Tiefe Sensibilität Störungen, Parkinson: Ursachen und Behandlung

Parkinson, auch bekannt als Morbus Parkinson oder Parkinson-Syndrom, ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die durch den Verlust von Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet ist. Es handelt sich um die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung, von der allein in Deutschland zwischen 300.000 und 400.000 Menschen betroffen sind. Die Erkrankung manifestiert sich typischerweise zwischen dem 50. und 79. Lebensjahr, wobei frühe Anzeichen oft schon Jahre zuvor auftreten können.

Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten von Parkinson, wobei auch auf den Zusammenhang mit Sensibilitätsstörungen eingegangen wird.

Was ist Parkinson?

Parkinson ist eine neurologische Erkrankung, die durch das Absterben von Dopamin produzierenden Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet ist. Dopamin ist ein wichtiger Botenstoff, der für die Steuerung von Bewegungen, die Koordination und das Gleichgewicht verantwortlich ist. Ein Mangel an Dopamin führt zu den Hauptsymptomen von Parkinson, nämlich Bewegungsarmut (Akinese), Muskelzittern (Tremor), Muskelsteifheit (Rigor) und posturale Instabilität.

Formen von Parkinson

Es gibt verschiedene Formen von Parkinson, die sich hinsichtlich ihrer Ursachen und ihres Verlaufs unterscheiden:

  1. Idiopathische Parkinson-Syndrome (IPS): Dies ist die häufigste Form von Parkinson, die etwa 75 % aller Fälle ausmacht. Die Ursache ist unbekannt, es wird jedoch angenommen, dass eine Kombination aus genetischen und Umweltfaktoren eine Rolle spielt.
  2. Familiäre Parkinson-Syndrome: Diese Form von Parkinson ist genetisch bedingt und wird durch Mutationen in bestimmten Genen verursacht.
  3. Symptomatische Parkinson-Syndrome (sekundäre Parkinson-Syndrome): Diese Form von Parkinson wird durch eine bekannte Ursache ausgelöst, wie z. B. Medikamente, Vergiftungen, Infektionen oder Schädel-Hirn-Traumata.
    • Durch Medikamente induziertes Parkinson-Syndrom: Kann unter anderem durch den Missbrauch von Amphetaminen ausgelöst werden.
    • Vaskuläres Parkinson-Syndrom
    • Posttraumatisches Parkinson-Syndrom
    • Toxininduziertes Parkinson-Syndrom
  4. Atypische Parkinson-Syndrome (Parkinson-Plus-Syndrome): Diese Form von Parkinson tritt im Rahmen anderer neurodegenerativer Erkrankungen auf und betrifft nicht nur die Substantia nigra, sondern auch andere Teile des Gehirns.

Symptome von Parkinson

Parkinson äußert sich durch eine Vielzahl von Symptomen, die sich im Laufe der Zeit verschlimmern können. Die Symptome lassen sich in zwei Kategorien unterteilen:

Lesen Sie auch: Behandlung neurologischer Erkrankungen

  • Motorische Symptome (Kardinalsymptome):

    1. Akinese (Bradykinese, Hypokinese): Bewegungsarmut, die sich in verlangsamten Bewegungen, Schwierigkeiten beim Starten von Bewegungen, vermindertem Gesichtsausdruck, leiser Stimme und Schwierigkeiten beim Schlucken äußert. Die Akinese ist ein zentrales Symptom, das bei jedem Parkinson-Patienten auftritt. Sie zeigt sich immer, wenn sich der Patient bewegt. Davon ist auch der Gesichtsausdruck, das Sprachvermögen, die Feinmotorik oder der Speichelfluss betroffen. Gleichzeitig erschwert sind die Bewegungen des Oberkörpers, des Rumpfes und das Gehen, ganz allgemein. Durch die Akinese wird das Gangbild entscheidend beeinträchtigt.
    2. Tremor: Zittern, das typischerweise in Ruhe auftritt und sich bei Bewegung bessert. Dieser Tremor ist einseitig betont, nimmt bei Bewegung ab und ist eines der sichtbarsten Symptome bei Morbus Parkinson.
    3. Rigor: Muskelsteifheit, die durch eine erhöhte Muskelspannung verursacht wird. Rigor bezeichnet eine Muskelsteifheit, die aufgrund einer Steigerung des Muskeltonus auftritt. Verursacht wird sie durch eine unwillkürliche Anspannung der gesamten quergestreiften Muskulatur, was darüber hinaus zu Schmerzen an der betroffenen Stelle führen kann.
    4. Posturale Instabilität: Gleichgewichtsstörungen, die zu Stürzen führen können. Im Rahmen des Parkinson-Syndroms kann es zusätzlich zu einer verminderten Körper-Stabilität kommen. Gewisse reflexartige Ausgleichsbewegungen finden dann nicht mehr oder nur verzögert statt. Das kann für Patienten sehr belastend sein, da dadurch Unsicherheiten beim Stehen und Gehen in Erscheinung treten können. Liegt eine posturale Instabilität vor, sind Ängste häufig mit an Bord.
  • Nicht-motorische Symptome (Begleitsymptome):

    • Vegetative Störungen: Gesteigerte Talgproduktion (Salbengesicht), Blasenfunktionsstörungen, Temperaturregulationsstörungen, sexuelle Dysfunktion, Bewegungsstörungen im Magen-Darm-Trakt, Kreislaufregulationsstörungen, Schluckstörungen (Dysphagie).
    • Kognitive Beeinträchtigungen: Gedächtnisprobleme, Aufmerksamkeitsstörungen, Verlangsamung der Denkprozesse, Parkinson-Demenz (bei etwa 40 % der Patienten).
    • Psychische Veränderungen: Depressionen, Angstzustände, Schlafstörungen, Halluzinationen, Wahnvorstellungen.
    • Sensibilitätsstörungen: Obwohl seltener im Vordergrund stehend, können auch Sensibilitätsstörungen wie Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Schmerzen auftreten.

Sensibilitätsstörungen im Kontext von Parkinson

Sensibilitätsstörungen sind zwar kein Kernsymptom von Parkinson, können aber dennoch im Rahmen der Erkrankung auftreten. Sie können verschiedene Ursachen haben:

  • Direkte Auswirkungen der Parkinson-Erkrankung: Die Degeneration von Nervenzellen im Gehirn kann auch Bereiche betreffen, die für die Verarbeitung von sensorischen Informationen zuständig sind.
  • Nebenwirkungen von Medikamenten: Einige Medikamente, die zur Behandlung von Parkinson eingesetzt werden, können Sensibilitätsstörungen als Nebenwirkung verursachen.
  • Begleiterkrankungen: Parkinson-Patienten leiden häufig auch an anderen Erkrankungen, wie z. B. Diabetes oder Polyneuropathie, die Sensibilitätsstörungen verursachen können.
  • Muskelsteifheit (Rigor): Die durch Parkinson verursachte Muskelsteifheit kann Nerven einklemmen und dadurch Sensibilitätsstörungen verursachen.

Es ist wichtig, Sensibilitätsstörungen bei Parkinson-Patienten sorgfältig zu untersuchen, um die Ursache zu ermitteln und eine geeignete Behandlung einzuleiten.

Ursachen von Parkinson

Die genaue Ursache von Parkinson ist noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischen und Umweltfaktoren eine Rolle spielt.

Lesen Sie auch: Langzeitfolgen von COVID-19 auf das Nervensystem

  • Genetische Faktoren: Familiäre Parkinson-Syndrome werden durch Mutationen in bestimmten Genen verursacht. Es gibt jedoch auch Hinweise darauf, dass bestimmte Genvarianten das Risiko für idiopathische Parkinson-Syndrome erhöhen können.
  • Umweltfaktoren: Verschiedene Umweltfaktoren werden als mögliche Auslöser von Parkinson diskutiert, darunter:
    • Pestizide und Herbizide: Studien haben einen Zusammenhang zwischen der Exposition gegenüber bestimmten Pestiziden und Herbiziden und einem erhöhten Parkinson-Risiko gezeigt.
    • Schwermetalle: Die Exposition gegenüber Schwermetallen wie Blei und Mangan kann das Parkinson-Risiko erhöhen.
    • Neurotoxine: Bestimmte Giftstoffe (Neurotoxine), die die Substantia nigra schädigen, werden seit den 1980er Jahren als externe Auslöser verdächtigt.
  • Alterungsprozess: Das Risiko, an Parkinson zu erkranken, steigt mit zunehmendem Alter.
  • Oxidativer Stress: Eine Schädigung der Nervenzellen durch freie Radikale (oxidativer Stress) wird als möglicher Faktor bei der Entstehung von Parkinson diskutiert.
  • Entzündungen: Chronische Entzündungen im Gehirn könnten ebenfalls eine Rolle bei der Entstehung von Parkinson spielen.
  • Infektionen und Schädel-Hirn-Traumata: Können als zusätzliche externe Auslöser ausgemacht werden.

Auf zellulärer Ebene zeigen aktuelle Forschungen, dass verschiedene zelluläre Mutationen oder Abweichungen bei Parkinson-Patienten vorliegen. So konnten Wissenschaftler feststellen, dass die Dopamin produzierenden Nervenzellen häufig defekte Kernkörperchen besitzen. Eine Vermutung ist, dass die strukturellen Veränderungen oxidativen Stress auslösen und so das Schicksal der Nervenzellen besiegeln.

Diagnose von Parkinson

Um die korrekte Diagnose für eine Parkinson-Erkrankung stellen zu können, halten sich Mediziner in der Regel an die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Diese empfiehlt als Grundlage zunächst eine komplette klinisch-neurologische Untersuchung. Die Diagnose von Parkinson basiert in erster Linie auf einer neurologischen Untersuchung und der Erhebung der Krankengeschichte. Es gibt keinen spezifischen Test, der Parkinson sicher nachweisen kann. Die Diagnose wird in der Regel gestellt, wenn mindestens zwei der vier Kardinalsymptome (Akinese, Tremor, Rigor, posturale Instabilität) vorhanden sind.

Zusätzlich wird ein bildgebendes Verfahren angeraten. Hierfür stehen eine Kernspintomographie (MRT), eine Craniale Computertomographie (CCT) oder ein szintigrafisches Verfahren zur Verfügung. Darauf aufbauend können noch weitere Untersuchungen erfolgen:

  • L-Dopa-Test: Ein Test, bei dem der Patient das Medikament L-Dopa erhält. Eine Verbesserung der Symptome nach der Einnahme von L-Dopa unterstützt die Diagnose Parkinson.
  • Positronen-Emissions-Tomographie (PET): Ein bildgebendes Verfahren, das die Funktion der Dopamin produzierenden Nervenzellen im Gehirn darstellen kann.
  • Einzelphotonen-Emissions-Tomographie (SPECT): Ein weiteres bildgebendes Verfahren, das die Funktion der Dopamin produzierenden Nervenzellen im Gehirn darstellen kann.

Die Diagnostik dient dazu, festzustellen, welche Beschwerden (Parkinson-Tremor und Co.) bestehen.

Behandlung von Parkinson

Parkinson ist derzeit nicht heilbar. Die Behandlung zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten:

Lesen Sie auch: Die Rolle von Neurotransmittern

  • Medikamentöse Therapie:
    • L-Dopa: Ein Medikament, das im Gehirn in Dopamin umgewandelt wird und den Dopaminmangel ausgleicht. Es ist das wirksamste Medikament zur Behandlung von Parkinson-Symptomen.
    • Dopaminagonisten: Medikamente, die an den Dopaminrezeptoren im Gehirn wirken und die Wirkung von Dopamin imitieren.
    • MAO-B-Hemmer: Medikamente, die den Abbau von Dopamin im Gehirn verlangsamen und so die Dopaminmenge erhöhen.
    • COMT-Hemmer: Medikamente, die den Abbau von L-Dopa im Körper verlangsamen und so die Wirkung von L-Dopa verlängern.
    • Anticholinergika: Medikamente, die die Wirkung von Acetylcholin im Gehirn blockieren und so Tremor und Rigor reduzieren können.
  • Tiefe Hirnstimulation (THS): Ein neurochirurgischer Eingriff, bei dem Elektroden in bestimmte Bereiche des Gehirns implantiert werden. Die Elektroden senden elektrische Impulse aus, die die Aktivität der Nervenzellen in diesen Bereichen modulieren und so die Symptome von Parkinson lindern können.
  • Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Beweglichkeit, das Gleichgewicht und die Koordination zu verbessern.
  • Ergotherapie: Ergotherapie kann helfen, dieAlltagsaktivitäten zu erleichtern und die Selbstständigkeit zu erhalten.
  • Logopädie: Logopädie kann helfen, Sprach- und Schluckstörungen zu verbessern.
  • Psychotherapie: Psychotherapie kann helfen, mit den psychischen Belastungen der Parkinson-Erkrankung umzugehen.
  • Komplementäre Therapien: Verschiedene komplementäre Therapien, wie z. B. Entspannungsübungen, Meditation, Yoga und Taijiquan, können helfen, die Symptome von Parkinson zu lindern und das Wohlbefinden zu verbessern. Regelmäßige Bewegung ist hierbei das wichtigste Element. Patienten sollte ein Bewegungsprogramm zur Verfügung gestellt werden, dass bereits im frühen Stadium ansetzt. Später bietet sich eine Physiotherapie an, die speziell für Parkinson-Kranke ausgelegt ist. Darüber hinaus ist eine begleitende, sprachtherapeutische Behandlung empfehlenswert.

Experimentelle Therapieansätze:

  • Gentherapie: Mittels der Gentherapie wird versucht, die Dopaminproduktion in den Basalganglien wieder zu steigern. Das soll eine Linderung der motorischen Symptome hervorrufen. In Studien wurden bereits erste positive Effekte beobachtet.
  • Stammzellbehandlung: Bei der Stammzellbehandlung sollen reprogammierte Stammzellen abgestorbene Dopamin produzierende Nervenzellen ersetzen. Auch hier gibt es bereits spannende Erkenntnisse.

Die Behandlung von Parkinson ist individuell und wird an die spezifischen Bedürfnisse und Symptome des einzelnen Patienten angepasst. Es ist wichtig, dass Parkinson-Patienten eng mit ihrem Arzt zusammenarbeiten, um die bestmögliche Behandlung zu erhalten.

Leben mit Parkinson

Parkinson ist eine chronische Erkrankung, die das Leben der Betroffenen in vielerlei Hinsicht beeinträchtigen kann. Es gibt jedoch viele Möglichkeiten, mit der Erkrankung umzugehen und die Lebensqualität zu verbessern.

  • Frühzeitige Diagnose und Behandlung: Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung können helfen, die Symptome zu lindern und den Krankheitsverlauf zu verlangsamen.
  • Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige Bewegung ist wichtig, um die Beweglichkeit, das Gleichgewicht und die Koordination zu erhalten.
  • Gesunde Ernährung: Eine gesunde Ernährung kann helfen, die allgemeine Gesundheit zu verbessern und die Symptome von Parkinson zu lindern.
  • Unterstützung durch Familie und Freunde: Die Unterstützung durch Familie und Freunde ist wichtig, um mit den emotionalen Belastungen der Parkinson-Erkrankung umzugehen.
  • Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen kann hilfreich sein, um Erfahrungen auszutauschen und Unterstützung zu finden.

Pflege und Unterstützung

Je nach Stadium kann Hilfe bei der Essensaufnahme, Haushaltsführung oder Körperpflege nötig sein. Ein Medikamentenplan kann ebenfalls durch die Unterstützung von Pflegekräften umgesetzt werden. Etwa 40 % aller Parkinson-Erkrankten entwickeln mit der Zeit eine Parkinson-Demenz. Das Leitsymptom ist nicht Vergesslichkeit.

Prävention von Parkinson

Noch ist zu wenig darüber bekannt, was Parkinson auslöst. Aus diesem Grund gibt es keine gezielte Strategie, mit der Prävention betrieben werden kann. Eine gesunde Lebensweise, die eine nährstoffreiche Ernährung und regelmäßige Bewegung einschließt, ist generell empfehlenswert, wenn es um die Gesundheit geht. Da bestimmte Neurotoxine im Verdacht stehen, Parkinson zu begünstigen, sollte der Kontakt bestenfalls vermieden werden.

tags: #storungen #der #tiefensensibilitat #bei #parkinson