Die Diagnose einer Demenz ist ein komplexer Prozess, der verschiedene medizinische Fachbereiche einbezieht. Ziel ist es, die Ursache von Gedächtnis- und anderen kognitiven Störungen zu identifizieren, um eine angemessene Behandlung und Betreuung zu gewährleisten. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Schritte und Verfahren, die bei einer neurologischen Untersuchung zur Demenzdiagnose zum Einsatz kommen.
Der erste Ansprechpartner: Der Hausarzt
In der Regel ist der Hausarzt der erste Ansprechpartner bei Verdacht auf eine Demenz. Er kennt den Patienten und seine Krankengeschichte und kann Veränderungen im Verhalten und der kognitiven Leistungsfähigkeit gut einschätzen. Ein Hausarzt, der für das Thema Demenz sensibilisiert ist, führt erste Untersuchungen durch. Bei leichten Symptomen, die im Alltag kaum auffallen, sind jedoch ausführlichere Tests erforderlich.
Umfassende Diagnostik: Ein Überblick
Die Diagnostik einer Demenz umfasst verschiedene Untersuchungen aus den Bereichen Psychiatrie, Psychologie, Innere Medizin und Neurologie. Dazu gehören Labortests, Computertomographie (CT), Elektrokardiogramm (EKG) und Elektroenzephalogramm (EEG). Je nach Bedarf können weitere Untersuchungen erforderlich sein.
Neuropsychologische Testung: Die Erfassung kognitiver Fähigkeiten
Ein wichtiger Bestandteil der Demenzdiagnostik ist die neuropsychologische Testung. Hierbei werden verschiedene kognitive Funktionen wie Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Sprache und andere höhere Hirnfunktionen untersucht. Die Tests werden in der Regel mit Stift und Papier oder am Computer durchgeführt.
Kurztests zur ersten Einschätzung
Für eine erste Einschätzung kann ein Kurztest durchgeführt werden. Dabei werden dem Patienten beispielsweise drei Wörter vorgegeben ("Auto, Blume, Kerze"). Anschließend wird eine Rechenaufgabe gestellt, bei der von 100 sieben subtrahiert werden muss, bis man bei 65 angelangt ist. Diese Aufgabe dient der Überprüfung von Aufmerksamkeit und Konzentration. Nach der Rechenaufgabe wird der Patient gebeten, die zuvor genannten drei Wörter zu wiederholen. Patienten mit einer deutlichen Demenz können sich diese Wörter oft nicht merken.
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Ausführliche Gedächtnistests
In spezialisierten Gedächtnisambulanzen werden ausführlichere Gedächtnistests durchgeführt. Ein Beispiel ist das Lernen von 15 Wörtern, die fünfmal hintereinander wiederholt werden müssen. Anschließend wird eine zweite Wortliste mit ebenfalls 15 Wörtern gelernt. Nach einer Pause von 20 Minuten wird der Patient erneut nach der ersten Wortliste gefragt.
Bildgebende Verfahren: CT und MRT
Bei der Erstdiagnose einer Demenz wird in der Regel eine Computertomographie (CT) oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns durchgeführt. Diese bildgebenden Verfahren ermöglichen einen Einblick in den Aufbau des Gehirns und können helfen, verschiedene Demenzformen zu unterscheiden. Sie dienen auch dazu, andere Ursachen für die Demenz auszuschließen, wie beispielsweise einen Hirntumor oder eine krankhafte Erweiterung der Hirnräume.
Labortests: Die Suche nach behandelbaren Ursachen
Im Rahmen der Demenzdiagnostik werden auch Blutuntersuchungen durchgeführt, um behandelbare Ursachen für die Demenz rechtzeitig zu erkennen. Dazu gehören beispielsweise ein Mangel an Vitamin B12 oder Schilddrüsenhormonen.
Differenzialdiagnose: Abgrenzung zu anderen Erkrankungen
Bei der Feststellung einer Demenz müssen andere Erkrankungen ausgeschlossen werden, die ähnliche Symptome verursachen können. Dazu gehören beispielsweise:
- Verengung der Hirngefäße und kleine Gehirninfarkte (vaskuläre Demenz)
- Demenz mit Lewy-Körperchen
- Gut- und bösartige Hirntumore
- AIDS
- Parkinson-Krankheit
- Erbkrankheit Chorea Huntington
- Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose)
- Vitaminmangel (z.B. B12 oder Folsäure)
- Erkrankungen der Nieren, der Leber und der Bauchspeicheldrüse
- Alkohol- bzw. Drogenmissbrauch
- Depressive Erkrankungen ("Pseudodemenz")
Gedächtnissprechstunden: Spezialisierte Einrichtungen zur Diagnostik
Gedächtnissprechstunden sind spezialisierte Einrichtungen zur Untersuchung von Gedächtnisstörungen. Hier findet eine differenzierte Diagnostik statt, die ambulante und teilstationäre Untersuchungen ermöglicht. Für die Untersuchung in einer Gedächtnissprechstunde ist eine Überweisung durch den Hausarzt oder Neurologen erforderlich.
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Beispiele für Gedächtnissprechstunden in Berlin
- Charité Universitätsmedizin Berlin, Campus Berlin Buch, Gedächtnissprechstunde und Zentrum für Demenzprävention
- Hedwig-Krankenhaus, Gedächtnissprechstunde
- Vivantes Krankenhaus Am Urban, Psychiatrische Institutsambulanz, Abteilung für Psychiatrie
- Joseph-Krankenhaus Weißensee, Zentrum für Seelische Gesundheit im Alter
Kognitive Tests zur Beurteilung der geistigen Fähigkeiten
Anhand verschiedener Tests kann der Arzt die derzeitige geistige Leistungsfähigkeit des Patienten beurteilen und damit den Schweregrad der Demenz einordnen.
Uhren-Test
Bereits das einfache Zeichnen einer Uhr lässt eine Beurteilung des geistigen Zustands des Patienten zu. Aufgrund der zunehmenden visuell-räumlichen Orientierungsprobleme im Verlauf der Krankheit können die Ziffern und Zeiger oft nicht mehr richtig in einem vorgegebenen Kreis angeordnet werden.
Mini-Mental-Status-Test (MMST)
Der MMST ist ein Fragebogentest, der verschiedene kognitive Fähigkeiten wie Orientierung, Merkfähigkeit, Aufmerksamkeit und Rechnen, Benennen, Nachsprechen, Schreiben, Befolgen von Instruktionen sowie Nachmalen einer geometrischen Zeichnung überprüft.
Demenz-Detektion (DemTect)
Dieser Spezialtest zur Früherkennung ist dem MMST überlegen und wird daher häufig vom Gerontopsychiater/Neurologen durchgeführt. Der DemTect-Test besteht aus fünf Aufgaben, die das Kurzzeitgedächtnis, das Langzeitgedächtnis, die Zahlenverarbeitung und die Sprachflüssigkeit prüfen.
ADL-Skalen
ADL-Skalen ("Activities of Daily Living") messen die Auswirkungen der Demenz auf die Alltagsfähigkeiten. Der Test misst, zu welchen Tätigkeiten des alltäglichen Lebens der Patient noch fähig ist.
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CERAD-Test
Bei CERAD handelt es sich um eine Sammlung verschiedener kognitiver Tests, mit denen einzelne Unterfunktionen der geistigen Leistungsfähigkeit genau geprüft werden können. Er wird nur von Spezialisten eingesetzt.
Der DemTect-Test im Detail
Der DemTect-Test ist ein systematisches Testverfahren, mit dem eine Reihe kognitiver Funktionen (z. B. Wahrnehmung, Lernen, Erinnerungsvermögen, Denkvermögen) untersucht wird. Er dient der Erkennung einer möglichen Demenz und ersetzt keine ausführliche medizinische und psychologische Untersuchung.
Durchführung des DemTect-Tests
Der DemTect-Test besteht aus fünf Aufgaben:
- Wortliste wiederholen: Der Patient muss eine Liste von 10 Wörtern wiederholen. Diese Aufgabe prüft das Kurzzeitgedächtnis.
- Zahlenwandelaufgabe: Der Patient muss zwei Ziffern in Zahlwörter und zwei Zahlwörter in Ziffern umsetzen.
- Supermarktaufgabe: Der Patient soll so viele Dinge wie möglich aufzählen, die es in einem Supermarkt gibt. Diese Aufgabe prüft die Flüssigkeit der Sprache.
- Zahlenreihen rückwärts wiederholen: Der Patient muss Zahlenreihen in umgekehrter Reihenfolge wiederholen.
- Wortliste erinnern: Am Ende des Tests muss der Patient die Wörter der ersten Wortliste wiedergeben. Diese Aufgabe prüft das Langzeitgedächtnis.
Auswertung des DemTect-Tests
Für jede richtige Antwort werden Punkte vergeben. Die Punkte werden anschließend in Testwerte umgewandelt und addiert. Die Anzahl der gewichteten Testwerte zeigt, ob eine kognitive Beeinträchtigung oder eine Demenz wahrscheinlich ist. Wenn die Punkte einen Verdacht auf eine Demenz ergeben, sollte ein Arzt aufgesucht und um eine professionelle Diagnose gebeten werden.
Bedeutung einer frühzeitigen Diagnose
Eine frühzeitige Diagnose einer Demenz ist aus verschiedenen Gründen wichtig:
- Heilbare Ursachen: Bei rechtzeitiger Intervention können heilbare Ursachen der Gedächtnisstörungen behandelt werden, was zu einem Rückgang oder Verschwinden der Symptome führen kann.
- Therapiebeginn: Bei einer nicht heilbaren Ursache, wie z.B. der Alzheimer-Krankheit, kann ein zügiger Therapiebeginn mit modernen Antidementiva am Beginn der Erkrankung den größten Effekt bewirken: eine zeitweilige Milderung der Symptome und Verlangsamung des Verlaufs.
- Lebensplanung: Eine Demenzerkrankung hat Auswirkungen auf die Lebensplanung. Eine frühzeitige Diagnose ermöglicht es den Betroffenen und ihren Angehörigen, Zukünftiges zu regeln und Vorkehrungen zu treffen.
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