Diabetes mellitus ist eine weit verbreitete Stoffwechselerkrankung, die mit zahlreichen Folgeerkrankungen einhergehen kann. Eine davon ist die diabetische Neuropathie, die Nervenschädigungen verursacht und verschiedene Organfunktionen beeinträchtigen kann. Nicht selten ist auch die Blase betroffen, was zu einer diabetischen Zystopathie und damit verbundenen Blasenfunktionsstörungen führen kann.
Einführung in die Thematik
Die diabetische Neuropathie ist eine der häufigsten Komplikationen von Diabetes mellitus, sowohl Typ 1 als auch Typ 2. Sie entsteht durch dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte, die die Nerven schädigen. Diese Nervenschädigungen können sich in verschiedenen Körperregionen manifestieren und unterschiedliche Symptome verursachen. Wenn die Nerven der Blase betroffen sind, kann dies zu erheblichen Funktionsstörungen führen, die die Lebensqualität der Betroffenen stark beeinträchtigen.
Diabetes und seine Folgen
Diabetes mellitus ist eine der weltweit am weitesten verbreiteten Krankheiten. Neben den Herausforderungen, die der Umgang mit Diabetes selbst mit sich bringt, stellen Folgeerkrankungen die Betroffenen vor neue Herausforderungen. Studien belegen, dass viele Diabetiker über eine gestörte Blasenfunktion klagen. Harninkontinenz gilt als eine der häufigsten Diabetesfolgen, insbesondere bei Diabetes mellitus Typ 2.
Diabetische Neuropathie: Die Ursache der Blasenstörung
Nervenschädigungen, die diabetische Neuropathie, treten häufig bei Diabetes auf, wenn die Blutzuckerwerte dauerhaft zu hoch sind. Geschädigte Nerven können das Signal für eine volle Harnblase nicht mehr an das Gehirn senden. Betroffene verlieren das Gefühl dafür, wann ihre Blase voll ist, die Blasenwand wird überdehnt und verliert an Kraft. Dies wiederum schwächt den Muskel, der beim Wasserlassen für die Entleerung der Harnblase zuständig ist, wodurch unbemerkt Restharn in der Blase verbleibt.
Ursachen der diabetischen Neuropathie
Bei der Entstehung von Nervenschäden spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Die Hauptursache ist jedoch ein über lange Zeit erhöhter Blutzuckerspiegel. Eine langjährige Diabeteserkrankung und hohe Blutzuckerwerte begünstigen daher eine Neuropathie. Bei Diabetes Typ 2 ist auch eine Störung des Fettstoffwechsels beteiligt.
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Weitere Risikofaktoren für eine diabetische Neuropathie sind:
- Bluthochdruck
- Gefäßerkrankungen
- Diabetische Retino- oder Nephropathie
- Erhöhte Blutfette
- Alkohol
- Nikotin
- Übergewicht
- Wenig Bewegung
- Falsche Ernährung
Formen der diabetischen Neuropathie
Man unterscheidet hauptsächlich zwischen zwei Formen der diabetischen Neuropathie:
- Sensomotorische Polyneuropathie: Hierbei werden Nerven geschädigt, die für Empfindungen und Berührungen zuständig sind. Dies verursacht Störungen des Berührungs-, Schmerz- und Temperaturempfindens.
- Autonome Neuropathie: Hier sind Nerven des vegetativen Nervensystems betroffen, die Organfunktionen steuern. Eine Schädigung der Nerven kann sich zum Beispiel auf das Herz-Kreislauf-System oder den Magen-Darm-Trakt auswirken.
Symptome der diabetischen Neuropathie
Am häufigsten äußert sich eine diabetische Neuropathie als eine Empfindungsstörung in den Gliedmaßen. Meistens sind die Füße betroffen, aber auch in Händen, Unterschenkeln und Unterarmen können Symptome auftreten. Typische Beschwerden sind:
- Schmerzen
- Kribbeln
- Brennen
- Taubheit in den Gliedmaßen
Manche Patienten reagieren überempfindlich auf Berührungen. Schon leichte Berührungen empfinden sie als unerträglich. Häufig sind die Missempfindungen nachts schlimmer als tagsüber. Auch Schmerzen treten meistens in der Nacht auf und werden als blitzartig und stechend beschrieben.
Sind die Nerven der Organe geschädigt, können viele unterschiedliche Symptome entstehen, je nachdem, welche Nerven und Organsysteme betroffen sind. Wenn Nerven des Magen-Darm-Trakts geschädigt sind, kann dies Schluckstörungen, Übelkeit, Verstopfung oder Durchfall verursachen. Typische Anzeichen für eine Nervenschädigung des Herz-Kreislauf-Systems sind niedriger Blutdruck, schneller Herzschlag in Ruhe und Herzrhythmusstörungen. Ist der Harn- oder Geschlechtsapparat betroffen, können Schwierigkeiten beim Entleeren der Blase, eine Blasenschwäche oder Erektionsstörungen auftreten.
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Symptome einer Blasenentzündung bei Diabetes
Blasenentzündungen zeigen sich bei Menschen mit und ohne Diabetes oft durch ähnliche Beschwerden. Zu den typischen Symptomen gehören:
- Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen
- Häufiger Harndrang (Pollakisurie), selbst bei nur geringen Urinmengen
- Druckgefühl im Unterbauch oder Schmerzen über dem Schambein
- Trüber, übelriechender Urin
- Mitunter Blut im Urin (Hämaturie)
Diabetische Zystopathie und Blasenfunktionsstörungen
Diabetes kann das Risiko von Komplikationen in verschiedenen Teilen des Körpers erhöhen. Eine häufige Komplikation ist die Neuropathie, was bedeutet, dass Nerven geschädigt wurden, was zu Gefühlsverlust führt. Diabetes-Neuropathie kann sich jederzeit entwickeln, aber je länger Sie Diabetes haben, desto wahrscheinlicher ist es, dass Nerven betroffen sind. Die Nervenschädigung kann Ihre Blasen- und Darmfunktion beeinträchtigen.
Die Wirkung der Neuropathie auf die Blase besteht aus einer Trias von Veränderungen. Drittens haben Sie eine beeinträchtigte Kontraktionsfähigkeit der Blase - was es unmöglich macht, Ihre Blase vollständig zu entleeren. Diese Veränderungen führen zu einer vergrößerten und unteraktiven Blase, die anfangs nicht sehr viele Symptome aufweist, aber wenn der Schließmuskel (der Muskel, der die Harnröhre öffnet und verschließt) ebenfalls betroffen ist, kann dies zu Harnverhalt, Inkontinenz und wiederholten Harnwegsinfektionen führen.
Formen der Blasenfunktionsstörung
Bei Diabetespatienten werden häufig Miktionsstörungen beobachtet, die durch eine diabetische Neuropathie verursacht sind. Zu unterscheiden ist die überaktive Blase - mit und ohne Inkontinenz - von der neurogenen Blasenentleerungsstörung, die mit gehäuft auftretenden Harnwegsinfekten und Restharnbildung einhergeht.
Harnwegsinfektionen bei Diabetes
Harnwegsinfektionen zählen zu den häufigsten Infektionskrankheiten - und Menschen mit Diabetes sind davon verstärkt betroffen. Das Risiko ist bei Frauen mit Diabetes bis zu 25-fach, bei Männern bis zu 20-fach deutlich höher als bei gleichaltrigen Personen ohne Diabetes mellitus. Mehrere Faktoren tragen zu diesem erhöhten Risiko bei:
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- Zuckerhaltiger Urin infolge einer schlechten Blutzuckereinstellung
- Blasenentleerungsstörungen durch diabetische Nervenschäden
- Unbemerkte Besiedelung des Urins mit Bakterien (asymptomatische Bakteriurie)
- Eine geschwächte Immunabwehr
Diagnose der diabetischen Neuropathie
Menschen mit Diabetes sollten sich regelmäßig auf Anzeichen einer diabetischen Neuropathie untersuchen lassen. Hierfür gibt es Screeninguntersuchungen, die bei Typ-2-Diabetikern ab der Diagnose und bei Typ-1-Diabetikern spätestens fünf Jahre nach Diabetesbeginn einmal jährlich durchgeführt werden sollten.
Bei diesen Untersuchungen erkundigt sich der Arzt nach Beschwerden und schaut sich Hände und Füße an. Er testet, ob die Patienten sehr leichte Berührungen oder Vibrationen fühlen, und überprüft die Muskelreflexe. Wenn sie diese Berührungen und Vibrationen nicht wahrnehmen oder die Muskelreflexe schwächer sind, ist das ein Hinweis auf eine beginnende diabetische Neuropathie.
Gibt es bei diesen Tests Auffälligkeiten, überprüft der Arzt außerdem das Schmerz- und Kälteempfinden. Er beurteilt den Gang und untersucht die Füße auf Verletzungen. Der Arzt fragt auch nach Symptomen einer autonomen Neuropathie. Um andere Erkrankungen auszuschließen oder bei untypischen Symptomen sind manchmal weitere Untersuchungen notwendig, etwa eine Laboruntersuchung oder eine Echokardiografie (EKG).
Behandlung der diabetischen Neuropathie und Blasenstörung
Eine Blasenfunktionsstörung durch Diabetes ist nicht heilbar, jedoch können die Beschwerden gelindert werden. Das Wichtigste jedoch für Diabetiker ist eine konsequente Diabetestherapie, welche vor Folgeerkrankungen schützt.
Konsequente Diabetestherapie
Eine gute Blutzuckereinstellung kann den Verlauf der Erkrankung bei Typ-1-Diabetes verlangsamen. Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes ist sind gute Blutzuckerwerte allein weniger gut wirksam, um die diabetische Neuropathie aufzuhalten. Hier spielen auch Blutfette, Blutdruck und Körpergewicht eine Rolle. Bei Typ-2-Diabetes sind daher eine gesunde Ernährung und Lebensweise wichtig, um einem Fortschreiten der Erkrankung entgegenzuwirken.
Medikamentöse Therapie
Bei Schmerzen können die Patienten Medikamente nehmen. Allerdings wirken gängige Schmerzmittel wie Aspirin oder Ibuprofen nicht gut bei diabetischer Neuropathie. Zur Schmerztherapie werden Medikamente eingesetzt, die üblicherweise zur Behandlung von Depressionen und Epilepsie verwendet werden, zum Beispiel Pregabalin oder Duloxetin. Diese verändern auch die Schmerzwahrnehmung: Sie hemmen die Weiterleitung von Schmerzreizen an das Gehirn und helfen besser gegen die Schmerzen bei diabetischer Neuropathie.
Außerdem sollen Alpha-Liponsäure und Benfotiamin, eine Vorstufe von Vitamin B12, einen günstigen Einfluss auf die Nerven haben.
Weitere Behandlungsmöglichkeiten
- Beckenbodentraining: Bei unwillkürlichem Harnverlust kann Beckenbodentraining helfen.
- Medikamente: Medikamente, z.B. Anticholinergika, können den Harndrang verringern.
- Harnableitende Techniken: Können bei Blasenentleerungsstörungen eingesetzt werden.
- Operationen: Kommen nur bei PatientInnen mit Belastungsinkontinenz in Frage, bei denen herkömmliche Therapien nicht wirken.
- Inkontinenzhilfsmittel: Liegt eine Inkontinenz vor, kann durch passende Inkontinenzhilfsmittel die Lebensqualität aufrechterhalten werden. Die Wahl des passenden Produktes ist entscheidend.
Behandlung von Blasenentzündungen bei Diabetes
Wie die Therapie im Einzelnen abläuft, hängt vor allem davon ab, ob der Infekt als unkompliziert oder kompliziert eingestuft wird. Bei einer komplizierten Harnwegsinfektion ist eine antibiotische Behandlung dringend angeraten. Bei Menschen mit Diabetes liegen häufiger Begleitumstände vor, die auf einen solchen komplizierten Verlauf hinweisen. Dazu zählen eine instabile Stoffwechsellage, das Vorliegen von diabetesbedingten Nieren- oder Nervenschäden sowie weitere Risikofaktoren.
Bei unkomplizierten Infektionen sollte hingegen auch eine nicht-antibiotische Therapie in Betracht gezogen werden - zum Beispiel mit schmerzlindernden Medikamenten und/oder pflanzlichen Arzneimitteln. Ob eine solche nicht-antibiotische Behandlung für Sie geeignet ist, sollte aufgrund Ihrer diabetischen Grunderkrankung zuvor mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.
Vorbeugung von Harnwegsinfektionen
Falls Sie häufiger an Infektionen des Harntrakts leiden, können Sie Ihr persönliches Risiko für Blasenentzündungen senken durch:
- Gute Blutzuckereinstellung: Ein stabiler Stoffwechsel schützt Ihre Harnwege und stärkt das Immunsystem.
- Ausreichend trinken: Etwa zwei Liter täglich spülen die Blase durch.
- Regelmäßiges Wasserlassen: Gehen Sie zur Toilette, wenn Sie müssen - vermeiden Sie längeres Zurückhalten.
- Intimhygiene: Sanfte Reinigung des Intimbereichs mit lauwarmem Wasser und eventuell pH-neutralen Waschlotionen genügt. Frauen sollten mit dem Toilettenpapier nur von vorn nach hinten wischen, damit Darmkeime nicht in die Nähe der Harnröhre gelangen.
- Unterkühlung vermeiden: Halten Sie Füße und Unterleib warm.
- Baumwollunterwäsche tragen: Atmungsaktive Kleidung verhindert ein feucht-warmes Keimmilieu, das Bakterien besonders mögen.
- Nach dem Geschlechtsverkehr zur Toilette gehen: So lassen sich eingebrachte Keime direkt ausschwemmen.
Leben mit diabetischer Neuropathie und Blasenstörung
Der Leidensdruck bei den Betroffenen ist groß und kann dazu führen, dass sie sich kaum noch aus dem Haus trauen und sozial isolieren. Trotzdem schämen sich viele, dieses Thema beim Arzt anzusprechen. Um die Beschwerden behandeln zu können, ist ein Austausch mit dem Diabetologen darüber jedoch sehr wichtig.
Für Patienten mit einer fortgeschrittenen Neuropathie ist es wichtig zu lernen, mit den körperlichen Einschränkungen umzugehen und im Alltag selbstständig zu bleiben - zum Beispiel durch eine Ergotherapie und Physiotherapie.
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