Neuromuskuläres Training: Definition, Anwendung und Bedeutung

Neuromuskuläres Training ist ein wichtiger Bestandteil der modernen Medizin und Rehabilitation, insbesondere nach Operationen und Verletzungen. Es zielt darauf ab, die Kommunikation zwischen Nerven und Muskeln zu verbessern, um Beweglichkeit, Funktion und Gesundheit des Patienten wiederherzustellen oder zu erhalten.

Was ist neuromuskuläre Übertragung?

Die neuromuskuläre Übertragung ist der Prozess, bei dem Nervenimpulse von den Nervenzellen auf die Muskeln übertragen werden, um Muskelbewegungen auszulösen. Bei Störungen dieser Übertragung, wie beispielsweise bei der Myasthenia gravis, kann es zu Muskelschwäche und Ermüdung kommen.

Definition und Ziele des neuromuskulären Trainings

Neuromuskuläres Training ist ein systematischer Ansatz, der darauf abzielt, die neuromuskuläre Kontrolle bei dynamischen Bewegungen zu verbessern. Es umfasst verschiedene Übungen und Techniken, die darauf abzielen, die Muskeln zu aktivieren, die Koordination zu verbessern und die Stabilität der Gelenke zu erhöhen. Die Hauptziele des neuromuskulären Trainings sind:

  • Verbesserung der Muskelkraft und Ausdauer
  • Verbesserung der Koordination und des Gleichgewichts
  • Verbesserung der Propriozeption (Körperwahrnehmung)
  • Reduktion des Verletzungsrisikos
  • Beschleunigung der Rehabilitation nach Verletzungen und Operationen

Anwendungsbereiche des neuromuskulären Trainings

Neuromuskuläres Training findet in verschiedenen Bereichen Anwendung, darunter:

  • Sportorthopädie: Verletzungsprävention, Rehabilitation nach Sportverletzungen (z.B. Kreuzbandruptur, Sprunggelenkverstauchung)
  • Rehabilitation nach Operationen: Wiederherstellung der Beweglichkeit und Funktion nach chirurgischen Eingriffen (z.B. Knie- oder Hüftendoprothetik)
  • Neurologie: Behandlung von neuromuskulären Erkrankungen (z.B. Myasthenia gravis, Polyneuropathien)
  • Geriatrie: Verbesserung der Muskelkraft und des Gleichgewichts bei älteren Menschen zur Sturzprävention
  • Allgemeine Fitness: Verbesserung der Körperhaltung, Koordination und des Körperbewusstseins

Neuromuskuläres Monitoring in der Anästhesie

Im Rahmen der Anästhesie spielt das neuromuskuläre Monitoring eine entscheidende Rolle, um die Wirkung von Muskelrelaxanzien zu überwachen und Restblockaden zu vermeiden. Muskelrelaxanzien werden eingesetzt, um die Muskeln während der Operation zu entspannen. Eine unvollständige neuromuskuläre Erholung nach der Operation kann jedoch zu schwerwiegenden Komplikationen führen.

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Bedeutung des neuromuskulären Monitorings

Das neuromuskuläre Monitoring ermöglicht es, die neuromuskuläre Funktion des Patienten während und nach der Operation zu beurteilen. Es hilft, die richtige Dosierung von Muskelrelaxanzien zu finden und sicherzustellen, dass der Patient vor der Extubation ausreichend erholt ist.

Methoden des neuromuskulären Monitorings

Es gibt verschiedene Methoden des neuromuskulären Monitorings, darunter:

  • Klinische Zeichen: Beobachtung von klinischen Zeichen wie Kopfanheben oder Zungenkraft
  • Relaxometrie: Messung der Muskelantwort auf elektrische Stimulation des motorischen Nervs

Die Relaxometrie ist die zuverlässigste Methode, um das Ausmaß der neuromuskulären Erholung zu beurteilen. Dabei werden verschiedene Stimulationsmuster eingesetzt, wie z.B. die Train-of-four-Stimulation (TOF).

Train-of-four-Stimulation (TOF)

Die TOF-Stimulation ist ein Standardverfahren zur Überwachung der neuromuskulären Wirkung von nichtdepolarisierenden Muskelrelaxanzien. Dabei werden vier supramaximale Stimuli im Abstand von 0,5 Sekunden ausgelöst. Das Ausmaß der Muskelantworten wird beurteilt, um den Grad der neuromuskulären Blockade zu bestimmen.

Vermeidung von Restblockaden

Durch die routinemäßige Anwendung des neuromuskulären Monitorings und gegebenenfalls die Reversierung mit Medikamenten wie Neostigmin können Restblockaden zuverlässig vermieden werden.

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Neuromuskuläres Training in der Rehabilitation nach Knieoperationen

Ein häufiger Anwendungsbereich des neuromuskulären Trainings ist die Rehabilitation nach Knieoperationen, insbesondere nach einer vorderen Kreuzbandruptur (VKB).

Vordere Kreuzbandruptur (VKB)

Die Ruptur des vorderen Kreuzbandes ist eine häufige Sportverletzung, die oft eine operative Behandlung erfordert. Die Wiederherstellung der Stabilität im Kniegelenk ist essentiell, um die Rückkehr zum Sport zu gewährleisten und sekundäre Langzeitschäden zu verhindern.

Postoperative Rehabilitation

Die Nachbehandlung nach einer operativen Therapie der VKB-Ruptur gliedert sich in mehrere Phasen. In der ersten Phase stehen Schmerzlinderung und Reduktion der Schwellneigung im Vordergrund. In der zweiten Phase geht es um die Wiederherstellung des Bewegungsausmaßes und die progressive Belastungssteigerung.

Bedeutung des propriozeptiven Trainings

Ein wichtiger Aspekt der Rehabilitation ist das propriozeptive Training. Durch den Riss des vorderen Kreuzbandes entsteht ein propriozeptives Defizit, das durch die Entnahme einer Sehne noch verstärkt wird. Das propriozeptive Training sollte um sportartspezifische Übungen ergänzt werden.

Neuromuskuläre Kontrolle und Verletzungsprävention

Das Auftreten von VKB-Rupturen bei Sportlern ist häufig durch ein Defizit in der neuromuskulären Kontrolle bei dynamischen Bewegungen verursacht. Eine fehlende oder schlecht ausgebildete Propriozeption im Kniegelenk ist zu einem erheblichen Teil verantwortlich für den Verlust über die Kontrolle der Kniegelenkstabilität. Daher sind aktive Maßnahmen zur Verletzungsprävention sowie Verhinderung von Re-Rupturen unerlässlich.

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Übungen zur Verbesserung der neuromuskulären Kontrolle

Es gibt verschiedene Übungen, die zur Verbesserung der neuromuskulären Kontrolle eingesetzt werden können, darunter:

  • Gleichgewichtsübungen: Einbeinstand, Balancieren auf einer instabilen Unterlage
  • Koordinationsübungen: Sprungübungen, Agility-Training
  • Kraftübungen: Kräftigung der Oberschenkel- und Wadenmuskulatur
  • Propriozeptive Übungen: Übungen mit geschlossenen Augen, Vibrationstraining

Beispielhafte Übungen nach VKB-Operation

  • Anspannungsübungen (Quadricepsaktivierung): Oberschenkelmuskel anspannen und Knie in Richtung Unterlage drücken.
  • Fersenheben: Im Stehen das Gewicht von den Zehenspitzen auf die Fersen verlagern.
  • Kniebeugen: Mit dem Rücken an der Wand die Knie beugen (90° Knie und Hüfte zeigen).
  • Ausfallschritte: Einen großen Schritt nach vorne machen und das hintere Knie Richtung Boden senken.

Neuromuskuläre Erkrankungen und ihre Behandlung

Neben der Anwendung im sportorthopädischen Bereich spielt das neuromuskuläre Training auch eine wichtige Rolle bei der Behandlung von neuromuskulären Erkrankungen.

Myasthenia gravis

Myasthenia gravis ist eine Autoimmunerkrankung, die die neuromuskuläre Übertragung beeinträchtigt und zu Muskelschwäche und Ermüdung führt.

Polyneuropathien

Polyneuropathien sind Erkrankungen der peripheren Nerven, die zuSensibilitätsstörungen, Schmerzen und Muskelschwäche führen können.

Behandlung neuromuskulärer Erkrankungen

Die Behandlung neuromuskulärer Erkrankungen umfasst in der Regel medikamentöse Therapien, Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie. Ziel ist es, die Symptome zu lindern, die Lebensqualität zu verbessern und die Selbstständigkeit des Patienten zu erhalten.

Rolle der Physiotherapie

Die Physiotherapie spielt eine zentrale Rolle bei der Behandlung neuromuskulärer Erkrankungen. Durch gezielte Übungen können die Muskelkraft und Ausdauer verbessert, die Koordination und das Gleichgewicht geschult und die Gelenkbeweglichkeit erhalten werden.

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