Neuropathische Schmerzen im Finger, oft beschrieben als stechende, brennende oder nadelstichartige Schmerzen, können verschiedene Ursachen haben und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen, Diagnosemethoden und Behandlungsansätze, um Betroffenen einen umfassenden Überblick zu bieten.
Was sind neuropathische Schmerzen?
Neuropathische Schmerzen sind Schmerzen, die durch eine Schädigung oder Erkrankung des Nervensystems verursacht werden. Sie unterscheiden sich von nozizeptiven Schmerzen, die durch die Aktivierung von Schmerzrezeptoren in Reaktion auf Gewebeschäden entstehen. Neuropathische Schmerzen können sich durch verschiedene Empfindungen äußern, darunter Brennen, Stechen, Bohren oder ein einschießendes Gefühl. Oft treten sie in Ruhe auf und können durch leichte Berührungen ausgelöst werden (Allodynie).
Mögliche Ursachen für neuropathische Schmerzen im Finger
Karpaltunnelsyndrom
Das Karpaltunnelsyndrom entsteht durch die Einengung des Nervus medianus im Karpaltunnel, einer anatomischen Engstelle auf der Innenseite des Handgelenks. Diese Einengung kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden, wie z.B. verdickte Sehnenscheiden, knöcherne Fehlstellungen nach einem Handbruch oder Grunderkrankungen wie rheumatoide Arthritis oder Diabetes mellitus.
Symptome:
- Handschmerzen, insbesondere im Bereich von Daumen, Zeige- und Mittelfinger
- Taubheitsgefühl und Kribbeln in den Fingern
- Nächtliche Schmerzen und ein unangenehmes, pelziges Gefühl
- In schweren Fällen Lähmungserscheinungen der Hand und Kraftverlust
Polyneuropathie
Die Polyneuropathie ist eine Erkrankung, die viele periphere Nerven betrifft und verschiedene Ursachen haben kann, darunter Diabetes mellitus, Alkoholmissbrauch, Vitaminmangel (insbesondere Vitamin B12), Autoimmunerkrankungen, Infektionen und toxische Substanzen.
Symptome:
- Missempfindungen wie Kribbeln, Brennen, Taubheit oder stechende Schmerzen
- Muskelschmerzen und -schwäche
- Koordinationsstörungen
- In den meisten Fällen betrifft sie symmetrisch die Extremitäten und beginnt an den Zehen oder Fingern.
Nervenkompression
Nerven können an verschiedenen Engstellen im Körper eingeklemmt werden, was zu neuropathischen Schmerzen führen kann. Im Bereich der Hand und Finger können dies z.B. Kompressionen des Nervus ulnaris im Kubitaltunnel (Sulcus ulnaris Syndrom) oder Kompressionen von Nerven im Bereich der Wirbelsäule sein, die zu ausstrahlenden Schmerzen in den Arm und die Finger führen.
Lesen Sie auch: Multimodale Therapie bei neuropathischen Schmerzen
Symptome:
- Ausstrahlende Schmerzen im Versorgungsgebiet des betroffenen Nervs
- Missempfindungen wie Kribbeln, Ameisenlaufen oder Taubheitsgefühle
- Muskelschwäche
Nervenschmerzen
Nervenschmerzen entstehen durch eine direkte Schädigung der Nerven selbst und können durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden, wie z.B. Verletzungen, Operationen, Infektionen oder Entzündungen.
Symptome:
- Brennende, stechende oder einschießende Schmerzen
- Berührungsempfindlichkeit (Allodynie)
- Verstärkte Schmerzempfindlichkeit (Hyperalgesie)
Andere Ursachen
Neben den genannten Ursachen können neuropathische Schmerzen im Finger auch durch andere Faktoren ausgelöst werden, wie z.B.:
- Durchblutungsstörungen
- Entzündungen
- Infektionen
- Magnesiummangel oder andere Elektrolytverschiebungen
Diagnose von neuropathischen Schmerzen im Finger
Die Diagnose von neuropathischen Schmerzen im Finger erfordert eine sorgfältige Anamnese, körperliche Untersuchung und gegebenenfalls weitere diagnostische Maßnahmen.
Anamnese und körperliche Untersuchung
Der Arzt wird zunächst ausführlich nach der Art, Lokalisation und Intensität der Schmerzen fragen, sowie nach Begleitsymptomen und möglichen Auslösern. Bei der körperlichen Untersuchung werden die Sensibilität, Motorik und Reflexe der Hand und Finger geprüft.
Spezielle Tests
- Phalen-Test: Dieser Test wird zur Diagnose des Karpaltunnelsyndroms eingesetzt. Dabei werden die Handinnenflächen oder Handrücken zusammengelegt. Treten dabei Gefühlsstörungen in den Fingern auf, ist der Test positiv.
- Elektroneurographie (ENG): Diese Untersuchung misst die Nervenleitgeschwindigkeit und kann Nervenschädigungen aufdecken.
- Elektromyographie (EMG): Diese Untersuchung misst die Muskelaktivität und kann helfen, zwischen muskulären und nervalen Ursachen zu unterscheiden.
- Bildgebende Verfahren: In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie Röntgen, CT oder MRT eingesetzt werden, um die Ursache der Nervenschädigung zu identifizieren.
- Quantitative sensorische Testung (QST): Diese Testung prüft die Hautempfindlichkeit und hilft zu erkennen, welche Nervenfasern genau geschädigt sind und wie stark die Schädigung fortgeschritten ist.
- Hautbiopsie: Bei Verdacht auf Small-Fiber-Neuropathie kann eine Gewebeprobe aus der Haut unter dem Mikroskop untersucht werden.
Blutuntersuchungen
Ein Blutbild kann Hinweise auf Vitaminmangel (z.B. B12-Mangel), Entzündungen oder Stoffwechselerkrankungen (z.B. Diabetes) geben. Auch Elektrolyt- und Vitaminwerte können direkt bestimmt werden.
Lesen Sie auch: Ursachen und Behandlung neuropathischer Schmerzen
Behandlung von neuropathischen Schmerzen im Finger
Die Behandlung von neuropathischen Schmerzen im Finger zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern, die Ursache der Nervenschädigung zu behandeln und dieFunktionsfähigkeit der Hand und Finger zu verbessern.
Konservative Behandlung
- Schmerzmittel: Zur Schmerzlinderung können verschiedene Schmerzmittel eingesetzt werden, darunter nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen, Antidepressiva und Antikonvulsiva.
- Vitamin B12: Bei Verdacht auf einen Vitamin B12-Mangel kann die Einnahme von Vitamin B12-Präparaten helfen.
- Physikalische Therapie: Physikalische Behandlungen wie Kälte- oder Wärmeanwendungen können zur Schmerzlinderung beitragen.
- Ergotherapie: Ergotherapie kann helfen, die Hand- und Fingerfunktion zu verbessern und компенсаatorische Strategien zu entwickeln.
- Psychologische Therapie: Bei chronischen Schmerzen kann eine psychologische Therapie helfen, den Umgang mit den Schmerzen zu erlernen und die Lebensqualität zu verbessern.
- Injektionen: Lokale Injektionen von Schmerzmitteln oder Kortison in den Karpaltunnel können die Schmerzen lindern und wirken abschwellend.
- Schienen: Spezielle orthopädische Schienen entlasten den Handnerven und können die Beschwerden lindern. Diese Maßnahme hilft vor allem bei nächtlichen Schmerzen, indem der Druck auf das Handgelenk reduziert wird.
Operative Behandlung
In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um die Ursache der Nervenschädigung zu beheben. Beim Karpaltunnelsyndrom kann beispielsweise eine operative Dekompression des Nervus medianus durchgeführt werden.
Karpaltunneloperation (Neurolyse):
- Bei der endoskopischen Operation werden nur minimale Hautschnitte benötigt.
- Der Operateur entfernt einengende Gewebestrukturen wie übermäßig gewachsenes Bindegewebe.
- Der Eingriff erfolgt in der Regel unter lokaler Betäubung ambulant.
- Die offene Operationsmethode benötigt einen größeren Schnitt, der meist 2 bis 6 cm lang ist. Sie bietet Vorteile, wenn umfassendere Erkrankungen der Sehnenscheiden oder anderer Weichteile vorliegen.
Weitere Behandlungsansätze
- Akupunktur: Einige Studien deuten darauf hin, dass Akupunktur bei neuropathischen Schmerzen helfen kann.
- TENS (Transkutane Elektrische Nervenstimulation): Bei der Elektrotherapie werden die Nerven durch Impulse aus einem speziellen Gerät so stimuliert, dass Erkrankte statt Schmerzen ein leichtes Kribbeln spüren.
- Capsaicin-Pflaster: Capsaicin ist für die Schärfe der Chilischoten verantwortlich und hat sich in Form von Capsaicin-Pflastern auf der Haut in Studien als erfolgversprechendes Mittel gegen Polyneuropathie erwiesen.
Spezielle Aspekte bei bestimmten Ursachen
- Karpaltunnelsyndrom: Im Anfangsstadium können Schienen bereits eine Ausheilung bewirken. Nach einer operativen Behandlung ist die operierte Hand nach etwa 3 Wochen wieder eingeschränkt belastbar, nach 6 Wochen kann der Patient auch körperlich anspruchsvolle Arbeiten wieder verrichten.
- Diabetische Polyneuropathie: Eine gute Blutzuckereinstellung ist entscheidend, um die Nervenschädigung zu stoppen. Allerdings führt eine zu rasche Senkung der Blutzuckerwerte zu weiteren Nervenschäden.
- Alkoholbedingte Polyneuropathie: Abstinenz ist entscheidend, um die Nervenschädigung zu stoppen.
Was macht Lumedis in der Behandlung chronischer Schmerzen wie Nadelstiche im Finger einzigartig?
Lumedis bietet eine ganzheitliche Diagnostik und Therapie bei chronischen Schmerzen wie Nadelstichen im Finger an. Der Muskuläre-Dysbalancen-Check hilft, Ungleichgewichte zwischen verschiedenen Muskelgruppen aufzudecken. Diese können zu Verspannungen im Nacken-, Schulter- oder Armbereich führen, die Druck auf Nerven ausüben oder Durchblutungsstörungen verursachen können. Die Elektromyographie misst die elektrische Aktivität der Muskeln und kann helfen, zwischen muskulären und nervalen Ursachen zu unterscheiden. Insbesondere bei zervikalen Radikulopathien oder Nervenkompressionssyndromen.
Lesen Sie auch: Überblick: Riluzol gegen Nervenschmerzen
tags: #neuropathische #schmerzen #finger