Rückenschmerzen, Nackenschmerzen, Kopfschmerzen - viele Menschen leiden unter chronischen Schmerzen. Oftmals sind Triggerpunkte die Ursache. Dieser Artikel beleuchtet die Entstehung, Diagnose und Behandlung von Triggerpunkten im neurologischen Kontext.
Was sind Triggerpunkte?
Das Wort "Trigger" kommt aus dem Englischen und bedeutet "Auslöser". Myofasziale Triggerpunkte sind überempfindliche Stellen in der Muskulatur, die Schmerzen auslösen können. Medizinisch gesehen handelt es sich um mikroskopisch kleine Zonen in einem Muskel, in denen Muskelfaserabschnitte maximal zusammengezogen sind und sich nicht mehr voneinander lösen können. Dadurch ist der Muskel nicht mehr voll funktionsfähig. Die betroffenen Muskelareale werden schlechter durchblutet und der notwendige Sauerstoff fehlt den Muskelfasern.
Ursachen von Triggerpunkten
Triggerpunkte entstehen häufig durch:
- Bewegungsmangel: Langes Sitzen oder monotone Bewegungen können zu Muskelverspannungen und Triggerpunkten führen.
- Fehlhaltungen: Eine ungünstige Körperhaltung, beispielsweise bei der Arbeit am Computer, kann Muskeln überlasten und Triggerpunkte verursachen.
- Einseitige Belastungen: Wiederholte, gleichförmige Bewegungen, wie sie beispielsweise bei bestimmten Sportarten oder beruflichen Tätigkeiten vorkommen, können zu muskulären Dysbalancen und Triggerpunkten führen.
- Unfälle und Verletzungen: Traumata, wie beispielsweise ein Schleudertrauma oder ein Sturz, können zu Muskelverspannungen und Triggerpunkten führen.
- Erkrankungen: Arthrose oder andere Erkrankungen des Bewegungsapparates können ebenfalls Triggerpunkte begünstigen.
- Psychischer Stress: Stress kann zu Muskelverspannungen führen und somit die Entstehung von Triggerpunkten fördern. Seelische Belastungen können ebenfalls eine Rolle spielen.
Symptome von Triggerpunkten
Triggerpunkte können vielfältige Symptome verursachen, darunter:
- Lokale Schmerzen: Schmerzen direkt am Ort des Triggerpunkts.
- Übertragungsschmerzen: Schmerzen, die in andere Körperregionen ausstrahlen, oft in einem charakteristischen Muster. Beispielsweise können Triggerpunkte in der Gesäßmuskulatur Schmerzen im ganzen Bein bis zum Fuß verursachen.
- Bewegungseinschränkungen: Die betroffenen Muskeln können verkürzt und weniger beweglich sein.
- Muskelverspannungen: Verhärtete und schmerzhafte Bereiche in der Muskulatur.
- Kraftlosigkeit: Ein Gefühl von Schwäche in den betroffenen Muskeln.
- Sensibilitätsstörungen: Kribbeln, Taubheitsgefühl oder andere Missempfindungen.
- Autonome Symptome: In manchen Fällen können Triggerpunkte auch autonome Symptome wie Schwindel oder Tinnitus auslösen.
Diagnose von Triggerpunkten
Die Diagnose von Triggerpunkten basiert hauptsächlich auf der klinischen Untersuchung. Bildgebende Verfahren wie Röntgen oder MRT sind in der Regel nicht geeignet, um Triggerpunkte darzustellen. Der Arzt oder Physiotherapeut wird die Muskulatur sorgfältig abtasten (Palpation), um Verhärtungen und schmerzhafte Stellen zu identifizieren. Dabei wird auch auf die Ausstrahlung der Schmerzen geachtet. Triggerpunktkarten können helfen, den Ursprung der Schmerzen zu lokalisieren.
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- Aktive Triggerpunkte: Verursachen Schmerzen am Ort des Geschehens, selbst wenn kein Druck auf sie ausgeübt wird, und können ausstrahlen.
- Latente Triggerpunkte: Sind Verhärtungen, bei denen sich die Schmerzen an ganz anderer Stelle als Übertragungsschmerzen bemerkbar machen.
- Key-Triggerpunkte: Sind zentrale Schaltpunkte, die Übertragungsschmerzen verursachen, da die Nachbarneuronen der Triggerpunkte übererregt werden.
Differentialdiagnose
Es ist wichtig, Triggerpunkte von anderen Erkrankungen abzugrenzen. Eine wichtige Differentialdiagnose ist die Fibromyalgie, bei der es ebenfalls zu Schmerzen und Druckempfindlichkeit kommt. Im Unterschied zu Triggerpunkten sind Tenderpoints bei Fibromyalgie jedoch nicht mit muskulären Ursachen verbunden und lassen sich nicht einfach "wegspritzen".
Behandlung von Triggerpunkten
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Triggerpunkte zu behandeln. Ziel der Behandlung ist es, die Muskelverhärtungen zu lösen, die Durchblutung zu verbessern und die Schmerzen zu lindern.
- Manuelle Therapie: Hierbei werden verschiedene Techniken eingesetzt, um die Triggerpunkte zu lösen, beispielsweise Druckmassage, Dehnungen und Faszientechniken. Eine Triggerpunktbehandlung kann man sich wie eine manuelle Druckmassage bei Schmerzen vorstellen. Bei der Triggerpunktbehandlung werden verhärtete und schmerzhafte Bereiche in der Muskulatur (Triggerpunkte) mit den Händen oder einem „Triggerpunktholz“ gelöst und so Schmerzen gelindert.
- Dry Needling: Bei dieser Methode werden Akupunkturnadeln in die Triggerpunkte gestochen, um die Muskelverspannung zu lösen.
- Triggerpunkt-Infiltration: Hierbei wird ein Lokalanästhetikum (oder sehr selten Botulinumtoxin) in den Triggerpunkt injiziert, um die Schmerzen zu lindern und die Muskelentspannung zu fördern.
- Stoßwellentherapie (ESWT): Fokussierte Stoßwellen können helfen, Triggerpunkte zu diagnostizieren und zu behandeln.
- Medikamentöse Therapie: Schmerzmittel und Muskelrelaxantien können zur Schmerzlinderung eingesetzt werden.
- Ergänzende Therapien: Muskelentspannungsverfahren wie progressive Muskelentspannung (PMR), autogenes Training oder Biofeedback können helfen, den Muskeltonus zu senken und somit die Schmerzproblematik zu reduzieren.
- Übungen: Spezielle Dehn- und Kräftigungsübungen können helfen, die Muskulatur zu entspannen und Fehlhaltungen zu korrigieren. Im Anschluss an die Behandlung erhalten die Patienten eine Anleitung zu Übungen, die sie selbständig zu Hause durchführen können.
Triggerpunktbehandlung in der Physiotherapie
Die Triggerpunkt-Therapie ist eine bewährte Methode in der Physiotherapie zur gezielten Schmerzlinderung. Besonders bei anhaltenden Verspannungen und Bewegungseinschränkungen zeigt sie beeindruckende Erfolge. In der Physiotherapie steht die Triggerpunktbehandlung in enger Verbindung mit anderen integrativen Therapieformen.
Kontraindikationen
Menschen, die blutverdünnende Medikamente einnehmen, sollten von einer Triggerpunktbehandlung Abstand nehmen. Zu groß ist bei dieser Patientengruppe die Gefahr von Einblutungen ins Gewebe.
Bedeutung der Faszien
In den letzten Jahren hat die Wissenschaft viel Neues über das myofasziale System herausgefunden. Dachte man bisher immer, dass Faszien als Muskelhülle lediglich stützen und die Muskeln voneinander trennen, so war man überrascht, dort eine Vielzahl von Nerven- und Sinneszellen zu finden. Die Faszien spielen eine wichtige Rolle bei der Schmerzentstehung und -verarbeitung.
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