Neuronen-Hypnose-Forschung: Einblick in das veränderte Bewusstsein

Hypnose ist ein faszinierendes Thema, das oft missverstanden wird. Sie ist weder Magie noch reine Show, sondern ein natürlicher Prozess und eine Fähigkeit unseres Gehirns. Die moderne Forschung untersucht, was im Gehirn während der Hypnose passiert und wie sie therapeutisch genutzt werden kann.

Was ist Hypnose?

Hypnose ist ein veränderter Bewusstseinszustand, der durch Suggestion hervorgerufen wird. Sie ist kein Schlaf, sondern ein Zustand erhöhter Aufmerksamkeit und Fokussierung, der es ermöglicht, das Unterbewusstsein zu beeinflussen. In diesem Zustand ist die Außenwahrnehmung reduziert und die innere Welt der Vorstellungskraft wird stärker.

Timon von Berlepsch, Hypnotiseur, Magier und Bestsellerautor des Buches "Update für dein Unterbewusstsein", bietet Seminare zu Hypnose und Selbsthypnose an. Er begleitet Menschen dabei, ihr Denken, Fühlen und Handeln neu zu vernetzen. Hypnose ist eine Brücke zwischen Psychologie, Neurobiologie und sogar dem, was wir als Magie bezeichnen.

Wie funktioniert Hypnose?

Während der Hypnose fährt der vordere Teil des Gehirns, der Frontallappen, der für Selbstbeobachtung, Bewertung und Kritik zuständig ist, herunter. Das bedeutet, dass wir uns weniger darum kümmern, was wir tun. Ängste und einschränkende Glaubenssätze sind weniger aktiv, was zu einem freieren Denken führt.

Die Außenwahrnehmung wird ebenfalls zurückgefahren, wodurch die innere Welt wichtiger wird und die Vorstellungskraft zunimmt. Es ist, als ob man in einem Kinofilm so auf eine Sache fokussiert ist, dass man alles um sich herum ausblendet. Dieser Zustand wird oft als Trance bezeichnet.

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Trance bedeutet nicht, weggetreten zu sein, sondern einen Zustand absoluter Fokussierung. In diesem Zustand ist der Körper empfänglicher für Suggestionen und reagiert auf Vorstellungen.

Die Rolle der neuronalen Verbindungen

Ein Schlüsselelement der Hypnose ist die Macht der Vorstellungskraft. Wenn wir uns etwas intensiv vorstellen, reagiert unser Körper darauf. Das Gehirn kann kaum zwischen Vorstellung und Realität unterscheiden. Durch das Erleben einer Situation in der Vorstellung, beispielsweise einen sicheren Flug bei Flugangst, lernt das Gehirn von dieser Erfahrung und es entstehen neue neuronale Verbindungen, die die Möglichkeit eröffnen, sich sicher zu fühlen.

Hypnose in der Therapie

Hypnose wird in der Therapie eingesetzt, um Menschen zu helfen, ihre Probleme zu bewältigen. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass jeder Mensch ein Individuum ist und die Wirksamkeit der Hypnose von verschiedenen Faktoren abhängt, wie der Persönlichkeit, der Vergangenheit und dem spezifischen Problem.

Neurowissenschaftliche Erkenntnisse

Die neurowissenschaftliche Forschung hat begonnen, die komplexen Mechanismen der Hypnose zu entschlüsseln. Studien mit bildgebenden Verfahren wie fMRT und EEG zeigen, dass Hypnose zu Veränderungen in der Gehirnaktivität führt.

Eine wichtige Erkenntnis ist, dass im hypnotischen Trance-Zustand eine zielgerichtete Induktion eines "Ruhezustandes" im Gehirn stattfindet. Dieser Zustand ist durch eine Synchronisierung der Balance zwischen dem "default mode network" (DMN), das für die Eigenaktivität des Gehirns zuständig ist, und dem "zentralen exekutiven Netzwerk" (CEN), das für die Verarbeitung äußerer Reize zuständig ist, gekennzeichnet.

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Veränderungen in der Gehirnaktivität

Während der Hypnose wurden in der Insula-Region des Gehirns stärkere Aktivierungen im fMRI-Scan nachgewiesen. Studien zeigen auch, dass hochsuggestible Personen bilaterale Aktivierungen im präfrontalen Cortex und im anterioren cingulären Cortex zeigen. Unter Hypnose zeigen sich zusätzlich occipitale und verstärkte präfrontale Aktivierungen. Dies deutet auf eine verbesserte Umsetzung bildhafter Repräsentationen hin.

Tranceinduktion führt zu einem intensiveren Farberleben und einer erhöhten neuronalen Aktivität im Sehzentrum, was mit dem Grad der subjektiv empfundenen Entspannung korreliert.

Neuroplastizität und Hypnose

Die Fähigkeit des Gehirns, sich zu verändern und anzupassen, die Neuroplastizität, spielt eine entscheidende Rolle bei der Wirkung der Hypnose. Hypnotische Tranceinduktion führt zu plastischen Veränderungen im menschlichen Gehirn. Dies ermöglicht es, neue neuronale Verbindungen zu schaffen und alte Muster zu verändern.

Die Rolle der Gehirnfrequenzen

EEG-Messungen zeigen, dass sich der hypnotische Trance-Zustand deutlich vom Schlafzustand unterscheidet. Es gibt jedoch Komponenten einer leichten Entspannung, die mit Alpha-Wellen (8 und < 13 Hz) verbunden sind. Gamma-Wellen (ab etwa 30 Hz) sind bei starker Konzentration, Lernprozessen oder Meditation zu beobachten.

Hypnose in der Medizin

Die Hypnose hat sich als wirksames Instrument in der medizinischen Praxis etabliert. Sie wird unter anderem zur Schmerzkontrolle, Angstreduktion und zur Unterstützung bei Operationen eingesetzt.

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Ein bemerkenswertes Beispiel ist der Fall der Sängerin Alama Kante, der aufgrund eines erhöhten Krebsrisikos die Schilddrüse entfernt werden musste. Um ihre Stimmbänder nicht zu gefährden, entschied sie sich für eine lokale Betäubung in Verbindung mit einer Hypnosedierung. Während der gesamten Operation blieb sie wach und sang, wodurch sie dem Ärzteteam wertvolle Informationen über den Zustand ihrer Stimmbänder geben konnte.

Die Methodik der Hypnose

Die Hypnose beinhaltet verschiedene Techniken und Ansätze. Im Allgemeinen wird zwischen Fremd- oder Heterohypnose, bei der eine Person eine andere hypnotisiert, und Autohypnose oder Selbsthypnose unterschieden, bei der eine Person sich selbst hypnotisiert.

Eine hypnotische Trance wird mittels Hypnose induziert. Zur Beendigung wird die Trance aufgelöst bzw. exduziert. Während der Hypnose werden dem Probanden verbale Anweisungen, sogenannte Suggestionen, gegeben, die direkt auf das Unbewusste wirken sollen. Suggestionen, die auch nach Auflösung der Hypnose noch wirksam sein sollen, werden als posthypnotische Suggestionen bezeichnet.

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