Ernährungsempfehlungen bei Neuropathie: Ein umfassender Leitfaden

Die Polyneuropathie (PNP), eine Erkrankung des peripheren Nervensystems, kann durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden, darunter Diabetes mellitus, Alkoholkonsum, Infektionen, Autoimmunerkrankungen, Stoffwechselstörungen und Vitaminmangel. Die Symptome, wie Taubheitsgefühl, Schmerzen und Kribbeln in Füßen und Händen, können die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Neben einer medikamentösen Therapie spielt die Ernährung eine entscheidende Rolle bei der Linderung der Symptome und der Verlangsamung des Fortschreitens der Erkrankung.

Polyneuropathie: Ursachen und Symptome

Bei der Polyneuropathie sind die Nervenfasern geschädigt, was zu einer gestörten Reizweiterleitung führt. Empfindungen wie Schmerz, Kälte und Hitze können nicht mehr richtig wahrgenommen werden, und langfristig kann es zu einem kompletten Versagen der Reizleitung kommen. Zu den häufigsten Ursachen gehören:

  • Infektionskrankheiten (z.B. Borreliose, Herpes-Viren)
  • Autoimmunerkrankungen
  • Stoffwechselerkrankungen (z.B. Diabetes mellitus)
  • Vitamin-B12-Mangel
  • Toxine (z.B. Chemotherapie, Alkoholismus)
  • Chronische Niereninsuffizienz

Betroffene klagen häufig über ein Taubheitsgefühl in den Füßen, das sich auf den ganzen Fuß ausbreitet. Der Gang wird unsicher, und es entsteht ein Gefühl, "wie auf Watte zu gehen". Typisch sind auch neuropathische Schmerzen, die spontan einschiessen und oft als brennend und stechend beschrieben werden. Unbehandelt können langfristig Lähmungen des Fußmuskels auftreten.

Ernährungstherapie bei Polyneuropathie

Eine gezielte Ernährungsstrategie kann die Beschwerden positiv beeinflussen. Der Schwerpunkt liegt auf antioxidativen und entzündungshemmenden Lebensmitteln sowie einer ausreichenden Zufuhr von B-Vitaminen.

B-Vitamine für gesunde Nerven

B-Vitamine, insbesondere B1 (Thiamin), B6 (Pyridoxin) und B12 (Cobalamin), sind für die Gesundheit der Nerven und deren Regeneration unerlässlich. Sie unterstützen die Nervenfunktion und können helfen, Symptome wie Kribbeln, Brennen und Taubheitsgefühle zu lindern. Gute Quellen für B-Vitamine sind:

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  • Hülsenfrüchte
  • Vollkornbrot
  • Weizenkeime
  • Rindfleisch
  • Hühnchen
  • Fisch
  • Eier
  • Milchprodukte

Veganer sollten auf eine ausreichende Zufuhr von Vitamin B12 achten, da es hauptsächlich in tierischen Produkten vorkommt. In diesem Fall kann eine Nahrungsergänzung sinnvoll sein.

Antioxidantien zum Schutz der Nerven

Antioxidantien wie Vitamin C und E, Alpha-Liponsäure, Zink und sekundäre Pflanzenstoffe (z.B. Polyphenole, Beta-Carotin) reduzieren oxidativen Stress, wirken protektiv und entzündungshemmend. Sie schützen die Nervenzellen vor Schäden durch freie Radikale und können so zur Verbesserung der Nervenfunktion beitragen. Gute Quellen für Antioxidantien sind:

  • Karotten
  • Tomaten
  • Spinat
  • Brokkoli
  • Vollkorngetreide
  • Hafer
  • Fermentierte Lebensmittel
  • Beeren
  • Grüner Tee

Omega-3-Fettsäuren für eine gesunde Nervenfunktion

Omega-3-Fettsäuren, insbesondere Eicosapentaensäure (EPA) und Alpha-Linolensäure (ALA), unterstützen eine gesunde Nervenfunktion und wirken entzündungshemmend. Sie können helfen, Nervensignale besser zu übertragen und Entzündungen im Körper zu reduzieren. Gute Quellen für Omega-3-Fettsäuren sind:

  • Fetter Fisch (z.B. Lachs, Makrele, Hering)
  • Nüsse
  • Lein- und Rapsöl
  • Avocado
  • Chia- und Leinsamen

Ernährungsempfehlungen für Diabetiker mit Polyneuropathie

Da etwa 20-30 % aller Diabetiker langfristig an einer Polyneuropathie erkranken, ist es besonders wichtig, den Zuckerkonsum zu reduzieren und auf eine Vitamin-B-reiche Ernährung zu achten. Ziel ist es, den Diabetes und den Langzeit-Blutzuckerwert optimal einzustellen, um die Entstehung von Folgeerkrankungen zu vermeiden. Die Einnahme von Metformin, einem häufig verwendeten Medikament zur Behandlung von Diabetes, kann einen Vitamin-B12-Mangel begünstigen.

Zu vermeidende Lebensmittel

Bestimmte Lebensmittel können die Beschwerden einer Polyneuropathie verstärken und das Fortschreiten der Erkrankung begünstigen. Dazu gehören:

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  • Alkohol und Tabak: Diese fördern eine Nervenschädigung.
  • Zuckerhaltige Getränke (z.B. Cola, Limonaden): Sie führen zu einem Anstieg des Blutzuckerspiegels.
  • Weißmehlprodukte und Fertiggerichte: Sie enthalten oft versteckte Fette, Zucker und Geschmacksverstärker, die der Gesundheit schaden.
  • Verarbeitete und harte Fette: Sie enthalten verschiedene Zusätze und sind daher nicht empfehlenswert.

Weitere Ernährungsempfehlungen

  • Ballaststoffreiche Ernährung: Ballaststoffe sorgen dafür, dass Kohlenhydrate langsamer ins Blut gehen und den Blutzuckerspiegel stabil halten.
  • Natürliche Fette: Pflanzliche Fette sind den tierischen Fetten vorzuziehen.
  • Regelmäßige Mahlzeiten: Regelmäßige Mahlzeiten helfen, den Blutzuckerspiegel stabil zu halten und Heißhungerattacken zu vermeiden.
  • Ausreichend Flüssigkeit: Trinken Sie ausreichend Wasser oder ungesüßten Tee, um den Körper ausreichend mit Flüssigkeit zu versorgen.
  • Mittelmeer-Diät: Diese Ernährungsweise ist reich an gesunden Fetten und komplexen Kohlenhydraten.
  • Clean Eating: Diese Methode setzt auf naturbelassene, unverarbeitete, regionale Nahrungsmittel aus biologischem Anbau.
  • Heilfasten: Heilfasten kann unter Umständen sinnvoll sein, vor allem wenn Diabetes die Ursache der Nervenschäden ist. Es sollte aber mit Fachleuten abgesprochen werden.

Bewegungstherapie bei Polyneuropathie

Neben der Ernährung ist auch eine ausreichende Bewegung im Alltag und spezielle kräftigende Übungen wichtig, um die Symptome einer Polyneuropathie zu lindern. Sensomotorisches Training verbessert das Gleichgewicht sowie die Gangsicherheit. Studien zeigen, dass gezielte Bewegung die beste Behandlungsmethode bei Nervenschäden ist.

Nahrungsergänzungsmittel bei Polyneuropathie

Nahrungsergänzungsmittel können eine sinnvolle Ergänzung zu einer ausgewogenen Ernährung sein, um den Körper mit ausreichend Vitalstoffen zu versorgen. Allerdings sollten sie nicht unselektiv und ohne detaillierte Diagnostik eingenommen werden. Eine ärztliche Beratung ist empfehlenswert, um den individuellen Bedarf zu ermitteln und mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten zu vermeiden.

Einige Nahrungsergänzungsmittel, die bei Polyneuropathie in Betracht gezogen werden können, sind:

  • Alpha-Liponsäure: Sie wirkt antioxidativ und kann bei diabetischer Neuropathie helfen.
  • Vitamin B12: Es ist wichtig für die Nervenfunktion und kann bei Mangelerscheinungen eingenommen werden.
  • Omega-3-Fettsäuren: Sie wirken entzündungshemmend und können die Nervenfunktion unterstützen.
  • Acetyl-L-Carnitin: Es kann bei bestimmten Chemotherapien positive Wirkungen haben.
  • Vitamin D: Ein Mangel an Vitamin D kann das Risiko für Polyneuropathie erhöhen.

Naturheilkundliche Ansätze bei Polyneuropathie

Auch die Naturheilkunde bietet verschiedene Ansätze zur Behandlung von Polyneuropathie. Dazu gehören:

  • Chinesische Medizin (TCM): Die TCM sieht eine "innere Verschleimung" als eine wichtige Ursache für Polyneuropathie. Eine Ernährung nach den Prinzipien der TCM kann helfen, diese Verschleimung zu reduzieren.
  • Heilpflanzen: Bestimmte Heilpflanzen wie Frauenmantel, Scharfgarbe, Mönchspfeffer oder Johanniskraut können bei Menstruationsschmerzen helfen, die durch Polyneuropathie verursacht werden.

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