Der supplementärmotorische Kortex (SMA) im Großhirn: Funktionen, Anatomie und Bedeutung

Der Motorkortex, eine zentrale Region im Gehirn, ist für die Steuerung und Koordination von Bewegungen verantwortlich. Als Teil des Frontallappens umfasst er verschiedene Areale, die von der Planung komplexer Bewegungsabläufe bis zur direkten Kontrolle der Muskulatur reichen. Neben seiner Funktion bei willkürlichen Bewegungen spielt der Motorkortex eine entscheidende Rolle in der Feinabstimmung motorischer Prozesse und der Integration sensorischer Informationen, um präzise und koordinierte Aktionen zu ermöglichen. Seine Bedeutung zeigt sich besonders bei Störungen, die zu motorischen Einschränkungen oder Fehlfunktionen führen können.

Anatomische Übersicht des Motorkortex

Funktionell und anatomisch wird der Motorkortex in verschiedene Bereiche unterteilt:

  • Der primär motorische Kortex (M1)
  • Der prämotorische Kortex
  • Der supplementärmotorische Kortex (SMA)
  • Das frontale Blickzentrum

Diese Areale der Großhirnrinde initiieren teilweise die motorischen Funktionen und die Ausführung der Muskulatur, die über das Rückenmark und periphere Nerven erreicht wird.

Primär motorischer Kortex (M1)

Der primär motorische Kortex umfasst den Gyrus precentralis, der anterior des Sulcus centralis liegt. Bei diesem Areal handelt es sich um den eigentlichen Motorkortex, da es auch kurz als M1 bezeichnet wird. Afferenzen erhält der Gyrus precentralis aus dem Nucleus ventralis anterolateralis des Thalamus. Dort wurden zuvor motorische Informationen aus dem Kleinhirn und den Basalganglien verarbeitet und diese werden dann an den Motorkortex weitergeleitet. Efferenzen gehen über den Tractus corticonuclearis zu den somatoefferenten Hirnnervenkernen. Über die Pyramidenbahn (Tractus corticospinalis) sendet der primär motorische Kortex motorische Information in Richtung der Peripherie. In der Pyramidenbahn kreuzen 70 bis 90 Prozent (Tractus corticospinalis lateralis) der Fasern in ihrem Verlauf auf Höhe der Medulla oblongata auf die Gegenseite und bilden die sichtbaren Pyramiden. Damit ist der primär motorische Kortex hauptsächlich Taktgeber der willkürlichen Motorik. Dabei innerviert er immer die kontralaterale Körperhälfte, also die Gegenseite.

Prämotorischer Kortex

Der prämotorische Kortex verläuft entlang der Brodmann-Areale 6 und 8. Dabei handelt es sich dem supplementärmotorischen Kortex um einen Teil der prämotorischen Rinde, genauer gesagt dem medialen Teil. Funktionell stellt dieser Teil die Bewegungsplanung in den Vordergrund. Allerdings ziehen von hier aus auch Fasern weg, die eine direkte Auswirkung auf die Motorik ausüben. Vor allem aktivieren diese Fasern Teile des Gehirns, die der sogenannten Extrapyramidalmotorik zugeschrieben sind. Dies sind Regionen und Bahnen, die außerhalb der Pyramidenbahnen die Motorik beeinflussen.

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Frontales Blickzentrum

Augenbewegungen werden von den äußeren Augenmuskeln gesteuert. Die Initiation der Augenbewegung übernimmt das frontale Blickzentrum, welches sich im Frontallappen der Großhirnrinde befindet. Die Informationen, die hier entstehen, beeinflussen die Motorik der kontralateralen Seite im Auge. Informationen, die dem frontalen Blickzentrum zugeführt werden, kommen aus der Sehrinde, die sich im Okzipitallappen der Großhirnrinde befindet. Um allerdings Bewegungen konkret auslösen zu lassen, müssen die efferenten Bahnen aus dem frontalen Blickzentrum zunächst in die Colliculi superiores und in die Formatio reticularis der Pons geschickt werden.

Motorisches Sprachzentrum (Broca-Areal)

Das motorische Sprachzentrum (auch: Broca-Areal/Broca-Sprachzentrum) liegt in der Pars opericularis und Pars triangularis des Gyrus frontalis inferior im Frontallappen der Großhirnrinde. Hier wird jedoch nicht die spezifische Muskulatur zum Sprechen der Worte angesteuert, es handelt sich eher um das Formen der Sprache. Über verschiedene Efferenzen sendet das motorische Sprachzentrum Informationen beispielsweise an den Thalamus oder die Basalganglien, die für die Aussprache der geformten Worte wichtig sind. Auch efferente Bahnen zur primären motorischen Rinde existieren, von wo aus spezielle Hirnnervenkerne angesteuert werden können. Allerdings bekommt das motorische Sprachzentrum auch Afferenzen zugeführt. Zwei wichtige afferente Bahnen kommen aus der primären sowie sekundären Hörrinde (Wernicke-Zentrum), das dem Sprachverständnis dient.

Wernicke-Zentrum vs. Broca-Zentrum: Oftmals werden die Begriffe Broca- und Wernicke-Zentrum verwechselt. Dabei handelt es sich beim Wernicke-Zentrum um die sekundäre Hörrinde, die das Sprachverständnis vermittelt.

Frontales Blasenzentrum

Das frontale Blasenzentrum muss wie das motorische Sprachzentrum nicht unbedingt zum Motorkortex gezählt werden. Es ist aber verantwortlich für die willkürlich steuerbare Entleerung der Harnblase sowie teilweise sogar die Kontrolle über die Stuhlkontinenz.

Funktionen des Motorkortex

Der Motorkortex ist für die Steuerung der Willkürmotorik zuständig, das heißt, er initiiert und kontrolliert bewusste Bewegungen des Körpers. Er sendet Signale über die Pyramidenbahn direkt zu den Motoneuronen im Rückenmark, die dann die entsprechenden Muskeln aktivieren. Zum Motorkortex zählen der primäre motorische Cortex (M1), der im Gyrus praecentralis liegt, sowie angrenzende Gebiete wie der prämotorische Cortex und das supplementär-motorische Areal. Diese Regionen arbeiten zusammen, um komplexe Bewegungsabläufe zu planen und auszuführen. Die motorische Rinde, auch motorischer Cortex genannt, ist der Teil der Großhirnrinde, von dem die Willkür-Motorik ausgeht. Der Motorcortex ist Teil des motorischen Systems und arbeitet eng mit anderen Strukturen wie den Basalkernen und dem Kleinhirn zusammen, um Bewegungen zu planen, zu koordinieren und auszuführen. Der Motorkortex spielt eine entscheidende Rolle beim motorischen Lernen, indem er Bewegungsabläufe speichert und optimiert.

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Der supplementär-motorische Kortex (SMA) im Detail

Der supplementär-motorische Kortex (SMA) ist ein wichtiger Teil des prämotorischen Kortex und spielt eine entscheidende Rolle bei der Planung und Koordination komplexer Bewegungsabläufe, insbesondere solcher, die eine Sequenz von Bewegungen beinhalten oder intern generiert werden. Er ist maßgeblich an der Initiierung und Steuerung von Bewegungen beteiligt, die auf internen Hinweisen basieren, im Gegensatz zu Bewegungen, die durch externe Reize ausgelöst werden.

Der sekundäre motorische Kortex ist ein wichtiger Bereich des Gehirns, der bei der Planung, Koordination und Feinabstimmung von Bewegungen eine wesentliche Rolle spielt. Er unterstützt den primär motorischen Kortex dabei, komplexe Bewegungsabläufe reibungslos zu organisieren.

Rolle des Sekundären Motorischen Kortex

Der sekundäre motorische Kortex umfasst vor allem den prämotorischen und den supplementär-motorischen Kortex. Diese Bereiche haben spezifische Funktionen:

  • Prämotorischer Kortex: Bereitet den Körper auf geplante Bewegungen vor, indem er externe Reize interpretiert.
  • Supplementär-motorischer Kortex: Ist an der Initiierung und Koordination von komplexen, intern gesteuerten Bewegungen beteiligt.

Diese Prozesse helfen nicht nur bei der Bewegungsplanung, sondern auch bei der Anpassung an sich ändernde Umgebungen und Anforderungen, was die Flexibilität des Bewegungsapparats erhöht.

Beispiel: Bei einem Tanzchoreografie-Training arbeitet der sekundäre motorische Kortex daran, Bewegungssequenzen zu planen und zu speichern, damit sie später reibungslos abgerufen werden können. Der sekundäre motorische Kortex hilft oft dabei, Bewegungen zu automatisieren, wie beim Radfahren.

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Motorischer Kortex Einfach Erklärt

Der motorische Kortex ist ein essenzieller Bestandteil des Gehirns, der eine zentrale Rolle bei der Steuerung von Bewegungen spielt. Lass uns einen genaueren Blick darauf werfen, wie dieser Teil des Gehirns aufgebaut ist und funktioniert.

  • Funktion des Motorischen Kortex im Gehirn

Der motorische Kortex steuert die Bewegungen unseres Körpers und arbeitet eng mit anderen Gehirnregionen zusammen, um eine reibungslose Ausführung zu gewährleisten:

  • Primärer motorischer Kortex: Verortet im präzentrischen Gyrus, aktiviert er die Muskulatur direkt.
  • Prämotorischer Kortex: Dieser Bereich hilft bei der Vorbereitung und Planung von Bewegungen.
  • Supplementär-motorischer Kortex: Verantwortlich für die Koordination komplexer Bewegungen.

Jede dieser Bereiche ist entscheidend, um alltägliche Bewegungen präzise und effektiv zu machen.

Somatotopie

Somatotopie ist die Organisation des motorischen Kortex, bei der benachbarte Bereiche des Körpers auch im Gehirn nebeneinander repräsentiert sind. Nehmen wir als Beispiel, dass Du einen Apfel vom Tisch greifst. Dein prämotorischer Kortex hilft dir, die Bewegung zu planen, während der primäre motorische Kortex die Befehle an Deine Muskeln sendet.

Primär Motorischer Kortex Funktion

Der primäre motorische Kortex spielt eine zentrale Rolle bei der Kontrolle von freiwilligen Bewegungen. Er ist direkt verantwortlich für die Erzeugung von motorischen Befehlen, die dann an die Muskeln gesendet werden.

Primär Motorischer Kortex

Im präzisen Detail reguliert der primäre motorische Kortex die Bewegungen durch die Organisation in einer somatotopen Karte. Das bedeutet, dass spezifische Regionen des Kortex mit bestimmten Körperteilen verknüpft sind:

  • Kopf- und Gesichtsbewegungen befinden sich im unteren Bereich des Kortex.
  • Hand- und Armbewegungen sind zentral lokalisiert.
  • Fuß- und Beinbewegungen finden sich in den oberen Bereichen.

Eine solche Organisation ermöglicht präzise und koordinierte Bewegungen über den gesamten Körper hinweg.

Somatotopie bezieht sich auf die spezifische Zuordnung und Repräsentation von Körperteilen im motorischen Kortex. Wenn Du zum Beispiel klavier spielst, ist der primäre motorische Kortex entscheidend dafür, dass Deine Finger die richtigen Tasten zur richtigen Zeit treffen und mit der benötigten Kraft drücken. Im primären motorischen Kortex sind die Hände und das Gesicht unverhältnismäßig stark repräsentiert, da sie feinmotorische Kontrolle benötigen.

Motorischer Kortex Definition

Der motorische Kortex ist eine entscheidende Region im Gehirn, die für die Planung, Kontrolle und Ausführung von freiwilligen Bewegungen verantwortlich ist. Er befindet sich im Frontallappen des Gehirns und spielt eine zentrale Rolle bei der Bewegungssteuerung.

Aufbau und Lage des Motorischen Kortex

Der motorische Kortex ist in verschiedene Bereiche unterteilt, die jeweils für unterschiedliche Funktionen zuständig sind:

  • Der primäre motorische Kortex (M1) liegt im präzentrischen Gyrus und ist direkt an der Ausführung von Bewegungen beteiligt.
  • Der prämotorische Kortex hilft bei der Planung und Vorbereitung von Bewegungen.
  • Der supplementär-motorische Kortex koordiniert komplexe und sequenzielle Bewegungen.

Diese Bereiche arbeiten zusammen, um Bewegungen präzise und koordiniert umzusetzen. Die somatotopische Organisation des primären motorischen Kortex bedeutet, dass verschiedene Teile des Körpers bestimmten Regionen des Kortex zugeordnet sind.

Somatotopie beschreibt die räumliche Organisation von Körperteilen im Gehirn, wobei benachbarte Körperteile auch im Kortex nebeneinander liegen. Ein einfaches Beispiel für die Funktion des motorischen Kortex ist, wie Du einen Bleistift aufnimmst. Der primäre motorische Kortex sendet Signale an Deine Hand, während der prämotorische Kortex dabei hilft, die Bewegung zu planen.

Klinische Bedeutung von Läsionen des Motorkortex

Der Motorcortex ist von zentraler Bedeutung für die Steuerung der bewussten Bewegung, weshalb Schäden in diesem Bereich zu vielfältigen neurologischen Ausfällen führen können. Eine häufige Folge von Läsionen des Motorcortex sind Lähmungen, die je nach Ausmaß der Schädigung als Parese (teilweise Lähmung) oder Plegie (vollständige Lähmung) auftreten. Typische Formen sind die Hemiparese oder -plegie, bei der eine Körperhälfte betroffen ist, häufig in Folge eines Schlaganfalls. Eine weitere wichtige klinische Erscheinung ist die Spastizität, die durch eine Schädigung der Pyramidenbahn entsteht. Diese führt zu einer Übererregbarkeit der Reflexbögen und einer erhöhten Muskelspannung. Darüber hinaus kann es zu motorischer Apraxie kommen, einer Störung, bei der Patienten gezielte Bewegungsabläufe nicht mehr korrekt ausführen können, obwohl die Muskelkraft erhalten ist. Diese tritt häufig bei Schädigungen angrenzender motorischer Areale wie des prämotorischen oder supplementär-motorischen Cortex auf. Zusätzlich sind epileptische Anfälle eine mögliche Folge von Schädigungen des Motorcortex.

Auswirkungen von Schädigungen des Motorkortex

Eine Schädigung des Motorkortex, beispielsweise durch einen Schlaganfall, kann zu einem Verlust der willkürlichen Bewegungsfähigkeit führen. Verletzungen im motorischen Kortex können zu verschiedenen Bewegungseinschränkungen führen, wie Lähmungen, Verlust der Feinmotorik oder Koordinationsstörungen. Die Ausprägung der Auswirkungen hängt vom betroffenen spezifischen Bereich des Kortex ab.

Forschungsmethoden zur Untersuchung des Motorkortex

Wissenschaftler nutzen Methoden wie funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT) und Elektroenzephalographie (EEG), um die Aktivität im motorischen Kortex zu beobachten. Elektrostimulation und transkranielle Magnetstimulation (TMS) helfen, die direkte Funktionalität zu untersuchen.

Plastizität und Rehabilitation des Motorkortex

Ein spannender Aspekt des sekundären motorischen Kortex ist seine Anpassungsfähigkeit. Studien haben gezeigt, dass bereits gedachte Bewegungen bestimmte neuronale Muster im sekundären motorischen Kortex aktivieren können, ähnlich wie bei der tatsächlichen Ausführung. Dies nennt man auch motorisches Imaginieren. In der Neurorehabilitation wird dieses Wissen beispielsweise genutzt, um Patienten zu unterstützen, die aufgrund von neurologischen Erkrankungen oder Verletzungen ihre Bewegungsfähigkeiten verloren haben.

Der primäre motorische Kortex ist nicht nur für einzelne Bewegungen zuständig, sondern kann auch komplexe Bewegungsmuster planen und anpassen. Forschungen zeigen, dass dieser Teil des Gehirns aktiv bleibt, selbst wenn Bewegungen nur gedacht und nicht ausgeführt werden. Diese Eigenschaft wird in der neuronalen Rehabilitationsforschung ausgenutzt, um Menschen, die unter Bewegungsstörungen leiden, zu helfen, ihre motorischen Fähigkeiten wiederzuerlangen. Die Vorstellung von Bewegungen kann ähnliche neuronale Muster aktivieren wie deren tatsächliche Ausführung, was das Potenzial für innovative Therapien eröffnet.

Einige Forschungen haben gezeigt, dass die Aktivität im motorischen Kortex nicht nur mit tatsächlichen Bewegungen korreliert, sondern auch mit der Vorstellung von Bewegungen. Diese Gehirnaktivität während der mentalen Bewegungsvorstellung wird als mentale Simulation bezeichnet und spielt eine Rolle bei der Rehabilitation von Patienten nach einem Schlaganfall. Durch das Training dieser Vorstellung können bestimmte motorische Fähigkeiten verbessert werden. Dies verdeutlicht, wie flexibel und anpassungsfähig der motorische Kortex wirklich ist!

Interessanterweise haben neuere Studien gezeigt, dass der motorische Kortex auch bei der mentalen Simulation von Bewegungen aktiv wird. Das bedeutet, dass das bloße Vorstellen einer Bewegung ähnliche Hirnaktivitäten erzeugt wie die tatsächliche Ausführung. Diese Entdeckung hat zu neuen Therapieansätzen in der Rehabilitation geführt, insbesondere für Schlaganfallpatienten. Durch das Training der mentalen Simulation können Patienten motorische Funktionen verbessern, was die Plastizität des Gehirns unterstreicht.

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