Der Umgang mit älteren Bekannten, die als "nervend" oder "schwierig" empfunden werden, kann eine Herausforderung darstellen. Dies kann verschiedene Ursachen haben, von altersbedingten Veränderungen bis hin zu tieferliegenden psychischen oder physischen Problemen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Leitfaden, um solche Situationen besser zu verstehen und konstruktiv zu bewältigen.
Einführung
Im Laufe des Lebens verändern sich Menschen. Manchmal entwickeln sich Verhaltensweisen, die für das Umfeld schwierig zu handhaben sind. Gerade im Alter können Starrsinn, Rechthaberei oder Aggressivität auftreten. Es ist wichtig zu verstehen, dass diese Verhaltensweisen oft nicht böswillig sind, sondern Ausdruck von Unsicherheit, Überforderung oder auch Folge von Erkrankungen sein können.
Ursachen für schwieriges Verhalten im Alter
Es gibt verschiedene Gründe, warum ältere Menschen schwieriger im Umgang sein können:
- Kognitive Beeinträchtigungen: Demenz, Alzheimer und andere kognitive Erkrankungen können zu Verhaltensänderungen wie Aggressivität, Misstrauen, Verwirrtheit und Gedächtnisverlust führen. Die Betroffenen können sich nicht mehr an Personen oder Erlebnisse erinnern, was zu Ablehnung und Feindseligkeit führen kann.
- Psychische Erkrankungen: Altersdepressionen sind weit verbreitet und können sich durch Antriebslosigkeit, Reizbarkeit, Hoffnungslosigkeit und soziale Isolation äußern.
- Körperliche Beschwerden: Schmerzen, Schlafstörungen, eingeschränkte Mobilität und Sinnesbeeinträchtigungen (z.B. Schwerhörigkeit) können zu Frustration und Reizbarkeit führen.
- Verlust von Autonomie: Der Verlust von Selbstbestimmung und Kontrolle über das eigene Leben kann zu Widerstand und Starrsinn führen.
- Soziale Isolation: Einsamkeit und der Verlust sozialer Kontakte können zu Depressionen und negativen Verhaltensweisen führen.
- Wesenveränderungen: Im Rahmen einer Demenz kann es im Alter zu Wesensveränderungen kommen. Viele Menschen mit einer Demenzerkrankung zeigen schwere Verhaltensauffälligkeiten, wie zum Beispiel Aggressionen in Worten und Taten, plötzliche Stimmungswechsel, Misstrauen gegenüber den Familienangehörigen oder unruhiges Umherlaufen in der Nacht. Solche Änderungen im Sozialverhalten sind oft Zeichen einer beginnenden Demenz.
- Reaktion auf die Situation: Teils sind die Verhaltensweisen auch eine Reaktion der Betroffenen auf ihre Situation und gehen auf Gefühle zurück wie Verunsicherung, Überforderung, Angst, Hilflosigkeit, Enttäuschung, Frustration, Schuldgefühle oder Selbstzweifel.
Strategien für den Umgang mit schwierigen älteren Bekannten
1. Empathie und Verständnis
Der Schlüssel zum Umgang mit schwierigen älteren Bekannten liegt in Empathie und Verständnis. Versuchen Sie, sich in die Lage der betroffenen Person zu versetzen. Fragen Sie sich:
- Was würde ich tun, wenn ich Durst hätte und das nicht ausdrücken könnte?
- Wie würde ich mich fühlen, wenn ich Hilfe beim Essen, Waschen oder Anziehen bräuchte?
- Was würde mich freuen, wenn ich Unterhaltungen mit mehreren Menschen nicht mehr gut folgen könnte?
Ein Perspektivwechsel kann helfen, das Verhalten des Gegenübers besser zu verstehen und Mitgefühl zu entwickeln.
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2. Kommunikation
Eine achtsame und bewusste Kommunikation ist entscheidend.
- Aktives Zuhören: Schenken Sie der Person Ihre volle Aufmerksamkeit und hören Sie aufmerksam zu, was sie zu sagen hat.
- Einfache Sprache: Verwenden Sie einfache, kurze Sätze und vermeiden Sie Fachjargon.
- Geduld: Lassen Sie der Person Zeit, um zu antworten, und unterbrechen Sie sie nicht.
- Positive Verstärkung: Loben Sie positives Verhalten und vermeiden Sie Kritik.
- Vermeiden Sie Diskussionen: Versuchen Sie nicht, die Person mit logischen Argumenten zu überzeugen, wenn sie sich in einer irrationalen Stimmung befindet. Lenken Sie stattdessen ab oder geben Sie ihr Recht.
- Gespräche suchen: Es kann in manchen Fällen schon ausreichend sein, das Gespräch zu suchen und Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. Dabei ist es wichtig zu versuchen, das Gefühl von Bevormundung zu vermeiden.
- Vermittler einschalten: Wenn die Kommunikation allein nicht mehr ausreicht, kann es sinnvoll sein eine:n Vermittler:in einzsuchalten. Eine außenstehende Person kann die Lage oft ohne Emotionen betrachten und eine aufgeheizte Situation entschärfen.
3. Umgang mit spezifischen Verhaltensweisen
- Aggressivität: Bleiben Sie ruhig und gelassen. Versuchen Sie, die Ursache für die Aggression zu finden und zu beseitigen. Lenken Sie die Person ab oder verlassen Sie kurz den Raum. Achten Sie auf Ihre eigene Sicherheit.
- Misstrauen: Versichern Sie der Person, dass Sie ihr nichts Böses wollen. Vermeiden Sie es, sich zu rechtfertigen oder zu argumentieren.
- Wiederholungen: Antworten Sie geduldig und wiederholen Sie Ihre Antwort bei Bedarf. Versuchen Sie, die Ursache für die Wiederholung zu finden (z.B. Angst, Unsicherheit) und darauf einzugehen.
- Vergesslichkeit: Erinnern Sie die Person freundlich an vergessene Informationen. Vermeiden Sie es, sie auf ihre Fehler hinzuweisen.
- Halluzinationen und Wahnvorstellungen: Versuchen Sie nicht, die Person von der Realität zu überzeugen. Gehen Sie auf ihre Gefühle ein und bieten Sie ihr Sicherheit.
- Rastlosigkeit und Unruhe: Bieten Sie der Person Möglichkeiten zur Bewegung und Beschäftigung. Schaffen Sie eine sichere Umgebung, in der sie sich frei bewegen kann.
- Umgang mit Besserwisserei: Wenn du wie Buddha reagieren (bzw. nicht reagieren) möchtest: Wann diese Strategie Sinn macht: bei lapidarer Rechthaberei, die dich nicht weiter persönlich trifft. Wer groß ist, braucht sich nicht mit Kleinkram herumzuärgern. Größe zu zeigen, das bedeutet für mich, die Gelassenheit zu haben, dass man nicht um jeden Preis aus einer Diskussion als Sieger herausgehen will.
4. Schaffung einer unterstützenden Umgebung
- Routine und Struktur: Schaffen Sie einen festen Tagesablauf mit regelmäßigen Mahlzeiten, Schlafzeiten und Aktivitäten.
- Vertraute Umgebung: Gestalten Sie die Wohnumgebung übersichtlich und vertraut. Vermeiden Sie unnötige Veränderungen.
- Sicherheit: Sorgen Sie für eine sichere Umgebung, in der die Person sich frei bewegen kann, ohne sich zu verletzen.
- Soziale Kontakte: Fördern Sie soziale Kontakte und Aktivitäten, die der Person Freude bereiten.
- Unterstützung: Bieten Sie Unterstützung bei alltäglichen Aufgaben, ohne die Person zu bevormunden.
5. Umgang mit Ekelgefühlen
- Sich Ekelgefühle eingestehen: Erste Lektion für Pflegeanfänger: sich seine Ekelgefühle eingestehen.
- Gut planen: Bereiten Sie alle notwendigen Utensilien vor.
- Dazu stehen: Sagen Sie sich, dass es okay ist, Ekel zu empfinden.
- Sich gezielt ablenken: Nehmen Sie eklige Situationen mit Humor oder konzentrieren Sie sich auf den technischen Vorgang. Das lenkt ab.
- Sich schützen: Erlauben Sie sich, sich kurz umzudrehen oder am offenen Fenster Luft zu schnappen.
6. Selbstfürsorge
Der Umgang mit schwierigen älteren Bekannten kann sehr belastend sein. Es ist wichtig, auf die eigene Gesundheit und das eigene Wohlbefinden zu achten.
- Pausen: Nehmen Sie sich regelmäßig Pausen und gönnen Sie sich Zeit für sich selbst.
- Unterstützung: Suchen Sie Unterstützung bei Familie, Freunden oder professionellen Helfern.
- Gespräche: Sprechen Sie mit anderen über Ihre Erfahrungen und Gefühle.
- Entspannung: Praktizieren Sie Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder Atemübungen.
- Bewegung: Machen Sie regelmäßig Sport oder gehen Sie spazieren.
- Hobbys: Pflegen Sie Ihre Hobbys und Interessen.
- Professionelle Hilfe: Holen Sie sich professionelle Hilfe, wenn Sie sich überfordert fühlen.
7. Professionelle Hilfe und Unterstützung
Es gibt zahlreiche professionelle Hilfsangebote für ältere Menschen und ihre Angehörigen:
- Hausarzt: Der Hausarzt kann eine erste Anlaufstelle sein und bei der Diagnose von Erkrankungen und der Vermittlung von Hilfsangeboten helfen.
- Pflegedienste: Ambulante Pflegedienste können bei der Körperpflege, der Medikamentengabe und anderen Aufgaben unterstützen.
- Tagespflege: Die Tagespflege bietet älteren Menschen die Möglichkeit, tagsüber in einer Gruppe betreut zu werden.
- Kurzzeitpflege: Die Kurzzeitpflege bietet eine vorübergehende Betreuung, z.B. nach einem Krankenhausaufenthalt oder im Urlaub der pflegenden Angehörigen.
- Pflegeheime: Pflegeheime bieten eine umfassende Betreuung und Pflege für ältere Menschen, die nicht mehr zu Hause leben können.
- Beratungsstellen: Es gibt zahlreiche Beratungsstellen, die ältere Menschen und ihre Angehörigen zu allen Fragen rund um das Thema Alter und Pflege beraten.
- Selbsthilfegruppen: Selbsthilfegruppen bieten die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen und gegenseitig zu unterstützen.
- Psychotherapeuten: Bei psychischen Problemen kann eine Psychotherapie helfen.
- Neurologen: Wenn die bisher erwähnten vorbeugenden Maßnahmen nicht dabei helfen, gewalttätige Situationen zu vermeiden, kann ein Besuch beim Neurologen helfen.
Umgang mit Schuldgefühlen
Viele Angehörige, die einen älteren Menschen pflegen, haben mit Schuldgefühlen zu kämpfen. Sie fühlen sich schuldig, wenn sie überfordert sind, wenn sie die Person nicht mehr zu Hause pflegen können oder wenn sie professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Es ist wichtig zu verstehen, dass diese Gefühle normal sind. Niemand kann alles alleine schaffen. Es ist ein Zeichen von Stärke, sich Hilfe zu suchen.
Das Heimweh und die Feier im Heimatort
Ein spezifisches Problem, das in dem zur Verfügung gestellten Text angesprochen wird, ist die Angst vor einer Feier im Heimatort. Die Person hat schlechte Erinnerungen an ihren Heimatort und befürchtet, dass alte Bekannte sie beleidigen oder verletzen werden. Hier sind einige Tipps, wie man mit dieser Situation umgehen kann:
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- Gespräch mit dem Partner: Sprechen Sie mit Ihrem Mann über Ihre Ängste und Sorgen. Erklären Sie ihm, wie sehr Sie die Situation belastet. Bitten Sie ihn um Unterstützung und Rückendeckung.
- Realistische Erwartungen: Versuchen Sie, realistische Erwartungen an die Feier zu haben. Gehen Sie davon aus, dass es möglicherweise zu unangenehmen Begegnungen kommen wird.
- Vorbereitung: Bereiten Sie sich mental auf die Feier vor. Überlegen Sie sich Strategien, wie Sie auf mögliche Beleidigungen oder Verletzungen reagieren können.
- Selbstbewusstsein: Stärken Sie Ihr Selbstbewusstsein. Erinnern Sie sich an Ihre Stärken und Erfolge.
- Kleidung: Kaufen Sie sich schöne Kleidung, in der Sie sich wohlfühlen.
- Begleitung: Bleiben Sie während der Feier möglichst in der Nähe Ihres Mannes oder anderer vertrauter Personen.
- Grenzen setzen: Setzen Sie klare Grenzen. Lassen Sie sich nicht beleidigen oder verletzen. Gehen Sie, wenn es Ihnen zu viel wird.
- Alternative: Wenn die Angst zu groß ist, überlegen Sie sich, ob Sie die Feier überhaupt besuchen müssen. Es ist in Ordnung, abzusagen, wenn Sie sich nicht wohlfühlen.
- Chance geben: Gib ihnen die Chance das wieder gut zu machen, was sie falsch gemacht haben. Nicht immer bleiben wir das, was wir in der Vergangenheit waren.
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