Der Begriff "neuromuskuläre Erkrankung" umfasst eine Vielzahl unterschiedlicher Erkrankungsformen, die alle eine muskuläre Schwäche bzw. eine vorzeitige Ermüdbarkeit der Muskulatur gemeinsam haben. Mit dem Begriff der neuromuskulären Erkrankung ist nicht eine Erkrankung gemeint, sondern eine Vielzahl von Erkrankungen, die den Muskel, seine Nervenfasern sowie Signalübertragungsstörungen betreffen können. Als Folge kann ein Muskelschwund oder gar eine -lähmung entstehen. Neuromuskuläre Erkrankungen betreffen den Muskel und seine Nerven. Dies macht die Diagnostik und Behandlung der zudem seltenen Erkrankungen zu einer komplexen Aufgabe für jeden Neurologen. Unter dem Begriff der Neuromuskulären Erkrankungen werden alle Erkrankungen des Muskels (Myopathien), seiner Nervenfasern und Neuronen (Motoneuronen) sowie Störungen der Signalübertragung zusammengefasst. Neuromuskuläre Erkrankungen werden häufig verkürzt als Muskelerkrankungen bezeichnet. Die Ursachen und Symptome neuromuskulärer Erkrankungen sind vielfältig und bedürfen daher einer gründlichen Diagnostik. Eine Heilung ist nicht möglich, jedoch stehen im Therapieplan u. a. Maßnahmen zur Linderung und Kontrolle der Symptome.
Definition und Klassifikation
Neuromuskuläre Erkrankungen beeinträchtigen somit das Zusammenspiel zwischen dem Nervensystem und den Muskeln. Dabei können verschiedene Bereiche des neuromuskulären Systems betroffen sein, einschließlich der Nerven, die Muskeln steuern, Muskelfasern selbst oder neuromuskuläre Verbindungen zwischen Nerven und Muskeln. Neuromuskuläre Erkrankungen können zu Schwäche, Bewegungsproblemen und anderen Symptomen führen.
Neurologische Muskelerkrankungen können in drei verschiedene Formen unterteilt werden:
- Myopathien: Erkrankungen, die den Muskel selbst betreffen. Myopathien sind Erkrankungen der Muskeln, die zu einer Beeinträchtigung der Muskelfunktion führen. Sie betreffen in erster Linie die Muskelfasern selbst und können eine Vielzahl von Ursachen haben, darunter genetische Defekte, entzündliche Prozesse oder Stoffwechselstörungen. Myopathien können Muskeldystrophien, myotone Muskelerkrankungen oder auch Stoffwechselstörungen und Autoimmunerkrankungen sein.
- Neuromuskuläre Übertragungsstörungen: Erkrankungen, bei denen die Signalübertragung zwischen den Nervenzellen und den Muskelfasern beeinträchtigt ist. Diese Störungen treten an der neuromuskulären Synapse auf, also der Verbindungsstelle, an der Nervenimpulse von der motorischen Nervenzelle auf den Muskel übertragen werden, um eine Kontraktion auszulösen. Ein Beispiel für diese Form der neuromuskulären Erkrankung ist die Myasthenia gravis, eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem Antikörper gegen die Rezeptoren auf der Muskelmembran bildet.
- Neuropathien: Erkrankungen der Nervenfasern, betreffen das periphere Nervensystem, bei dem die Schädigung außerhalb des Rückenmarks oder des Gehirns auftritt. Neuropathien können sensorische, motorische oder autonome Funktionsstörungen hervorrufen und unterscheiden sich in diabetische, toxische, infektiöse und erblich bedingte Neuropathien. Ursächlich können ebenso Autoimmunerkrankungen sein. Eine genetisch bedingte Neuropathie ist eine spinale Muskelatrophie.
Ursachen neuromuskulärer Erkrankungen
Die Ursachen für neuromuskuläre Erkrankungen sind nicht oder nur teilweise bekannt. Bekannt ist, dass die Ursachen sehr vielfältig sein können. Die häufigsten Ursachen für Neuromuskuläre Erkrankungen sind:
- Autoimmunologisch (Antikörperbildung gegen körpereigene Strukturen)
- Genetische Veranlagung
- Infektion
- Rheumatisch (entzündliche Reaktionen des Bewegungsapparats)
- Paraneoplasie (Begleitsymptome einer Krebserkrankung)
Muskelerkrankungen sind zumeist genetisch bedingt. In Deutschland wird die Zahl der Menschen, die an einer erblichen Muskelerkrankung leiden, auf etwa 40.000 geschätzt. Zur Erkrankung kommt es, weil im Erbgut der betroffenen Person eine Mutation vorliegt, die zur Beeinträchtigung von Aufbau und Funktionalität der Muskelzellen sowie deren Versorgung über die Nerven führt. Mittlerweile sind mehr als 150 Krankheitsgene bekannt. Neuromuskuläre Erkrankungen können aber auch durch Stoffwechselerkrankungen, Autoimmunstörungen, Infektionen, Giftstoffe, Minderdurchblutungen (Ischämien) oder Traumata bedingt sein. Häufige erworbene Muskelerkrankungen sind zudem medikamenten- und alkoholbedingte Myopathien (= funktionelle oder strukturelle Muskelbeeinträchtigung).
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Neuromuskuläre Erkrankungen können durch eine Vielzahl von Ursachen ausgelöst werden. Häufig spielen genetische Veränderungen oder Mutationen eine Rolle, die die Funktion von Nerven und Muskeln dauerhaft beeinträchtigen. Andere Formen sind autoimmun bedingt, das heißt, das Immunsystem richtet sich fälschlicherweise gegen körpereigene Strukturen. Auch Infektionen oder entzündliche Prozesse können Auslöser einer neuromuskulären Erkrankung sein. Darüber hinaus kommen Umwelteinflüsse oder Schädigungen des Nervensystems infrage. Genetisch bedingte Formen können von den Eltern an die Kinder weitergegeben werden und zeigen sich oft schon früh. Andere entstehen durch Infektionen, Entzündungen oder verschiedene äußere Faktoren und können ebenfalls bereits im Kindesalter beginnen. So treten Muskeldystrophien häufig schon in Kindheit oder Jugend auf, während Erkrankungen wie die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) meist erst im Erwachsenenalter sichtbar werden. Das genaue Erkrankungsalter hängt also stark von der jeweiligen Form ab. Manche erblichen neuromuskulären Erkrankungen können sich zudem in unterschiedlichen Lebensphasen manifestieren. Den neuromuskulären Erkrankungen liegt eine Schädigung des Nerven, der neuromuskulären Übertragung oder des Muskels zugrunde.
Genetische Ursachen
Bei genetisch bedingten Muskelerkrankungen ist die Feststellung der zugrundeliegenden Genmutation Goldstandard. Anhand der festgestellten Mutation kann unser Neurologe genau bestimmen, welche Muskelerkrankung vorliegt. Es gibt viele erbliche Myopathien, diese treten häufig bei jüngeren Patienten auf und weitere Familienmitglieder sind betroffen. Diese Patienten sollten in Rücksprache mit ihrem Neurologen genetisch getestet werden und sich in einer Spezialsprechstunde für Neuromuskuläre Erkrankungen vorstellen.
Erworbene Ursachen
Neuromuskuläre Erkrankungen können angeboren sein oder erworben werden. Dazu zählen Autoimmunprozesse, Entzündungen oder Stoffwechselstörungen, Traumata sowie funktionelle oder strukturelle Muskelbeeinträchtigungen aufgrund von Medikamenten oder Alkohol. Bei erworbenen Erkrankungen sollte die verursachende Erkrankung spezifisch therapiert werden wie z.B. der Diabetes mellitus bei einer diabetisch-bedingten Polyneuropathie. Bei den autoimmun entzündlichen Erkrankungen kommen sogenannte Immunsuppressiva zum Einsatz.
Symptome neuromuskulärer Erkrankungen
Die Symptome neuromuskulärer Erkrankungen können ganz unterschiedlich sein. Ausprägung der Erkrankung sowie betroffene Struktur sind Faktoren, die die Symptome beeinflussen können. Zu den typischen Symptomen gehören:
- Muskelschmerzen und -krämpfe
- Erhöhte Ermüdbarkeit der Muskulatur
- Muskelschwund
- Kraft- und Funktionsverlust
- Missempfindungen und Taubheitsgefühl an den Armen/Beinen
- Verfärbungen des Urins nach körperlicher Belastung
- Muskelschwäche
- Gewichtsverlust
- Schluckstörung
- Sprechstörung
- Reduzierte Leistungsfähigkeit
- Feinmotorikstörung
- Gangunsicherheit
- Gesichts- und Augenmuskellähmungen
Aufgrund der sehr verschiedenen Ursachen und Formen sieht das Krankheitsbild bei Neuromuskulären Erkrankungen sehr unterschiedlich aus. Muskelschwäche ist allerdings das typische Leitsymptom aller Varianten und ist anhand einer schnellen Ermüdbarkeit der Muskeln erkennbar. Sie kann sich je nach individueller Erkrankung isoliert zeigen oder auch in Kombination mit anderen Beschwerden wie Muskelschmerzen oder Muskelschwund (Muskelatrophie) auftreten. Zudem zeigen Muskelerkrankungen Symptome in für die jeweils vorliegende Krankheitsvariante sehr charakteristischen Körperregionen, was unserem Spezialisten eine erste Eingrenzung erlaubt. Charakteristische Symptome einer Myopathie sind die muskuläre Schwäche ohne und nach Belastung sowie Muskelschwund. Dazu bestehen häufig weitere Symptome. Eine Muskelerkrankung (Myopathie) zeichnet sich durch das Auftreten von muskulärer Schwäche und Muskelschwund aus. Beide können dauerhaft oder nur vorübergehend sein. Die Schwäche kann zum Beispiel das Gehen betreffen und zeigt sich in einem hinkenden Gangbild. Häufig ist auch zu beobachten, dass die Arme nicht mehr über den Kopf angehoben werden können. Die reduzierte Kraft kann sich auch als Störung der Fingerfertigkeit oder der Fußheberkontrolle präsentieren. Erschwerend kann im Verlauf der Muskelschwund lokal oder generalisiert auftreten.
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Je nach Erkrankungsform treten verschiedene Symptome auf, die von Muskelschwäche, Muskelschwund und Schmerzen bis hin zu Beeinträchtigungen von Herz und Atmung reichen können.
Auswirkungen auf Muskeln und Körper
Abnahme von Kraft, Ausdauer und Muskelmasse sowie Veränderungen der Muskulatur können zu Einschränkungen der Gehfähigkeit und anderer wichtiger Funktionen führen. Dies kann erhebliche Auswirkungen auf Alltagsbewältigung, Teilhabe am sozialen Leben und damit die Lebensqualität haben.
Herz- und Atemprobleme
Je nach Art der neuromuskulären Erkrankung muss auch auf eine mögliche Beteiligung der Herz- und/oder Atemmuskulatur geachtet werden. Dies kann den Verlauf der Erkrankung zusätzlich beeinflussen und erfordert eine besondere medizinische Überwachung. Ist beispielsweise die Atemmuskulatur (Muskeln von Brustwand, Zwerchfell und Bauch) geschwächt, kann es zu Atemproblemen kommen. Das Ausmaß hängt dabei von der jeweils vorliegenden Erkrankung selbst sowie deren Verlauf ab. Mit Erkrankungsfortschreiten kann sich eine Ateminsuffizienz entwickeln, die eine künstliche Beatmung erforderlich werden lässt. Daneben ist häufig auch der Herzmuskel betroffen. Bei einigen Funktionsstörungen kann der Einsatz eines Herzschrittmachers erforderlich werden. Bei Muskelerkrankungen werden daher in regelmäßigen Abständen kardiologische und respiratorische Untersuchungen durchgeführt, um frühzeitig eine Beteiligung von Lunge und Herz festzustellen und zu behandeln.
Schmerzen und Krämpfe
Durch die neuromuskuläre Erkrankung selbst oder durch ihre Folgen, wie Skoliosen oder Gelenkdeformitäten, kann es zu Schmerzen und Krämpfen kommen, die die Belastung für die Betroffenen zusätzlich erhöhen.
Diagnose neuromuskulärer Erkrankungen
Die Diagnosestellung ist nur in spezialisierten Zentren möglich. Die Diagnose Neuromuskulärer Erkrankungen ist aufgrund der sehr unterschiedlichen Ursachen und Krankheitsbilder eine Herausforderung und erfolgt bei uns im Fachbereich der Neurologie und Psychiatrie in Berlin auf der Grundlage verschiedener Untersuchungen:
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- Basisuntersuchung (Anamnese)
- Muskelerkrankungen und Blutwerte: Labordiagnostik
- Muskelerkrankungen Diagnose: Elektrophysiologie
- Muskelerkrankungen Diagnose: Bildgebende Verfahren
- Muskelerkrankungen Diagnose: Muskelbiopsie
- Muskelerkrankungen Diagnose: Molekulargenetische Untersuchungen
Grundlage der Diagnostik sind eine gründliche Anamneseerhebung und körperliche Untersuchung, die häufig schon eine Verdachtsdiagnose ergeben. Zur weiteren Abklärung kommen je nach Krankheitsbild ein MRT oder CT zum Einsatz. Eine Nervenwasseruntersuchung zum Ausschluss einer entzündlichen Ursache sowie verschiedene elektrophysiologische Untersuchungen, wie z. B. eine Elektroneurographie, motorisch-evozierte Potentiale oder eine Elektromyographie können ebenfalls zur Anwendung kommen. In Einzelfällen können auch eine genetische Testung, Muskelprobenentnahmen oder eine Echokardiographie notwendig sein. Medikamente zu diagnostischen Zwecken stehen bei der Myasthenie zur Verfügung. Die klinische Untersuchung und eine sorgfältige Eigen- und Familienanamnese durch einen auf dem Gebiet der neuromuskulären Erkrankungen versierten Kinderneurologen oder Neurologen können häufig bereits den Weg zur richtigen Diagnose weisen. Anhand der klinischen Untersuchung kann dann auch die weitere, oft komplexe Diagnostik geplant werden. Besonders wichtig ist die möglichst frühzeitige Erkennung bzw. der Ausschluss kausal behandelbarer Erkrankungen. Hierzu gehören derzeit der Morbus Pompe und die Spinale Muskelatrophie.
Zur grundlegenden Diagnostik gehört eine dezidierte Anamnese inkl. Familienanamnese sowie eine klinisch-neurologische Untersuchung mit Erhebung der einzelnen Kraftgrade und mit Verwendung krankheitsspezifischer Skalen und Fragebögen. Daneben gibt es verschiedene spezielle diagnostische Methoden, die in der Diagnosestellung zu einer näheren Eingrenzung des Krankheitsbildes sowie zur Indikationsstellung für weitere spezifische Maßnahmen wie der Muskelbiopsie und der Molekulargenetik beitragen können.
Anamnese
Im Rahmen eines Patientengesprächs erhebt unser Neurologe Ihre Krankengeschichte. Er wird nach dem Manifestationsalter (Wann zeigten sich die ersten Beschwerden?) sowie der Lokalisation und den Verlauf der Muskelschwäche fragen. Auch weitere Begleitbeschwerden und die familiäre Vorgeschichte werden hier abgefragt. Hierbei interessieren unseren Facharzt die Antworten auf folgende Fragen:
- Wie ist die Muskelschwäche verteilt bzw. in welchen Körperregionen tritt sie auf?
- Wie sieht der zeitliche Verlauf der Erkrankung aus? Tritt sie beispielweise kontinuierlich, episodisch oder ausschließlich unter Belastung auf?
- Welche Begleitbeschwerden (Muskelschmerzen, -krämpfe) treten auf?
Anschließend findet die neurologische Untersuchung statt. Bei dieser bewertet unser Facharzt den neurologischen Status der zentralen und peripheren Nervenbahnen systematisch von Kopf abwärts. Anhand der Ergebnisse wird anschließend eine zielgerichtete Zusatzdiagnostik durchgeführt.
Labordiagnostik
Liegt ein Verdacht auf eine Neuromuskuläre Erkrankung vor, werden verschiedene Muskelparameter labordiagnostisch bestimmt. Ein wichtiger Parameter für Neuromuskuläre Erkrankungen ist insbesondere die Konzentration des Muskelenzyms Creatinkinase (CR-Wert). Bei einer Muskelerkrankung ist der CR-Wert in aller Regel erhöht (über 1.000 U/l). Daneben bestimmt unser Neurologe bei Muskelerkrankungen weitere Blutwerte wie das C-reaktive Protein (CRP) zur Feststellung von Entzündungen, die Elektrolyte und den basalen TSH-Wert. Die Bestimmung dieser Parameter erlaubt gemeinsam mit dem CR-Wert eine erste Einschätzung darüber, ob eine akut behandlungsbedürftige Muskelerkrankung vorliegt. Die laborchemische Diagnostik sollte neben den Routineparametern wie das kleine Blutbildbild, die Leber-, Nieren-, Schilddrüsenwerte und Elektrolyte insbesondere die Bestimmung der Kreatinkinase (CK) beinhalten. Im Einzelfall können metabolische Funktionstests für Myopathien oder eine erweiterte Labordiagnostik für metabolische, rheumatologische, infektiöse und tumoröse sowie hämatologische Erkrankung bei Polyneuropathien notwendig sein. Für autoimmun bedingte neuromuskuläre Erkrankungen stehen spezielle Autoantikörpertests zur Verfügung.
Elektrophysiologie
Zur weiteren Prüfung der Funktion von Muskulatur und Nervensystem sowie zur Abklärung der jeweils vorliegenden Muskelerkrankung kann unser Spezialist in Berlin zusätzlich elektrophysiologische Untersuchungen wie eine Elektromyographie (EMG) und Neurographie (ENG) durchführen. Bei der EMG sticht der Arzt eine hauchdünne Nadel in den Muskel, um die Aktivität der Muskelfasern zu messen und am Computer zu analysieren. Bei der ENG werden die Nerven an mehreren Stellen mithilfe von elektrischen Schlägen gereizt, um die Leitgeschwindigkeit zu messen. Zusätzlich kann die elektrophysiologische Diagnostik helfen, zwischen einer Nerven-, Muskelbeteiligung oder einer neuromuskulären Übertragungsstörung zu unterscheiden. In unserer Klinik stehen alle Möglichkeiten zur Diagnose einer neuromuskulären Erkrankung zur Verfügung. Hierzu zählen neben speziellen Laboruntersuchungen insbesondere eine detaillierte elektrophysiologische Untersuchung: Elektroneurographie (ENG) einschließlich repetitiver Stimulation, Elektromyographie (EMG), Evozierte Potentiale (EP); die Nervenwasseruntersuchung und die Möglichkeit zur Nerven- und Muskelbiopsie.
Bildgebende Verfahren
Bildgebende Verfahren wie MRT und Ultraschall erlauben Rückschlüsse auf Veränderungen an der Muskulatur. Die Verfahren visualisieren das Schädigungsmuster (Muskelschwund, Veränderungen im Signalverhalten) der untersuchten Muskelgruppe. Da viele Muskelerkrankungen ein charakteristisches Schädigungsmuster aufweisen, kann unser Spezialist anhand dessen die vorliegende Erkrankung differenzialdiagnostisch eingrenzen. Morphologisch können die Muskeln und Nerven über bildgebende Verfahren wie das MRT oder den Ultraschall abgebildet werden.
Muskelbiopsie
Bei einer Reihe von Muskelerkrankungen muss unser Experte zur genauen Diagnosestellung eine Muskelbiospie durchführen. Hierzu entnimmt er Muskelgewebe, das anschließend aufgearbeitet und untersucht wird. Blutentnahme / Labordiagnostik: z.B. Nerven- und Muskelbiopsie (über Fr. PD Dr. Schänzer aus dem Institut für Neuropathologie, Leiter Prof.
Molekulargenetische Untersuchungen
Bei genetisch bedingten Muskelerkrankungen ist die Feststellung der zugrundeliegenden Genmutation Goldstandard. Anhand der festgestellten Mutation kann unser Neurologe genau bestimmen, welche Muskelerkrankung vorliegt. Gezielte Einzelgenanalyse (z.B. Paneldiagnostik (parallele Analyse von mehreren Genen (z.B.
Behandlung neuromuskulärer Erkrankungen
Aufgrund der Vielzahl an neuromuskulären Erkrankungen sowie Ursachen gibt es verschiedene Therapiemaßnahmen. Diese reichen von medikamentös bis hin zu unterstützenden Maßnahmen, denn gerade angeborene Muskelerkrankungen sind in der Regel nicht heilbar oder können mit Medikamenten behandelt werden. Ziel ist es, die Betroffenen in ihrer Beweglichkeit sowie Selbstständigkeit zu unterstützen. Dazu können Maßnahmen aus den Bereichen Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und auch Psychologie ratsam sein. Die Ursache der Erkrankung bestimmt die weitere Behandlung. Bei genetischer Grundlage ist eine Therapie jedoch selten möglich. Das Ziel der Behandlung ist eine Kontrolle der Symptome sowie eine Verlangsamung bzw. ein Anhalten des Voranschreitens. Bei autoimmuner Ursache (Myasthenia gravis) wird eine immunsuppressive Behandlung eingeleitet, bei anderen wird mit Kortison oder Immunglobulinen therapiert. Zudem sind Physiotherapie und eine adäquate Hilfsmittelversorgung bei der Behandlung vieler Erkrankungen von großer Bedeutung.
Die Behandlung sollte aufgrund der sehr unterschiedlichen Symptomatik immer durch ein interdisziplinäres Team wie beispielsweise bei uns in der Meoclinic in Berlin erfolgen. Muskelerkrankungen sind bislang nicht heilbar. Auch medikamentöse Therapieoptionen existieren für die meisten Erkrankungsformen nicht. Daher konzentriert sich die Behandlung vorrangig auf unterstützende Maßnahmen wie beispielweise Krankengymnastik, Ergotherapie, Logopädie und Psychologie, die auf den Erhalt der Beweglichkeit und Selbstversorgung abzielen. Die Fortschritte in der Genetik haben eine genaue Identifizierung der auslösenden Mutation und damit neue Therapiemöglichkeiten im Sinne einer Erbgut-Reparatur oder Stammzelltherapie ermöglicht. Auch medikamentöse Behandlungsformen sind in der Entwicklung. Diese Therapieansätze werden allerdings noch erforscht. Für einige Muskelerkrankungen sind aber bereits vereinzelte Behandlungsmöglichkeiten vorhanden. Der Grundpfeiler in der Behandlung der neuromuskulären Behandlung ist eine möglichst schnelle und präzise Diagnostik. Je nach der Ursache der neuromuskulären Erkrankung stehen spezifische Therapien zur Verfügung.
Eine Myopathie kann nicht-medikamentös und medikamentös behandelt werden. Die Therapie wird durch einen erfahrenen Neurologen individuell auf die Patientenbedürfnisse ausgerichtet. Es existieren verschiedene Medikamente für erworbene und auch bereits für einige erbliche Myopathien. Für viele Formen einer Myopathie gibt es noch keine Heilung. Je nach Form der Erkrankung gibt es aber medikamentöse Therapieoptionen für die individuellen Beschwerden des Patienten.
Rehabilitative Maßnahmen
Die Maßnahmen zielen darauf ab, dass Betroffene mit einer neuromuskulären Erkrankung ihren Alltag besser bewältigen können und in Familie, Freundeskreis und Beruf möglichst gut integriert bleiben.
- Ergotherapie: Funktionen und Fähigkeiten, insbesondere der oberen Extremitäten, können mithilfe von Ergotherapie verbessert oder erhalten werden. Auch die Hilfsmittelversorgung erfolgt in der Regel in unserer Klinik.
- Logopädie: Die Logopädie ist in das Behandlungskonzept integriert, um die Sprache, das Sprechen und die Stimme zu verbessern. Das Gleiche gilt für Atmung und Abhusten. Eine weitere Domäne der Logopädie ist das Schlucken.
- Psychotherapie: In einigen Fällen ist auch eine psychologische Behandlung erforderlich. Diese kann in Einzel- oder Gruppentherapien zu einem konstruktiveren Umgang mit der Erkrankung beitragen.
- Sporttherapie: Leichtes bis moderates Kraft- und Ausdauertraining wirkt sich bei neuromuskulären Erkrankungen in der Regel positiv aus und wird meist gut vertragen.
Wichtigkeit der interdisziplinären Betreuung
Besonders wichtig ist die möglichst frühzeitige Erkennung bzw. der Ausschluss kausal behandelbarer Erkrankungen. Hierzu gehören derzeit der Morbus Pompe und die Spinale Muskelatrophie. Folgende Untersuchungsmethoden können zum Einsatz kommen und werden auch im ZSEGI durchgeführt bzw. Physiotherapeutischer Status: Durchführung spezieller, für einzelne Erkrankungen sinnvoller Tests (z.B. Alberta Infant Motor Scale bei M. Kardiale Diagnostik (über das Kinderherzzentrum Gießen, Leiter Prof. Lungenfunktionsdiagnostik (über die hiesige Kinderpulmonologie, Leiter PD Dr.
Neuromuskuläre Erkrankungen bei Kindern
Erste Erkrankungsanzeichen können sich bereits bei Kindern und Säuglingen zeigen. Die Beschwerden können dabei auch in diesem frühen Alter schon stark ausgeprägt sein. Muskelerkrankungen können zu einer verzögerten motorischen Entwicklung bis hin zur Rollstuhlpflichtigkeit führen. Daher ängstigen Neuromuskuläre Erkrankungen Kinder und Eltern oftmals. Unsere Experten betreuen das gesamte Spektrum kindlicher neuromuskulärer Krankheiten und stehen Ihnen gern zur Seite.
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