Normalweite des Spinalkanals: Ein umfassender Überblick

Die Normalweite des Spinalkanals ist ein wichtiges Thema, insbesondere im Zusammenhang mit der Diagnose und Behandlung von spinalen Stenosen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Spinalkanalweite, von Normalwerten über Ursachen und Symptome bis hin zu Diagnose- und Therapiemöglichkeiten.

Einführung

Der Spinalkanal, auch Wirbelkanal genannt, ist der knöcherne Kanal, der das Rückenmark und die Nervenwurzeln schützt. Eine ausreichende Weite dieses Kanals ist entscheidend für die normale Funktion des Nervensystems. Verengungen des Spinalkanals, sogenannte Spinalkanalstenosen, können zu einer Vielzahl von Beschwerden führen. Die Kenntnis der Normalwerte und der Faktoren, die die Spinalkanalweite beeinflussen, ist daher für die medizinische Beurteilung von großer Bedeutung.

Anatomie und Funktion des Spinalkanals

Die Wirbelsäule besteht aus Wirbelkörpern, die durch Bandscheiben und Gelenke miteinander verbunden sind. Diese Struktur bildet den Spinalkanal, der das Rückenmark und die Nervenwurzeln schützt. Die Nerven verlassen den Spinalkanal durch seitliche Öffnungen, die Foramina. Eine ausreichende Weite des Spinalkanals und der Foramina ist notwendig, damit die Nerven ungehindert funktionieren können.

Normalwerte des Spinalkanals

Die Normalwerte für die Spinalkanalweite variieren je nach Wirbelsäulenabschnitt. Im Allgemeinen gelten folgende Richtwerte:

  • Lumbaler Spinalkanal (Lendenwirbelsäule): Eine Weite von mehr als 12 mm wird als normal angesehen. Eine Weite zwischen 10 und 12 mm wird als relative Stenose bezeichnet, während eine Weite unter 10 mm als absolute Stenose gilt. Eine "normale" Weite wird oft mit ca. 15 mm angenommen. Die geringste Ausdehnung findet sich meist in Höhe L3/L4.
  • Zervikaler Spinalkanal (Halswirbelsäule): Hier liegt die Messlatte etwas anders, oft bei ca. 10-12 mm. Werte unterhalb dieser Spanne können auf eine Stenose hindeuten. Bei HWS C4/5 deutet ein Wert von 11 mm auf eine geringe, beginnende Spinalstenose hin, während Werte <7mm (HWS C4/5, C5/6) als praktisch absolute Spinalkanalstenose gelten.
  • Thorakaler Spinalkanal (Brustwirbelsäule): Für die Brustwirbelsäule gibt es weniger spezifische Angaben, aber auch hier gilt, dass eine ausreichende Weite für die Funktion des Rückenmarks entscheidend ist.

Es ist wichtig zu beachten, dass diese Werte Richtwerte sind und individuelle Unterschiede berücksichtigt werden müssen. Die klinische Symptomatik des Patienten sollte immer im Vordergrund stehen.

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Ursachen einer Spinalkanalstenose

Eine Spinalkanalstenose kann verschiedene Ursachen haben:

  • Degenerative Veränderungen: Dies ist die häufigste Ursache und hängt mit dem natürlichen Alterungsprozess zusammen. Es kommt zu Verschleißerscheinungen an Bandscheiben, Bändern und Gelenken der Wirbelsäule.
  • Arthrose: Diese degenerative Gelenkerkrankung kann zu einer Verdickung der Gelenke und zur Bildung von Knochenspornen führen, die den Spinalkanal einengen.
  • Bandscheibenvorfälle: Ein Bandscheibenvorfall kann ebenfalls den Spinalkanal einengen, indem Bandscheibengewebe austritt und auf die Nerven drückt.
  • Verdickung der Bänder: Die Bänder im Spinalkanal, insbesondere das Ligamentum flavum (gelbes Band), können sich verdicken und den Kanal einengen.
  • Wirbelgleiten (Spondylolisthesis): Eine Instabilität der Wirbelsäule kann dazu führen, dass Wirbelkörper gegeneinander verschoben werden und den Spinalkanal einengen.
  • Angeborene Stenose: In seltenen Fällen kann eine Spinalkanalstenose angeboren sein.

Symptome einer Spinalkanalstenose

Die Symptome einer Spinalkanalstenose können je nach Lokalisation und Schweregrad der Einengung variieren. Typische Symptome sind:

  • Rückenschmerzen: Häufig ein tiefsitzender Rückenschmerz, der durch die Verschleißprozesse verursacht wird.
  • Beinschmerzen: Ausstrahlung über das Gesäß in die Ober- und Unterschenkel, oft beidseitig.
  • Claudicatio spinalis: Schmerzen beim Gehen, die zu Pausen zwingen (orthopädische Schaufensterkrankheit). Fahrradfahren ist oft besser möglich als Gehen.
  • Neurologische Ausfälle: Taubheitsgefühle, Missempfindungen, Muskelschwäche oder Lähmungen in den Beinen oder Armen.
  • Störungen der Blasen- oder Darmentleerung: In seltenen Fällen.
  • Nackenschmerzen und Störungen der Feinmotorik: Bei einer Spinalkanalstenose der Halswirbelsäule.

Die Symptome können sich beim Stehen oder Gehen verschlimmern und beim Sitzen oder Liegen bessern. Eine Vornüberneigung des Rumpfes kann ebenfalls zu einer Linderung der Beschwerden führen.

Diagnose einer Spinalkanalstenose

Die Diagnose einer Spinalkanalstenose basiert auf:

  • Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte und Beschreibung der Symptome.
  • Körperliche Untersuchung: Überprüfung der Reflexe, Sensibilität und Muskelkraft.
  • Bildgebende Verfahren:
    • MRT (Magnetresonanztomographie): Das bildgebende Verfahren der ersten Wahl, um den Spinalkanal, das Rückenmark und die Nervenwurzeln darzustellen.
    • CT (Computertomographie): Kann bei Kontraindikationen für MRT oder zur Beurteilung knöcherner Strukturen eingesetzt werden.
    • Röntgen: Zur Beurteilung der Statik der Wirbelsäule und zum Ausschluss von Instabilitäten.

Therapie einer Spinalkanalstenose

Die Therapie einer Spinalkanalstenose richtet sich nach dem Schweregrad der Symptome und dem Leidensdruck des Patienten. Es gibt sowohl konservative als auch operative Behandlungsmöglichkeiten.

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Konservative Therapie

  • Schmerzmittel: Entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR) wie Diclofenac oder Ibuprofen können zur Linderung von Schmerzen eingesetzt werden.
  • Physiotherapie: Spezielle Übungen zur Stärkung der Muskulatur und zur Verbesserung der Beweglichkeit.
  • Physikalische Therapie: Massagen, Wärme- oder Kälteanwendungen zur Entspannung der Muskulatur.
  • Injektionen: Injektion von Kortison oder Lokalanästhetika in die Nähe der Nervenwurzeln oder in den Spinalkanal zur Schmerzlinderung.
  • Gewichtsreduktion: Bei Übergewicht.
  • Anpassung der Aktivität: Vermeidung von Aktivitäten, die die Symptome verschlimmern.

Operative Therapie

Eine Operation wird in Erwägung gezogen, wenn die konservativen Maßnahmen nicht ausreichend helfen oder wenn neurologische Ausfälle auftreten. Ziel der Operation ist es, den Spinalkanal zu erweitern und den Druck auf die Nerven zu entlasten (Dekompression). Es gibt verschiedene operative Techniken:

  • Laminektomie: Entfernung eines Teils des Wirbelbogens, um den Spinalkanal zu erweitern.
  • Laminotomie: Entfernung eines kleineren Teils des Wirbelbogens.
  • Foraminotomie: Erweiterung der Nervenaustrittsstellen (Foramina).
  • Spondylodese: Versteifung eines Wirbelsäulenabschnitts bei Instabilität.
  • Minimalinvasive Verfahren: Moderne Techniken, die mit kleinen Hautschnitten und minimaler Gewebeverletzung durchgeführt werden können.

Rehabilitation und Nachsorge

Nach einer Operation ist eine Rehabilitation wichtig, um die Muskulatur zu stärken und die Beweglichkeit wiederherzustellen. Auch nach konservativer Behandlung ist eine gezielte Nachsorge wichtig, um den Behandlungserfolg langfristig zu sichern.

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