Vitamin D-Therapie bei Polyneuropathie: Ein umfassender Überblick

Polyneuropathie (PNP) ist eine Erkrankung, die viele Menschen betrifft und oft mit einer Schädigung vieler Nerven gleichzeitig einhergeht. Schätzungen zufolge leiden weltweit 40 von 100.000 Menschen an dieser Krankheit. Die Ursachen für Polyneuropathie sind vielfältig und reichen von Diabetes bis hin zu Vitaminmangel. In den letzten Jahren hat die Forschung zunehmend die Rolle von Vitamin D bei der Entstehung und Behandlung von Polyneuropathie untersucht. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Vitamin D und Polyneuropathie, die potenziellen Vorteile einer Vitamin-D-Therapie und die damit verbundenen Risiken.

Einführung in die Polyneuropathie

Polyneuropathie ist eine weitverbreitete neurologische Erkrankung, von der schätzungsweise 4 % der Menschen im mittleren und höheren Lebensalter betroffen sind. Bei den über 55-Jährigen steigt die Prävalenz auf 8 % und bei den über 65-Jährigen sogar auf bis zu 30 %. Die Ursachen für Polyneuropathie können vielfältig sein, wobei Diabetes mellitus und chronischer Alkoholkonsum zu den häufigsten zählen. In vielen Fällen bleibt die Ursache jedoch unklar.

Ursachen und Risikofaktoren der Polyneuropathie

Die Ursachen einer Polyneuropathie (PNP) können vielfältig sein und oft genug lässt sich der auslösende Faktor im Nachhinein nicht mehr feststellen. Nachfolgend stellen wir mögliche Ursachen der PNP vor:

  • Diabetes mellitus: Wenn Diabetes die Ursache ist, spricht man von einer diabetischen Polyneuropathie.
  • Vitaminmangel: Insbesondere ein Mangel an Vitamin B12 kann zu neurologischen Schäden führen. Auch eine langjährige Fehlernährung kann zu einer PNP führen.
  • Vergiftungen: Eine PNP kann beispielsweise die Folge einer Vergiftung sein. Hier kommen Chemikalien wie etwa Pflanzenschutzmittel (Glyphosat) oder Quecksilber in Frage.
  • Medikamente und Drogen: Manche Medikamente, besonders Chemotherapeutika, Antibiotika und HIV-Medikamente, können eine Polyneuropathie verursachen. Auch Drogen sind ein möglicher auslösender Faktor.
  • Andere Krankheiten: Die Polyneuropathie kann eine Begleit- oder Folgeerscheinung von Borreliose, HIV und Autoimmunerkrankungen sein.

Symptome der Polyneuropathie

Die Symptome einer Polyneuropathie sind vielfältig und hängen davon ab, welche Nerven betroffen sind. Handelt es sich um sensible Nerven, dann kommt es zu Missempfindungen. Da eine Polyneuropathie auch die Folge einer Schadstoffbelastung sein kann, setzen Sie Maßnahmen um, die Ihre Entgiftungsorgane unterstützen.

Die Rolle von Vitamin D im Körper

Vitamin D ist ein fettlösliches Vitamin, das eine entscheidende Rolle bei verschiedenen Körperfunktionen spielt. Es kommt nur in sehr geringen Mengen in unserer Nahrung vor. Das ist auch der Grund, warum unser Körper das Vitamin selbst produzieren kann.

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Vitamin D und Knochengesundheit

Wer genügend Vitamin D hat, schützt sich daher vor Osteoporose und häufigen Knochenbrüchen. Die Probanden, die das Präparat nahmen stürzten etwa 20 Prozent seltener als jene, die nur Placebos erhielten. Sie können sich übrigens zusätzlich mit Gleichgewichtsübungen vor Stürzen schützen.

Vitamin D und Muskelkraft

Außerdem hilft Vitamin D den Muskeln dabei, sich nach einer Belastung zu regenerieren. Wer viel Vitamin D im Blut hat, dessen Muskeln passen sich daher schneller an ihre Aufgaben an und werden schneller stärker. Das spielt bei der Polyneuropathie eine nicht zu unterschätzende Rolle, weil durch die Polyneuropathie oft andere Bewegungsmuster und Haltungen hat als vorher. Die Muskeln müssen sich also umstellen und häufig kommt es zu größeren Belastungen einzelner Muskeln als vorher, weil man sich ohne es zu merken anders bewegt. Oft nimmt man zum Beispiel Schonhaltungen ein, weil man die Zehen und Füße nicht mehr so gut kontrollieren kann. Dadurch werden andere Teile des Bewegungsapparats stärker belastet. Allerdings sollte dieser Effekt nicht überschätzt werden. Man kann nicht damit rechnen, etwas Vitamin D zu sich zu nehmen und plötzlich stark und fit wie ein Turnschuh zu werden. Es handelt sich eher um Effekte die mittelfristig zu spüren sind.

Vitamin D-Mangel in Deutschland

Laut dem Robert-Koch-Institut weisen deshalb 56% der deutschen Bevölkerung Vitamin D Spiegel auf, die unter dem Optimum liegen (RKI).

Vitamin D und Polyneuropathie: Der Zusammenhang

Forscher haben in diversen Studien herausgefunden, dass es Zusammenhänge zwischen einer Polyneuropathie und Vitamin-D-Mangel gibt.

Vitamin D-Mangel bei Diabetikern mit Polyneuropathie

Ob Vitamin-D-Mangel bei Polyneuropathie eine Rolle spielt wurde bisher hauptsächlich an Diabetikern untersucht. In einer Metaanalyse (also einer Studie, die die Ergebnisse anderer Studien analysiert und zusammenfasst) im" Journal of endocrinological investigation" wurde berichtet, dass Diabetiker, die an Vitamin-D-Mangel litten fast dreimal häufiger auch eine Polyneuropathie entwickelten.

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Vitamin D-Mangel und das Risiko für Polyneuropathie bei Nicht-Diabetikern

Ob der Mangel an Vitamin D auch bei Menschen die nicht an Diabetes leiden zu einem erhöhten Risiko an Polyneuropathie führt, ist bisher nicht wissenschaftlich geklärt.

Vitamin D und Nervenschäden bei Polyneuropathie

In zwei Untersuchungen wurde Patienten, die an Polyneuropathie durch Diabetes litten und zu wenig Vitamin D im Blut hatten, der Nährstoff verabreicht um den Vitamin-Mangel zu beheben. Tatsächlich zeigte sich dadurch eine Verbesserung der Symptome. Es scheint also tatsächlich so zu sein dass sich eine Polyneuropathie verbessern kann, wenn man den Mangel an Vitamin D ausgleicht. Insbesondere wenn die Ursache der Polyneuropathie weiterhin besteht, man also zum Beispiel weiterhin an Diabetes leidet, kann auch das Vitamin D die Nerven nicht heilen. Wie viel das Vitamin D gegen die Polyneuropathie im Einzelfall hilft, lässt sich aufgrund der Studienergebnisse leider nicht sagen.

Vitamin-D-Therapie bei Polyneuropathie: Nutzen und Risiken

Dennoch ist es für jeden Polyneuropathie-Patienten sinnvoll, einen eventuellen Mangel auszugleichen.

Nutzen der Vitamin-D-Therapie

  • Verbesserung der Symptome: Tatsächlich zeigte sich dadurch eine Verbesserung der Symptome.
  • Schutz vor Osteoporose und Knochenbrüchen: Wer genügend Vitamin D hat, schützt sich daher vor Osteoporose und häufigen Knochenbrüchen.
  • Verbesserung der Muskelregeneration: Außerdem hilft Vitamin D den Muskeln dabei, sich nach einer Belastung zu regenerieren. Wer viel Vitamin D im Blut hat, dessen Muskeln passen sich daher schneller an ihre Aufgaben an und werden schneller stärker.

Risiken der Vitamin-D-Therapie

Allerdings sollte dieser Effekt nicht überschätzt werden. Man kann nicht damit rechnen, etwas Vitamin D zu sich zu nehmen und plötzlich stark und fit wie ein Turnschuh zu werden. Es handelt sich eher um Effekte die mittelfristig zu spüren sind.

  • Überdosierung: Ihr Körper benötigt eine bestimmte Menge davon. Es besteht hingegen sogar die Gefahr, durch übertriebene Mengen zum Beispiel die Nieren zu schädigen. Unter ärztlicher Begleitung ist es möglich, eine sogenannte Hochdosistherapie durchzuführen. Meines Wissens sind alle solche Versuche allerdings bisher enttäuschend verlaufen. Wer große Mengen an Vitamin D zu sich nimmt muss unbedingt zunächst ärztlich untersucht werden um zu prüfen, ob solche Versuche gefahrlos möglich sind.
  • Störung des Calciumstoffwechsels: Dort bewirkt es eine Störung des Calciumstoffwechsels, was insbesondere für die Nieren große Probleme bereitet. Lebensgefährliches Nierenversagen ist eine mögliche Folge. Allerdings nur, wenn Sie an einem Mangel leiden. Wer schon genügend Vitamin D hat, dem wird es nichts nutzen, noch mehr davon zu nehmen.

Empfehlungen zur Vitamin-D-Einnahme

Falls Sie an einem Mangel leiden ist es also fast unumgänglich, Vitamin-Präparate zu sich zu nehmen. Denn Vitamin-D ist fettlöslich und kommt in den Tropfen bereits in gelöster Form. Wenn Sie noch keinen Vitamin-D-Test gemacht haben, können Sie gefahrlos "auf Verdacht" Vitamin D zu sich nehmen, sofern Sie nicht mehr nehmen als vom Hersteller empfohlen. Derzeit gelten bis zu 4000 IU täglich als sicher. Es ist meistens ausreichend, sich an die Herstellerangabe von 1000 IU pro Tag zu halten.

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Weitere Mikronährstoffe und Polyneuropathie

Nahezu jeder Mikronährstoffmangel kann Auslöser einer Polyneuropathie sein. Bei jeder Form der Polyneuropathie ist es sinnvoll, den Mikronährstoffstatus überprüfen zu lassen.

B-Vitamine

Vitamin B1 ist das wichtigste Vitamin im Kohlenhydrat-Stoffwechsel und ist essenziell für die Energieversorgung der Nervenzellen. Vitamin B1 spielt auch eine wichtige Rolle für die Nervenimpuls-Übertragung, da es für die Aufrechterhaltung der Myelinscheiden benötigt wird. Vitamin B1 besitzt auch antioxidative Eigenschaften. Ein Thiamin-Mangel ist bei Diabetikern und bei Menschen mit hohem Alkoholkonsum sehr häufig und kann wesentlich zur Entstehung einer Polyneuropathie beitragen. Die Vitamin-B1-Speicher im Organismus können die Versorgung nur ca. 20 Tage sicherstellen.

Vitamin B6 ist das wichtigste Vitamin im Stoffwechsel der Proteine und der Aminosäuren. Vitamin B6 ist auch ein wesentliches Coenzym in den Stoffwechselwegen, die für die Bildung von Neurotransmittern verantwortlich sind.

Vitamin B 12 spielt eine wichtige Rolle für den Nervenstoffwechsel. Generell ist die Vitamin-B12-Aufnahme sehr störanfällig. Bei älteren Menschen kommt es häufig zu einer Verminderung der B12-Verfügbarkeit aufgrund einer reduzierten Bildung des Intrinsic-Faktors. Auch die Einnahme von Metformin sowie eine atrophische Gastritis vermindern die Vitamin-B12-Spiegel.

Auch Folsäure ist wichtig für den Nervenstoffwechsel.

Weitere wichtige Mikronährstoffe

Eisen ist wichtig für die Myelinsynthese und für die Bildung von Neurotransmittern sowie für den Energiestoffwechsel der Nervenzellen.

Kupfer ist ebenfalls an der Myelinsynthese beteiligt. Ein Kupfermangel kann auch eine Neuropathie auslösen.

Auch ein Chrommangel kann als Ursache für eine Polyneuropathie infrage kommen, da Chrom für die Blutzuckerregulation eine wichtige Rolle spielt.

Zusätzliche Maßnahmen zur Behandlung von Polyneuropathie

Neben der Vitamin-D-Therapie gibt es noch weitere Maßnahmen, die zur Behandlung von Polyneuropathie eingesetzt werden können:

  • Gesunde Ernährung: Bei fast allen Vitaminen gilt, dass man durch eine gesunde Ernährung genügend davon bekommt.
  • Stressmanagement: Gesunde Ernährung, ein gutes Stressmanagement, Bewegung sowie Entgiftung!
  • Bewegung: Machen Sie so viel Sport, wie es ihnen möglich ist! Nach der sportlichen Betätigung sollten Sie ihre Füße immer untersuchen, ob irgendwelche Reizungen, Blasen oder Wunden zu sehen sind.
  • Entgiftung: Da eine Polyneuropathie auch die Folge einer Schadstoffbelastung sein kann, setzen Sie Maßnahmen um, die Ihre Entgiftungsorgane unterstützen. Zusätzlich sollten insbesondere jene Organe gestärkt und unterstützt werden, die für die Giftausleitung zuständig sind. Für jedes Organ gibt es umfassende Kuren.
  • Rotlicht-Therapie: Die Rotlicht-Therapie kann bei vielen Beschwerden hilfreich sein. In Studien ist hier meist die Rede von low-level light therapy (LLLT) oder Photobiomodulation. Dies ist bei Polyneuropathie ein wichtiges Thema. Dadurch nehmen sie Überlastungen nicht wahr, die normalerweise zu einer Entlastungsbewegung führen würden. Gut an den Beinen einsetzen lässt sich z. B.
  • Uridinmonophosphat (UMP): Uridinmonophosphat (UMP) ist ein wichtiger Baustein für Nervenzellen und kann die Regeneration geschädigter Nerven unterstützen. In Kombination mit Folsäure und Vitamin B12 konnte UMP in einer Studie mit über 200 PNP-Patienten die Nervenschmerzen signifikant reduzieren (11).
  • Alpha-Liponsäure: Die Alpha-Liponsäure ist ein starkes Antioxidans, das bevorzugt zur Behandlung der diabetischen Polyneuropathie verwendet wird.
  • Magnesium: Magnesium beruhigt das Nervensystem. Wählen Sie gut verträgliche Magnesiumpräparate, da in diesen sehr hohen Dosen z. B. Magnesiumcitrat zu Durchfall führen würde.
  • Heilpflanzen: Laut einer im Jahr 2018 an der Mashhad University of Medical Sciences durchgeführten Studie können diverse Heilpflanzen wie der Kalmus, Estragon, Salbei oder auch Kurkuma bei Polyneuropathie hilfreich sein.
  • Capsaicin: Auch Capsaicin, der in Chilis enthalten ist, kann US-Forschern zufolge bei der Schmerzbekämpfung gute Dienste erweisen. Äußerlich angewandte Capsaicin-Zubereitungen wie z. B. Wichtig sei jedoch eine auf den Patienten individuell angepasste Dosierung bzw. Anwendungsdauer. Zur äußerlichen Anwendung gedachtes Capsaicin mit einer Dosis von 8 Prozent war am wirkungsvollsten.
  • Helmkraut: Auch Helmkraut (Scutellaria) beruhigt das gesamte Nervensystem. Die empfohlene Dosierung beträgt 15 Tropfen einer Helmkraut-Tinktur.
  • Nachtkerzenöl: Die Einnahme von Nachtkerzenöl kann wirkungsvoll bei der Vorbeugung von Nervenschäden und möglicherweise bei milden Formen der diabetischen Polyneuropathie hilfreich sein.
  • Rizinusöl-Packungen: Die äußerliche Anwendung von Rizinusöl-Packungen kann bei manchen Menschen die Symptome der Polyneuropathie lindern.

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