Die moderne Medizin entwickelt sich stetig weiter, und neue Erkenntnisse eröffnen vielversprechende Möglichkeiten zur Behandlung von Stresserkrankungen. Dieser Artikel beleuchtet den Begriff "Neurostress", seine Auswirkungen auf den Körper und die Rolle von Neurotransmittern, Hormonen und geeigneten Fachärzten bei der Diagnose und Therapie.
Neurostress: Eine wachsende Herausforderung unserer Zeit
In unserer modernen Zeit, die von ständiger Reizüberflutung geprägt ist, nehmen negative Stresserkrankungen wie Burnout, psychische Erschöpfung, Schlafstörungen, Depressionen und Verdauungsstörungen (Reizdarm) sowie die Verschlimmerung von Migräne immer mehr zu. Dieser negative Stress, auch "Distress" genannt, entsteht durch ein anhaltendes Ungleichgewicht zwischen den Anforderungen des Lebens und der Zeit, die zur Regeneration benötigt wird.
Es liegt nahe, die Lebenssituation zu verbessern, um dem entgegenzuwirken. Dies ist jedoch nicht immer möglich, da äußere Zwänge oft schwer abzuschütteln sind. Glücklicherweise gibt es mittlerweile Möglichkeiten, die Regeneration des Gehirns mit gut verträglichen Naturstoffen zu unterstützen und zu beschleunigen.
Die Biochemie von Stress: Ein Blick auf Neurotransmitter und Hormone
Stress verursacht vielfältige Veränderungen im Körper, wobei die Stressreaktion in verschiedenen Phasen abläuft. Biochemische Analysen ermöglichen es, die jeweilige Phase der Stressreaktion eines Menschen präzise zu bestimmen.
Die Rolle der Neurotransmitter
Unser Gehirn ist ein hochaktives Organ, in dem aktivierende und hemmende Botenstoffe fein aufeinander abgestimmt sind. Dieses Gleichgewicht kann je nach Phase der Stressreaktion gestört sein. Daher ist es wichtig, das Konzentrationsverhältnis der Neurotransmitter vor einer Therapie zu bestimmen, anstatt wahllos zu behandeln. Störungen im Gehirn, insbesondere bei den Neurotransmittern, spielen bei Stresserkrankungen eine entscheidende Rolle. Es stellt sich die Frage, ob Stress durch erhöhten Verbrauch zu einer Konzentrationsabsenkung führt oder ob die Erschöpfung durch einen Mangel an bestimmten Stoffen entsteht. Wahrscheinlich ist beides der Fall.
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Dopamin, oft als "Glückshormon" bezeichnet, spielt eine zentrale Rolle im Belohnungssystem des Gehirns. Es wird bei positiven Erlebnissen ausgeschüttet und sorgt für Motivation, Antrieb, Lust, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden. Ein Dopaminmangel kann jedoch zu Antriebslosigkeit, Traurigkeit und Hemmungen führen und das Risiko für Parkinson erhöhen.
Serotonin, ein weiterer wichtiger Neurotransmitter, beeinflusst und reguliert die Stimmung, den Antrieb und vermittelt Entspannung und Wohlbefinden. Ein Serotoninmangel kann durch chronische Schlafstörungen, Angststörungen, Depressionen und Stress entstehen und zu Schlafproblemen, Verdauungsstörungen und Kopfschmerzen führen.
Noradrenalin, eng mit Adrenalin verwandt, ist der wichtigste anregende Botenstoff unseres Nervensystems. Er aktiviert den Körper bei psychischen und physischen Belastungen und leitet Stresssignale schnell zum Gehirn. Ein Ungleichgewicht im Noradrenalin-Spiegel kann zu Erschöpfung und Konzentrationsproblemen führen.
Die Bedeutung der Hormone
Neben den Neurotransmittern spielen auch Hormone, insbesondere Kortisol, eine wichtige Rolle bei Stressreaktionen. Kortisol ist ein lebenswichtiges Hormon, das unter anderem der Energiebereitstellung dient und in einem charakteristischen täglichen Rhythmus gebildet wird. Störungen dieser Rhythmik können Symptome verursachen und durch Messungen diagnostiziert werden. Auch andere Hormone, wie Schilddrüsenhormone, DHEA und Geschlechtshormone, sind wichtige Schaltstoffe im Körper.
Messung von Neurotransmittern und Hormonen
Die Konzentration von Neurotransmittern und Hormonen kann im Körper gemessen werden, beispielsweise im Blut, Speichel oder Urin. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die im Blut oder Urin gemessenen Konzentrationen nicht immer zuverlässige Aussagen über die Konzentration der Botenstoffe im Gehirn zulassen.
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Therapieansätze bei Neurostress
Bei niedrigen Neurotransmitter-Spiegeln kann therapeutisch auf die Herstellung dieser Stoffe im Körper Einfluss genommen werden, indem man beispielsweise Vorstufen dieser Stoffe mit ergänzenden Nährstoffen im Überschuss anbietet. Diese Behandlung mit "Präkursoren" findet zunehmend Anwendung in Europa. Die Regeneration unseres Gehirns kann durch die Gabe dieser Bio-Präparate erheblich beschleunigt werden.
Ein großer Vorteil dieses Verfahrens ist, dass es in der Regel weniger Nebenwirkungen hat als die Therapie mit klassischen Antidepressiva. Sind dennoch Psychopharmaka erforderlich, können häufig die eingesetzten Dosierungen reduziert werden.
Medikamentöse Therapie
Bei einem Dopaminungleichgewicht oder Serotoninmangel können Medikamente mit Aminosäuren, aus denen der Körper die Neurotransmitter selbst herstellen kann, eingesetzt werden. Bei Dopamin ist die Aminosäure Tyrosin wichtig, um Defizite im Dopaminspiegel zu beheben.
Weitere Therapieansätze
Neben der medikamentösen Therapie können auch andere Maßnahmen zur Behandlung von Neurostress eingesetzt werden, wie beispielsweise:
- Verhaltenstherapie oder psychodynamische Therapie zur Reduzierung von Stress und psychischen Belastungen
- Stressmanagement-Techniken
- Ernährungsumstellung
- Sport und Bewegung
- Schlafhygiene
Welcher Arzt ist zuständig?
Bei Verdacht auf Neurostress und damit verbundene Störungen im Neurotransmitter- und Hormonhaushalt ist es ratsam, sich an einen Spezialisten zu wenden. Hier kommen verschiedene Fachärzte in Frage:
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- Neurologen: Sie sind Experten für Erkrankungen des Nervensystems und können bei der Diagnose und Behandlung von Störungen im Neurotransmitterhaushalt helfen, insbesondere wenn neurologische Symptome wie Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme oder Gedächtnisstörungen vorliegen.
- Psychiater: Sie sind spezialisiert auf psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen und Burnout, die häufig mit einem Ungleichgewicht der Neurotransmitter einhergehen.
- Endokrinologen: Sie sind Experten für Hormonerkrankungen und können bei der Diagnose und Behandlung von Störungen im Hormonhaushalt helfen, die zu Stresssymptomen beitragen können.
- Allgemeinmediziner: Sie können eine erste Anlaufstelle sein und bei der Abklärung der Symptome helfen. Bei Bedarf können sie an einen Spezialisten überweisen.
Es ist wichtig, einen Arzt zu wählen, der Erfahrung in der Behandlung von Stresserkrankungen und ein umfassendes Verständnis der komplexen Zusammenhänge zwischen Neurotransmittern, Hormonen und psychischer Gesundheit hat.
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