Die Bach-Blütentherapie, ein alternativmedizinisches Verfahren, das in den 1930er Jahren von dem britischen Arzt Edward Bach begründet wurde, geht von der These aus, dass jede körperliche Krankheit aus einer seelischen Gleichgewichtsstörung resultiert. Die Ursache dieser Störung sei ein Konflikt zwischen der unsterblichen Seele und der Persönlichkeit. Eine Heilung könne nur durch Harmonisierung auf geistig-seelischer Ebene bewirkt werden.
Ursprünge und Geschichte der Bach-Blütentherapie
Bach entwickelte seine Therapie in den 1930er Jahren und wählte Pflanzen nach eigenen Angaben „intuitiv“ aus, welche „positive archetypische Seelenkonzepte“ diese verkörpern. Nach seinem Tod geriet die Therapie zunächst in Vergessenheit, erfuhr aber Ende der 1970er Jahre eine Renaissance. Populär wurde die Bach-Blütentherapie durch Berichte in der Presse und eine Darstellung in der Sat.1-Talkshow „Schreinemakers live“ im Juni 1995. In der Folge stieg die Nachfrage nach Bach-Blütenessenzen in Apotheken um ein Vielfaches.
Die 38 Essenzen nach Bach
Bach ordnete den von ihm angenommenen Seelenzuständen jeweils eine Essenz zu, insgesamt 37 Blütenessenzen und Rock Water (Quellwasser). Diese Essenzen sollen eine „Harmonisierung“ fördern. So soll beispielsweise Rotbuchen-Essenz bei Arroganz, Geißblatt bei Pessimismus oder Kastanie bei mangelnder Selbstkritik eingesetzt werden. Traditionell tragen die nummerierten Essenzen englische Namen und sind verschiedenen Anwendungsgebieten zugeordnet.
Notfalltropfen: Die Rescue Remedy
Zusätzlich zu den 38 Essenzen hat Bach ein Komplexmittel aus fünf Bach-Blüten (6, 9, 18, 26 und 29) zusammengestellt, die sogenannten Notfalltropfen (Rescue Remedies, Nummer 39). Diese sollen eine „seelische Erholung“ bewirken. Im Gegensatz zum Simile-Prinzip in der Homöopathie sollen diese Essenzen als positiver Gegenpol eine Harmonisierung negativer Seelenzustände direkt bewirken.
Herstellung der Bach-Blütenessenzen
Die einzelnen Blüten werden heute noch an den ehemals von Bach festgesetzten Standorten gesammelt und nach den von Bach beschriebenen Potenzierungsmethoden rituell verarbeitet. Bei der Sonnenmethode werden die Blüten für etwa drei bis vier Stunden in eine mit Wasser gefüllte Schale gelegt und diese in die Sonne gestellt. Bei der Kochmethode werden die Pflanzenteile eine halbe Stunde in Wasser erhitzt. Die letztere Methode wird für holziges Pflanzenmaterial oder bei Pflanzen, die zu einer sonnenarmen Jahreszeit blühen, angewendet. Laut Bach sollen die Pflanzen ihre „Schwingungen“ als „heilende Energie“ an das Wasser abgeben. Das Wasser wird anschließend mit einem gleich großen Anteil Alkohol als Konservierungsmittel versetzt. Diese Urtinktur wird 1:240 verdünnt, um die eigentlichen Blütenessenzen herzustellen.
Lesen Sie auch: Was bedeutet "Ich bin nichts für schwache Nerven"?
Die Bach-Blüten im Überblick
Hier eine Übersicht über die von Bach definierten Blüten und ihre traditionellen Anwendungsgebiete:
- Agrimony (Odermenning): Für Menschen, die quälende Gedanken und innere Unruhe hinter einer Fassade von Fröhlichkeit verbergen.
- Aspen (Espe, Zitterpappel): Bei unerklärlichen, vagen Ängstlichkeiten und Vorahnungen.
- Beech (Rotbuche): Gegen Kritiksucht, Arroganz und Intoleranz.
- Centaury (Tausendgüldenkraut): Für willensschwache Menschen, die nicht nein sagen können und sich ausnutzen lassen.
- Cerato (Bleiwurz, Hornkraut): Bei mangelndem Vertrauen in die eigene Intuition.
- Cherry Plum (Kirschpflaume): Gegen Angst davor, innerlich loszulassen und vor seelischen Kurzschlusshandlungen.
- Chestnut Bud (Roßkastanienknospe): Wenn man immer wieder die gleichen Fehler macht, weil man seine Erfahrungen nicht verarbeitet.
- Chicory (Wegwarte, Zichorie): Für besitzergreifende Persönlichkeiten, die sich übermäßig einmischen und manipulieren.
- Clematis (Gemeine Waldrebe): Für Tagträumer, die mit den Gedanken immer woanders sind und wenig Aufmerksamkeit für das zeigen, was um sie herum vorgeht.
- Crab Apple (Holzapfel): Wenn man sich innerlich oder äußerlich beschmutzt, unrein oder infiziert fühlt.
- Elm (Ulme): Bei Verzweiflung an den Herausforderungen des Lebens.
- Gentian (Herbst- oder Bitterer Enzian): Bei Entmutigung und Zweifel.
- Gorse (Stechginster): Gegen Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung.
- Heather (Besenheide, Heidekraut): Für Menschen, die immer im Mittelpunkt stehen müssen.
- Holly (Stechpalme, Stecheiche): Gegen Neid, Eifersucht, Schadenfreude und Hass.
- Honeysuckle (Geißblatt): Für Menschen, die in der Vergangenheit leben, da früher "alles besser war".
- Hornbeam (Hainbuche, Hagebuche): Bei geistiger Erschöpfung und dauernder "Montagmorgen-Stimmung".
- Impatiens (drüsentragendes Springkraut): Gegen Ungeduld mit sich und seinen langsameren Mitmenschen.
- Larch (Europäische Lärche): Bei mangelndem Selbstvertrauen.
- Mimulus (Gefleckte Gauklerblume): Für Menschen mit konkreten Ängsten.
- Mustard (Ackersenf): Gegen Traurigkeit und tiefe Schwermut.
- Oak (Eiche): Für den niedergeschlagenen Kämpfer, der getreulich seine Pflicht erfüllt und nicht aufgibt.
- Olive (Ölbaum): Bei extremer Erschöpfung von Körper, Geist und Seele.
- Pine (Kiefer, Föhre): Gegen Schuldgefühle.
- Red Chestnut (Rote Kastanie): Bei übertriebener Sorge um Angehörige und Freunde.
- Rock Rose (Gemeines Sonnenröschen): Gegen extreme Gefühle, innere Panik und Todesfurcht.
- Rock Water (Wasser aus heilkräftigen Quellen): Gegen Perfektionismus und starre Vorsätze.
- Scleranthus (Einjähriger Knäuel): Bei Unschlüssigkeit.
- Star of Bethlehem (Goldiger Milchstern): Bei körperlichen, geistigen oder seelischen Schockerlebnissen.
- Sweet Chestnut (Edelkastanie, Esskastanie): Bei innerer Verzweiflung und Ausweglosigkeit.
- Vervain (Verbene, Eisenkraut): Gegen Fanatismus und festgefahrene Prinzipien.
- Vine (Weinrebe): Für den autoritären Menschen, der stur seinen Willen durchsetzt.
- Walnut (Walnussbaum): Gegen Verunsicherung, Beeinflussbarkeit und Wankelmut.
- Water Violet (Sumpfwasserfeder): Gegen Stolz und Überheblichkeit.
- White Chestnut (Weißblühende Rosskastanie): Wenn man nicht abschalten kann und innere Dialoge führt.
- Wild Oat (Waldtrespe, Wildhafer): Wenn man seine Lebensaufgabe nicht findet.
- Wild Rose (Hagrose, Heckenrose): Gegen Verlust der Lebensfreude und Resignation.
- Willow (Dotterweide, Gelbe Weide): Gegen Einsamkeit und Verbitterung.
Anwendung der Notfalltropfen
Notfalltropfen sollten tropfenweise unter die Zunge oder in etwas Flüssigkeit eingenommen werden. Auch bei Tieren können sie in Stresssituationen helfen.
Notfalltropfen für Tiere
Grundsätzlich sind Rescue Tropfen oder Bachblüten Globuli für Hunde immer dann einsetzbar, wenn Stress, Angst oder Panik befürchtet werden. Jeder Hund reagiert anders auf stressige Situationen. Während der eine gelassen bleibt, vergehen andere vor Angst - sei es bei einem Gewitter, einer lauten Baustelle oder beim Tierarztbesuch. Auch das Autofahren kann bei manchen Hunden Panik auslösen, oft aufgrund negativer Erfahrungen wie Umzüge oder Tierarztbesuche. Bachblüten, in Form von Rescue Tropfen oder Globuli, können hier eine beruhigende Wirkung entfalten. Besonders bei traumatisierten Tieren, die etwa aus dem Tierheim kommen oder den Besitzer gewechselt haben, können sie helfen, Vertrauen zu fassen und sich in der neuen Umgebung besser zurechtzufinden.
Ob Sie sich für Bachblüten Rescue Tropfen oder Globuli entscheiden, bleibt Ihnen überlassen, da beide Varianten den gleichen Effekt haben. Für Hunde gibt es speziell entwickelte, alkoholfreie Produkte, um schädliche Substanzen zu vermeiden.
Die Verabreichung der Rescue Tropfen oder Globuli sollte stressfrei erfolgen. Manche Hunde lassen sich die Tropfen einfach auf die Zunge tropfen, während andere es bevorzugen, wenn die Bachblüten auf ein Leckerli geträufelt werden. Wichtig ist, dass Sie Ihrem Hund die Bachblüten rechtzeitig geben - warten Sie nicht, bis er vor lauter Panik nichts mehr fressen mag. Sollten Sie den Zeitpunkt dennoch verpassen, können Sie die Tropfen auf die Schnauze reiben.
Lesen Sie auch: Was sind schwache Nerven?
Nicht jede stressige Situation kann vorhergesehen werden - etwa ein Biss eines fremden Hundes im Park. Nach der Notversorgung können Rescue Tropfen oder Globuli Ihrem Hund helfen, den Schock zu überwinden. Egal ob in Tropfen- oder Globuli-Form - Bachblüten wie die Rescue Tropfen sind ein bewährtes Mittel, um Hunden in Stresssituationen zu helfen.
Einzelblüten für Tiere
Auch die Einzelblüten können bei Tieren eingesetzt werden, um spezifische Verhaltensweisen zu beeinflussen:
- Agrimony: Katzen können in einen negativen Agrimony-Zustand geraten, wenn plötzlich ihre Harmonie oder ihr Ruhebedürfnis durcheinander gerät.
- Aspen: Schreckhafte Katzen und Sensibelchen können in einen negativen Aspen-Zustand geraten.
- Beech: Eine Beech-Katze neigt zu Angriffslust und ist unduldsam.
- Centaury: Centaury ist eine typische Blüte für Mehrkatzenhaushalte, nämlich für das Fellchen, das sich immer vom Futternapf abdrängen lässt.
- Cerato: Sinn macht es allemal, diese Blüte unterstützend Kitten zu geben, die zu früh von ihrer Mutter getrennt wurden.
- Cherry Plum: Man gibt sie dann einzeln, wenn das Tier zu unerklärlicher Aggressivität oder zu starker Gemütsschwankung neigt.
- Chestnut Bud: Es gibt nur sehr wenige Katzen, die diese Blüte wirklich brauchen.
- Chicory: Typischerweise gibt man Chicory solchen Katzen, die ständig im Mittelpunkt stehen wollen, die um Aufmerksamkeit buhlen oder schnell beleidigt sind.
- Clematis: Die Essenz ist Bestandteil von Rescue und wird eher in Kombination eingesetzt.
- Crab Apple: Bei übertriebenem Putzverhalten bis hin zum Wundlecken muss natürlich eine Krankheit oder Parasitenbefall ausgeschlossen werden, bevor man mit Crab Apple therapieren will.
- Elm: Am ehesten brauchen säugende Kätzinnen diese Blüte, nämlich dann, wenn die Kitten ihrer Mama mehr abverlangen, als sie eigentlich geben kann.
- Gentian: Da Katzen ein sehr ausgeprägtes Gedächtnis haben, erinnern sie sich noch lang an ein negatives Erlebnis.
- Gorse: Um als Katze in einen negativen Gorse-Zustand zu geraten, muss sie schon viel Leid in ihrem Leben erfahren haben.
- Heather: Ein Fellchen im negativen Heather-Zustand wirkt auf seinen Mensch mitunter lästig, denn es wird zum kleinen Terroristen.
- Holly: Die Blüte wird vor allem in Mehrkatzenhaushalten gebraucht, wenn eine Katze ihre Artgenossen mit Eifersuchtsszenen attackiert.
- Honeysuckle: Sie hilft Katzen, die einen Umzug oder den Verlust eines Menschen/einer Kumpelkatze nicht gut verkraftet haben und offensichtlich trauern.
- Hornbeam: Am ehesten brauchen Katzen diese Essenz, wenn sie nach überstandener Krankheit nicht zu ihrem gewohnten Rhythmus zurückfinden und unmotiviert oder antriebslos wirken.
- Impatiens: Beispielsweise sind Katzen aus dem Tierheim oft hektisch, können nicht gut entspannen und schlingen ihr Futter so gierig, dass sie danach erbrechen.
- Larch: Die typische Larch-Katze hat vierpfotige Mitbewohner und ist immer die rangniedrigste im Rudel.
Persönliche Erfahrungen und alternative Ansätze
Die persönlichen Erfahrungen zeigen, dass die Wirksamkeit der Bach-Blütentherapie sanft ist und etwas länger dauert als bei chemischen Produkten. Es ist wichtig, den psychosomatischen Anteil der Erkrankung zu hinterfragen und die Gesamt-Lebensumstände zu beachten.
Neben der Bach-Blütentherapie gibt es auch andere alternative Ansätze, wie die Schüssler Salze, die auf der Biochemie des Körpers basieren und ebenfalls eine Wirkung auf die Seele haben können.
Weitere Strategien zur Stressbewältigung
Neben Bach-Blüten und Schüssler Salzen gibt es weitere Strategien, die in Stresssituationen helfen können:
Lesen Sie auch: Verwendung der Redewendung "Ich bin nix für schwache Nerven"
- Selbstgespräche: In Stresssituationen können Selbstgespräche helfen, die Konzentration zu bewahren.
- Süßigkeiten: Der Konsum von Süßigkeiten kann kurzfristig Stress reduzieren.
- Biographien: Das Lesen von Biographien kann motivieren und zeigen, wie andere Menschen schwierige Situationen gemeistert haben.
- Wette gegen sich selbst: Eine Wette gegen sich selbst kann den Ehrgeiz wecken und helfen, nicht aufzugeben.
tags: #notfalltropfen #fur #schwache #nerven