Neuromuskuläre Bewegungsstörungen des Unterkiefers umfassen eine Vielzahl von Problemen, die von leichten Beschwerden bis hin zu chronischen Schmerzen und Bewegungseinschränkungen reichen können. Diese Störungen können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und erfordern oft eine umfassende diagnostische und therapeutische Herangehensweise.
Was sind neuromuskuläre Bewegungsstörungen?
Der Begriff "Bewegungsstörungen" bezieht sich auf neurologische Erkrankungen, die mit einem Zuviel (hyperkinetisch, z.B. Zittern) oder zu Wenig (hypokinetisch, z.B. Verlangsamung) an Bewegung einhergehen. Daraus resultieren krankhafte Veränderungen der Koordination und Ausführung von Körperbewegungen. Diese Störungen können verschiedene Ursachen haben und sich auf unterschiedliche Weise manifestieren. Im Bereich des Unterkiefers äußern sie sich häufig als Probleme beim Kauen, Sprechen oder Schlucken.
Ursachen neuromuskulärer Bewegungsstörungen des Unterkiefers
Die Ursachen für neuromuskuläre Bewegungsstörungen des Unterkiefers sind vielfältig. Oft liegt den Erkrankungen eine Störung der so genannten Basalganglien (Nervenkerne tief im Gehirn) zugrunde. Diese sind u.a. für die Automatisierung und Präzision der Willkürbewegungen verantwortlich. Bewegungsstörungen sind häufig durch sogenannte neurodegenerative Erkrankungen verursacht, können aber auch durch Stoffwechselstörungen, Verletzungen oder genetische Veränderungen hervorgerufen werden. Zu den häufigsten Ursachen gehören:
- Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD): CMD bezeichnet Störungen im Bewegungsmuster des Unterkiefers bzw. des Kiefergelenks. Als Ursachen für eine craniomandibuläre Dysfunktion gelten neben Stress auch Zahn- und Kieferfehlstellungen. CMD kann eine Vielzahl von Symptomen verursachen, darunter Schmerzen im Kiefergelenk, Kopfschmerzen, Ohrenschmerzen und Bewegungseinschränkungen.
- Stressbedingtes Zähneknirschen: Stressbedingtes Zähneknirschen mit Hyperaktivität der Kaumuskulatur und daraus resultierenden Fehlstellung/Verschiebung des Unterkiefers.
- Muskelverkürzungen: Muskelverkürzungen können ebenfalls zu Fehlstellungen und Bewegungseinschränkungen im Kiefergelenk führen.
- Strukturstörungen im Kiefergelenk: Strukturstörungen im Kiefergelenk: z.B. Überdehnung der Gelenkkapsel, Diskusverlagerung, degenerative und entzündliche Prozesse am Kiefergelenk.
- Bewegungsstörungen in der Wirbelsäule: Bewegungsstörungen in der Wirbelsäule, insbesondere der HalswirbelsäuleHaltungsfehler
- Neurologische Erkrankungen: Verschiedene neurologische Erkrankungen können neuromuskuläre Bewegungsstörungen verursachen. Dazu gehören beispielsweise die Parkinson-Krankheit, Dystonie, Chorea und Tics.
- Genetische Faktoren: Genetische Faktoren können eine Rolle bei der Entstehung bestimmter neuromuskulärer Bewegungsstörungen spielen.
- Stoffwechselerkrankungen: Stoffwechselerkrankungen können in einigen Fällen ebenfalls zu neuromuskulären Problemen führen.
- Hirnverletzungen: Hirnverletzungen können die Nervenbahnen schädigen, die für die Steuerung der Kiefermuskulatur verantwortlich sind.
- Medikamente: Bestimmte Medikamente können als Nebenwirkung Bewegungsstörungen verursachen.
- Funktionelle neuromuskuläre Zahnmedizin: Ein falscher Biss bringt Fehlbelastung in die Kiefer- und Kopfgelenke, es kann zu Druck in der Kau- und Nackenmuskulatur kommen und somit auch zu Druck auf Nerven. Gequetschte, blockierte oder gereizte Nerven und andere Strukturen in den Kiefer- und Kopfgelenken und in der HWS werden entlastet und können wieder besser funktionieren. Bewegungsstörungen wie Schiefhals, Tourette, Parkinson u.a. können hiervon profitieren, Nerven, die z.B. Tics und Tremor verursachen, werden durch Entlastung nicht mehr stimuliert, Bewegungseinschränkungen der HWS werden beseitigt.
- Fehlstellung der Kiefer: Die Zahnstellung und die Kiefergelenkstellung hängen eng mit der Kopfhaltung zusammen. Auch die Position der Halswirbelsäule und des Schultergürtels wird maßgeblich durch die Stellung der Zähne, der Kiefer und folglich auch der Kiefergelenke beeinflusst. Eine Fehlstellung der Kiefer zueinander (Rück-, Vor-, Kreuz-, Tiefbiss) liegt oft einseitig vor. Es gibt auch Vor- und Rückneigungen und Kombinationen durch Fehlbissstellungen. Durch diese Fehlhaltungen können nervliche Strukturen der Schädelbasis und Hirnnerven mechanisch belastet werden.
Symptome neuromuskulärer Bewegungsstörungen des Unterkiefers
Die Symptome neuromuskulärer Bewegungsstörungen des Unterkiefers können vielfältig sein und hängen von der zugrunde liegenden Ursache ab. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Schmerzen: Schmerzen im Kiefergelenk, in der Kaumuskulatur, im Gesicht, im Nacken oder in den Ohren.
- Bewegungseinschränkungen: Schwierigkeiten beim Öffnen oder Schließen des Mundes, eingeschränkte Seitwärtsbewegungen des Unterkiefers.
- Geräusche: Knacken, Reiben oder Knirschen im Kiefergelenk beim Bewegen des Kiefers.
- Kopfschmerzen: Spannungskopfschmerzen oder Migräne.
- Zahnschmerzen: Zahnschmerzen oder Empfindlichkeit der Zähne.
- Tinnitus: Ohrgeräusche.
- Gleichgewichtsstörungen: Schwindel oder Gleichgewichtsprobleme.
- Unwillkürliche Bewegungen: Zittern, Zuckungen oder unkontrollierte Bewegungen der Kiefermuskulatur.
- Schluckbeschwerden: Schwierigkeiten beim Schlucken von Nahrung oder Flüssigkeiten.
- Sprachstörungen: Schwierigkeiten beim Sprechen oder undeutliche Aussprache.
Diagnostik neuromuskulärer Bewegungsstörungen des Unterkiefers
Die Diagnose neuromuskulärer Bewegungsstörungen des Unterkiefers erfordert eine sorgfältige Anamnese und klinische Untersuchung. Der Arzt wird sich nach den Symptomen, der Krankheitsgeschichte und möglichen Risikofaktoren erkundigen. Die klinische Untersuchung umfasst die Beurteilung der Kieferbeweglichkeit, der Kaumuskulatur, der Zähne und des Kiefergelenks.
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Zur Sicherung, Differenzierung und Ursachenfindung dieser Globaldiagnose CMD wird eine weitere Untersuchung, die sogenannte klinische Funktionsanalyse, notwendig. Hier wird der Umfang der Funktionsstörung und die Schmerz auslösenden Strukturen erfasst, sowie Fehlstellungen der Kiefer und der Zähne analysiert.
Zusätzlich können weitere diagnostische Maßnahmen erforderlich sein, wie zum Beispiel:
- CMD Screeningtest: Hier wird auf das Vorliegen einiger typischer Merkmale von Funktionsstörungen wie z.B. Verspannungen bestimmter Muskeln, Bewegungsstörungen des Kiefers oder der Kiefergelenke, oder eines Fehlbisses usw.
- Instrumentelle Funktionsanalyse: Hierbei handelt es sich um ein wissenschaftlich anerkanntes Untersuchungsverfahren, mit welchem zunächst dass Kausystem mittels spezieller Instrumente messtechnisch erfasst wird um anschließend in einem Kausimmulator übertragen werden zu können.
- Bildgebende Verfahren: Röntgenaufnahmen, Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) können eingesetzt werden, um die Strukturen des Kiefergelenks und der umliegenden Gewebe darzustellen.
- Elektrophysiologische Untersuchungen: Elektromyographie (EMG) kann die elektrische Aktivität der Kiefermuskulatur messen und Aufschluss über mögliche neuromuskuläre Störungen geben.
- Neurologische Untersuchung: Bei Verdacht auf eine neurologische Ursache der Bewegungsstörung kann eine neurologische Untersuchung erforderlich sein.
- Laboruntersuchungen: In einigen Fällen können Laboruntersuchungen durchgeführt werden, um Stoffwechselerkrankungen oder andere systemische Ursachen auszuschließen.
Therapie neuromuskulärer Bewegungsstörungen des Unterkiefers
Die Therapie neuromuskulärer Bewegungsstörungen des Unterkiefers richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache und den individuellen Symptomen des Patienten. Es gibt verschiedene Behandlungsansätze, die einzeln oder in Kombination eingesetzt werden können:
- Physiotherapie: Physiotherapeutische Maßnahmen können helfen, die Muskulatur zu entspannen, die Kieferbeweglichkeit zu verbessern und Schmerzen zu lindern.
- Manuelle Therapie: Die sogenannte Manuelle Therapie dient zur Behandlung von Gelenken, Nerven, Muskeln. Bei bestimmten Bewegungseinschränkungen bietet die Manuelle Therapie definierte Traktionstechniken (Zugtechniken) zur Schmerzlinderung oder Remobilisierung an, es wird hauptsächlich mit kleinen Bewegungen an einem Gelenk behandelt.
- Kiefergelenksbehandlung / CMD: Eine verspannte Nackenmuskulatur, Knacken im Kiefergelenk, Schmerzen beim Kauen. Das sind nur einige der Symptome, die auf eine Fehlstellung der Kiefer zueinander hindeuten können. Aber auch einseitige Gesichtsschmerzen, häufige Kopfschmerzen, Gleichgewichtsstörungen, Sehstörungen, Ohrgeräusche (Tinnitus) und sogar Rückenschmerzen sind mögliche Anzeichen. Bei der initialen Behandlung craniomandibulärer Dysfunktionen können physiotherapeutische Maßnahmen hervorragende Hilfe leisten. In Zusammenarbeit mit dem Therapeuten können besonders akute, schmerzhafte Erkrankungen der Kaumuskulatur und/oder des Kiefergelenkes erfolgreich behandelt und Übungen, z.B.
- FOI: Man geht in der FOI davon aus, dass der Körper auf ein Problem / Schmerzen mit einem gewissen Kompensationsmuster reagiert. Der FOI-Therapeut erkennt diese Muster und kann in sogenannten Ketten arbeiten.
- KG-ZNS: KG-ZNS wird eingesetzt zur Behandlung von Störungen des zentralen Nervensystems, z.B.
- Bobath-Konzept: Das Bobath-Konzept eignet sich für Patienten mit Erkrankungen des zentralen Nervensystems, zentralen Bewegungsstörungen, sensomotorischen Störungen und muskulären Erkrankungen. Alltägliche Bewegungsabläufe werden angebahnt, damit das Gehirn diese neu speichert bzw.
- Kinder- und Säuglingstherapie (Vojta/Bobath): Die Vojta-Therapie ist eine physiotherapeutische Behandlungsmethode, die auch für die Therapie von Säuglingen und Kindern mit Störungen des zentralen Nervensystems und des Haltungs- und Bewegungsapparates sehr geeignet ist. Das Bobath-Konzept ist ebenfalls eine ideale Behandlungsform in der Therapie und Pflege von Säuglingen und Kindern mit Erkrankung des zentralen Nervensystems oder zur Behandlung von kleinen Patienten mit zentralen Bewegungsstörungen, sensomotorischen Störungen und muskulären Erkrankungen. Alltägliche Bewegungsabläufe werden angebahnt, damit das Gehirn die Möglichkeit bekommt, diese neu zu speichern bzw.
- Lymphdrainage: Das Lymphsystem hat die Aufgabe, Flüssigkeiten im Gewebe abzutransportieren und zu filtern. Störungen dieser Funktion führen zu einer Ansammlung der Gewebeflüssigkeit, die nach außen durch Schwellungen sichtbar wird. Die Manuelle Lymphdrainage wird von speziell ausgebildeten Physiotherapeuten eingesetzt. Spezielle Handgriffe verschieben durch rhythmische, kreisende und pumpende Bewegungen der flachen Hände mit sehr geringem Druck die Flüssigkeit in Richtung Hals. Teilweise wird über die Atmung und Anregung entfernt liegender Lymphknoten eine Sogwirkung erzielt, die den Abtransport unterstützt.
- Klassische Massage: Als vorbeugende und behandelnde Maßnahme gegen Verspannungen und Verhärtungen der Muskulatur sorgt die klassische Massage für nachhaltige Entspannung und vollkommenes Wohlbefinden.
- Triggerpunkt-Therapie: Die Triggerpunkttherapie ist eine Behandlung von Myofascialen Schmerzsyndromen. Myo steht für Muskulatur und Fascial für das Bindegewebe. Gesunde Muskulatur spannt sich an und entspannt sich wieder. Triggerpunkte sind Muskelverhärtungen, also Knötchen im Muskelstrang, die oft nur einen Durchmesser von etwa 1 mm aufweisen. Diese verhärteten Punkte in der Muskulatur, die meist sehr schmerzhaft sind und nicht selten auch ausstrahlende Schmerzen verursachen können, werden durch Druck gelöst und die Hülle um den Muskel (das Bindegewebe) wird mobilisiert. Selbst sehr lange bestehende Schmerzen können durch das „Triggern“ gelindert oder beseitigt werden.
- Schroth-Therapie: Skoliose-Therapie nach Katharina Schroth ist eine spezielle physiotherapeutische Behandlungsmethode zur Wirbelsäulenkorrektur.
- Sportphysiotherapie: Die Sportphysiotherapie ist ein eigenständiger Bereich innerhalb der Physiotherapie. Zielgruppe dieser Therapieform sind aktive Sportler während der Aufbauphase, des Trainings oder in der Rehabilitation nach Verletzungen oder Operationen. Sie beinhaltet ggf. die Wettkampfvorbereitung und die vorbeugende Behandlung, wenn beispielsweise Schwächen an Muskeln oder Bändern vorliegen.
- Krankengymnastik am Gerät / KGG: Die Krankengymnastik am Gerät ist eine individuelle medizinische Trainingstherapie. Sie können mit Hilfe der gerätegestützten Krankengymnastik Ihre Muskulatur aufbauen und Ihren Körper ins Gleichgewicht bringen. Außerdem ergänzt die Krankengymnastik am Gerät als medizinische Trainingstherapie die Einzeltherapie (z. B. Die Krankengymnastik am Gerät wird individuell nach Ihren Bedürfnissen entweder als Aufbautraining oder als Therapie eingesetzt. Nach einer detaillierten Befunderhebung erstellt Ihr Therapeut einen Trainingsplan.
- Craniosakrale Therapie: Vielfältige Störungen und Verletzungen beeinträchtigen im Laufe unseres Lebens unser inneres Gleichgewicht und unsere Gesundheit. Aus der Osteopathie heraus hat sich die Craniosacrale Therapie entwickelt. Auf manueller und energetischer Ebene behandelt sie die Beweglichkeit der Schädelknochen und den Fließrhythmus der Hirn- und Rückenmarksflüssigkeit. Kaum wahrnehmbare, feine Handbewegungen vom Kopf bis zu den Füßen bringen Körper und Seele in Einklang.
- Kinesiotaping: Die Grundlagen des Tapings wurden in den siebziger Jahren in Japan und Korea gelegt. Bewegung und Muskelaktivität sind wichtig für die Erhaltung der Gesundheit und deren Wiederherstellung. Auf Basis dieses Grundgedankens wurden elastische Tapes entwickelt, die die Muskeln in Ihrer Funktionalität unterstützen, ohne die Bewegung einzuschränken. Der „liftende“ Effekt des Tapes auf der Haut führt zu einer Druckverminderung im verletzten Muskelgewebe.
- Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training oder Yoga können helfen, Stress abzubauen und die Muskelspannung zu reduzieren.
- Aufbissschienen: Ein sehr wirkungsvolles Behandlungsmittel, sowohl zur Vorbeugung, aber auch zur Behandlung von akuten oder chronischen Funktionsstörungen, sind sog. Aufbissschienen. Neben dem Schutz bzw. Entlastung der Zähne vor weiterer Abnutzung kann eine Schiene als einfacher Aufbissbehelf gestaltet sein. Weitaus komplexer und Aufwendiger sind Relaxationsschienen. Diese bewirken durch Reduzierung der Krafteinleitung ins Kausystem u.a. eine Entspannung der Kau- und Nackenmuskulatur. Ferner kommen sogenannte Positionierungsschienen zum Einsatz, wenn speziell die Kiefergelenke entlastet und - oder positioniert werden müssen oder testweise ein vorhandener Fehlbiss korrigiert werden muss.
- Zahnärztliche Behandlungen: Zahnärztliche Behandlungen können erforderlich sein, um Zahn- und Kieferfehlstellungen zu korrigieren oder um den Biss zu optimieren.
- Einschleifen der Zähne: Eine weitere Behandlungsmöglichkeit stellt das „Einschleifen" der Zähne bzw. des vorhandenen Zahnersatzes, dar. Dies kann notwendig werden, wenn die „Kieferfunktion" und "Bissstabilität" durch Fehl- oder Vorkontakte an bestimmten Zähnen oder Zahngruppen, behindert wird.
- Aufbau von Funktionsflächen: Eine weitere Therapieoption stellt der „Aufbau von Funktionsflächen" an bestimmten Zähnen dar. Dieser wird häufig an den Eckzähnen notwendig. Die Eckzähne haben eine wichtige Funktion im „Gebiss" , sie geben dem Kiefergelenk bestimmte Bewegungen vor, somit bilden sie eine Art „biodynamische Einheit" mit den Kiefergelenken. Zudem sorgen Sie für eine Entlastung der Backenzähne bei bestimmten Kaubewegungen , aber auch beim Stressbedingten Zähnekirschen und fungieren damit quasi als eine art „Kupplung" im Kausystem, welche dafür sorgt das die Backenzähne bei bestimmten Bewegungen „frei" also ohne Kontakt sind. Im Laufe des Lebens bzw. durch stressbedingte Parafunktionen wie Pressen oder Knirschen ect. kann diese Eckzahnführung verloren gehen und stellt durch Fehlbelastungen der Kiefergelenke und Zähne , eine mögliche Ursache einer CMD , dar. Solche Funktionellen Aufbauten erfolgen entweder mittels direkter Kunststoffaufbauten- bzw. Füllungen oder mit vollkeramischen Teilkronen bzw.
- Medikamentöse Therapie: In einigen Fällen können Medikamente eingesetzt werden, um Schmerzen zu lindern, Muskelkrämpfe zu reduzieren oder neurologische Symptome zu behandeln.
- Neurologische Behandlungen: Neurologische Behandlungsmethoden finden Ihre Anwendung vor allem bei Erwachsenen und Kindern mit Störungen des zentralen Nervensystems (wie, dem Gehirn und dem Rückenmark). Die neurologische Behandlung geht davon aus, dass alle menschlichen Bewegungsmuster seit der frühsten Kindheit in unserem zentralen Nervensystem abgespeichert werden. Wenn eine Erkrankung dieses Muster verändert, können die Bewegungsabläufe also wieder hervorgerufen werden. Das heißt, dass sich der Körper wieder an bestimmte Bewegungsmuster “erinnert”.
- Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation (PNF): Sind zentrale Bewegungsabläufe durch Krankheit, Verletzungen oder Operationen gestört, so kann die Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation, kurz PNF, helfen. Durch Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation (PNF) werden diese Rezeptoren gezielt stimuliert, was das Zusammenspiel zwischen Nerven und Muskeln unterstützt, die Wahrnehmung sowie die motorische Kontrolle fördert und so zur Wiederherstellung eines gesunden Bewegungsmusters beiträgt. Bei dieser Behandlungsmethode verstärkt der Therapeut durch dreidimensionale Bewegungen des Patienten alle äußeren sowie inneren Reize des betroffenen Körperabschnitts. Dabei wird die vollständige Wiederherstellung der Bewegungsmuster angestrebt. Ist das nicht mehr möglich, entwickelt der Therapeut mit dem Patienten eine ähnliche Bewegung, die dem gleichen Ziel dient.
- Bobath-Konzept: Im Unterschied zu anderen Konzepten gibt es in der Bobath-Therapie keine standardisierten Übungen. Im Vordergrund stehen individuelle und alltagsbezogene therapeutische Aktivitäten, die den Patienten in seinem Tagesablauf begleiten. Das Konzept basiert auf der Plastizität des zentralen Nervensystems, also der Fähigkeit, nach einem Trauma Bewegungsabläufe wieder neu erlernen zu können.
- Tiefe Hirnstimulation (THS): In diesem Video erklären Prof. Dr. med. Martin Südmeyer und Prof. Dr. med. Jürgen Voges vom Zentrum für Bewegungsstörungen und Neuromodulation am Klinikum Ernst von Bergmann, wie die Tiefe Hirnstimulation (THS) funktioniert. Erfahren Sie, bei welchen Erkrankungen sie eingesetzt wird, wie die Operation abläuft und was nach dem Eingriff wichtig ist.
- Funktionelle neuromuskuläre Zahnmedizin: Gequetschte, blockierte oder gereizte Nerven und andere Strukturen in den Kiefer- und Kopfgelenken und in der HWS werden entlastet und können wieder besser funktionieren. Bewegungsstörungen wie Schiefhals, Tourette, Parkinson u.a. können hiervon profitieren, Nerven, die z.B. Tics und Tremor verursachen, werden durch Entlastung nicht mehr stimuliert, Bewegungseinschränkungen der HWS werden beseitigt. Ein bereits pensionierter Kieferorthopäde, Dr. Brendan Stack aus Vienna, USA hat viele Patienten mit Tourette behandelt und konnte bei den meisten die Symptome stark minimieren. Auch wir haben in unserer Praxis erstaunliche Erfolge in der Besserung der Beschwerden von Tourettepatienten erzielen können durch die Behandlung mit neuromuskulären Aufbissbehelfen.
- Interdisziplinärer Ansatz: Handelt es sich um ein Beschwerdebild mit chronischem Verlauf (6 Monate und mehr) ist um so mehr ein interdisziplinärer Ansatz angezeigt, da eine chronische CMD kein lokales „strukturielles Problem" innerhalb des Kausystems ist, sondern eine Erkrankung des gesamten „Körpers", darstellt. Therapeutische Maßnahmen werden hier nach Bedarf durch enge Zusammenarbeit mit Co-Therapeuten in unserem Netzwerk (z. B.
Prävention neuromuskulärer Bewegungsstörungen des Unterkiefers
Einige Maßnahmen können helfen, neuromuskuläre Bewegungsstörungen des Unterkiefers vorzubeugen:
- Stressmanagement: Stress kann ein wichtiger Faktor bei der Entstehung von CMD und anderen neuromuskulären Störungen sein. Stressmanagement-Techniken können helfen, die Muskelspannung zu reduzieren und die Kieferfunktion zu verbessern.
- Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung: Eine ergonomische Arbeitsplatzgestaltung kann helfen, Fehlhaltungen und Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich zu vermeiden.
- Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige Bewegung kann helfen, die Muskulatur zu stärken und die Körperhaltung zu verbessern.
- Vermeidung von schädlichen Gewohnheiten: Schädliche Gewohnheiten wie Zähneknirschen, Kaugummikauen oder das Kauen auf Stiften sollten vermieden werden.
- Frühzeitige Behandlung von Zahn- und Kieferfehlstellungen: Zahn- und Kieferfehlstellungen sollten frühzeitig behandelt werden, um Fehlbelastungen des Kiefergelenks zu vermeiden.
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