Technische Geräte sind heutzutage ein selbstverständlicher Bestandteil unseres Alltags. Digitale Helfer wie Navigationssysteme oder sensorgesteuerte Beleuchtung gehören ebenso dazu. Richtig eingesetzt können sie auch Menschen mit Demenz dabei helfen, länger selbstbestimmt zu leben und gleichzeitig die dafür notwendige Sicherheit erhöhen.
Herausforderungen im Alltag mit Demenz
Häufige Symptome einer Demenzerkrankung sind die Störung des Kurzzeitgedächtnisses oder der Merkfähigkeit. Eine Demenzerkrankung geht zumeist auch mit Orientierungsstörungen einher. Diese können dazu führen, dass der Weg nach Hause nicht mehr jederzeit gefunden wird. Menschen mit Demenz können Schwierigkeiten haben, Festnetztelefone oder Handys zu bedienen. Gründe für diese Schwierigkeiten sind zu kleine Bedientasten, ein unübersichtliches Menü sowie eine Vielzahl von Funktionen.
Technische Hilfen im Überblick
Technische und digitale Hilfen können an vielen Stellen zum Einsatz kommen. Sie können den Alltag sicherer machen und Angehörige entlasten. Es ist jedoch wichtig, immer wieder zu überprüfen, welche Auswirkungen der Einsatz dieser Hilfen auf die betroffenen Menschen mit Demenz hat. Bleibt die Würde der Betroffenen erhalten? Hilft der Einsatz der Technik bei der Bewahrung der Autonomie der betroffenen oder schränkt er Freiheiten ein? Unterstützt die Technik bei wichtigen Alltagsverrichtungen oder bei der Kommunikation mit anderen? Oder verstärkt sie womöglich vorhandene Unsicherheit und Desorientiertheit? Eines darf dabei allerdings nicht vergessen werden: So wie Menschen mit Demenz ein Recht auf Autonomie haben, haben auch diejenigen, die sie begleiten und betreuen, ein Recht auf Freiräume und Erleichterungen. Technische Hilfen können Pflegende körperlich wie auch seelisch entlasten. Sie mindern den Druck, immer und überall präsent und hellwach sein zu müssen.
Tageskalender und Uhren
- Große Kalender: Kalender, auf denen der jeweilige Tag deutlich markiert werden kann und die Platz für die Eintragung wichtiger Termine bieten, unterstützen bei der zeitlichen Orientierung.
- Digitale Kalender (mit großen Ziffern) und Uhren: Digitale Kalender zeigen immer das richtige Datum an und können in der Regel nicht selbstständig verstellt werden. Allerdings können dort meist keine Termine notiert werden. Nicht immer werden solche Geräte als Kalender erkannt. Bei der Nutzung von digitalen Uhren sollten Sie darauf achten, ob der oder die Erkrankte eine analoge oder eine digitale Zeitanzeige besser ablesen kann.
- Apps: Inzwischen gibt es verschiedene, teils kostenpflichtige Apps, die vor allem für die Verwendung auf einem Tablet geeignet sind. Sie bieten ebenfalls die Darstellung von Kalender und Uhrzeit, ergänzt durch Angaben zu Jahres- oder Tageszeit.
- Sprechende Uhren: Auf Knopfdruck erfolgt die Ansage der Uhrzeit, teilweise auch von Datum und Wochentag. Wichtig ist es darauf zu achten, dass auf der Uhr deutlich zwischen Tag und Nacht unterschieden wird, um den Tag-/Nacht-Rhythmus zu unterstützen.
Kommunikation und Orientierung
- Telefone mit großen Tasten: Telefone mit großen Tasten schaffen hier Abhilfe. Wichtige Rufnummern werden als Kurzwahlnummern eingespeichert. Beim Betätigen einer Taste wird die hinterlegte Nummer angewählt. Bei einigen Telefonmodellen können die Tasten zusätzlich mit Bildern versehen werden. Die Bilder zeigen dann die Person, deren Nummer eingespeichert ist.
- Seniorenhandys: Sogenannte Seniorenhandys verfügen in der Regel nur über die zum Telefonieren wichtigen Funktionen. Es gibt Telefone, die nur über drei oder sogar nur über eine Taste verfügen. Auf diese Tasten können feste Nummern programmiert werden. Über diese Nummern sollte im Notfall immer jemand erreichbar sein.
- Personenortungssysteme: Systeme zur Personenortung bedienen sich in der Regel der Möglichkeit einer satellitengestützten Positionsbestimmung ähnlich wie Navigationsgeräte. Sie können helfen Menschen mit Demenz, die alleine unterwegs sind und den Weg nach Hause nicht mehr wissen, in möglichst kurzer Zeit zu finden. Notwendig ist es in jeden Fall, dass die oder der Erkrankte einen Sender bei sich trägt. Dieser kann in ein Handy integriert sein, als Armband, ähnlich wie eine Uhr, oder am Gürtel getragen werden. Teilweise ist ein Notrufknopf integriert, über den die betreffende Person selbst Hilfe rufen kann, soweit sie dazu in der Lage ist. Auch Geräte mit Freisprecheinrichtung gibt es, über die die Helfenden direkt in Kontakt mit den Vermissten treten können. Die Ortung kann über eine Notrufzentrale erfolgen, in den meisten Fällen können aber Angehörige selbst den Sender über den privaten PC oder ein Smartphone überwachen und orten. Außerdem wird häufig die Möglichkeit angeboten, bestimmte „Sicherheitsgebiete“ festzulegen, bei deren Verlassen ein Alarm ausgelöst wird. Bei der Auswahl eines Personenortungssystems ist besonders die Genauigkeit der Standortbestimmung zu beachten, die erreicht werden kann.
- Hausnotruf: Hausnotrufgeräte bestehen aus einem Basisgerät und einem Funksender, der als Armband, Kette oder Clip getragen wird. Durch Drücken eines Knopfes am Sender wird ein Notruf ausgelöst. Der Notruf geht je nach Voreinstellung bei einer Notrufzentrale oder bei Angehörigen bzw. dem Pflegedienst ein. Viele Wohlfahrtsverbände bieten den Hausnotruf mit Notrufzentrale an. Das Hausnotrufgerät kann dort gemietet werden. Auch die Hinterlegung eines Schlüssels ist möglich, damit die Helfenden im Notfall problemlos in die Wohnung gelangen können. Bei Vorliegen einer Pflegestufe übernimmt die Pflegekasse einen Teil der monatlichen Mietkosten. Wer keine Service-Zentrale benötigt, kann das Hausnotrufgerät auch kaufen und auf die entsprechenden Nummern von Angehörigen programmieren. Bei einigen Hausnotrufsystemen wird der Anschluss eines Sturz- oder Falldetektors angeboten, der bei Stürzen selbstständig Alarm auslöst.
Sicherheit im Haushalt
- Herd- und Herdsicherungen: Herdsicherungen schalten einen Elektroherd entweder nach einer voreingestellten Zeit oder bei Überhitzung der Kochfelder automatisch ab. Moderne Herde verfügen häufig schon über eingebaute Herdsicherungssysteme. Sollten Sie sich einen neuen Herd kaufen wollen, achten Sie darauf, dass der Herd über eine solche Abschaltautomatik verfügt. Für Gasherde ist bisher kein geeignetes Sicherungssystem bekannt. Im Zweifelsfall sollte ein Gasherd daher abgeklemmt bzw. durch einen Elektroherd ersetzt werden.
- Rauchmelder: Rauchmelder in der Wohnung ermöglichen einen rechtzeitigen Alarm, sollte es doch einmal zu einer Rauch- oder Brandentwicklung kommen. Gerade bei allein lebenden Personen kann es sich anbieten, diese Rauchmelder mit einem Hausnotrufsystem zu koppeln. Allerdings können Demenzerkrankte in der Regel nicht adäquat auf den Alarm reagieren. Es muss also sichergestellt sein, dass jemand im Haus über einen Schlüssel für die Wohnung verfügt und bei einem Alarm reagieren kann.
- Automatische Abschaltautomatik: Es gibt viele moderne Haushaltsgeräte, die über eine Abschaltautomatik verfügen. Wird zum Beispiel ein Bügeleisen längere Zeit nicht bewegt, schaltet es sich automatisch ab. Achten Sie auf eine solche integrierte Abschaltautomatik, wenn Sie sich ein neues Gerät kaufen wollen.
- Sturzprävention: Demenzerkrankte wissen es häufig nicht mehr, wenn sie zum Beispiel Hilfe beim Aufstehen aus dem Bett benötigen, und können sich beim selbstständigen Aufstehen verletzen. Hier kann eine einfache vor dem Bett platzierte Matratze helfen, einen Sturz abzufangen und Verletzungen zu vermeiden. Wenn Menschen mit Demenz gangunsicher sind oder zu Stürzen neigen, sind Slips mit eingearbeiteten Hüftprotektoren empfehlenswert. Sie helfen dabei Hüft- und Oberschenkelhals-Frakturen zu vermeiden. Da die Hüftprotektoren nicht in das Hilfsmittelverzeichnis der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) aufgenommen sind, sind die Krankenkassen jedoch nicht zur Kostenübernahme verpflichtet. Handläufe und Haltegriffe bieten besseren Halt als Wände und Stuhllehnen und können so zur Vermeidung von Stürzen beitragen. Lose Teppiche oder Kabel erhöhen das Sturzrisiko und sollten entfernt bzw. fixiert werden (Kabel evtl. in Kabelschienen verlegen). Schwellen und Stufen in der Wohnung sollten ebenfalls beseitigt werden.
- Vermeidung von Verbrühungen: Mischbatterie mit Temperaturbegrenzer einbauen.
- Unterbrechung der Wasserzufuhr: Möglich ist zum einen die Montage eines Wasserflussreglers am Wasserhahn (es wird ein Stab in den Wasserhahn eingesetzt, der nur Wasser frei gibt, solange dagegen gedrückt wird).
- Schlösser: Insbesondere in die Eingangstür sollte ein Universalschloss eingebaut werden, damit die Tür auch dann von außen geöffnet werden kann, wenn der Schlüssel innen steckt. Auch an der Badezimmertür sollte, wenn diese verschließbar sein soll, ein von außen zu öffnendes Schloss eingebaut werden.
- Badezimmer: Häufig stellt das Benutzen der Badewanne im Laufe der Zeit ein Problem dar, und auch der Einstieg in das Duschbecken kann schwierig werden. Sinnvoll ist es deshalb frühzeitig zu überlegen, ob die Möglichkeit zum Einbau einer ebenerdigen Dusche besteht, wenn der oder die Erkranke sich duschen lässt. Es gibt auch Badewannen und Sitzbadewannen mit Tür zum leichteren Einstieg.
- Kaffeemaschine: Kaffeemaschine mit Zeitschaltuhr versehen, Maschine mit Thermoskanne verwenden.
- Bügeleisen: Es gibt Modelle, die sich automatisch abschalten, wenn sie nicht bewegt werden.
- Nachtlichter: Nachtlichter können in der Toilette oder auch in anderen Zimmern, die in der Nacht oft aufgesucht werden, angebracht werden. Eventuell mit Bewegungsmelder versehene Nachtlichter verwenden oder mit Leuchtdioden versehene Lichtschläuche entlang der wichtigsten Wege legen.
- Tabletten: Medikamente können in spezielle Tablettenspender vorsortiert werden, die zu voreingestellten Zeiten an die Tabletteneinnahme erinnern.
- Nicht benutzte Steckdosen: Diese sollten abgedeckt oder mit einer „Kindersicherung“ versehen werden.
- Fenster: In den oberen Stockwerken können Fenster mit Sicherungen versehen werden, damit sie nur noch ein kleines Stück geöffnet werden können.
- Türen: Verdeckt man Türen mit Hilfe von schweren Vorhängen, kann ihnen der Aufforderungscharakter genommen werden.
- Zweck dieser Systeme: ist es, einen Alarm auszulösen, wenn Demenzkranke den sicheren Bereich der Wohnung, des Hauses oder des Gartens verlassen. Dazu werden entweder Infrarotsperren eingerichtet, bei deren Unterbrechung ein Alarm ausgelöst wird, oder die betreffene Person trägt einen Funksender der zum Beispiel bei Verlassen eines bestimmten Bereichs ein Signal abgibt. Auch der Chip im Schuh, der einen Alarm beim Überschreiten der Fußmatte auslöst, ist eine mögliche Variante. In jedem Fall sollte der Alarm möglichst diskret sein, damit er die Kranken nicht erschreckt.
Sprachassistenzsysteme
Sprachassistenzsysteme sind in unserem Alltag mittlerweile fast allgegenwärtig. Sie sind integriert in unseren Smartphones, im Auto, in sogenannten „schlauen Lautsprechern“ (Smart-Speakern) oder „smarten Displays“ (schlauen Bildschirmen). Ob Alexa von Amazon, Google Assistant oder Siri von Apple, sie folgen alle dem gleichen Bedienmuster: Sie hören auf ein Aktivierungswort, wie „Alexa“ oder „Okay Google“, und nehmen daraufhin die gesprochene Anfrage entgegen - beispielsweise: „Wie wird das Wetter heute?“. Dazu holen sie sich Informationen über das Internet und geben die Antwort als gesprochene Sprache aus: „In Berlin beträgt die Temperatur aktuell 18 Grad Celsius. Es ist leicht bewölkt. Heute Nachmittag soll es regnen.“
Sprachassistenzsysteme haben vielfältige Anwendungsmöglichkeiten:
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- Sie können auf digitale Kalender oder Aufgabenlisten zugreifen. Dabei können Termineinträge oder Einkaufslisten sogar gemeinsam durch den Menschen mit Demenz und seine Angehörigen verwaltet werden. Es kann hilfreich sein, an anstehende Treffen oder die Medikamenteneinnahmen zu erinnern.
- Sprachassistenzsysteme können Wissen abrufen sowie Musik oder Radioprogramme abspielen.
- Ebenso können Angehörige Text-, Sprach- oder Videonachrichten direkt an das System schicken, welches es dem Menschen mit Demenz (automatisch) abspielt. Ferner vereinfachen solche Systeme auch die Videotelefonie und damit das Kontakt-Halten über Distanz.
- Auch sogenannte Smart-Home-Geräte werden von immer mehr Menschen genutzt: Gemeint sind beispielsweise steuerbare Lampen, spezielle Rauchmelder oder Wassersensoren, Heizkörperthermostate oder (fern)steuerbare Türschlösser, die mit einem Sprachassistenzsystem auf dem Smart-Speaker oder Smart-Display verbunden werden können. So kann etwa das Licht per Sprachbefehl an- und ausgeschaltet werden; oder es kann so eingestellt werden, dass es sich abhängig von der Tageszeit automatisch ein- oder ausschaltet. Eine weitere Möglichkeit ist, das Licht mit einem Bewegungsmelder im Raum zu kombinieren. Wenn vergessen wurde, die Lampen auszuschalten, lässt sich dies ebenfalls aus der Ferne steuern. Durch smarte Rauch-, CO2- oder Wassermelder werden nicht nur Menschen mit Demenz in ihrem Zuhause gewarnt, sondern auch die Angehörigen erhalten den Hinweis auf ihr Smartphone und können reagieren.
So können Sprachassistenzsysteme die Selbstständigkeit von Menschen mit Demenz unterstützen, ihre Teilhabemöglichkeiten erhöhen und zur Unterhaltung beitragen - und damit Erkrankten ebenso wie pflegenden Angehörigen ein größeres Sicherheitsgefühl geben.
Kritische Betrachtung
Zu bedenken ist aber, dass nicht alles, was möglich ist, auch wünschenswert, notwendig oder hilfreich ist: Es ist wichtig, die genauen Bedarfe und Wünsche der Beteiligten vorab abzufragen. Der mögliche Nutzen (mehr Selbstständigkeit, bessere Teilhabe, größere Sicherheit etc.) sollte abgewogen werden gegen die Risiken oder Nachteile (Fragen der Datensicherheit und des Datenschutzes, ethische Überlegungen zu einer möglichen Rundum-Überwachung durch solche Systeme und möglicherweise Gefährdung von Selbstständigkeit und Teilhabe).
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