Thrombozytopenie und Schlaganfall: Ursachen, Risiken und Prävention

Ein Schlaganfall ist ein medizinischer Notfall, der in Deutschland jährlich mehr als eine Viertelmillion Menschen betrifft und eine der häufigsten Todesursachen sowie die Hauptursache für dauerhafte Behinderungen darstellt. Schnelles Handeln bei den ersten Anzeichen ist essenziell. Oftmals wird angenommen, dass nach einem Schlaganfall das Schlimmste überstanden sei, doch das ist oft nicht der Fall. Ein wiederholter Schlaganfall kann erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit und Lebensqualität der Betroffenen haben. In diesem Artikel werden die Ursachen, Risiken und Präventionsmaßnahmen im Zusammenhang mit Thrombozytopenie (niedrige Thrombozytenzahl) und Schlaganfall umfassend erläutert.

Thrombozyten und ihre Bedeutung

Thrombozyten, auch Blutplättchen genannt, spielen eine zentrale Rolle bei der Blutgerinnung. Sie sind dafür verantwortlich, Verletzungen an Blutgefäßen zu verschließen und Blutungen zu stoppen. Eine normale Thrombozytenzahl liegt zwischen 150.000 und 450.000 pro Mikroliter Blut. Sinkt dieser Wert unter 150.000, spricht man von einer Thrombozytopenie.

Ursachen einer Thrombozytopenie

Eine Thrombozytopenie kann verschiedene Ursachen haben, die sich grob in drei Kategorien einteilen lassen:

  • Bildungsstörung der Thrombozyten: Hierbei werden im Knochenmark nicht ausreichend Thrombozyten produziert. Dies kann angeborene Ursachen haben (z.B. TAR-Syndrom, Fanconi-Anämie) oder erworben sein (z.B. Leukämie, Knochenmarksschädigungen, Mangel an Folsäure oder Vitamin B12).
  • Verkürzte Lebensdauer der Thrombozyten: In diesem Fall werden die Thrombozyten vorzeitig abgebaut oder geschädigt. Ursachen hierfür können mechanische Schädigungen (z.B. durch künstliche Herzklappen), verstärkte Blutgerinnung oder Antikörperreaktionen sein.
  • Verteilungsstörung: Hierbei werden die Thrombozyten vermehrt in der Milz gespeichert und abgebaut (Hypersplenismus), beispielsweise bei einer Leberzirrhose.

Weitere Ursachen können sein:

  • Immunthrombozytopenie (ITP): Eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die Thrombozyten angreift und abbaut.
  • Heparin-induzierte Thrombozytopenie (HIT): Eine Reaktion auf die Behandlung mit Heparin, die zu einem Abfall der Thrombozytenzahl und paradoxerweise zu einer erhöhten Thromboseneigung führen kann.
  • Thrombozytopenie durch COVID-19-Impfung: In sehr seltenen Fällen wurde nach der Impfung mit Vektor-Impfstoffen das Auftreten von Hirnvenenthrombosen in Verbindung mit Thrombozytopenien beobachtet.
  • Essentielle Thrombozythämie (ET): Seltene, chronische Erkrankung des Knochenmarks, die mit einer Überproduktion von Thrombozyten einhergeht.

Symptome einer Thrombozytopenie

Eine leichte Thrombozytopenie verursacht oft keine Symptome. Bei stärkerer Ausprägung kann es jedoch zu folgenden Beschwerden kommen:

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  • Erhöhte Blutungsneigung
  • Kleine Hautblutungen (Petechien)
  • Nasen- und Zahnfleischbluten
  • Blaue Flecken (Hämatome) ohne erkennbare Ursache
  • Verstärkte Menstruationsblutungen bei Frauen
  • In schweren Fällen innere Blutungen

Thrombozytopenie und Schlaganfallrisiko

Die Beziehung zwischen Thrombozytopenie und Schlaganfall ist komplex und hängt von der zugrunde liegenden Ursache der Thrombozytopenie ab. Einerseits kann eine Thrombozytopenie das Risiko für Blutungen erhöhen, einschließlich Hirnblutungen (hämorrhagischer Schlaganfall). Andererseits kann sie, insbesondere im Zusammenhang mit bestimmten Erkrankungen oder Behandlungen, auch das Risiko für Thrombosen und damit für einen ischämischen Schlaganfall erhöhen.

Thrombozytopenie als Risikofaktor für Hirnblutungen

Bei einer stark verminderten Thrombozytenzahl ist die Blutgerinnung beeinträchtigt, was das Risiko für spontane Blutungen oder Blutungen nach Verletzungen erhöht. Dies gilt auch für Blutungen im Gehirn, die zu einem hämorrhagischen Schlaganfall führen können.

Thrombozytopenie und erhöhtes Thromboserisiko

In einigen Fällen kann eine Thrombozytopenie paradoxerweise mit einem erhöhten Risiko für Thrombosen einhergehen. Dies ist beispielsweise bei der Heparin-induzierten Thrombozytopenie (HIT) der Fall, bei der die durch Heparin ausgelöste Antikörperbildung zu einer Aktivierung der Blutgerinnung und damit zu einem erhöhten Thromboserisiko führt. Auch bei der essentiellen Thrombozythämie (ET) kann die hohe Anzahl von Thrombozyten im Blut die Gefahr von Thrombosen erhöhen.

Thrombozytenfunktionshemmer und Schlaganfallprävention

Thrombozytenfunktionshemmer (TFH) wie Acetylsalicylsäure (ASS) und Clopidogrel werden häufig zur Sekundärprävention von Schlaganfällen eingesetzt, insbesondere bei Patienten mit einem ischämischen Schlaganfall oder einer transitorischen ischämischen Attacke (TIA). Diese Medikamente verhindern die Verklumpung der Thrombozyten und reduzieren so das Risiko von Blutgerinnseln, die zu einem Schlaganfall führen können.

Duale Thrombozytenfunktionshemmung

In bestimmten Fällen, insbesondere bei Patienten mit einem hohen Risiko für einen erneuten Schlaganfall, kann eine duale Thrombozytenfunktionshemmung (z.B. mit ASS und Clopidogrel oder ASS und Ticagrelor) in Erwägung gezogen werden. Studien haben gezeigt, dass eine kurzzeitige duale TFH-Therapie das Rezidivrisiko nach einer TIA oder einem leichten Schlaganfall reduzieren kann. Allerdings ist diese Therapie auch mit einem erhöhten Blutungsrisiko verbunden.

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Weitere Risikofaktoren für Schlaganfall

Neben der Thrombozytopenie gibt es eine Reihe weiterer Risikofaktoren, die das Schlaganfallrisiko erhöhen:

  • Alter: Das Schlaganfallrisiko steigt mit zunehmendem Alter.
  • Geschlecht: Männer haben ein höheres Schlaganfallrisiko als Frauen, wobei sich dieser Unterschied im höheren Alter angleicht.
  • Genetische Veranlagung: Familiäre Vorbelastung für Schlaganfälle erhöht das Risiko.
  • Vorerkrankungen:
    • Bluthochdruck (Hypertonie)
    • Vorhofflimmern
    • Diabetes mellitus
    • Erhöhte Cholesterinwerte (Hypercholesterinämie)
    • Arteriosklerose
    • Herzinsuffizienz
    • Herzklappenerkrankungen
  • Lebensstilfaktoren:
    • Rauchen
    • Übergewicht oder Adipositas
    • Bewegungsmangel
    • Ungesunde Ernährung (hoher Konsum von Salz, Zucker und gesättigten Fetten)
    • Übermäßiger Alkoholkonsum
  • Weitere Faktoren:
    • Erhöhtes Homocystein
    • Entzündungen

Präventionsmaßnahmen

Einem Schlaganfall vorzubeugen ist in jedem Fall wichtig, unabhängig davon, ob zuvor bereits einer aufgetreten ist oder nicht. Die Präventionsmaßnahmen lassen sich in zwei Kategorien einteilen:

Primärprävention

Die Primärprävention zielt darauf ab, das Auftreten eines ersten Schlaganfalls zu verhindern. Hierzu gehören folgende Maßnahmen:

  • Kontrolle und Behandlung von Risikofaktoren:
    • Regelmäßige Blutdruckkontrolle und Behandlung von Bluthochdruck
    • Behandlung von Diabetes mellitus
    • Senkung erhöhter Cholesterinwerte
    • Behandlung von Vorhofflimmern mit gerinnungshemmenden Medikamenten (Antikoagulanzien)
  • Gesunder Lebensstil:
    • Nichtrauchen
    • Gesunde Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Ballaststoffen
    • Regelmäßige körperliche Aktivität
    • Gewichtsreduktion bei Übergewicht
    • Maßvoller Alkoholkonsum

Sekundärprävention

Die Sekundärprävention zielt darauf ab, einen erneuten Schlaganfall zu verhindern. Hierzu gehören folgende Maßnahmen:

  • Medikamentöse Therapie:
    • Thrombozytenfunktionshemmer (z.B. ASS, Clopidogrel)
    • Antikoagulanzien bei Vorhofflimmern oder anderen Herzerkrankungen
    • Statine zur Senkung des Cholesterinspiegels
    • Blutdrucksenkende Medikamente
  • Operative oder interventionelle Eingriffe:
    • Karotis-Endarteriektomie oder Stentimplantation bei Verengung der Halsschlagader (Karotisstenose)
    • Verschluss eines persistierenden Foramen ovale (PFO)
    • Verschluss des linken Vorhofohrs
  • Lebensstiländerungen:
    • Fortsetzung der Maßnahmen der Primärprävention
    • Anpassung der Ernährungsgewohnheiten (salzarme Diät, Reduktion von Zucker und tierischen Fetten)
    • Regelmäßige Bewegung und Rehabilitation

Diagnose und Behandlung der Thrombozytopenie

Bei Verdacht auf eine Thrombozytopenie ist eine gründlicheDiagnostik erforderlich, um die Ursache zu ermitteln und die geeignete Therapie einzuleiten.

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Diagnostische Maßnahmen

  • Blutuntersuchung: Bestimmung der Thrombozytenzahl und anderer Blutwerte
  • Blutausstrich: Beurteilung der Blutzellen unter dem Mikroskop
  • Knochenmarkpunktion: Entnahme einer Knochenmarkprobe zur Untersuchung
  • Spezifische Tests: Je nach Verdacht auf bestimmte Ursachen (z.B. Antikörpertests bei ITP, HIT-Test bei Heparintherapie)

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung der Thrombozytopenie richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache:

  • Behandlung der Grunderkrankung: Z.B. Therapie einer Leukämie, Behandlung eines Vitaminmangels
  • Medikamentöse Therapie:
    • Kortikosteroide oder Immunglobuline bei ITP
    • Unterbrechung der Heparintherapie und Gabe alternativer Gerinnungshemmer bei HIT
    • Thrombopoetin-Rezeptor-Agonisten zur Steigerung der Thrombozytenproduktion
  • Thrombozytentransfusion: In schweren Fällen zur kurzfristigen Erhöhung der Thrombozytenzahl
  • Splenektomie: Entfernung der Milz bei therapierefraktärer ITP

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