Supplementär-motorischer Cortex: Funktion, Aufbau und Bedeutung

Der zerebrale Kortex, auch Großhirnrinde genannt, ist der größte und am weitesten entwickelte Teil des menschlichen Gehirns und des zentralen Nervensystems (ZNS). Er nimmt den oberen Teil der Schädelhöhle ein und besteht aus vier Lappen, die in zwei Hemisphären unterteilt sind, welche zentral durch das Corpus callosum verbunden sind. Die Rinde enthält erkennbare Gyri (Hirnwindungen), die durch Sulci (Furchen) getrennt sind. Die Großhirnrinde ist essentiell für das bewusste Erleben von Sinnesreizen und die Planung komplexer Aufgaben und Prozesse. Das Großhirn ist der größte Anteil des Gehirns.

Überblick über den zerebralen Kortex

Der zerebrale Kortex ist für zahlreiche höhere Funktionen verantwortlich, darunter sensorische Wahrnehmung, motorische Steuerung, kognitive Prozesse und Sprachverarbeitung. Die arterielle Versorgung des Kortex erfolgt durch die paarigen Arteriae carotides internae und Arteriae vertebrales. Alle münden in den Zusammenfluss der Sinus sagittalis, Sinus transversus, Sinus sigmoideus und schließlich in die Vena jugularis interna. Die primäre arterielle Versorgung im gesamten Großhirn erfolgt durch die Arteria cerebri anterior (ACA), die Arteria cerebri media (MCA) und die Arteria cerebri posterior (PCA).

Die Lappen des Gehirns

Der zerebrale Kortex ist in vier Hauptlappen unterteilt:

  • Frontallappen: Liegt am weitesten anterior/superior des supratentoriellen Gehirns. Er ist maßgeblich an der Planung, Entscheidungsfindung, dem Arbeitsgedächtnis und der willentlichen Bewegung beteiligt.
  • Parietallappen: Liegt posterior zum Frontallappen und superior zum Okzipitallappen. Er ist an Prozessen der Empfindung und des Sprachverständnisses beteiligt.
  • Okzipitallappen: Ist der am weitesten posterior gelegene Lappen des supratentoriellen Gehirns und zuständig für die Verarbeitung visueller Informationen.
  • Temporallappen: Liegt anterior/inferior des supratentoriellen Gehirns und spielt eine Rolle bei auditorischer Verarbeitung, Gedächtnis und Sprachverständnis.

Der Motorische Kortex: Eine Einführung

Der motorische Kortex ist eine zentrale Struktur des menschlichen Gehirns, welche essenziell für die Planung, Kontrolle und Ausführung willkürlicher Bewegungen ist. Er befindet sich im Frontallappen und liegt direkt vor dem Sulcus centralis. Funktionell umfasst der motorische Kortex mehrere spezialisierte Bereiche, die eng miteinander zusammenwirken. Hierzu gehören der primäre motorische Kortex (M1), der prämotorische Kortex und das supplementär-motorische Areal (SMA).

Aufbau des Motorischen Kortex

Der motorische Kortex weist den charakteristischen sechsschichtigen Aufbau des Isocortex auf. Er ist in verschiedene Bereiche unterteilt, die jeweils für unterschiedliche Funktionen zuständig sind:

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  • Primärer Motorischer Kortex (M1): Liegt im Gyrus präcentralis und ist direkt an der Ausführung von Bewegungen beteiligt. Er wird auch als Brodmann-Areal 4 bezeichnet.
  • Prämotorischer Kortex (PMC): Hilft bei der Planung und Vorbereitung von Bewegungen. Er nimmt das Brodmann-Areal 6 ein.
  • Supplementär-motorischer Kortex (SMA): Koordiniert komplexe und sequenzielle Bewegungen. Er liegt direkt vor dem prämotorischen Kortex auf der Oberfläche.

Diese Bereiche arbeiten zusammen, um Bewegungen präzise und koordiniert umzusetzen.

Funktion des Motorischen Kortex

Der motorische Kortex steuert die Bewegungen unseres Körpers und arbeitet eng mit anderen Gehirnregionen zusammen, um eine reibungslose Ausführung zu gewährleisten. Jede dieser Bereiche ist entscheidend, um alltägliche Bewegungen präzise und effektiv zu machen. Der motorische Kortex spielt eine entscheidende Rolle beim Erlernen neuer motorischer Fähigkeiten, indem er komplexe Bewegungspläne erstellt und koordiniert.

Primär Motorischer Kortex (M1): Die Direkte Bewegungssteuerung

Der primäre motorische Kortex spielt eine zentrale Rolle bei der Kontrolle von freiwilligen Bewegungen. Er ist direkt verantwortlich für die Erzeugung von motorischen Befehlen, die dann an die Muskeln gesendet werden.

Somatotopische Organisation

Im präzisen Detail reguliert der primäre motorische Kortex die Bewegungen durch die Organisation in einer somatotopen Karte. Das bedeutet, dass spezifische Regionen des Kortex mit bestimmten Körperteilen verknüpft sind:

  • Kopf- und Gesichtsbewegungen befinden sich im unteren Bereich des Kortex.
  • Hand- und Armbewegungen sind zentral lokalisiert.
  • Fuß- und Beinbewegungen finden sich in den oberen Bereichen.

Eine solche Organisation ermöglicht präzise und koordinierte Bewegungen über den gesamten Körper hinweg. Die somatotopische Gliederung motorischer Efferenzen sowie sensorischer Afferenzen in den jeweiligen Kortexarealen wird modellhaft durch den Homunkulus veranschaulicht. Der motorische Homunkulus stellt schematisch die somatotopische Organisation des primär motorischen Cortex dar. Dabei sind Körperteile, die feinmotorische Kontrolle erfordern, z.B. Hände und Gesicht überproportional dargestellt, während weniger präzise kontrollierte Bereiche kleinere Bereiche einnehmen.

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Funktionelle Aspekte

Der primäre motorische Kortex wird als Ursprung der willkürlichen Motorik betrachtet, besonders in Bezug auf Schnelligkeit, Richtung und Kraftentwicklung. Die Axone seiner Pyramidenzellen bilden die Pyramidenbahn. Sie zieht zum Rückenmark, wo die Bewegungsimpulse zur Muskulatur verschaltet werden.

Im primären motorischen Kortex sind die Hände und das Gesicht unverhältnismäßig stark repräsentiert, da sie feinmotorische Kontrolle benötigen. Der primäre motorische Kortex ist nicht nur für einzelne Bewegungen zuständig, sondern kann auch komplexe Bewegungsmuster planen und anpassen.

Sekundär Motorischer Kortex: Planung und Koordination

Der sekundäre motorische Kortex ist ein wichtiger Bereich des Gehirns, der bei der Planung, Koordination und Feinabstimmung von Bewegungen eine wesentliche Rolle spielt. Er unterstützt den primär motorischen Kortex dabei, komplexe Bewegungsabläufe reibungslos zu organisieren. Zum sekundären motorischen Cortex gehören die Gebiete (supplementär-motorisches Areal, prämotorischer Cortex und motorische Areale des Gyrus cinguli), die einen großen Teil ihres Inputs von Assoziationscortizes empfangen und einen großen Teil ihres Outputs zum primären motorischen Cortex senden.

Bereiche des Sekundären Motorischen Kortex

Der sekundäre motorische Kortex umfasst vor allem den prämotorischen und den supplementär-motorischen Kortex. Diese Bereiche haben spezifische Funktionen:

  • Prämotorischer Kortex: Bereitet den Körper auf geplante Bewegungen vor, indem er externe Reize interpretiert. Er plant Bewegungen und integriert sensorische Informationen, um diese an Bewegungsmuster anzupassen.
  • Supplementär-motorischer Kortex: Ist an der Initiierung und Koordination von komplexen, intern gesteuerten Bewegungen beteiligt. Die Neurone hier sind an der Entwicklung des Bewegungsplans beteiligt.

Funktionelle Bedeutung

Diese Prozesse helfen nicht nur bei der Bewegungsplanung, sondern auch bei der Anpassung an sich ändernde Umgebungen und Anforderungen, was die Flexibilität des Bewegungsapparats erhöht. Der sekundäre motorische Kortex hilft oft dabei, Bewegungen zu automatisieren, wie beim Radfahren.

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Der Supplementär-motorische Kortex (SMA): Koordination komplexer Bewegungen

Der supplementär-motorische Kortex (SMA) ist ein Teil des sekundären motorischen Kortex und spielt eine entscheidende Rolle bei der Planung und Koordination komplexer Bewegungsabläufe, insbesondere solcher, die eine interne Steuerung und Sequenzierung erfordern. Er liegt auf der medialen Seite des Frontallappens, vor dem primären motorischen Kortex.

Funktionelle Eigenschaften des SMA

Der SMA ist besonders aktiv bei:

  • Sequenziellen Bewegungen: Bewegungen, die in einer bestimmten Reihenfolge ausgeführt werden müssen.
  • Intern generierten Bewegungen: Bewegungen, die nicht durch externe Reize ausgelöst werden, sondern auf internen Plänen und Entscheidungen basieren.
  • Mentaler Bewegungsplanung: Der SMA ist auch aktiv, wenn man sich Bewegungen nur vorstellt, ohne sie tatsächlich auszuführen.
  • Bilateralen Bewegungen: Koordination von Bewegungen beider Körperhälften.

Verbindungen des SMA

Der SMA ist eng mit anderen Hirnregionen verbunden, darunter:

  • Prämotorischer Kortex (PMC): Austausch von Informationen zur Bewegungsplanung und -vorbereitung.
  • Basalganglien: Beteiligung an der Auswahl und Initiierung von Bewegungen.
  • Parietallappen: Integration sensorischer Informationen zur Bewegungssteuerung.
  • Primärer motorischer Kortex (M1): Weiterleitung der Bewegungspläne zur Ausführung.

Bedeutung für das Lernen und die Anpassung

Der SMA spielt eine wichtige Rolle beim Erlernen neuer Bewegungssequenzen und bei der Anpassung an veränderte Umweltbedingungen. Er ermöglicht es uns, komplexe Bewegungsabläufe zu automatisieren und effizient auszuführen.

Klinische Relevanz

Schädigungen des SMA können zu verschiedenen motorischen Störungen führen, wie z.B.:

  • Akinetischer Mutismus: Schwierigkeiten bei der Initiierung von Bewegungen und Sprache.
  • Verlust der Fähigkeit zur sequenziellen Bewegung: Schwierigkeiten, Bewegungen in der richtigen Reihenfolge auszuführen.
  • Alien-Limb-Syndrom: Das Gefühl, dass eine Gliedmaße unkontrolliert und unabhängig vom Willen des Patienten agiert.

Störungen des Motorischen Kortex

Störungen der motorischen Rinde können nennenswerte Auswirkungen auf die Bewegungsfähigkeit haben und verschiedene neurologische Krankheitsbilder verursachen. Verletzungen im motorischen Kortex können zu verschiedenen Bewegungseinschränkungen führen, wie Lähmungen, Verlust der Feinmotorik oder Koordinationsstörungen. Die Ausprägung der Auswirkungen hängt vom betroffenen spezifischen Bereich des Kortex ab.

  • Bei Läsionen im M1, wie bei einem Schlaganfall, kann es zu kontralateraler Hemiparese kommen oder auch zur Hemiplegie, welche die Halbseitenlähmung beschreiben.
  • Schädigungen der orbitofrontalen Region können zum Beispiel zu pseudo-depressiven Störungen führen. In diesem Fall sind die Patienten antriebslos bis hin zu Apathie, reduziert im sexuellen Verhalten und zeigen wenig Emotion.
  • Nahezu umgekehrt ist die pseudo-psychopathische Störung. Diese Patienten zeigen eine motorische Unruhe, sind distanz- und hemmungslos. Speziell im sexuellen Bereich verlieren sie das Gefühl für soziale Konventionen und zeigen ein übermäßiges Verlangen.

Heute zählt man Symptome wie diese zum Frontallappensyndrom, das entsprechend der vielfältigen Aufgaben des frontalen Cortex und dem hohen Grad seiner Vernetzung unterschiedliche Aspekte hat.

Untersuchung des Motorischen Kortex

Durch bildgebende Verfahren wie der funktionellen Magnetresonanztomograhie (fMRT) kann die Aktivität des motorischen Cortex untersucht werden. Wissenschaftler nutzen Methoden wie funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT) und Elektroenzephalographie (EEG), um die Aktivität im motorischen Kortex zu beobachten. Elektrostimulation und transkranielle Magnetstimulation (TMS) helfen, die direkte Funktionalität zu untersuchen.

Plastizität des Motorischen Kortex

Ein spannender Aspekt des sekundären motorischen Kortex ist seine Anpassungsfähigkeit. Studien haben gezeigt, dass bereits gedachte Bewegungen bestimmte neuronale Muster im sekundären motorischen Kortex aktivieren können, ähnlich wie bei der tatsächlichen Ausführung. Dies nennt man auch motorisches Imaginieren. In der Neurorehabilitation wird dieses Wissen beispielsweise genutzt, um Patienten zu unterstützen, die aufgrund von neurologischen Erkrankungen oder Verletzungen ihre Bewegungsfähigkeiten verloren haben.

Einige Forschungen haben gezeigt, dass die Aktivität im motorischen Kortex nicht nur mit tatsächlichen Bewegungen korreliert, sondern auch mit der Vorstellung von Bewegungen. Diese Gehirnaktivität während der mentalen Bewegungsvorstellung wird als mentale Simulation bezeichnet und spielt eine Rolle bei der Rehabilitation von Patienten nach einem Schlaganfall. Durch das Training dieser Vorstellung können bestimmte motorische Fähigkeiten verbessert werden. Dies verdeutlicht, wie flexibel und anpassungsfähig der motorische Kortex wirklich ist!

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