Die Redewendung "Nerven wie Drahtseile haben" beschreibt die Fähigkeit einer Person, auch in schwierigen Situationen ruhig und gefasst zu bleiben. Sie deutet auf eine hohe Belastbarkeit und Widerstandsfähigkeit gegenüber Stress und Druck hin. Doch woher kommt diese bildhafte Sprache und was steckt hinter ihrer Bedeutung? Dieser Artikel beleuchtet die Herkunft und Entwicklung dieser Redewendung, ihre Verwendung im Alltag und ihre Verbindung zu anderen verwandten Ausdrücken.
Ursprung im Bergbau: Die Erfindung des Drahtseils
Die Metapher der "Drahtseile" als Sinnbild für Stärke und Belastbarkeit hat ihren Ursprung in der industriellen Revolution des 19. Jahrhunderts. Ein entscheidender Faktor war die Erfindung des Drahtseils durch Wilhelm August Julius Albert, Oberbergrat im Harz.
Hanfseile und Eisenketten waren im Bergbau lange Zeit das Hilfsmittel, um Erz zutage zu fördern. Doch immer wieder kam es zu Unglücken, weil Ketten brachen oder Seile rissen. Bis im 19. Jahrhundert der Harzer Oberbergrat Wilhelm August Julius Albert eine Idee hatte: Gemeinsam mit dem Bergschmied Heinrich August Mummenthey gelang es ihm, ein Drahtseil aus Eisen herzustellen, das aus drei Litzen zu je vier Drähten bestand. Es hatte sechsmal mehr Tragkraft als ein Hanfseil und viermal mehr als ein Kettenseil. Noch dazu war es im Vergleich zum Kettenseil deutlich leichter. Seine Erfindung brachte Albert erstmals im Sommer 1834 in der Clausthaler Grube Caroline erfolgreich zum Einsatz.
Was wären Fahrstühle, Seilbahnen oder Kräne ohne Drahtseil? Erfunden hat es Mitte des 19. Jahrhunderts Wilhelm August Julius Albert in der damaligen Bergbaustadt Clausthal im Harz.
Ursprünglich stammte Wilhelm August Julius Albert aus Hannover und hatte an der Universität Göttingen Rechtswissenschaft studiert. 1806 bei einem Besuch im Oberharz entdeckte er seine Begeisterung für den Bergbau - und wechselte kurzerhand die Branche. Er erhielt eine Anstellung als Auditor bei den Berg- und Forstämtern von Clausthal und Zellerfeld. Nach weiteren Ämtern bekam er 1817 den Titel Bergrat verliehen. Da er wegen seiner bürgerlichen Herkunft kein Berghauptmann werden konnte, wurde dieser Titel eigens für ihn geschaffen. 1825 wurde er zum Oberbergrat ernannt.
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Verschiedene Quellen berichten davon, dass der Bergschmied Mummenthey, mit dem Albert das Drahtseil entwickelt hatte, dessen Arbeitspensum und den durchstrukturierten Arbeitstag hervorgehoben habe: So sei Albert um 4 Uhr morgens aufgestanden, nach einer halben Stunde Mittag sei er durch die verschiedenen Bergbaureviere geritten, danach habe er bis 10 Uhr abends gearbeitet und gern „stark gegessen“ - am liebsten Bohnen mit Speck und warme Buchweizenkuchen.
Das Drahtseil revolutionierte den Bergbau und fand schnell auch in anderen Industriezweigen Verwendung. Seine hohe Tragkraft und Zuverlässigkeit machten es zu einem Symbol für Stärke und Unverwüstlichkeit. Es lag also nahe, diese Eigenschaften auf den Menschen zu übertragen und von "Nerven wie Drahtseile" zu sprechen, um eine außergewöhnliche psychische Belastbarkeit zu beschreiben.
Die Verbreitung der Redewendung
Die genaue Datierung, wann die Redewendung "Nerven wie Drahtseile haben" erstmals auftauchte, ist schwer zu bestimmen. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass sie sich im Laufe des 19. Jahrhunderts, parallel zur Verbreitung des Drahtseils in der Industrie, etablierte.
Das Bild der Nerven, die strapazierfähig sind wie Drahtseile, stammt vermutlich aus dem Französischen, wo avoir des nerfs d'acier (wörtlich „Nerven aus Stahl haben“) ebenfalls „sich nicht aus der Ruhe bringen lassen, starke Nerven haben“ bedeutet.
Nerven: Mehr als nur "Sehnen"
Um die Bedeutung der Redewendung vollständig zu erfassen, ist es hilfreich, die ursprüngliche Bedeutung des Wortes "Nerv" zu betrachten.
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faserartiges Gebilde zur Weiterleitung von Reizen im Körper♦auslat.nervus „Sehne“, verwandt mitgriech.neuron „Sehne“, dazuSanskritsnāvan- ausidg.*snā „Sehne“[Info]Nerv.
Ursprünglich bezeichnete "Nerv" im Lateinischen (nervus) und Griechischen (neuron) eine Sehne. Erst später entwickelte sich die Bedeutung hin zu den Nervenbahnen, die Reize im Körper weiterleiten. Diese Doppeldeutigkeit spielt in der Redewendung eine Rolle: Einerseits wird die physische Stärke einer Sehne (bzw. eines Drahtseils) betont, andererseits die Fähigkeit des Nervensystems, Belastungen standzuhalten.
"Nerven zeigen": verwandte Redewendungen und ihre Bedeutung
Im Deutschen gibt es eine Vielzahl von Redewendungen, die sich mit dem Thema Nerven und psychischer Belastbarkeit auseinandersetzen. Einige Beispiele:
- Jemandem auf die Nerven gehen: Jemanden nerven, ihn reizen oder ärgern.
- Die Nerven verlieren: Die Kontrolle über sich selbst verlieren, in Panik geraten.
- Nerven bewahren: Ruhig und besonnen bleiben, auch in stressigen Situationen.
- Mit den Nerven am Ende sein: Völlig erschöpft und überlastet sein.
Ähnliche Verwandtschaft zeigen das Deutsche und das Französische auch bei den Redensarten mit den Nerven am Ende sein bzw. être à bout de nerfs oder jemandem auf die Nerven gehen bzw. taper sur les nerfs de quelqu'un, die sich beide wörtlich entsprechen.
Diese Redewendungen zeigen, dass das Thema Nerven und psychische Belastbarkeit tief in unserer Sprache und Kultur verwurzelt ist. Sie spiegeln die Herausforderungen des Alltags wider und die Notwendigkeit, mit Stress und Druck umzugehen.
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Anwendung und Interpretation im Alltag
Die Redewendung "Nerven wie Drahtseile haben" wird in den unterschiedlichsten Situationen verwendet. Sie kann sich auf berufliche Herausforderungen, private Probleme oder sportliche Wettkämpfe beziehen.
Beispielsweise kann ein Manager, der in einer Krise einen kühlen Kopf bewahrt, als jemand beschrieben werden, der "Nerven wie Drahtseile hat". Ebenso kann ein Sportler, der trotz Rückschlägen nicht aufgibt, mit dieser Redewendung gelobt werden.
Die Redewendung wird oft als Kompliment verstanden, da sie eine hohe psychische Belastbarkeit und Stärke impliziert. Sie kann aber auch ironisch verwendet werden, um jemanden zu beschreiben, der scheinbar unbeeindruckt von Problemen ist, obwohl er innerlich vielleicht stark leidet.
Abgrenzung zu anderen Redewendungen
Es ist wichtig, die Redewendung "Nerven wie Drahtseile haben" von ähnlichen Ausdrücken abzugrenzen. So bedeutet beispielsweise "ein dickes Fell haben" eher, unempfindlich gegenüber Kritik und Beleidigungen zu sein. "Nerven wie Drahtseile haben" bezieht sich dagegen eher auf die Fähigkeit, mit Stress und Druck umzugehen und auch in schwierigen Situationen einen klaren Kopf zu bewahren.
Die Bedeutung im Wandel der Zeit
Auch wenn die Redewendung "Nerven wie Drahtseile haben" ihren Ursprung in der industriellen Revolution hat, ist ihre Bedeutung auch in der heutigen Zeit relevant. In einer Welt, die von st постоянным Wandel, Hektik und информационным перегрузкой geprägt ist, ist psychische Belastbarkeit wichtiger denn je.
Die Fähigkeit, Stress zu bewältigen, ruhig zu bleiben und auch in schwierigen Situationen einen klaren Kopf zu bewahren, ist entscheidend für Erfolg und Wohlbefinden. Daher bleibt die Redewendung "Nerven wie Drahtseile haben" auch weiterhin ein актуальный и wichtiger Ausdruck, um diese Fähigkeit zu beschreiben.
Redewendungen im Allgemeinen
Redewendungen gibt es wie Sand am Meer. Deshalb haben wir versucht, etwas Ordnung in das Dickicht zu bringen, indem wir sämtliche Einträge nach Anfangsbuchstabe, Thema und Dialekt sortiert haben.
Was sind eigentlich Redewendungen, woher kommen sie und wofür werden sie verwendet? Und was ist eigentlich der Unterschied zwischen Redewendungen und Sprichwörtern? Redewendungen sind feste Verbindungen von Wörtern, die zusammen eine, meist metaphorische oder bildliche, Bedeutung haben. Das heißt, Redewendungen sind geläufige und häufig verwendete Satzteile, die irgendwann ihren Weg in die jeweilige Landessprache gefunden haben. Redewendungen sind oft keine ganzen Sätze, sondern Satzbestandteile und können am Satzanfang oder Satzende stehen oder als Frage verwendet werden. Beispiel: Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen. Das ist eine klassische Redewendung und kann zum Beispiel so verwendet werden: "Er sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht!" Wenn eine Person das zu jemanden über eine dritte Person sagt, ist oft gemeint, dass die Person sich zu leicht ablenken lässt, beziehungsweise zu viel auf einmal macht. Man könnte die Redewendung aber auch wie folgt verwenden: "Verdammt, merkst du denn nicht, dass du den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr siehst?" Die Verwendung ist anders, die Bedeutung hingegen bleibt die gleiche. Jede Redewendung hat eine andere Herkunft und wird meist von einer alltäglichen Handlung aus einer vergangenen Zeit oder aus alten Worten abgeleitet. So kommt die Redewendung "Jemanden einen Bären aufbinden" nicht davon, dass die Leute früher versucht hätten, jemanden tatsächlich einen Bären aufzubinden. Redewendungen werden meistens nicht grundlos verwendet, oft denken wir gar nicht darüber nach, sondern haben es mit einem Automatismus zu tun. Manchmal jedoch verwenden wir bewusst eine Redewendung, häufig in Verbindung mit Sarkasmus. So zum Beispiel, wenn einer Person ein teurer Gegenstand herunterfällt und dieser dabei kaputt geht und die Begleitperson dann ruft: "Na super, jetzt haben wir die Bescherung!". Manchmal werden Redewendungen auch als stilistisches Mittel in literarischen Texten, auf Social-Media-Plattformen oder in Pressetexten, aber auch bei mündlichen Unterhaltungen und Interviews genutzt. Dabei können Teile der Redewendung bewusst vertauscht oder ausgetauscht werden. Wenn diese Fehler aber ungewollt passieren und die Gesprächspartner oder Leser das mitbekommen, folgt häufig großer Spott. Redewendungen und Sprichwörter werden oft als Synonym benutzt, also von der Bedeutung her gleichgesetzt. Das ist aber nicht richtig, denn Sprichwörter sind nicht das Gleiche. So sind Sprichwörter, entgegen ihres Namens, keine einzelnen Wörter, sondern vollständige Sätze und haben ebenfalls eine Bedeutung. So auch das Sprichwort von Epiket "Man darf das Schiff nicht an einen einzigen Anker, und das Leben nicht an eine einzige Hoffnung binden." Das bedeutet, dass jeder Mensch sich immer mehrere Optionen offen halten sollte, ganz egal, ob es nun die Jobsuche oder die Makler-Agentur für die neue Immobilie ist. Viele Sprichwörter sollen belehren und stammen von Philosophen, die Sprache ist häufig gehoben. Manche Sprichwörter lassen sich auf ländertypische Traditionen und nicht auf eine Person zurückführen. Ein weiterer Unterschied zwischen Redewendungen und Sprichwörtern ist, dass man das Sprichwort nicht auf unterschiedliche Weise verwenden kann, wenn man sich nicht blamieren möchte. Sprichwörter sind also immer ganze Sätze, häufig mit einer versteckten Moral. Redewendungen sind dagegen Satzteile, die aus zusammengesetzten Wörtern bestehen und unter verschiedenen Umständen unterschiedlich genutzt werden können und nicht belehren sollen.Nicht zu vergessen sind im Rahmen dieser Unterscheidung auch die sogenannten geflügelten Wörter. Hierbei kann es sich sowohl um Sprichwörter als auch Redewendungen handeln. Silvan Maaß ist Diplom-Kommunikationswirt (dab) sowie Mitbegründer der Sprachnudel, wodurch er sich seit 20 Jahren beinahe täglich mit theoretischer und angewandter Linguistik beschäftigt. Die Lebendigkeit der Sprache hat es ihm besonders angetan.
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