Nordic Walking Studien bei Parkinson: Ein umfassender Überblick

Bewegung ist ein wesentlicher Bestandteil eines gesunden Lebens, und dies gilt insbesondere für Menschen mit Parkinson. Studien haben gezeigt, dass Bewegung die Lebensqualität von Menschen mit Parkinson verbessern kann. Die Hilde-Ulrichs-Stiftung würdigt diese Erkenntnis durch ihre Stiftungspreise, die an Projekte aus Wissenschaft und Praxis vergeben werden, die sich mit der Verbesserung der Lebensqualität von Parkinson-Patienten befassen.

Hilde-Ulrichs-Stiftungspreis für Forschung und Praxis

Die Hilde-Ulrichs-Stiftung (HUS) mit Sitz in Frankfurt am Main ist eine unabhängige Beratungs- und Anlaufstelle für an Parkinson Erkrankte. Als erste private Stiftung in Deutschland förderte die HUS die Erforschung nicht-medikamentöser Behandlungsmethoden ebenso wie die Anpassung von Sport und Bewegungstherapien an die Erfordernisse der Erkrankung. Im zweijährlichem Turnus vergibt die HUS seit 1998 ihren mit insgesamt 10.000 Euro dotierten Hilde-Ulrichs-Stiftungsspreis.

Im Fokus stehen dabei insbesondere Bewegungsangebote wie Nordic Walking, Tanzen, Tai Chi oder Aquagymnastik. Die Stiftungspreise, die mit je 5.000 Euro dotiert sind, wurden in Düsseldorf verliehen. Der Stiftungspreis Wissenschaft ging an ein Forschungsteam der Uniklinik Köln und der Medizinischen Fakultät der Universität zu Köln für die Untersuchung „Physische Interventionen bei Menschen mit Morbus Parkinson: Ein systematisches Review mit Netzwerk-Metaanalyse (PIPa-Net)“.

Meta-Studie: Hauptsache Bewegung!

Die Meta-Studie untersuchte die Wirksamkeit von unterschiedlichen Bewegungsangeboten auf die Schwere der Bewegungssymptome, die Lebensqualität und Nebenwirkungen bei Menschen mit Parkinson. Das Fazit: Hauptsache Bewegung! Die im Review ausgewertete Evidenz aus 156 randomisierten Studien spricht für günstige Auswirkungen von Sport für Parkinson-Erkrankte. Die genaue Art der Bewegung ist, so die Forschenden, zweitrangig.

Prof. Kalbe, Neuropsychologin und Leiterin der Abteilung Medizinische Psychologie - Neuropsychologie & Gender Studies, sagt: „Wir freuen uns ganz besonders, dass die Ergebnisse unserer Arbeit durch den Preis breitere Aufmerksamkeit finden.” Sie erklärt: „Der Morbus Parkinson ist eine fortschreitende Erkrankung des Gehirns, von der meist Menschen über 60 betroffen sind. Die Symptome beginnen nach und nach und umfassen vor allem Probleme mit der Bewegung wie zum Beispiel Bewegungsverlangsamung, Zittern, Muskelsteifheit und Probleme mit dem Gleichgewicht und der Koordination. Die Betroffenen können auch Depressionen, Stimmungsschwankungen, erhöhte Müdigkeit, Schlafstörungen und kognitive Beeinträchtigungen, wie beispielsweise Schwierigkeiten beim Denken oder mit dem Gedächtnis, haben. Parkinson kann nicht geheilt, aber die Symptome können gelindert werden, wobei auch Physiotherapie oder andere Bewegungsangebote helfen können. Sport - so weiß man - hat vielfältige positive Effekte auf die Gehirngesundheit und auch auf Symptome der Parkinson-Krankheit. Bislang war jedoch unklar, ob bestimmte Arten von Bewegung bei dieser Zielgruppe besser wirken als andere. Wir konnten nun herausfinden, dass die Art der Bewegung - ob Nordic Walking, Tanzen, Tai Chi oder Aquagymnastik - weniger wichtig ist. Eben Hauptsache Sport! Dieses Ergebnis ist wichtig, da wir Menschen mit Parkinson ermuntern können, ihren persönlichen Vorlieben an Bewegungsangeboten zu folgen. So wird es einfacher, den Sport langfristig in den Alltag zu integrieren.“

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Die Bedeutung von Bewegung bei Parkinson

Die motorischen Symptome der Parkinson-Erkrankung können durch Sport verbessert werden. Dies konnte beispielsweise in der Park-in-Shape-Studie gezeigt werden. Hier verzögerte sich die Verschlechterung der motorischen Defizite bei Patienten, die zu Hause regelmäßig ein Ergometer nutzten im Vergleich zur Kontrollgruppe, die regelmäßig Stretching-Übungen durchführte. Diese und andere Studien zeigen eine klare Evidenz für die positiven Effekte von Ausdauersport bei Parkinson.

Bislang ist unklar, welche Mechanismen auf zerebraler Ebene für den positiven Effekt verantwortlich sind. Daten aus Tiermodellen zeigen, dass Ausdauersport die adaptive Neuroplastizität erhält bzw. verbessert.

Bei Parkinson kommt es zu einem progressiven Verlust dopaminerger Neurone in der Substantia nigra (verantwortlich für Planung und Ausführung von Bewegung) und zum Dopamin-Mangel im Striatum, woraus eine gestörte Funktion der kortiko-striatalen sensomotorischen Netzwerke resultiert. Diese sind essentiell zur Kontrolle von Bewegungen und auch für kognitive Prozesse. Im Frühstadium der Erkrankung ist vor allem das posteriore Putamen von dem Dopamin-Mangel betroffen, während das anteriore Putamen verschont bleibt. Hier konnten Forscher kürzlich zeigen, dass es zu einer Änderung der kortiko-striatalen Verbindungen kommt: Kortikale sensomotorische Areale, die normalerweise mit dem posterioren Putamen kommunizieren, zeigen bei Parkinson-Patienten eine Kommunikation mit dem zunächst noch nicht betroffenen anterioren Putamen. Das Putamen ist Teil der grauen Substanz und zuständig für die Kontrolle von Bewegungsabläufen. Möglicherweise unterstützt Ausdauertraining die Änderung in diesem sensomotorischen Netzwerk. Weiterhin wird vermutet, dass der Ausdauersport die kognitive Kontrolle von Bewegungen verbessert.

Auswirkungen von Ausdauersport auf das Gehirn

Forscher um Martin Johansson von der Radboud University in Nijmegen, Niederlande, untersuchten, wie Ausdauersport die durch Parkinson bedingten funktionellen und strukturellen Änderungen im kortiko-striatalen sensomotorischen Netzwerk beeinflusst. Zusätzlich untersuchte das Team den Effekt von Ausdauersport auf die Substantia nigra sowie auf die Kognition der Teilnehmenden.

Die Forscher nutzten Daten aus der Park-in-Shape-Studie, einer doppel-blinden randomisierten Studie bei 130 Parkinson-Patienten, die entweder Ausdauersport auf dem Ergometer oder Stretching-Übungen über einen Zeitraum von 6 Monaten ausführten. Bei einer zufällig gewählten Untergruppe dieser Studie (25 Teilnehmende aus der Ausdauersport-Gruppe und 31 Teilnehmende aus der Stretching-Gruppe) wurde eine funktionelle Magnetresonanztomographie durchgeführt, deren Befunde mittels Voxel-basierter Morphometrie (VBM) ausgewertet wurden. Weiterhin wurde der Grad der Hirnatrophie bestimmt, sowie freies Wasser im hinteren Teil der der Substantia Nigra.

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Daneben erfolgte eine funktionelle Beurteilung durch eine validierte Aufgabe zur Prüfung des okulomotorischen und kognitiven Zusammenspiels. Dabei mussten die Teilnehmenden einen farbigen Punkt fixieren und abhängig von dessen Farbe eine Sakkade zu oder weg von einem Zeichen im Hintergrund durchführen. Daneben wurden klinische Tests zur Bewertung des kognitiven Status (MOCA-Test), der motorischen Symptome und der Aufmerksamkeitsleistung mit den Probanden durchgeführt. Die Untersuchungen erfolgten zu Studienbeginn und nach 6 Monaten.

Die Ergebnisse zeigten, dass Ausdauersport zu einer erhöhten funktionellen Konnektivität des anterioren Putamens mit dem sensomotorischen Kortex im Verhältnis zur Verbindung mit dem posterioren Putamen führte. Auf funktioneller Ebene resultierte das Ausdauertraining in einer besseren kognitiven Kontrolle. Daneben führte Ausdauersport zu einer erhöhten funktionellen Konnektivität im rechten frontoparietalen Netzwerk, proportional zur Steigerung der Fitness, und zu einem geringeren Grad der Atrophie des Gehirns.

Im Ergebnis deuten die Daten aus dem MRT sowie die klinischen Resultate auf eine positive Wirkung des Ausdauertrainings bei Parkinson-Patienten hin. Das Ausdauertraining verzögert die Krankheitsprogression in den kortiko-striatalen sensomotorischen Netzwerken und verbessert die kognitive Leistung.

Nordic Walking als geeignete Sportart für Parkinson-Patienten

„Ausdauersport hat also eine messbare Wirkung auf das Gehirn. Die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention empfiehlt Nordic Walking als für Parkinson Patienten sehr geeignete Sportart. Durch das Training können Gleichgewicht, Haltungsstabilität und Ganggeschwindigkeit verbessert werden. Gleichzeitig nahmen die Aktivitäten des täglichen Lebens zu und das emotionale Wohlbefinden besserte sich, wie Studien zeigen. Nordic Walking ist auch für unsichere Patienten, die zu Gleichgewichtsstörungen und unter einer Gangunsicherheit sowie Sturzangst leiden, eine gute Möglichkeit zu sportlicher Betätigung zu finden. Insbesondere da die Stöcke einen hohen Sicherheitsaspekt für das Bewegen im Freien darstellen. Für diese Patienten ist die Sportart besonders sinnvoll. Nordic Walking ist optimal für Menschen mit Haltungsproblemen geeignet. Studien zeigen, dass bereits 2 x wöchentliches Nordic Walking Training à 60 Minuten ein sehr effektives Training für Parkinson Erkrankte ist. Empfohlen wird zu Beginn eine Trainingsstunde mit einem Nordic Walking Trainer. Einmalig: Sie benötigen gute Nordic Walking Stöcke (bereits ab 40 Euro) und Trainingskleidung.

Erste Voruntersuchungen zu den Auswirkungen von Nordic Walking auf die Fitness von Parkinson-Patienten zeigten vielversprechende Ergebnisse. Jetzt will man es am Tübinger Universitätsklinikum genau wissen und wissenschaftlich untersuchen. Neu dabei ist, dass erstmals nicht nur die Auswirkungen von Nordic Walking auf den körperlichen Zustand und die neurologischen Krankheitssymptome, sondern auch die Auswirkungen auf die Funktion und Aktivitäten des Gehirns in der Studie untersucht werden. Die Studie, die in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Neurologie und der Abteilung Sportmedizin des Tübinger Uniklinikums durchgeführt wird, soll im Oktober 2007 beginnen. Die Studie dauert insgesamt neun Monate. Während dieser Zeit wird einmal ein 12-wöchiges Nordic-Walking-Training unter professioneller Anleitung (dreimal eine Stunde pro Woche) durchgeführt. An vier verschiedenen Zeitpunkten werden Untersuchungen zur Leistungsfähigkeit und Beweglichkeit sowie eine Kernspinuntersuchung vom Kopf durchgeführt.

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Studie zu Nordic Walking bei Parkinson

Eine Studie verglich die Auswirkungen eines Nordic-Walking-Trainings bei Parkinson-Patienten mit den Auswirkungen eines Entspannungsprogramms in Kombination mit einem gemischten Bewegungstraining in einer altersgleichen Kontrollgruppe von Parkinson-Patienten. Obwohl die Kontrollgruppe tendenziell etwas weniger betroffen und körperlich aktiver war als die Nordic-Walking-Gruppe, erreichte der Unterschied keine statistisch signifikante Differenz.

Das 12-wöchige Nordic-Walking-Training wurde von ausgebildeten Trainern durchgeführt. Jeder Parkinson-Patient nahm an mindestens 22 Sitzungen teil. Alle Parkinson-Patienten waren in der Lage, die Nordic-Walking-Technik zu erlernen. Aufgrund von dysexekutiven Symptomen waren die Parkinson-Patienten jedoch auf externe Kontrolle und die Korrekturen der Trainer angewiesen. Nordic Walking erwies sich als sicher für Parkinson-Patienten. Während des Trainingszeitraums wurden 3 Stürze ohne schwere Verletzungen verzeichnet. Nordic Walking verbesserte die Schrittlänge, die Gehgeschwindigkeit, die Lebensqualität und die Effizienz der Bewegungen. Es gab keinen signifikanten kardiovaskulären Effekt. Im Gegensatz zu anderen Studien bei gesunden älteren Menschen waren die Auswirkungen von Nordic Walking nicht besser als bei anderen sportlichen Aktivitäten. Daher sollten zukünftige Studien die Studie in zwei Teile aufteilen: eine Einführung in die Technik, gefolgt von einer Trainingsperiode.

Weitere Bewegungsformen bei Parkinson

Bewegung ist ein wesentlicher Bestandteil eines gesunden Lebens. Das Konzept der Bewegungstherapie bei Parkinson ist nicht neu. Tatsächlich wird körperliche Bewegung schon seit mehr als 60 Jahren als eine Form der Behandlung von Parkinson angesehen! Flexibilitätstraining kann auch für Menschen mit Parkinson nützlich sein und wird oft als sicherer erster Schritt zu Beginn eines Trainingsprogramms empfohlen. Man geht davon aus, dass Dehnübungen dazu beitragen können, einen Teil der mit Parkinson einhergehenden Muskelsteifheit zu lindern und Spannungen zu verringern. Eine Reihe von Studien (1) zeigt, dass die Flexibilität des Rumpfes dazu beitragen kann, die Gleichgewichtskontrolle, die funktionelle Reichweite und die Gehgeschwindigkeit zu verbessern - alles Faktoren, die für die Sicherheit, die Unabhängigkeit und die allgemeine Lebensqualität eines Parkinson-Patienten eine wichtige Rolle spielen können.

Eine Reihe von Studien hat gezeigt, dass aerobes Training bei Menschen mit Parkinson zu positiven Ergebnissen führen kann. In einer 2007 in der Zeitschrift Clinical Rehabilitation (2) veröffentlichten Studie fanden Forscher heraus, dass regelmäßiges aerobes Training auf einem Laufband zu positiven Verbesserungen in Bezug auf Gleichgewicht, Geschwindigkeit, Angst vor Stürzen und die auf dem Laufband zurückgelegte Strecke führte. Im Jahr 2008 untersuchten Forscher die Auswirkungen von dreimal wöchentlichem, 40-minütigem Laufbandtraining bei Patienten mit leichter bis mittelschwerer Parkinsonerkrankung.

Erst in den letzten 20 Jahren haben Forscher damit begonnen, die Auswirkungen von Krafttraining auf Patienten mit Parkinson zu untersuchen, aber die Ergebnisse sind schon jetzt sehr vielversprechend. Viele der allgemeinen gesundheitlichen Vorteile, die mit Krafttraining verbunden sind - einschließlich der Steigerung von Kraft, Muskelmasse und Knochendichte - sind für Morbus-Parkinson-Patienten äußerst vorteilhaft und können dazu beitragen, einem Teil des Muskel- und Kraftverlusts entgegenzuwirken, der bei Morbus Parkinson häufig auftritt(4). In einer Studie, die im American Journal of Physical Medicine & Rehabilitation(5) veröffentlicht wurde, fanden Forscher heraus, dass ein achtwöchiges Krafttraining im Vergleich zu den Werten vor der Behandlung zu einer signifikanten Verbesserung der Schrittlänge, der Gehgeschwindigkeit und der Haltungswinkel führte.

Ein gutes Gleichgewicht ist wichtig für die Mobilität, die mit fortschreitender Parkinsonerkrankung oft immer schwieriger wird. Regelmäßige Bewegung ist nur ein Teil davon, mit Parkinson fit und gesund zu bleiben. Bei Orbit verfolgen wir einen ganzheitlichen Ansatz, indem wir digitale Gesundheitsinnovationen nutzen, um Ihnen einen besseren Einblick in die Art und Weise zu geben, wie Ihre Bewegung, Ernährung, Medikamente und andere Lebensstilfaktoren Ihre Symptomkontrolle beeinflussen. Die App ermöglicht es Ihnen, besser zu verstehen, wie Ihre Aktivitäten und Behandlungen Ihre motorischen Symptome beeinflussen können. Mithilfe eines tragbaren Sensors erfasst Neptune Care passiv Ihre Bewegungsdaten, um Einblicke in Ihre motorischen Zustände ON, OFF und Dyskinesie zu geben. Wir haben unser Early-Access-Programm gestartet, in dessen Rahmen wir 100 teilnahmeberechtigten Parkinson-Patienten die Lösung kostenlos zur Verfügung stellen. Verbessert das Laufbandtraining die Aufgaben der unteren Extremitäten bei Parkinson-Krankheit?

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