Eine Gehirnerschütterung, oft auch als leichtes Schädel-Hirn-Trauma (SHT) bezeichnet, ist eine neurologische Funktionsstörung des Gehirns, die durch eine direkte oder indirekte Gewalteinwirkung auf den Kopf verursacht wird. Obwohl die akuten Symptome meist vorübergehend sind, können langfristige Folgen in Form einer Neuropathie auftreten. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten der Neuropathie nach einer Gehirnerschütterung.
Was ist eine Gehirnerschütterung?
Eine Gehirnerschütterung entsteht durch äußere Gewalteinwirkung auf den Kopf, beispielsweise bei einem Sturz oder Unfall. Sie führt zu einer mechanischen Reizung der Nervenfasern, was einen vorübergehenden Funktionsausfall zur Folge haben kann. Reize und Signale werden dann nicht mehr korrekt weitergeleitet und verarbeitet. Im Gegensatz zu schweren Kopfverletzungen regenerieren sich leichte Gehirnerschütterungen in der Regel innerhalb von Tagen oder Wochen.
Ursachen und Risikofaktoren
Ein Schädel-Hirn-Trauma (SHT) entsteht durch eine äußere Krafteinwirkung auf den Kopf, die das Gehirn beeinträchtigt. Die Ursachen können vielfältig sein:
- Stürze
- Verkehrsunfälle
- Sportunfälle
- Gewalteinwirkungen
Risikopatienten sind besonders gefährdet, eine Neuropathie nach Gehirnerschütterung zu entwickeln:
- Personen über 65 Jahre
- Patienten mit Blutgerinnungsstörungen
- Unklarer Unfallhergang
- Nachweis eines Schädelbruchs
Symptome einer Gehirnerschütterung
Die Symptome einer Gehirnerschütterung können vielfältig sein und müssen nicht sofort auftreten. Sie können sich erst Stunden später zeigen. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
Lesen Sie auch: Massagegeräte zur Neuropathie-Behandlung
- Kopfschmerzen (70-80 Prozent)
- Schwindel (34-70 Prozent)
- Übelkeit/Erbrechen (20-40 Prozent)
- Nackenschmerzen (circa 20 Prozent)
- Schwäche/Müdigkeit (20-50 Prozent)
- Visuelle Störungen (circa 20 Prozent)
- Empfindlichkeit gegenüber Licht und Lärm (10-60 Prozent)
- Bewusstlosigkeit (von wenigen Sekunden bis zu einigen Minuten)
- Gedächtnislücke für die Zeit unmittelbar vor oder nach dem Unfall
- Verwirrtheit
Diagnose
Die Diagnose eines Schädel-Hirn-Traumas erfolgt durch eine gründliche körperliche Untersuchung, einschließlich neurologischer Tests, um das Ausmaß der Hirnschädigung zu beurteilen. Bildgebende Verfahren wie die Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) sind entscheidend, um Blutungen, Schwellungen oder Frakturen zu erkennen.
Bei der Evaluation am Spielort wird die Verwendung des Pocket Recognition Tools empfohlen, das ausschließlich die Symptomatik und die Maddocks-Fragen beinhaltet. Eine orientierende Einschätzung kann auch durch Laien erfolgen.
Eine sofortige ärztliche Evaluation eines Patienten ist notwendig bei Vorliegen der nachfolgenden „Red-Flag“-Symptome:
- Jugendliches Alter
- Verwirrtheit > 30 min
- Bewusstseins-Verlust > 5 min
- Fokal-neurologisches Defizit
- Pupillendifferenz
- Verschlechterung einer Symptomatik oder der Bewusstseinslage
Posttraumatisches Syndrom
Einige Patienten entwickeln nach einem leichten Schädel-Hirn-Trauma ein sogenanntes posttraumatisches Syndrom. Dessen Symptome bestehen aus:
- Schwindel
- Übelkeit
- Kopf- und Nackenschmerzen
- Abgeschlagenheit
- Depressive Verstimmung
- Licht- und Geräuschüberempfindlichkeit
Bei etwa zehn Prozent bleibt die Symptomatik länger, gegebenenfalls bis zu einem Jahr lang bestehen. Man spricht dann von einem chronischen posttraumatischen Syndrom.
Lesen Sie auch: Small Fiber Neuropathie verstehen: Ursachen, Symptome, Therapie
Das Postkommotionelle Syndrom
Das postkommotionelle Syndrom ist ein Symptomkomplex aus somatischen (Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit), emotionalen (Reizbarkeit, Angst), psychischen (Depression) und kognitiven (Konzentrations- und Gedächtnisstörungen) Beschwerden, die nach einem Schädel-Hirn-Trauma (SHT) oder Schleudertrauma auftreten können.
Die Beschwerden treten in einem zeitlichen Zusammenhang mit einem Schädel-Hirn-Trauma oder Schleudertrauma auf, häufig begleitet von der Sorge vor einer bleibenden Hirnschädigung.
Zu den Risikofaktoren eines postkommotionellen Syndroms zählen:
- Der Schweregrad des Schädel-Hirn-Traumas
- Vorherbestehende Kopfschmerzen
- Auffälligkeiten in der Bildgebung
- Jüngeres Alter
- Weibliches Geschlecht
- Eine chronische Schmerzerkrankung (z. B. Rheuma)
- Medikamentenübergebrauch
- Psychische Erkrankungen (z. B. Depression)
Behandlung
Die Behandlung eines Schädel-Hirn-Traumas richtet sich nach der Schwere der Verletzung. Bei einem leichten SHT reicht häufig eine Überwachung und symptomatische Behandlung, wie Schmerzmittel und Ruhe, aus.
Akutbehandlung
Hat der Arzt unter anderem geklärt, dass kein Schädelbruch vorliegt, lässt sich eine Gehirnerschütterung meistens mit ein paar Tagen Bettruhe zu Hause behandeln und heilen. „Der Patient sollte dabei wirklich ruhen, also weder fernsehen noch lesen. Sich in einem verdunkelten Raum aufzuhalten, ist allerdings nicht erforderlich und würde die Genesung sogar eher verzögern“, betont Dr. Beil. Nur wenn es dem Patienten zu Hause mit der Zeit schlechter geht, müssen weitere Untersuchungen im Krankenhaus erfolgen, um die Symptome medizinisch abzuklären.
Lesen Sie auch: Ursachen und Behandlung von Polyneuropathie in den Füßen
Langzeitbehandlung
Die Therapie des posttraumatischen Syndroms erfolgt medikamentös mit Schmerzmitteln sowie mit Physiotherapie und Entspannungsverfahren.
Eine richtungsweisende Therapie ist nicht bekannt. Es ist lediglich bekannt, dass geistige und körperliche Ruhe die Heilung unterstützt - auch, wenn sie erst sekundär umgesetzt wird. Eine leichte körperliche Belastung und Physiotherapie kann aber gerade bei Sportlern vorteilhaft sein, die sich nur langsam erholen.
Rehabilitation
Eine Rehabilitationsbehandlung ist nach GBS erforderlich. Die meisten Patient:innen erholen sich vollständig, wobei die Genesung von wenigen Wochen bis zu mehreren Jahren dauern kann. Manche behalten langfristige Schwäche, Taubheitsgefühle, Fatigue oder Schmerzen zurück. Psychologische Unterstützung kann bei der Bewältigung der emotionalen Belastung hilfreich sein.
Wiederaufnahme des Sports
Der Berücksichtigung der Pathophysiologie und des natürlichen Erholungsverlaufes kommt entscheidende Bedeutung in der Entscheidung des „Return-to-Play“ zu. Ein Sportler sollte in Ruhe und nach Belastung klinisch und kognitiv symptomfrei sein, bevor wieder eine Wettkampf-Fähigkeit besteht! Voraussetzung ist die vollständige Erholung und Belastung im schulischen oder beruflichen Bereich. Eine Wiederaufnahme des Sports noch am Tag des Traumas ist die absolute Ausnahme.
tags: #neuropathie #als #folge #von #gehirnerschutterung