Das Neuromuskuläre Zentrum Erlangen ist eine interdisziplinäre Einrichtung, die sich der fachübergreifenden Diagnosestellung, Behandlung und Erforschung von neuromuskulären Erkrankungen widmet. Es ist Teil der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen, einer der größten Kliniken dieser Art in Deutschland. Das Zentrum arbeitet eng mit der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg sowie anderen Fachbereichen des Uniklinikums zusammen, um eine umfassende und individuelle Patientenversorgung zu gewährleisten. Ein häufiges Symptom neuromuskulärer Erkrankungen ist der Abbau oder Schwund der Muskulatur.
Was sind neuromuskuläre Erkrankungen?
Unter dem Begriff "neuromuskuläre Erkrankung" werden über 250 verschiedene Erkrankungen der Bewegungsnerven, der neuromuskulären Übertragung und des Muskels zusammengefasst. Gemeinsam ist diesen Erkrankungen der Verlust der Kraft der Willkürmuskulatur oder eine Schmerzhaftigkeit der Muskulatur. Diese Erkrankungen können sowohl Kinder als auch Erwachsene betreffen und erfordern eine spezialisierte und interdisziplinäre Betreuung.
Das Neuromuskuläre Zentrum Bayern Mitte
Die Klinik für Neurologie des Krankenhauses Rummelsberg ist seit fast zwei Jahrzehnten Bestandteil des Muskelzentrums Erlangen-Nürnberg-Rummelsberg (Muskelzentrum Bayern Mitte). Das Neuromuskuläre Zentrum Bayern Mitte behandelt Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen (wie Myasthenia Gravis, ALS, Muskeldystrophie u.ä.) engmaschig und individuell. Sowohl im Akutsektor, diagnostisch, als auch in der Rehabilitationsklinik werden umfassende Konzepte individuell umgesetzt, mit dem Ziel, die Störungen zu minimieren, die Teilhabe möglichst wiederherzustellen.
Diagnostik im Neuromuskulären Zentrum
Das Neuromuskuläre Zentrum Erlangen bietet ein breites Spektrum an diagnostischen Verfahren zur Abklärung neuromuskulärer Erkrankungen an. Dazu gehören:
- Klinisch-neurologische Untersuchung: Eine ausführliche körperliche Untersuchung durch einen erfahrenen Neurologen ist der erste Schritt zur Diagnose.
- Elektromyographie (EMG) und Neurographie: Diese elektrophysiologischen Untersuchungen messen die elektrische Aktivität von Muskeln und Nerven und können Aufschluss über die Art und den Ort der Schädigung geben.
- Stoffwechseluntersuchungen und genetische Untersuchungen: Diese Untersuchungen dienen dazu, Stoffwechselstörungen oder genetische Defekte als Ursache der Erkrankung zu identifizieren. Es besteht eine enge Kooperation mit der Humangenetik der Universität Erlangen.
- Kernspintomographie (MRT): Die MRT ermöglicht die detaillierte Darstellung von Muskeln und Nerven, um strukturelle Veränderungen zu erkennen.
- Muskelultraschall: Der Ultraschall ist eine nicht-invasive Methode zur Beurteilung der Muskelstruktur.
- Ultraschall des Herzens: Bei einigen neuromuskulären Erkrankungen kann auch das Herz betroffen sein, daher ist eine Ultraschalluntersuchung des Herzens sinnvoll.
- Untersuchung der Atmung und Lungenfunktion: Die Funktion der Atemmuskulatur wird überprüft, um eine mögliche Schwäche rechtzeitig zu erkennen.
- Muskelbiopsie: In manchen Fällen ist eine Muskelbiopsie erforderlich, um eine Gewebeprobe zu entnehmen und unter dem Mikroskop zu untersuchen. Es besteht eine enge Kooperation mit der Neuropathologie (Prof. Dr. R. Schröder) der Universität Erlangen.
- Schlaflaboruntersuchung: Bei Verdacht auf eine nächtliche Atemstörung oder andere Schlafstörungen wird eine Schlaflaboruntersuchung durchgeführt.
- Untersuchung des Schluckens: Bei Schluckstörungen wird die Funktion der Schluckmuskulatur untersucht.
Behandlungsspektrum
Dem Behandlungsteam im Neuromuskulären Zentrum steht eine Vielzahl von Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Die Behandlung von neurologischen Erkrankungen ist immer Teamarbeit. Die Klinik arbeitet eng mit der Neurochirurgischen Klinik und der Neuroradiologischen Abteilung des Uniklinikums Erlangen zusammen.
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Die Therapie richtet sich nach der spezifischen Diagnose und dem individuellen Bedarf des Patienten. Folgende Behandlungsansätze können zum Einsatz kommen:
- Medikamentöse Therapie: Je nach Erkrankung können verschiedene Medikamente eingesetzt werden, um die Symptome zu lindern, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen oder die Funktion der Muskeln und Nerven zu verbessern. Hierzu zählen auch innovative Therapien wie Spinraza, Zolgensma und Evrysdi für die Behandlung der spinalen Muskelatrophie (SMA), die in den NMZ angeboten werden. Die hier aufgelisteten Kliniken haben mitgeteilt, die Spinraza-Behandlung für Kinder/Erwachsene anzubieten. Die hier aufgelisteten Kliniken haben mitgeteilt, die Zolgensma-Behandlung für Kinder anzubieten. Die hier aufgelisteten Kliniken haben mitgeteilt, die Evrysdi-Behandlung für Kinder/Erwachsene anzubieten.
- Physiotherapie: Physiotherapie spielt eine wichtige Rolle bei der Behandlung neuromuskulärer Erkrankungen. Durch gezielte Übungen können die Muskelkraft und Beweglichkeit verbessert, die Koordination geschult und die Ausdauer gesteigert werden. Im Rahmen der Sprechstunde - aber auch unabhängig davon - besteht eine Mitbetreuung durch eine spezialisierte Physiotherapeutin (Frau Watzek) der DGM bzw. des Muskelzentrums.
- Ergotherapie: Ergotherapie hilft den Patienten, ihre Selbstständigkeit im Alltag zu erhalten oder wiederzuerlangen. Sie lernen, alltägliche Aufgaben trotz ihrer Einschränkungen zu bewältigen.
- Logopädie: Logopädie ist wichtig bei Schluck- und Sprachstörungen. Durch gezielte Übungen können die Schluckfunktion verbessert und die Kommunikationsfähigkeit erhalten werden.
- Hilfsmittelversorgung: Das Neuromuskuläre Zentrum berät und versorgt Patienten mit den notwendigen Hilfsmitteln, wie z.B. Orthesen, Rollstühle oder Beatmungsgeräte.
- Atemtherapie: Bei Schwäche der Atemmuskulatur ist eine Atemtherapie erforderlich, um die Atmung zu unterstützen und Komplikationen wie Lungenentzündungen vorzubeugen. Hierfür stehen eine Beatmungsteam und ein spezialisiertes Schlaflabor sowie eine IMC Station zur Verfügung.
- Psychologische Betreuung: Eine neuromuskuläre Erkrankung kann eine erhebliche psychische Belastung darstellen. Das Neuromuskuläre Zentrum bietet daher auch psychologische Unterstützung für Patienten und ihre Angehörigen an.
- Sozialdienst: Der Sozialdienst berät Patienten und ihre Angehörigen zu sozialen und finanziellen Fragen, z.B. zu Leistungen der Kranken- und Pflegeversicherung. Im Rahmen der Sprechstunde besteht eine Mitbetreuung durch den Sozialdienst.
Spezialsprechstunden und Schwerpunkte
Das Neuromuskuläre Zentrum Erlangen bietet verschiedene Spezialsprechstunden für spezifische Erkrankungen an:
- Muskelambulanz: Die Muskelambulanz wird von Chefarzt Dr. Winterholler persönlich betreut. Sprechstunden für Kassenpatienten finden jeden Donnerstag statt.
- Privatsprechstunde Prof. Dr. J. Winkler: Hier werden Patienten mit idiopathischem Parkinson-Syndrom, atypischen Parkinson-Syndromen (MSA, PSP, CBD), Chorea Huntington, Spastischer Spinalparalyse (HSP), Ataxie und Restless-legs-Syndrom behandelt.
- Privatsprechstunde Prof. Dr. S. Schwab: Diese Sprechstunde ist spezialisiert auf M. Epilepsie (Epilepsie, Anfall, Synkope, Bewusstseinsverlust, Krampfanfall, EEG, Epilepsiechirurgie, Vagus-Nerv-Stimulation, Medikamenten-Studie, Genetik). Die Neurologie des Uniklinikums Erlangen bietet eine Spezialstation für Schlaganfalltherapie (Stroke Unit) an, die auch zu einer der größten Einrichtungen dieser Art in Deutschland gehört. Darüber hinaus besitzt die Klinik eine nach modernstem Standard ausgestattete neurologische Intensivstation zur Behandlung schwerst-kranker Patientinnen und Patienten. Weitere herausragende Einrichtungen sind das Epilepsiezentrum sowie das von der Klinik koordinierte telemedizinische Schlaganfallnetzwerk (STENO).
Forschung und Lehre
Das Neuromuskuläre Zentrum Erlangen engagiert sich in der Forschung, um neue Therapien für neuromuskuläre Erkrankungen zu entwickeln. Dafür arbeiten wir auch sehr eng mit der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg zusammen. Die Klinik ist auch in der Lehre aktiv und bildet Studenten und junge Ärzte im Bereich der Neurologie aus.
Kooperationen und Netzwerke
Das Neuromuskuläre Zentrum Erlangen ist gut vernetzt mit anderen Kliniken, Forschungseinrichtungen und Patientenorganisationen.
- Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke e.V. (DGM): Enge Zusammenarbeit mit der DGM, u.a. durch die Mitbetreuung durch eine spezialisierte Physiotherapeutin und den Sozialdienst.
- Myopathologische Konferenz: Für niedergelassene Kollegen wird zweimal jährlich eine "myopathologische Konferenz" angeboten.
- Muskelzentrum Bayern Mitte: Die Klinik für Neurologie des Krankenhauses Rummelsberg ist Bestandteil des Muskelzentrums Erlangen-Nürnberg-Rummelsberg (Muskelzentrum Bayern Mitte).
- Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke e.V. - Diagnosegruppe FSHD der DGM: u.a. Patientenvorträge, Autor des Patienteninformations-Flyers FSHD, Mitarbeit bei der Entwicklung des Erklärvideos FSHD.
- Diagnosegruppe Myofibrilläre Myopathien: z.B. Dr. med. Prof. Dr. med.
Stationäre Behandlung
Indikationen für eine stationäre Behandlung im Neuromuskulären Zentrum sind:
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- Abklärung unklarer muskulärer Beschwerden oder Lähmungen
- Fortschreitende Schwäche bei bekannten Muskelerkrankungen
- Behandlung und Abklärung von Schluckstörungen
- Verdacht auf Schwäche der Atemmuskulatur
- Versorgung mit komplexen Hilfsmitteln
- Beginn oder Kontrolle einer Heimbeatmung
Zurück in den Alltag
Bei neurologischen Erkrankungen kommt es oft zu dauerhaften Krankheitsfolgen, die nicht immer vollständig behandelt werden können. In diesen Fällen trainieren wir mit den Patienten, wie sie mit den Einschränkungen und den verbliebenen Fähigkeiten im Alltag gut zurechtkommen können. Damit möchten wir unseren Patienten eine Rückkehr in das gewohnte Lebensumfeld ermöglichen. Diese Broschüre soll Ihnen nach dem Rehabilitationsaufenthalt helfen, gut informiert in den Alltag zu starten.
Kontakt
Für weitere Informationen oder zur Vereinbarung eines Termins können Sie sich direkt an das Neuromuskuläre Zentrum Erlangen wenden. Ansprechpartner für neuromuskuläre Erkrankungen ist Chefarzt PD Dr. Für Beratung und Voruntersuchung besteht die Möglichkeit einer ambulanten, prä- oder poststationären Untersuchung. Die Universitätsklinikum Erlangen Neurologische Klinik Neuromuskuläres Zentrum hat keine detaillierten Angaben zu Leistungen gemacht. Bitte kontaktieren Sie Die Universitätsklinikum Erlangen Neurologische Klinik Neuromuskuläres Zentrum , um herauszufinden, ob die von Ihnen gesuchte Leistung bzw. An diesem Standort von der Universitätsklinikum Erlangen Neurologische Klinik Neuromuskuläres Zentrum wurden noch keine Angaben zu verfügbaren Terminen gemacht. Die Universitätsklinikum Erlangen Neurologische Klinik Neuromuskuläres Zentrum hat noch kein Feedback von Patient:innen bekommen. Falls Sie bereits Erfahrungen mit dem Die Universitätsklinikum Erlangen Neurologische Klinik Neuromuskuläres Zentrum gemacht haben, würden Sie uns freundlicherweise davon berichten? Klicken Sie hier um Ihre Erfahrung zu teilen.
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