erwiesen, da sie einerseits direkt und gezielt die Symptome Übelkeit und Erbrechen reduziert, andererseits die Magen- und Darmaktivität normalisieren kann. Dadurch kann die Aufnahme des Medikamentes gegen die Schmerzen verbessert und beschleunigt werden.

Aus diesem Grunde sollten Sie 15 Minuten vor der Einnahme des Migränemittels ein Antiemetikum (Metoclopramid oder Domperidon) einnehmen.

Weitere Medikamente

In einigen Fällen kann der Arzt auch Migräneprophylaxe-Medikamente verschreiben, um die Häufigkeit und Intensität der Migräneattacken zu verringern. Hier kommen andere Wirkstoffe zum Einsatz, etwa Betablocker wie Propanolol und Metoprolol, Kalziumkanalblocker wie Flunarizin sowie Antiepileptika wie Valproat und Topiramat.

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Zusätzliche Maßnahmen

Neben der medikamentösen Behandlung gibt es weitere Maßnahmen, die bei einer Migräneattacke helfen können:

  • Reizabschirmung: Es gehört zu einer der ersten Maßnahmen in der Behandlung des Migräneanfalles, eine Reizabschirmung einzuleiten. Da die Lärm- und Lichtempfindlichkeit vielen Betroffenen gut bekannt ist, aber aufgrund der Alltagsbedingungen eine Reizabschirmung nicht immer möglich ist, versuchen sich viele Menschen durch schnelle und übermäßige Einnahme von Medikamenten arbeitsfähig zu erhalten.
  • Ruhe und Entspannung: Während einer Attacke sollten sich Migräne-Patienten idealerweise in einem ruhigen, abgedunkelten Raum aufhalten.
  • Flüssigkeitszufuhr: Fachleute empfehlen, mindestens 1/8 Liter Leitungswasser zur Tablette zu trinken. Das Wasser verhindert, dass die Tablette an der Speiseröhre oder der Magenwand hängenbleibt und trägt dazu bei, dass die Tablette schnell den Magen passiert und zügig in den Blutkreislauf gelangt.
  • Aufrechte Haltung: Eine Tablette schlucken Sie am besten in aufrechter Haltung. So gleitet sie am besten durch die Speiseröhre. Legen Sie Ihren Kopf nicht in den Nacken, denn das verengt die Speiseröhre. Experten empfehlen, den Kopf beim Schlucken ein wenig nach vorn zu neigen.
  • Magenschonung: Wer Schmerzmittel auf nüchternen Magen einnimmt, kann zwar eine schnellere Wirkung erzielen, riskiert aber auch Magenbeschwerden. Haben Sie einen empfindlichen Magen, nehmen Sie die Tablette daher stets zu oder kurz nach einer Mahlzeit ein.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Übergebrauch von Medikamenten: Eine zu häufige Einnahme von Schmerzmitteln oder Triptanen kann zu einem medikamenteninduzierten Kopfschmerz führen. Generell sollten Schmerzmittel, aber auch Triptane nicht häufiger als zehnmal pro Monat eingenommen werden, maximal an drei Tagen hintereinander.
  • Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten: Informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker über alle Medikamente, die Sie einnehmen, um mögliche Wechselwirkungen zu vermeiden.
  • Schwangerschaft und Stillzeit: Während der Schwangerschaft und Stillzeit sollten Sie vor der Einnahme von Medikamenten immer Ihren Arzt konsultieren.
  • Selbstmedikation: Prinzipiell sollte eine Selbstmedikation an maximal 10 Tagen pro Monat durchgeführt werden, um Komplikationen zu vermeiden.
  • Ärztliche Hilfe: Halten Ihre Schmerzen an, obwohl Sie bereits ein oder mehrere Schmerzmittel eingenommen haben? Nehmen Ihre Schmerzen zu oder treten sie immer häufiger auf? Dann sollten Sie Ihre Beschwerden von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt abklären lassen. Bei Migräne und anderen primären Kopfschmerzarten sollten Sie sich so schnell wie möglich in fachärztliche Behandlung begeben.

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